Die Wirtschaftsschule in Bayern

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Guter Start für die Karriere

Zu den Besonderheiten des bayerischen Schulwesens zählt eine Schulart, die seit Generationen kaufmännische Nachwuchskräfte ausbildet: die Wirtschaftsschule. Sie ist eine berufsvorbereitende Schule, die eine allgemeine Bildung und eine berufliche Grundbildung im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung vermittelt. Rund 17.000 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit eine Wirtschaftsschule. Sie zählt gemäß Art. 14 des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen zu den beruflichen Schulen (Berufsfachschule). Die Wirtschaftsschule führt zum bundesweit anerkannten mittleren Schulabschluss.

Bayerns Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo hat die Einführung einer 6. Jahrgangsstufe an der Wirtschaftsschule als Regelangebot zum Schuljahr 2020/2021 beschlossen. Mit der Entscheidung, die Wirtschaftsschule auszubauen, ist das Ziel verbunden, die berufliche Bildung und im Besonderen die Wirtschaftsschule weiter zu stärken.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Wirtschaftsschule

Was bietet die bayerische Wirtschaftsschule?

Die Wirtschaftsschule vermittelt ihren Schülerinnen und Schülern neben einer allgemeinen Bildung eine vertiefte kaufmännische Grundbildung und bereitet auf eine entsprechende berufliche Tätigkeit vor. Neben der theoretischen Bildung ist in einem besonderen Umfang auch die praktische Anwendung des Gelernten Ziel des Unterrichts. In einzigartigen schuleigenen Übungsunternehmen vollziehen die Schülerinnen und Schüler möglichst praxisnah die Tätigkeiten kaufmännischer Sachbearbeitung anhand konkreter Geschäftsfälle nach, die das Lernen steuern. Dies ermöglicht nicht nur einen Einblick in die Bedingungen und Denkweisen der modernen Arbeitswelt, sondern vermittelt auch Schlüsselqualifikationen wie vernetztes Denken, fördert ganzheitliches und verantwortliches Handeln sowie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit.

Den Lehrplänen an der Wirtschaftsschule liegt das schulartübergreifende Konzept „LehrplanPLUS“ zugrunde. Hinter den neuen Lehrplänen steht die pädagogische Leitidee der selbstständigen, verantwortungsbewussten und situationsgerechten Anwendung erworbenen Wissens in verschiedenen Handlungsfeldern. Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Lehrplaninhalte erleichtern den Zugang zu technischen Berufen in Industrie sowie Handwerk und erhöhen die Chancen für weitere schulische Anschlüsse, z. B. den Besuch der Fachoberschule. Eine verpflichtende Abschlussprüfung im Fach Mathematik ist nicht vorgesehen. Alternativ kann eine Prüfung im Fach Übungsunternehmen abgelegt werden. Dies trägt den unterschiedlichen beruflichen und schulischen Perspektiven der Schülerinnen und Schüler Rechnung.  

Wo bekomme ich Informationen zum Übertritt?

Die Wirtschaftsschulen bieten in der Regel zu Beginn eines jeden Kalenderjahres Informationsveranstaltungen an. Die konkreten Termine werden in der örtlichen Presse bekannt gegeben. Zusätzlich stehen die Kolleginnen und Kollegen der Staatlichen Schulberatung in Bayern als qualifizierte Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung.

Welche Formen von Wirtschaftsschulen gibt es?

Die Wirtschaftsschule wird in drei Formen angeboten:

• vierstufige Wirtschaftsschule (7. - 10. Jgst.)

• dreistufige Wirtschaftsschule (8. - 10. Jgst.)

• zweistufige Wirtschaftsschule (10. - 11. Jgst.)

Im Rahmen des Schulversuchs „Wirtschaftsschule ab Jahrgangsstufe 6“ ist an vierstufigen Wirtschaftsschulen ein Besuch der Jahrgangsstufe 6 als vorbereitende Klasse möglich. Der Schwerpunkt der Stundentafel der 6. Jahrgangsstufe liegt auf den allgemein bildenden Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Jedoch werden wirtschaftliche Inhalte aus dem täglichen Lebensumfeld der Schülerinnen und Schüler als Bestandteile der allgemein bildenden Fächer im Lehrplan berücksichtigt.

An den folgenden Schulstandorten kann die Jahrgangsstufe 6 im Rahmen des Schulversuchs bereits zum Schuljahr 2019/2020 besucht werden:

Oberbayern:
- Staatliche Wirtschaftsschule Freising
- Städtische Wirtschaftsschule Riemerschmid MünchenWirtschaftsschule der
   Privaten Schulen von Dr. Limmer – Prof. Appelt GmbH Ingolstadt
- Private Wirtschaftsschule München-Ost Dipl.-Kfm. Hdl. E. Morawetz, gGmbH

Niederbayern:
- Staatliche Wirtschaftsschule Deggendorf
- Staatliche Wirtschaftsschule Landshut

Oberpfalz:
- Private Schulen Pindl, Wirtschaftsschule Regensburg
- Staatliches Berufliches Schulzentrum Weiden II
- Private Wirtschaftsschule Breitschaft Regensburg

Mittelfranken:
- Staatliche Wirtschaftsschule Dinkelsbühl
- Städtische Wirtschaftsschule am Röthelheimpark Erlangen
- Städtische Wirtschaftsschule Fürth, Hans-Böckler-Schule
- Private Wirtschaftsschule Sabel in Nürnberg
- Staatliche Wirtschaftsschule Gunzenhausen

Oberfranken:
- Staatliche Wirtschaftsschule Hof
- Städtische Wirtschaftsschule Bamberg
- Private Wirtschaftsschule Bayreuth
- Private Wirtschaftsschule Lichtenfels

Unterfranken:
- Private Wirtschaftsschule Krauß Aschaffenburg
- Private Wirtschaftsschule Pelzl Schweinfurt
- Private Wirtschaftsschule Müller Würzburg

Schwaben:
- Staatliche Wirtschaftsschule Memmingen
- Staatliche Wirtschaftsschule Nördlingen
- Städtische Reischlesche Wirtschaftsschule Augsburg
- Wirtschaftsschule des Zweckverbandes Berufliche Schulen Bad Wörishofen
- Städtische Wirtschaftsschule Senden

Bei Fragen rund um den Besuch der Wirtschaftsschule wenden Sie sich bitte an die Ihrem Wohnort nächstgelegene Wirtschaftsschule.

Was sind die Aufnahmebedingungen?

Die Zugangsvoraussetzung für den Bildungsweg der Wirtschaftsschule bringen Schülerinnen und Schüler mit einer Gesamtdurchschnittsnote von mindestens 2,66 aus den Jahresfortgangsnoten in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch im Zwischenzeugnis oder im Jahreszeugnis (alternativ unter Berücksichtigung der Ergebnisse einer Aufnahmeprüfung in die Mittlere-Reife-Klasse der Mittelschule erzielbar) mit.

Die vier- und dreistufige Wirtschaftsschule steht auch Schülerinnen und Schülern der Mittleren-Reife-Klasse der Mittelschule, Realschülern oder Gymnasiasten offen, wenn sie die Vorrückungserlaubnis in die der Eingangsstufe entsprechenden Jahrgangsstufe erhalten haben oder im Jahreszeugnis der der Eingangsstufe vorausgehenden Jahrgangsstufe in Vorrückungsfächern, die auch in der Eingangsstufe der Wirtschaftsschule unterrichtet werden, höchstens einmal die Note 5 oder in den Fächern Deutsch, Englisch (soweit Pflichtfach) und Mathematik mindestens die Note 4 nachweisen.

Schülerinnen und Schüler, die für den Bildungsweg der Wirtschaftsschule nicht geeignet sind, die aber dennoch eine Wirtschaftsschule besuchen möchten, können an einem dreitägigen Probeunterricht in den Fächern Deutsch und Mathematik teilnehmen. Wird dieser Probeunterricht erfolgreich absolviert, steht der Weg zur Aufnahme in eine Wirtschaftsschule offen.

Schüler, die ohne Erfolg am Probeunterricht teilgenommen haben, aber in beiden Fächern die Note 4 erreicht haben, werden in die Wirtschaftsschule aufgenommen, wenn die Erziehungsberechtigten dies beantragen.

Der Eintritt bzw. die Aufnahme in eine höhere Jahrgangsstufe der vier- und dreistufigen Wirtschaftsschule setzt das Bestehen einer Aufnahmeprüfung (kann entfallen, vgl. § 28 4 WSO) und einer Probezeit voraus.

Der Eintritt in die zweistufige Wirtschaftsschule ist möglich für Schülerinnen und Schüler 

  • mit qualifizierendem Abschluss der Mittelschule,
  • mit erfolgreichem Abschluss der Mittelschule und Bestehen einer Probezeit,
  • die mit Erfolg die Jahrgangsstufe 9 der Realschule, der Mittleren-Reife-Klasse der Mittelschule oder des Gymnasiums durchlaufen haben,
  • die die Jahrgangsstufe 9 der Mittleren-Reife-Klasse der Mittelschule, der Realschule oder des Gymnasiums ohne Erfolg absolviert haben, aber im Jahreszeugnis der Jahrgangsstufe 9 in den Fächern Deutsch und Englisch mindestens die Note 4 erzielt haben.
     

Eine unmittelbare Aufnahme in die Jahrgangsstufe 11 der zweistufigen Wirtschaftsschule ist nicht möglich.

Für nähere Informationen zur Aufnahme in die Wirtschaftsschule stehen die Schulleitungen der Wirtschaftsschulen bzw. die Staatlichen Schulberater zur Verfügung.

Welche Fächer werden in den einzelnen Jahrgangsstufen unterrichtet?

Der wirtschaftliche Unterricht weist mit den Profilfächern Betriebswirtschaftliche Steuerung und Kontrolle, Übungsunternehmen, Informationsverarbeitung und Wirtschaftsgeographie ein wesentlich höheres Stundenmaß auf als an vergleichbaren Schularten (siehe Stundentafeln).

In welchen Fächern wird die Praxisorientierung der Wirtschaftsschule deutlich?

Das Pflichtfach „Übungsunternehmen“ bildet den Kern der anwendungsorientierten und praxisnahen kaufmännischen Ausbildung an der Wirtschaftsschule. Neben der Vermittlung praxisnahen Wissens ist dieses Fach in besonderem Maße geeignet, Schülerinnen und Schülern Schlüsselqualifikationen wie Eigeninitiative, Selbstständigkeit sowie Entscheidungs- und Problemlösungsfähigkeit näherzubringen. Das kaufmännische Praxistraining im Übungsunternehmen bereitet die Schülerinnen und Schüler effektiv auf das zukünftige Arbeitsleben vor, fördert das unternehmerische Denken und schult den ganzheitlichen Blick.

Das Übungsunternehmen ist intensiv an den weiteren betriebswirtschaftlichen Unterricht angebunden. Die im Pflichtfach „Betriebswirtschaftliche Steuerung und Kontrolle“ erworbenen Kompetenzen werden im Übungsunternehmen angewendet und vertieft, indem die Schülerinnen und Schüler beispielsweise mit komplexen betrieblichen Entscheidungssituationen konfrontiert werden.

Damit die wirtschaftlichen Sachverhalte (z. B. Finanzbuchhaltung, Kalkulation, Auftragsbearbeitung etc.) möglichst realitätsnah bearbeitet werden können, findet darüber hinaus im Übungsunternehmen eine starke Vernetzung mit den Inhalten aus dem Fach „Informationsverarbeitung“ statt. Dabei kommen bewährte und namhafte Softwarepakete aus der betrieblichen Praxis zum Einsatz.

Was ist eigentlich ein Wirtschaftsschulabschluss?

Wer an einer der bayerischen Wirtschaftsschulen am Ende der Jahrgangsstufe 10 (der vier- oder dreistufigen Wirtschaftsschule) bzw. der Jahrgangsstufe 11 (der zweistufigen Wirtschaftsschule) die Abschlussprüfung besteht, erhält den Wirtschaftsschulabschluss, der ein mittlerer Schulabschluss ist. Mit dem Wirtschaftsschulabschluss verkürzt sich die Ausbildungsdauer in einem kaufmännischen Beruf auf Antrag um bis zu sechs Monate.

Welche weiterführenden Schulen kann ich nach Abschluss der Wirtschaftsschule besuchen?

  • Berufsfachschule
  • Fachschule nach einer Berufsausbildung
  • Fachakademie nach einer Berufsausbildung
  • Fachoberschule
  • Berufsoberschule nach einer Berufsausbildung
  • Kolleg nach einer Berufsausbildung
  • Gymnasium (vgl. die Infos dazu auf den Seiten zum Übertritt)

Interaktives E-Paper: Die bayerische Wirtschaftsschule

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Sowohl für die vier- und dreistufige als auch für die zweistufige Form der Wirtschaftsschule gilt: Neben einer fundierten Allgemeinbildung ist die berufliche Grundbildung ein Kernelement des Bildungsauftrages der bayerischen Wirtschaftsschule, die dieser Schulart ein unverwechselbares Profil verleiht. Als berufliche Schule setzt sie dabei im Unterricht eigene Akzente. So gründet der Erfolg der Wirtschaftsschule auf dem pädagogischen Anspruch, die Schülerinnen und Schüler durch fächerübergreifendes und handlungsorientiertes Lernen auf die Herausforderungen der privaten und beruflichen Lebenswelt optimal vorzubereiten.

LehrplanPLUS Wirtschaftsschule

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Der Lehrplan wurde mit Verfügung vom 20.08.2014 für verbindlich erklärt. 

Er gilt für die:

  • 7. Jahrgangsstufe der vierstufigen Wirtschaftsschule ab dem Schuljahr 2014/2015,
  • 8. Jahrgangsstufe der vier- und dreistufigen Wirtschaftsschule ab dem Schuljahr 2015/2016,
  • 9. Jahrgangsstufe der vier- und dreistufigen bzw. für die 10. Jahrgangsstufe der zweistufigen Wirtschaftsschule ab dem Schuljahr 2016/2017 und
  • 10. Jahrgangsstufe der vier- und dreistufigen bzw. für die 11. Jahrgangsstufe der zweistufigen Wirtschaftsschule ab dem Schuljahr 2017/2018.

Broschüre zur Studien- und Berufsorientierung an bayerischen Schulen

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Ein Klick in die Grafik öffnet das interaktive E-Paper "Berufs- und Studienorientierung an bayerischen Schulen"

Vor der Berufs- und Studienwahl gilt es, die verschiedenen Chancen und Perspektiven in einem sich wandelnden Arbeitsmarkt abzuwägen – vor allem aber, sich seiner individuellen Fähigkeiten und Neigungen bewusst zu werden. Umso wichtiger ist es, gründlich und gut informiert zu sein.

Die Broschüre „Berufs- und Studienorientierung an bayerischen Schulen“ gibt einen Überblick über die verschiedenen Ansätze zur Berufs- und Studienorientierung in den bayerischen Schularten sowie über weiterführende Ansprechpartner.

Die besten Links zur Wirtschaftsschule

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