Bologna-Prozess: Studieren im Europäischen Hochschulraum

Hauptgebäude der Technischen Universität München
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Visionen

Internationalisierung, demographische Veränderungen, wirtschaftlicher Strukturwandel und die Entwicklung neuer Technologien sind die großen Herausforderungen der Zukunft. Bei der Sicherung von wirtschaftlichem Erfolg und Wohlstand kommen der Wissenschaft und Lehre als Innovationsmotoren eine Schlüsselrolle zu. Wissenschaft ist international. Das Wissen kennt keine Grenzen.

Damit die europäischen Länder im weltweiten Wettbewerb bestehen können, müssen sie die vorhandenen Kompetenzen bündeln und im Bildungsbereich enger zusammenarbeiten.

Im sog. Bologna-Prozess haben sich auf der Grundlage der "Bologna-Erklärung" von 1999 inzwischen 47 europäische Staaten in einem gemeinsamen Europäischen Hochschulraum zusammengeschlossen.

Die Ziele sind:

  • Intensivierung des Austauschs in Forschung und Lehre durch hohe Ausbildungsqualität und die Kompatibilität der Angebote
  • Fachlich optimale Vorbereitung der Studierenden auf die Anforderungen von Wissenschaft und Wirtschaft
  • Vermittlung von Schlüsselqualifikationen wie Veränderungsbereitschaft, interkulturelle Kompetenz, Fremdsprachenkenntnissen, Sozialkompetenz und die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen
  • Intensivierung der Zusammenarbeit von Hochschul- und Forschungseinrichtungen zur Steigerung der Attraktivität von Bildung und Forschung in Europa

Stationen

Konferenz in Budapest am 14. und 15. Mai 2015 in Jerewan

Am 14. und 15. Mai 2015 kamen die für Hochschulbildung zuständigen Minister der 48 Länder des Europäischen Hochschulraums (EHR) in Jerewan, Armenien, zusammen. Die Konferenz hatte sich auf die Arbeitsschwerpunkte zur Weiterentwicklung eines gemeinsamen Europäischen Hochschulraumes in den kommenden Jahren verständigt.

Zentrale Punkte des im Rahmen der zweitägigen Konferenz gemeinsam verabschiedeten Jerewan-Kommuniques sind unter anderem der Ausbau der Studierendenzentrierung der Lehre, die Schaffung flexibler und transparenter Lernpfade und die Förderung einer Hochschulbildung, die die Beschäftigungsbefähigung der Absolventinnen und Absolventen in sich schnell verändernden Arbeitsmärkten stärkt. Eine weitere Forderung bezieht sich auf mehr Inklusion an den Hochschulen sowie mehr Mobilität speziell von Lehramtsstudierenden. Zudem enthält das Kommuniqué den Appell, die Möglichkeiten digitalen Lehrens und Lernens stärker zu nutzen.

Konferenz in Bukarest am 26. und 27. April 2012

Am 26. und 27. April 2012 kamen die für Hochschulbildung zuständigen Minister der 47 Länder des Europäischen Hochschulraums (EHR) in Bukarest, Rumänien, zusammen. Im Bukarester Kommuniqué wurde die zentrale Rolle der Hochschulbildung als Zukunftsinvestition bei der Bewältigung der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise bekräftigt und den Hochschulen größtmögliche Förderung zugesichert um im Wege der Ausbildung hochqualifizierten Nachwuchses die Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum und eine nachhaltige Entwicklung der Demokratien im EHR zu schaffen und der Jugendarbeitslosigkeit entgegenzuwirken.

Im Rahmen der Konferenz gingen die Teilnehmer auf das im Bologna-Prozess bislang Erreichte ein, wobei die breitere Beteiligung an der Hochschulbildung, die verbesserte grenzüberschreitende Anerkennungsfähigkeit der Hochschulabschlüsse, sowie die gesteigerte Kompatibilität und Vergleichbarkeit der europäischen Hochschulstrukturen hervorgehoben wurden.

Außerdem wurden im Bukarester Kommuniqué die Hauptziele für die kommenden Jahre definiert, nämlich ein breiterer allgemeiner Zugang zu qualitativ hochwertiger Hochschulbildung, die bedarfsgerechte Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit für Absolventen während ihres gesamten Berufslebens sowie die weitere Stärkung der Mobilität für ein besseres Lernen. Für die Aktivitäten bis 2015 wurden unter anderem folgende Schwerpunkte festgelegt:

  • Rahmenbedingungen schaffen, die den Studierenden als aktiven Bildungsteilnehmer einbeziehen
  • Beschäftigungsfähigkeit, lebenslanges Lernen, Problemlösung und unternehmerische Fähigkeiten bei den Bildungsangeboten stärker berücksichtigen
  • sicherstellen, dass Qualifikationsrahmen, ECTS und Diploma Supplement auf Lernergebnissen basieren
  • die Empfehlungen der Mobilitätsstrategie umzusetzen, wonach bis 2020 20% aller Studierender/Absolventen im Kontext mit ihrem Hochschulstudium mobil gewesen sein sollen
  • Überwachung der Umsetzung des Bologna-Prozesses durch Eurostat, Eurydice und Eurostudent
  • die Untersuchung der Möglichkeiten einer automatischen akademischen Anerkennung vergleichbarer Abschlüsse fördern
  • Prüfung nationaler Gesetze und Praktiken bezüglich gemeinsamer Studiengänge und Abschlüsse als möglicher Weg zum Abbau von Hindernisse für Kooperation und Mobilität
  • die Umsetzung der Strategie für den EHR im globalen Kontext evaluieren

Bologna-Jubiläumskonferenz in Wien/Budapest am 11. und 12. März 2010

Zur Eröffnung des in der Bologna-Erklärung von 1999 angestrebten Europäischen Hochschulraums trafen sich am 11. und 12. März 2010 die Teilnehmerstaaten in den Hauptstädten Österreichs und Ungarns. Kasachstan wurde als 47. Mitgliedsstaat im Europäischen Hochschulraum aufgenommen.

Die für Hochschulbildung zuständigen Ministerinnen und Minister würdigten in der Erklärung von Budapest und Wien die im vergangenen Jahrzehnt zurückgelegten Schritte zur Errichtung des gemeinsamen Europäischen Hochschulraums. Sie bekannten sich erneut zur Agenda und zu den Zielen, die im Kommuniqué von Leuven / Louvain-la-Neuve festgelegt wurden.

Die jüngsten Proteste in einigen Teilnehmerländern aufgreifend, machten sich die Teilnehmerstaaten erneut bewusst, dass weitere Anpassungsschritte erforderlich sind, um die Ziele der Bologna-Reform vollständig umzusetzen. Die Bologna Follow-up Gruppe wurde mit der Erarbeitung konkreter Maßnahmen betraut.

Die Ministerinnen und Minister verpflichteten sich, ungeachtet der wirtschaftlich schwierigen Lage, sicherzustellen, dass den Hochschulen die notwendigen Mittel zur Verfügung stehen. Insbesondere die Anstrengungen zur Sozialen Dimension sollen intensiviert werden um gleichberechtigten Zugang zu Hochschulbildung zu ermöglichen. Unter Anerkennung der bereits geleisteten Beiträge aller Beteiligten forderten die Teilnehmerstaaten alle Akteure auf, weiter ein inspirierendes Arbeits- und Lernumfeld zu ermöglichen und insbesondere studierendenzentriertes Lernen zu fördern.

Konferenz von Leuven/Louvain-la-Neuve am 28. und 29. April 2009

Mit dem Kommuniqué von Leuven (Löwen) bekannten sich die 46 Teilnehmerstaaten angesichts der strukturellen Zukunfts-herausforderungen (Globalisierung, technische Entwicklungen und demographische Entwicklung) und der aktuellen Weltwirtschaftskrise zur Notwendigkeit einer Fortführung des Bologna-Prozesses in einem gemeinsamen Europäischen Hochschulraum über 2010 hinaus.

Für das nächste Jahrzehnt bis 2020 soll eine Nachschärfung der Ziele und ein Intensivierung der Anstrengungen insbesondere zu folgenden Punkten erfolgen:

  • Soziale Dimension: Entwicklung von adäquaten Stipendienkonzepten und Einbindung der übrigen Bildungsbereiche zur Erhöhung der Partizipation am akademischen Bildungsangebot
  • Lebenslangen Lernen: Ausweitung von Teilzeitstudiengängen; Entwicklung klarer, kompetenzorientierter Anerkennungsverfahren und Implementierung von ineinandergreifenden, nationalen Qualifikationsrahmen zur Erhöhung der Transparenz
  • Employability: Stärkung der Arbeitsmarktorientierung von Studiengängen und Verbesserung der berufsbegleitenden Fortbildungsmöglichkeiten
  • Studierbarkeit: Überarbeitung der Studienkonzepte; studentenzentriertes Lehren und Lernen
  • Qualitätssteigerung: Konsequente Umsetzung der European Standards and Guidelines for Quality Assurance
  • Forschung und Innovation: Verbesserung der Attraktivität, Ausbau interdisziplinärer Ansätze
  • Mobilität als zentrales Ziel: Bis 2020 sollen mindestens 20 % der Hochschulabsolventen im Ausland ein Praktikum oder eine Studienphase durchlaufen haben. Dazu: Ausbau mobilitätsfördernder Studienstrukturen (Mobilitätsfenster, joint degrees); Verbesserung der Rahmenbedingungen für Studierende und Lehrende
  • Ausbau der Zusammenarbeit mit Partnern außerhalb des Europäischen Hochschulraums
  • Entwicklung von Transparenzinstrumenten
  • Verbesserung der Datenbasis für die Messung der Zielerreichung

Kommuniqué von London am 17. und 18. Mai 2007

Ein Schwerpunkt der 4. Bologna-Nachfolgekonferenz in London mit nunmehr 46 Teilnehmerstaaten war eine umfassende Bestandsaufnahme über die Fortschritte bei der Umsetzung der vorrangigen Bologna-Ziele Qualitätssicherung, dreigliedrige Studienstruktur und Anerkennungsfragen.
Die Teilnehmerstaaten haben sich im Londoner Kommuniqué auf weitere Maßnahmen geeinigt, um den Europäischen Hochschulraum bis 2010 zu realisieren. Im Zentrum standen dabei Mobilität, Qualitätssicherung und Beschäftigungsfähigkeit.

Folgende konkrete Schritte wurden vereinbart:

  • Beobachtung von Fortschritten und möglichen Hindernissen in Bezug auf die Mobilität von Studierenden, Wissenschaftlern und Lehrenden
  • Ausweitung des Angebots von joint degrees (gemeinsame Studiengänge mit ausländischen Hochschulen, die zu einem einheitlichen Abschluss führen)
  • Anstrengungen, um die Mitnahmemöglichkeit von Stipendien und Darlehen bei Studienaufenthalten im Ausland innerhalb der Bologna-Staaten sicherzustellen
  • Einrichtung eines Europäischen Registers für Akkreditierungsagenturen, die die Qualität von Studium und Lehre nach vergleichbaren hohen Standards prüfen
  • Stärkere Berücksichtigung der Beschäftigungsfähigkeit bei der Konzeption von Ausbildungsangeboten auf allen drei Ebenen der Studienstruktur
  • Verbesserte Außenwahrnehmung des Bologna-Prozesses durch einen intensiveren Austausch mit außereuropäischen Staaten über Ziele und Entwicklungen des Europäischen Hochschulraums

Angesichts der Herausforderungen der Globalisierung wurde eine Fortsetzung der Zusammenarbeit der Bologna-Staaten auch nach 2010 - d. h. auch nach der angestrebten Vollendung eines Europäischen Hochschulraums - vereinbart.

Kommuniqué von Bergen am 19. und 20. Mai 2005

Die Konferenz von mittlerweile 45 Teilnehmerstaaten zog im Kommuniqué von Bergen eine positive Bilanz zur bisherigen Umsetzung der Reformziele.

Der Schwerpunkt der Anstrengungen wurde auf folgende Bereiche gelegt:

  • Aufbau von gemeinsamen Standards zur Qualitätssicherung
  • Entwicklung von nationalen Qualifikationsrahmen
  • Ausbau der Zusammenarbeit im Forschungsbereich durch mehr strukturierte Promotionsangebote
  • Stärkere Berücksichtigung der sozialen Rahmenbedingungen für die Studierenden
  • Intensiverer Austausch über Ziele und Erfahrungen des Bologna-Prozesses mit anderen Weltregionen.

Berliner Kommuniqué vom 19. September 2003

Im Berliner Kommuniqué beschlossen inzwischen 40 Teilnehmerstaaten eine Konkretisierung und Erweiterung des bisherigen Maßnahmenkatalogs um folgende Elemente:

  • Definition eines Rahmens vergleichbarer und kompatibler Hochschulabschlüsse auf nationaler und europäischer Ebene (Qualifikationsrahmen)
  • Einbeziehung der Doktorandenausbildung in den Bologna-Prozess (Europäischer Forschungsraum)

Um die Ziele des Bologna-Prozesses bis 2010 zu erreichen, wurden folgende Schwerpunktthemen vereinbart:

  • Zweistufiges Studiensystem
  • Anerkennung der Studienabschlüsse und -abschnitte
  • Qualitätssicherung

Prager Kommuniqué vom 19. Mai 2001

In Prag erweiterte sich der Kreis der Teilnehmer auf 33 Staaten. Die bisherigen Ziele und Maßnahmen wurden im Prager Kommuniqué bekräftigt und ergänzt. Folgende neue Elemente wurden hervorgehoben:

  • Lebenslanges Lernen
  • Beteiligung der Studierenden an der Gestaltung des europäischen Hochschulraums
  • Attraktivität des europäischen Hochschulraums

Bologna-Deklaration vom 19.06.1999

Das Anliegen der Sorbonne-Erklärung wurde in einer Vielzahl europäischer Staaten begrüßt. Bereits im Juni 1999 unterzeichneten die Bildungsminister von 29 europäischen Staaten bei einer Konferenz in Bologna die sog. Bologna-Erklärung.

Forderungen:

  • Schaffen eines gemeinsamen Europäischen Hochschulraums bis 2010
  • Einführen eines Systems leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse
  • Etablieren eines aufeinander aufbauenden zweistufigen Systems von Studienabschlüssen:
  • Undergraduate-Studium (mindestens drei Jahre): Abschluss ist eine für den europäischen Arbeitsmarkt relevante Qualifikation
  • Graduate-Studium: Abschluss ist der Master und/oder die Promotion
  • Einführen eines Leistungspunktesystems, ähnlich dem ECTS
  • Einbeziehen und Anrechnen von Leistungen im Bereich "Lebenslanges Lernen"
  • Fördern von Mobilität (durch Zugang zu Studien- und Ausbildungsangeboten; durch Anerkennung und Anrechnung von Auslandsaufenthalten zu Forschungs-, Lehr- oder Ausbildungszwecken für Studierende, Lehrende, Wissenschaftler und Verwaltungspersonal)
  • Ausbauen der europäischen Zusammenarbeit bei der Qualitätssicherung
  • Stärken der europäischen Dimensionen im Hochschulbereich (bei Curriculum-Entwicklung, Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Mobilitätsprojekte und integrierte Studien-, Ausbildungs- und Forschungsprogramme)

Um zu überprüfen, ob die vereinbarten Schritte auch umgesetzt wurden, hat man vereinbart, alle zwei Jahre die erzielten Fortschritte auf Folgekonferenzen zu bilanzieren und nächste Ziele zu beraten.

Sorbonne-Deklaration vom 25. Mai 1998

Die Bildungsminister von Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien unterzeichneten in Paris die sog. Sorbonne-Erklärung. Sie entstand aus der Erkenntnis heraus, dass Europa vor großen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen steht und dem Bildungsbereich insbesondere auf Hochschulebene eine Schlüsselfunktion für die Zukunft zukommt. Deshalb wurde in dieser Erklärung eine verstärkte Zusammenarbeit im Bereich der Hochschulausbildung postuliert.

Forderungen:

  • Annäherung der allgemeinen Rahmenbedingungen für Studiengänge und -abschlüsse in einem offenen Europäischen Hochschulraum
  • Zweistufiges System für Studienabschlüsse (undergraduate/graduate degrees)
  • Größere Mobilität der Studierenden und Lehrenden (mindestens ein Auslandssemester)
  • Bessere Anerkennung von akademischen Abschlüssen und Leistungen.

Die nächste Ministerkonferenz findet 2018 in Frankreich statt.

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