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7

2 | 2016

Schule & wir

TITEL

Frank Fischer, Professor für Pädagogische

Psychologie und Empirische Pädagogik an der

Ludwigs-Maximilians-Universität München. Das

Arbeitsgedächtnis hat nur eine geringe Speicher-

kapazität, das Wissen muss aber über das

Arbeitsgedächtnis ins Langzeitgedächtnis

gelangen.

„Das gelingt am besten, wenn zunächst

einmal das Vorwissen zum Lernthema

aktiviert wird. Die neuen Informationen

knüpfen dann an Bekanntes an und man

kann damit das Problem mit dem Flaschen-

hals des Arbeitsgedächtnisses verringern“, rät

Fischer.

Lernstrategien

Auf solche und auch viele andere Lernstrategien

wird ebenfalls an der Jörg-Lederer-Mittelschule

in Kaufbeuren viel Wert gelegt. „Die Lehrer haben

uns in den letzten Schuljahren verschiedene

Wege beigebracht, wie wir lernen können. Jetzt

suche ich mir die Methode aus, die mir am besten

liegt“, erzählt Daniel, der die Klasse 10Mb an

dieser Schule besucht.

Die Wahl der richtigen Lernstrategie hängt

wesentlich vom jeweiligen Unterrichtsfach ab.

Besonderen Wert legt Daniels Lehrerin Julia

Maier in ihrer Klasse auf Lernstrategien im Fach

Deutsch: „Texte zu verstehen und ihnen Informa-

tionen zu entnehmen ist ganz grundlegend, das

braucht man auch für andere Fächer“, erläutert

sie. Das Markieren im Text oder das Heraus-

schreiben von Informationen sind klassische

Methoden. So erwerben die Kinder im Deutschun-

terricht die Fähigkeit, aus komplexen Sachverhal-

ten selbstständig die wichtigsten Informationen

herauszufiltern und zu speichern – „eine Fähig-

keit, die man für alle Fächer der Schule, aber

genauso für alle anderen Lebensbereiche gut

brauchen kann“, findet Maier.

Lernstrategien sind nicht nur in den Kernfächern

wichtig: In Fächern wie Religionslehre, Geschich-

te oder Geographie gibt es viele Möglichkeiten,

Informationen so zu verarbeiten, dass sie wirklich

im Gedächtnis bleiben. Die Schüler von Julia

Maier wenden oft die so genannte Marktplatz-

Methode an, wie die 14-jährige Adriana berichtet:

„Am Schluss der Stunde überlegt sich jeder von

uns drei Fragen zum Thema der Stunde. Wir müs-

sen die Fragen selbst beantworten können. Dann

treffen wir uns auf dem ‚Marktplatz‘ und stellen

den anderen Schülern unsere Fragen.“ „Durch

werden aber auch beim eigenständigen Lernen

unterstützt. Edith kommt mit dem Karteikasten-

system, das ihr die Lehrerin empfohlen hat, sehr

gut zurecht. Sie konnte so ihre Englisch-Note

verbessern.

Für Robert Roedern, Lehrer an der

Grundschule am Scherer-

platz und Schulpsychologe

an der Staatlichen Schulbe-

ratungsstelle München, ist

die Unterstützung der Kinder beim Ler-

nen Bestandteil seines regulären Unter-

richts. Wichtig ist ihm vor allem eines: „Die Kinder

sollen über das eigene Lernen nachdenken. Sie

werden sich dabei des eigenen Vorgehens bewusst

und können dann Strategien gezielter einsetzen.“

Roedern sieht hier auch eine große Stärke des

neuen LehrplanPLUS, der die grundlegenden

Kompetenzen in den Vordergrund rückt: „Zudem

kann mit der neuen Möglichkeit, ein dokumen-

tiertes Lernentwicklungsgespräch mit dem

Schüler und den Eltern zu führen, das Lernver-

halten gemeinsam überdacht werden. Damit

wird die Selbstverantwortung des Lernenden

unterstrichen.“

Basis in der Grundschule

In der Grundschule wird die Basis für den

Schulerfolg gelegt: „Ich versuche den Kindern

zunächst einmal ganz grundlegende Dinge zu

vermitteln. Das beginnt mit dem Arbeitsplatz

zu Hause und einer störungsfreien Umgebung“,

erklärt der Experte. Eine wichtige Voraussetzung

für den Lernfortschritt stellt die Motivation dar.

Die Einsicht in den Nutzen der Lerngegenstände

und die Aussicht auf Erfolg erhöhen Ausdauer und

Einsatzbereitschaft.

Der ideale Arbeitsplatz zum Lernen:

i

i

Lege alle Materialien, die du brauchst, bereit.

i

i

Nimm alle Dinge, die dich ablenken könnten,

vom Schreibtisch.

i

i

Schalte Smartphone, Telefon, Radio, Fern-

sehgerät aus.

i

i

Lüfte den Raum regelmäßig und achte auf

eine angenehme Raumtemperatur.

Bedeutung des Vorwissens

„Informationen müssen in unserem Gedächtnis

erst einmal durch einen Flaschenhals", erklärt



Robert

Roedern

Fotos: © Christian Schwier (Fotolia.com) | Privat