Die Wirtschaftsschule in Bayern

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Guter Start für die Karriere

Zu den Besonderheiten des bayerischen Schulwesens zählt eine Schulart, die seit Generationen kaufmännische Nachwuchskräfte ausbildet: die Wirtschaftsschule.
Sie ist eine berufsvorbereitende Schule, die eine allgemeine Bildung und eine berufliche Grundbildung im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung vermittelt. Rund 18.500 Schüler besuchen derzeit eine Wirtschaftsschule. Sie zählt gemäß Art. 14 des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen zu den beruflichen Schulen (Berufsfachschule).
Die Wirtschaftsschule umfasst - je nach Art - die Jahrgangsstufen 7 bis 10, 8 bis 10 oder 10 bis 11. Abschluss: Mittlerer Schulabschluss

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Wirtschaftsschule

Für wen ist die Wirtschaftsschule geeignet?

Die Wirtschaftsschule vermittelt ihren Schülerinnen und Schülern neben einer allgemeinen Bildung eine vertiefte kaufmännische Grundbildung und bereitet auf eine entsprechende berufliche Tätigkeit vor. Neben der theoretischen Bildung ist in einem besonderen Umfang auch die praktische Anwendung des Gelernten Ziel des Unterrichts. In schuleigenen Übungsunternehmen vollziehen die Schülerinnen und Schüler modellhaft die Tätigkeiten kaufmännischer Sachbearbeitung anhand konkreter Geschäftsfälle nach, die das Lernen steuern. Dies ermöglicht nicht nur einen Einblick in die Bedingungen und Denkweisen der Arbeitswelt, sondern vermittelt auch Schlüsselqualifikationen wie vernetztes Denken, verantwortliches Handeln sowie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit.

„Den Lehrplänen an der Wirtschaftsschule liegt das schulartübergreifende Konzept „LehrplanPLUS“ zugrunde. Hinter den neuen Lehrplänen steht die pädagogische Leitidee der selbstständigen, verantwortungsbewussten und situationsgerechten Anwendung erworbenen Wissens in verschiedenen Handlungsfeldern. Eine Neuerung stellt die Einführung des Faches Mathematik als Pflichtfach für alle Schülerinnen und Schüler dar. Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Lehrplaninhalte erleichtern den Zugang zu technischen Berufen in Industrie sowie Handwerk und erhöhen die Chancen für weitere schulische Anschlüsse, z. B. an der Fachoberschule. Eine verpflichtende Abschlussprüfung im Fach Mathematik ist nicht vorgesehen. Alternativ kann eine Prüfung im Fach Übungsunternehmen abgelegt werden. Dies trägt den unterschiedlichen beruflichen und schulischen Perspektiven der Wirtschaftsschülerinnen und -schüler Rechnung.  

Welche Formen von Wirtschaftsschulen gibt es?

„Seit dem Schuljahr 2013/14 läuft der Schulversuch „Wirtschaftsschule ab der 6. Jahrgangsstufe“ an ausgewählten Schulen in Bayern. Ziel des Schulversuchs ist es, Schülerinnen und Schüler frühzeitig auf das Anforderungsprofil einer Berufsfachschule vorzubereiten. Der Schwerpunkt der Stundentafel des Schulversuchs liegt in der 6. Jahrgangsstufe auf den allgemein bildenden Fächern, aber wirtschaftliche Inhalte aus dem Lebensumfeld der Schülerinnen und Schüler werden als Bestandteile der allgemein bildenden Fächer im Lehrplan mit berücksichtigt.

  • Modellschulen:
  • Private Wirtschaftsschule München-Ost
  • Private Wirtschaftsschule Ingolstadt
  • Städtische Wirtschaftsschule Riemerschmid München
  • Staatliche Wirtschaftsschule Deggendorf
  • Private Wirtschaftsschule Pindl Regensburg
  • Staatliche Wirtschaftsschule Dinkelsbühl
  • Private Wirtschaftsschule Sabel Nürnberg
  • Städtische Wirtschaftsschule im Röthelheimpark Erlangen
  • Private Wirtschaftsschule Krauß Aschaffenburg
  • Reischlesche Wirtschaftsschule Augsburg
  • Städtische Wirtschaftsschule Senden

Zum Ende des Schuljahres 2018/2019 soll die Abschlussevaluation des Schulversuchs stattfinden.“

Was sind die Aufnahmebedingungen?

Geeignet für den Bildungsweg der Wirtschaftsschule sind Schüler mit einer Gesamtdurchschnittsnote von mindestens 2,66 aus den Jahresfortgangsnoten in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch im Zwischenzeugnis oder im Jahreszeugnis (alternativ unter Berücksichtigung der Ergebnisse einer Aufnahmeprüfung in die Mittlere-Reife-Klasse der Mittelschule erzielbar).

Die vier- und dreistufige Wirtschaftsschule steht auch Schülern der Mittle-ren-Reife-Klasse der Mittelschule, Realschülern oder Gymnasiasten offen, wenn sie die Vorrückungserlaubnis in die der Eingangsstufe entsprechenden Jahrgangsstufe erhalten haben oder im Jahreszeugnis der der Eingangsstufe vorausgehenden Jahrgangsstufe in Vorrückungsfächern, die auch in der Eingangsstufe der Wirtschaftsschule unterrichtet werden, höchstens einmal die Note 5 oder in den Fächern Deutsch, Englisch (soweit Pflichtfach) und Mathematik mindestens die Note 4 nachweisen.

Schüler, die für den Bildungsweg der Wirtschaftsschule nicht geeignet sind, die aber dennoch eine Wirtschaftsschule besuchen möchten, können an einem dreitägigen Probeunterricht in den Fächern Deutsch und Mathematik teilnehmen. Wird dieser Probeunterricht erfolgreich absolviert, steht der Weg zur Aufnahme in eine Wirtschaftsschule offen.

Schüler, die ohne Erfolg am Probeunterricht teilgenommen haben, aber in beiden Fächern die Note 4 erreicht haben, werden in die Wirtschaftsschule aufgenommen, wenn die Erziehungsberechtigten dies beantragen.

Der Eintritt bzw. die Aufnahme in eine höhere Jahrgangsstufe der vier- und dreistufigen Wirtschaftsschule setzt das Bestehen einer Aufnahmeprüfung (kann entfallen, vgl. § 28 WSO) und einer Probezeit voraus.

Der Eintritt in die zweistufige Wirtschaftsschule ist möglich für Schüler 

  • mit qualifizierendem Abschluss der Mittelschule,
  • mit erfolgreichem Abschluss der Mittelschule und Bestehen einer Probezeit,
  • die mit Erfolg die Jahrgangsstufe 9 der Realschule, der Mittleren-Reife-Klasse der Mittelschule oder des Gymnasiums durchlaufen haben,
  • die die Jahrgangsstufe 9 der Mittleren-Reife-Klasse der Mittelschule, der Realschule oder des Gymnasiums ohne Erfolg absolviert haben, aber im Jahreszeugnis der Jahrgangsstufe 9 in den Fächern Deutsch und Englisch mindestens die Note 4 erzielt haben.

Eine unmittelbare Aufnahme in die Jahrgangsstufe 11 der zweistufigen Wirtschaftsschule ist nicht möglich.

Für nähere Informationen zur Aufnahme in die Wirtschaftsschule stehen die Schulleitungen der Wirtschaftsschulen bzw. die Staatlichen Schulberater zur Verfügung.
 

Gibt es eine Altersgrenze für die Wirtschaftsschule?

Ja, für die Aufnahme in die Eingangsstufen der drei- und vierstufigen Wirtschaftsschule bzw. in eine höhere Jahrgangsstufe gelten folgende Höchstaltersgrenzen (Stichtag: 30. Juni):

  • Jahrgangsstufe 7: noch nicht 15 Jahre
  • Jahrgangsstufe 8: noch nicht 16 Jahre

Über Ausnahmen von der Altersgrenze in besonderen Fällen entscheidet der Schulleiter.

In der zweistufigen Wirtschaftsschule gibt es keine Höchstaltersgrenze.

Welche Fächer werden in den einzelnen Jahrgangsstufen unterrichtet?

Die Wirtschaftsschule gehört zu den beruflichen Schulen. Deshalb gilt: der wirtschaftliche Unterricht weist ein wesentlich höheres Stundenmaß auf als an vergleichbaren Schularten. Von großer Bedeutung ist dabei die Praxisorientierung.
 

In welchen Fächern wird die Praxisorientierung der Wirtschaftsschule deutlich?

Das Pflichtfach „Übungsunternehmen“ bildet den Kern der anwendungsorientierten und praxisnahen kaufmännischen Ausbildung an der Wirtschaftsschule. Neben der Vermittlung praxisnahen Wissens ist dieses Fach in besonderem Maße geeignet, Schülerinnen und Schülern Schlüsselqualifikationen wie Eigeninitiative, Selbstständigkeit sowie Entscheidungs- und Problemlösungsfähigkeit näherzubringen. Durch das kaufmännische Praxistraining im Übungsunternehmen werden die Schülerinnen und Schüler effektiv auf das zukünftige Arbeitsleben vorbereitet.

Das Übungsunternehmen ist intensiv an den betriebswirtschaftlichen Unterricht angebunden. Die im Pflichtfach „Betriebswirtschaftliche Steuerung und Kontrolle“ erworbenen Kompetenzen werden phasenversetzt im Übungsunternehmen angewendet und vertieft, indem die Schülerinnen und Schüler beispielsweise mit komplexen betrieblichen Entscheidungssituationen konfrontiert werden, die aus ihrer Unternehmenstätigkeit beginnt.

Damit die wirtschaftlichen Sachverhalte möglichst realitätsnah bearbeitet werden können, findet darüber hinaus im Übungsunternehmen eine starke Vernetzung mit den Inhalten aus dem Fach „Informationsverarbeitung“ statt. Praxisgemäße Anwendersoftware (z. B. Finanzbuchhaltung, Kalkulation, Auftragsbearbeitung) steht an Wirtschaftsschulen zur Verfügung.

 

Was ist eigentlich ein Wirtschaftsschulabschluss?

Wer an einer der bayerischen Wirtschaftsschulen am Ende der Jahrgangsstufe 10 (der vier- oder dreistufigen Wirtschaftsschule) bzw. der Jahrgangsstufe 11 (der zweistufigen Wirtschaftsschule) die Abschlussprüfung besteht, erhält den Wirtschaftsschulabschluss, der ein mittlerer Schulabschluss ist. Mit dem Wirtschaftsschulabschluss verkürzt sich die Ausbildungsdauer in einem kaufmännischen Beruf um bis zu ein Jahr, wobei für die Anrechnung ein gemeinsamer Antrag der Auszubildenden und Ausbildenden nötig ist.

Welche weiterführenden Schulen kann ich nach Abschluss der Wirtschaftsschule besuchen?

  • Berufsfachschule
  • Fachschule nach einer Berufsausbildung
  • Fachakademie nach einer Berufsausbildung
  • Fachoberschule
  • Berufsoberschule nach einer Berufsausbildung
  • Kolleg nach einer Berufsausbildung
  • Gymnasium (vgl. die Infos dazu auf den Seiten zum Übertritt)

Wo bekomme ich Informationen zum Übertritt?

Interaktives E-Paper: Die bayerische Wirtschaftsschule

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Sowohl für die vier- und dreistufige als auch für die zweistufige Form der Wirtschaftsschule gilt: Neben einer fundierten Allgemeinbildung ist die berufliche Grundbildung ein Kernelement des Bildungsauftrages der bayerischen Wirtschaftsschule, die dieser Schulart ein unverwechselbares Profil verleiht. Als berufliche Schule setzt sie dabei im Unterricht eigene Akzente. So gründet der Erfolg der Wirtschaftsschule auf dem pädagogischen Anspruch, die Schülerinnen und Schüler durch fächerübergreifendes und handlungsorientiertes Lernen auf die Herausforderungen der privaten und beruflichen Lebenswelt optimal vorzubereiten.

LehrplanPLUS Wirtschaftsschule

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Der Lehrplan wurde mit Verfügung vom 20.08.2014 für verbindlich erklärt. 

Er gilt für die..

  • 7. Jahrgangsstufe der vierstufigen Wirtschaftsschule ab dem Schuljahr 2014/2015,
  • 8. Jahrgangsstufe der vier- und dreistufigen Wirtschaftsschule ab dem Schuljahr 2015/2016,
  • 9. Jahrgangsstufe der vier- und dreistufigen bzw. für die 10. Jahrgangsstufe der zweistufigen Wirtschaftsschule ab dem Schuljahr 2016/2017 und
  • 10. Jahrgangsstufe der vier- und dreistufigen bzw. für die 11. Jahrgangsstufe der zweistufigen Wirtschaftsschule ab dem Schuljahr 2017/2018.

Broschüre zur Studien- und Berufsorientierung an bayerischen Schulen

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Ein Klick in die Grafik öffnet das interaktive E-Paper "Berufs- und Studienorientierung an bayerischen Schulen"

Vor der Berufs- und Studienwahl gilt es, die verschiedenen Chancen und Perspektiven in einem sich wandelnden Arbeitsmarkt abzuwägen – vor allem aber, sich seiner individuellen Fähigkeiten und Neigungen bewusst zu werden. Umso wichtiger ist es, gründlich und gut informiert zu sein.

Die Broschüre „Berufs- und Studienorientierung an bayerischen Schulen“ gibt einen Überblick über die verschiedenen Ansätzen zur Berufs- und Studienorientierung in den bayerischen Schularten sowie über weiterführende Ansprechpartner.

Die besten Links zur Wirtschaftsschule

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