Schule in Bayern und in der Ukraine – wo sind Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten?

In der Ukraine werden die Kinder und Jugendlichen bis einschließlich der 9. Jahrgangsstufe gemeinsam beschult. Nach neun Schuljahren wird die „allgemeinbildende Basisschulbildung“ erworben.

Im Anschluss daran entscheiden die Schülerinnen und Schüler,

  • ob sie ihre schulische Laufbahn noch einmal ein bzw. zwei Jahre an einer allgemeinbildenden Mittelschule fortsetzen oder
  • gleich in eine Berufsausbildung eintreten möchten.
     

Wenn sich die Schülerinnen und Schüler in der Ukraine dazu entschließen, noch einmal zwei Jahre in der Mittelschule zu bleiben, erwerben sie die sogenannte „vollständige allgemeine mittlere Bildung“. Am Ende steht eine schulische Abschlussprüfung sowie die landesweit vom ukrainischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft angebotene „externe unabhängige Bewertung“ bzw. der „nationale Multi-Fächer-Test“. Deren erfolgreicher Abschluss eröffnet die Möglichkeit des Hochschulzugangs an staatlichen Universitäten in der Ukraine. Alternativ ist der Zugang zur sog. dritten Stufe der Berufsbildung möglich. Hierüber kann man eine vertiefende Fachausbildung in einem Berufszweig erwerben.

In Bayern hingegen endet die gemeinsame Schulzeit aller Schülerinnen und Schüler nach der 4. Jahrgangsstufe der Grundschule. Abhängig von Begabung, Neigung und Interessen der Schülerinnen und Schüler wird die schulische Laufbahn dann ab der 5. Jahrgangsstufe an der bayerischen Mittelschule, der Realschule oder dem Gymnasium fortgesetzt. Nach mindestens neun Schuljahren kann an den aufgeführten Schularten jeweils ein Abschluss erworben werden, der die Tür ins Berufsleben (Berufsausbildung) öffnet. Die verschiedenen Schularten unterscheiden sich allerdings in der Schwerpunktsetzung und den Ansprüchen an die Schülerinnen und Schüler.

Der erfolgreiche Abschluss der bayerischen Mittelschule ebnet beispielsweise den Weg für eine Vielfalt an handwerklichen Berufen. An der Realschule kann nach zehn Schuljahren ein sogenannter „Mittlerer Schulabschluss“ erworben werden, der der „vollständigen allgemeinen mittleren Bildung“ der Ukraine gleichzusetzen ist. Die Schulart „Wirtschaftsschule“ eröffnet ab der Jahrgangsstufe 6 einen ähnlichen Bildungsweg wie die Realschule und ermöglicht ebenfalls den „Mittleren Schulabschluss“, diese beiden Schularten unterscheiden sich daher mehr in der Schwerpunktsetzung (Realschule: verschiedene Schwerpunktsetzungen, z.B. im mathematischen oder fremdsprachlichen Bereich; Wirtschaftsschule: praxisnahe kaufmännische Grundbildung). Mit dem erfolgreichen Abschluss der beiden Schularten kann ebenfalls ins Berufsleben eingetreten oder aber eine Fachoberschule besucht werden, die dann auf ein mögliches Studium an einer Hochschule bzw. Universität vorbereitet oder den Zugang zu weiteren Ausbildungsmöglichkeiten eröffnet. Am Gymnasium wird auf die Prüfung „Abitur“ („allgemeine Hochschulreife“) vorbereitet. Das Abitur stellt den höchsten schulischen Abschluss in Bayern dar und berechtigt grundsätzlich umgehend zu einem Studium an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (Fachhochschule) oder einer Universität.

Das bayerische Schulsystem ist sehr flexibel angelegt. Wer sich schulisch weiterentwickeln und damit neu orientieren möchte, der erhält in der Bandbreite der hier skizzierten Möglichkeiten auch die Chance dazu. Prinzipiell sind also hinsichtlich der schulischen Laufbahn keine Grenzen gesetzt. So kann beispielsweise auch eine Schullaufbahn, die in der Jahrgangsstufe 5 zunächst an die Mittelschule geführt hat, mit dem Abitur abgeschlossen werden.

 

Möglichkeiten der beruflichen Zukunftsgestaltung

In Bayern besteht also eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich für die Berufswelt zu rüsten und die jeweiligen individuellen Interessen und Begabungen im Berufsleben entsprechend einzubringen.

Der Einstieg ins Berufsleben wird in Bayern nach dem neunten Schuljahr möglich gemacht und dauert in der Regel zwei bis drei Jahre. Hierbei ist die berufliche Ausbildung zweigeteilt („duales System“): Zum einen werden die ersten praktischen Erfahrungen im jeweils angestrebten Berufsfeld gesammelt, indem man den Alltag in einem Betrieb miterlebt und -gestaltet. Zum anderen wird aber auch die schulische Laufbahn durch den regelmäßigen Besuch einer sog. „Berufsschule“ fortgesetzt. Denn anders als in der Ukraine werden bei einer Berufsausbildung auch vertieft allgemeinbildende Inhalte erlernt, welche an den Berufsschulen vermittelt werden. Die Berufsschullandschaft ist nach Fachrichtungen gegliedert und an die Bedürfnisse der Berufsgruppen angepasst. Nach dem Durchlaufen der Berufsausbildung wird eine Prüfung abgelegt. Dadurch können dann wiederum weitere Türen für eine berufliche Qualifizierung geöffnet werden. Auch der Weg zum Studium kann eingeschlagen werden, indem man im Allgemeinen in zwei weiteren Jahren an der sogenannten „Berufsoberschule“ die entsprechende Befähigung erwirbt.

Im Rahmen der beruflichen Weiterbildung werden in Bayern auch direkte Wege zur Hochschule eröffnet. So kann beispielsweise nach einer höheren beruflichen Qualifikation an einer Fachschule (z.B. „Meisterprüfung“) mit einer Ergänzungsprüfung auch die (ggf. fachgebundene) Fachhochschulreife erworben werden.

 

Unterschiedliche Arten von Hochschulen

Sollte ein Hochschulstudium angestrebt werden, so stehen zwei unterschiedliche Arten von Hochschulen zur Auswahl: die Hochschulen für angewandte Wissenschaften (Fachhochschule) und die „Universitäten“. Manche Studiengänge können ausschließlich an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften (Fachhochschule) studiert werden, andere nur an den Universitäten; manche Berufe hingegen erlernt man ausschließlich an den Berufsschulen. Je nach Art des erworbenen höheren Bildungsabschlusses („(Fach-)Abitur“) ist man zum Besuch aller Hochschulen oder ausschließlich der Hochschulen für angewandte Wissenschaften (Fachhochschulen) berechtigt.

 

Möglichkeiten der Qualifizierung von Ukrainern für ein Hochschulstudium in Bayern

Der ukrainische Schulabschluss nach Jahrgangsstufe 11 mit der „vollständigen allgemeinen mittleren Bildung“ berechtigt noch nicht direkt zum Studium in Bayern. Für Ukrainerinnen und Ukrainer ermöglicht er jedoch den indirekten Zugang zu den bayerischen Hochschulen. Dafür muss im Vorfeld in der Regel eine einjährige Beschulung in einem für den späteren Studiengang relevanten Schwerpunktkurs am Studienkolleg für die Universitäten (Standort München) oder für die Fachhochschulen (Standort Coburg) erfolgreich besucht worden sein. Deutsch muss mindestens auf dem Niveau B1+ oder B2 (GER) nachgewiesen und eine Aufnahmeprüfung bestanden werden. Der erfolgreiche Abschluss des Studienkollegs mit der Feststellungsprüfung eröffnet dann den Weg zum fachgebundenen Studium an einer der Hochschulen in Bayern.

Zum Vergleich: Auch der Mittlere Schulabschluss in Bayern, der dem ukrainischen Abschluss der „vollständigen allgemeinen mittleren Bildung“ entspricht, berechtigt nicht direkt zum Studium: Nach dem Mittleren Schulabschluss (siehe oben) kann die Fachhochschulreife an der Fach- oder Berufsoberschule erworben werden. Damit ist ein (ggfs. fachgebundenes) Studium an einer Fachhochschule möglich. Bei entsprechender Weiterqualifizierung des Schülers oder der Schülerin kann die Berechtigung („allgemeine Hochschulreife“, „Abitur“) zum Besuch einer Universität angestrebt werden. Auch mit dem erfolgreichen Abschluss des bayerischen Gymnasiums erwerben die Schülerinnen und Schüler die allgemeine Hochschulreife.

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