Informationen für Schulen

Auf dieser Seite haben wir Informationen für Lehrkräfte und Schulleitungen zusammengestellt. Diese Seite wird fortlaufend aktualisiert.

Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen an Schulen

Welche Voraussetzungen bestehen für einen Schulbesuch in Bayern?

Voraussetzung für eine Anmeldung und Aufnahme an einer bestimmten Schule ist grundsätzlich der Nachweis der Anmeldung des Hauptwohnsitzes beim Einwohnermeldeamt. An Pflichtschulen erfolgt durch die Meldebehörden regelmäßig eine Datenübermittlung bezüglich zugezogener schulpflichtiger Kinder und Jugendlicher gemäß § 28 Meldedatenverordnung (MeldDV).  Dies kann sich aufgrund der Erfassung der aus der Ukraine Zugezogenen momentan jedoch verzögern.

In diesen Fällen muss der Nachweis für die Registrierung in Deutschland entweder über

  • einen „Ankunftsnachweis“,
  • eine „Anlaufbescheinigung“,
  • einen Aufenthaltstitel (Aufenthaltserlaubnis) gem. § 24 AufenthG

oder eine sogenannte Fiktionsbescheinigung
erbracht werden. 

Bis auf Weiteres genügt in Fällen von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine daher auch eine „Anlaufbescheinigung“. Die Registrierung kann in den ANKER-Einrichtungen oder bei den Kreisverwaltungsbehörden erfolgen, sofern sie nicht bereits durch die Polizei durchgeführt wurde.

Dürfen ankommende Kinder und Jugendliche auch schon vor Einsetzen der Schulpflicht an den Schulen aufgenommen werden?

Den geflüchteten Kindern und Jugendlichen soll so rasch wie möglich nach ihrer Ankunft in Bayern die Möglichkeit zum Schulbesuch eröffnet werden. Auch wenn die gesetzliche Schulpflicht erst nach drei Monaten einsetzt, gibt es für die Kinder und Jugendlichen bereits vorher die Möglichkeit, ein schulisches Angebot zu besuchen, entweder in Form von „pädagogischen Willkommensgruppen“, besonderen Klassen oder Unterrichtsgruppen (z. B. Deutschklassen) oder im Regelunterricht. Erste Anlaufstation wird meistens die „Pädagogische Willkommensgruppe“ sein.

Welche Unterstützung gibt es für psychisch stark belastete bzw. traumatisierte Kinder und Jugendliche aus der Ukraine? (akt. 07.04.2022; 13:15 Uhr)

Für psychisch stark belastete bzw. traumatisierte Kinder und Jugendliche aus der Ukraine in Pädagogischen Willkommensgruppen stehen die bewährten schulischen Unterstützungssysteme zur Verfügung. Dazu gehören die Ansprechpartner der Staatlichen Schulberatung, die Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie die Beratungslehrkräfte an den Schulen vor Ort und an den Staatlichen Schulberatungsstellen (www.schulberatung.bayern.de). Sie können über Informationen und Hinweise zum Umgang mit traumatisierten Kindern hinaus ggf. bei der Vermittlung fachärztlicher und psychotraumatischer Behandlungen unterstützen.

Zusätzlich steht den Schulen mit dem Kriseninterventions- und Bewältigungsteam bayerischer Schulpsychologinnen und Schulpsychologen (KIBBS) ein notfallpsychologisches Unterstützungssystem zur Verfügung, das u. a. schulische Führungskräfte, Krisenteams und Kollegien in konkreten Fällen berät und fortbildet. Seitens KIBBS wurde ein Informationsschreiben mit Empfehlungen erstellt, wie die Schulfamilie mit der schwierigen aktuellen Situation umgehen und an welche Stellen (mit Kontaktdaten) man sich für weiterführende Hilfsangebote wenden kann (www.km.bayern.de/krieg-in-der-ukraine/hinweise-zum-umgang-in-schulen).

Um die bayerischen Lehrkräfte im Umgang mit traumatisierten Schülerinnen und Schülern zu unterstützen, steht das Angebot der Staatlichen Lehrerfortbildung zum Thema „Traumata von Schülerinnen und Schülern mit Migrations- und Fluchterfahrung“ an der ALP Dillingen zur Verfügung, das weiter ausgebaut wird.

Auch die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) kann junge Menschen unterstützen, wenn diese an dem Einsatzort der JaS-Fachkraft eine Pädagogische Willkommensgruppe oder ggf. ein anderes Angebot an der Schule besuchen und ein entsprechender Bedarf besteht.

Organisatorische Fragestellungen

Können ukrainische Kinder und Jugendliche auch in Regelklassen aufgenommen werden?

Mit den Pädagogischen Willkommensgruppen soll eine erste schulische Integration der geflohenen Kinder und Jugendlichen ermöglicht werden. Daneben ist auch eine Beschulung in bereits bestehenden besonderen Klassen oder Unterrichtsgruppen (z. B. Deutschklassen) möglich. Bereits eingerichtete Klassen und Maßnahmen können und sollen aufgefüllt werden – im Hinblick auf die Sondersituation auch in einem pädagogisch vertretbaren Rahmen über die bisher geltenden Klassen- bzw. Gruppengrößen hinaus.

Schülerinnen und Schüler, die dem Unterricht aufgrund hinreichender deutscher Sprachkenntnisse folgen und bei Wahlschulen ggf. auch notwendige Aufnahmeprüfungen sofort absolvieren können, können als Regelschülerin bzw. Regelschüler aufgenommen und beschult werden. Eine Aufnahme als Regelschülerin bzw. Regelschüler kommt auch dann in Betracht, wenn zu erwarten ist, dass der Spracherwerb auch durch Teilnahme am Regelunterricht ermöglicht werden kann; dies gilt insbesondere für Schülerinnen und Schüler im Grundschulalter („Sprachlernfenster“).

Die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche nach den Vorgaben der Schulordnungen als Gastschüler an einer Wahlschule aufzunehmen und in Regelklassen anstelle der o. g. besonderen Klassen und Unterrichtsgruppen zu beschulen, besteht auch weiterhin.

Wir haben an der Schule nicht genügend Platz für weitere Klassen oder Lerngruppen – können wir auf externe Räume ausweichen?

Sofern keine Räume in der Schulanlage zur Verfügung stehen, ist – mit Zustimmung des Schulaufwandsträgers – eine Durchführung in geeigneten Räumlichkeiten außerhalb des Schulgeländes grundsätzlich möglich.

Haben geflüchtete Kinder und Jugendliche einen Anspruch auf Schülerbeförderung? (akt. 04.05.2022, 15:00 Uhr)

Zur Beförderung der geflüchteten Kinder und Jugendlichen wird vorläufig auf das Angebot der im Branchenverband VDV organisierten Verkehrsunternehmen und Verbünde hingewiesen, wonach „ab sofort und bis auf Weiteres Ukrainerinnen und Ukrainer, die aufgrund des Krieges in ihrem Land flüchten und nach Deutschland einreisen, hier kostenlos alle Busse und Bahnen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) nutzen können. Dies gilt für alle Nahverkehrszüge (S-Bahn, Regionalbahn, Regionalexpress etc.) sowie für alle U-, Straßen-, Stadtbahnen und Busse. Als Fahrausweis dienen entweder so genannte „0-Euro-Tickets“, wie sie beispielsweise von der Deutschen Bahn im Fernverkehr ausgestellt werden, oder auch ein gültiges Ausweisdokument.“ (vgl. Pressemitteilung des VDV vom 1. März 2022)

Bei den Pädagogischen Willkommensgruppen handelt es sich zwar um ein unterrichtliches Angebot, im derzeitigen Ausbaustand jedoch nicht um Pflicht- oder Wahlpflichtunterricht. Eine Beförderungspflicht der kommunalen Aufgabenträger besteht somit derzeit nicht. Gleichwohl werden die Aufgabenträger gebeten, die Beförderung zunächst ebenfalls im Rahmen einer freiwilligen Leistung zu übernehmen.

Sofern eine Aufnahme geflohener Kinder und Jugendlicher – auch mit einem stets widerruflichen Gastschülerstatus nach den Vorschriften der jeweiligen Schulordnung – in Regelklassen oder in konzeptionell bereits bestehenden besonderen Klassen oder Unterrichtsgruppen erfolgt, richtet sich die Schülerbeförderung nach den bestehenden Regeln, wobei regelmäßig mit der Anmeldung des Hauptwohnsitzes und der Schulaufnahme von der Begründung eines gewöhnlichen Aufenthalts ausgegangen werden kann.

Da Schutzsuchende aus der Ukraine nach Auskunft des StMI nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) leistungsberechtigt sind, könnten die geflohenen Kinder und Jugendlichen alternativ einen Anspruch auf Erstattung der Beförderung zur Schule haben. Der Antrag ist an die jeweilige Kreisverwaltungsbehörde (Landratsamt oder Sozialamt der Stadt) zu richten.

Rechtlicher Hintergrund:
Auf der Grundlage von § 3 Abs. 4 Satz 1 AsylbLG, § 34 Abs. 4 SGB XII können solche Fahrtkosten den örtlichen Trägern durch den Freistaat erstattet werden, Art. 8 AufnG. Nach § 3 Abs. 4 Satz 1 AsylbLG werden Bedarfe für Bildung und Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen neben den Leistungen entsprechend den §§ 34, 34a und 34b SGB XII gesondert berücksichtigt. Nach § 34 Abs. 4 SGB XII werden bei Schülerinnen und Schülern, die für den Besuch der nächstgelegenen Schule des gewählten Bildungsgangs auf Schülerbeförderung angewiesen sind, die dafür erforderlichen tatsächlichen Aufwendungen berücksichtigt, soweit sie nicht von Dritten übernommen werden. Aus unserer Sicht setzt § 34 Abs. 4 SGB XII (i.V.m. § 3 Abs. 4 Satz 1 AsylbLG) die Schulpflichtigkeit des betreffenden Kindes bereits ausweislich des Wortlauts nicht voraus. Auch beim Besuch der pädagogischen Willkommensgruppen wird ein unterrichtliches Angebot wahrgenommen, das unter den weit auszulegenden Begriff der Schule im Sinne des § 34 Abs. 4 SGB XII (i.V.m. § 3 Abs. 4 Satz 1 AsylbLG) zu fassen ist.

Besteht für geflüchtete Kinder und Jugendliche ein Unfallversicherungsschutz?

Geflüchtete Kinder und Jugendliche unterliegen mit Aufnahme an einer Schule als Schülerin bzw. Schüler dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Können ukrainische Schülerinnen und Schüler finanzielle Unterstützung bezüglich des Schulmaterials erhalten?

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die Grundleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, haben seit dem 01.03.2015 gemäß § 3 Abs. 4 AsylbLG einen von Anfang an gesondert zu berücksichtigenden Anspruch auf Bildungs- und Teilhabeleistungen (BuT).

Nach Maßgabe des § 2 Abs. 1 S. 1 AsylbLG erhalten Leistungsberechtigte, die sich seit 18 Monaten ohne wesentliche Unterbrechung im Bundesgebiet aufhalten und die Dauer des Aufenthaltsrechts nicht missbräuchlich selbst beeinflusst haben, Analogleistungen nach dem SGB XII (sowie Teil 2 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch)“. Informationen hierzu finden sich unter https://www.stmas.bayern.de/grundsicherung/jobcenter/index.php.

Gibt es Informationen über die Corona-Pandemie und Impfmöglichkeiten auf Ukrainisch?

Materialien zur Corona-Schutzimpfung, zur Pandemie sowie weitere Informationen zu Infektionskrankheiten und Impfungen stehen auf der Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auch auf Ukrainisch zur Verfügung.

Welche Regelungen gelten hinsichtlich des Masernschutzes? (akt. 13.05.2022; 10:00 Uhr)

Hinsichtlich des Masernschutzes gelten aus der Ukraine zugezogene Schülerinnen und Schüler, die im laufenden Schuljahr an einer Schule aufgenommen werden, als schulpflichtig im Sinne des Masernschutzgesetzes. Daher können sie als in diesem Sinne schulpflichtige Kinder und Jugendliche ungeachtet eines fehlenden Masernschutzes oder eines ungeklärten Masernschutzstatus aufgenommen werden. In diesen Fällen muss die entsprechende Meldung an das Gesundheitsamt erfolgen.

Weitere Informationen zu Infektionskrankheiten und Impfungen stehen auf der Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auch auf Ukrainisch zur Verfügung.

Können bzw. müssen die Teilnehmenden an Pädagogischen Willkommensgruppen in ASV/ASD aufgenommen werden?

Sollte die Schule aus organisatorischen oder administrativen Gründen die geplanten Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Pädagogischen Willkommensgruppen in ASV erfassen wollen, so ist dies in Form sogenannter Organisationsklassen (Klassenart ORG) möglich. Mit dieser Eintragungsweise werden sie bei allen Berechnungen im Zusammenhang mit der Unterrichtsplanung, insbesondere der Budgetberechnung, in ASV/ASD korrekterweise nicht berücksichtigt.

Erforderlich ist die Aufnahme in ASV/ASD jedoch grundsätzlich nicht.

Wie groß sollten Pädagogische Willkommensgruppen in etwa sein? (akt. 07.04.2022; 13:15 Uhr)

Pädagogische Willkommensgruppen sollten zwischen 10 und 20 Schülerinnen und Schüler umfassen (Richtwerte). Aus besonderen Gründen – z. B. im Hinblick auf psychisch besonders belastete Schülerinnen und Schüler oder aus zwingenden schulorganisatorischen Gründen – können auch kleinere Gruppen gebildet werden.

Gruppen mit mehr als 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind möglich, sofern einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunehmend in den Regelunterricht integriert werden und daher nicht durchgehend an den sonstigen Aktivitäten der Pädagogischen Willkommensgruppe teilnehmen.

Sofern im Zusammenwirken der regionalen Steuerungsgruppe an keiner Schule vor Ort eine passende Pädagogische Willkommensgruppe eingerichtet werden kann, weil insgesamt gemäß der o. g. Vorgaben nicht genügend Schülerinnen und Schüler vorhanden sind, können zur Beschulung der Schülerinnen und Schüler ergänzend außerunterrichtliche Sprachförderangebote eingerichtet und hierfür Willkommenskräfte eingesetzt werden.

Können an einer Schule auch mehrere Pädagogische Willkommensgruppen eingerichtet werden?

Ja. Grundsätzlich gilt es, die Herausforderungen, die mit der Aufnahme und Integration der großen Zahl an Menschen einhergehen, die vor dem Krieg aus der Ukraine nach Bayern geflohen sind, im gemeinsamen Schulterschluss zu bewältigen und die damit verbundenen Lasten auch im schulischen Bereich organisatorisch möglichst gleichmäßig zu verteilen.

Sofern die räumlichen und personellen Kapazitäten es zulassen, können Schulen jedoch selbstverständlich auch mehr als eine Pädagogische Willkommensgruppe einrichten.

Können Pädagogische Willkommensgruppen auch an privaten oder kommunalen Schulen eingerichtet werden? (akt. 18.05.2022; 11:25 Uhr)

Die Einrichtung von Pädagogischen Willkommensgruppen an Schulen in kommunaler und freier Trägerschaft ist auf freiwilliger Basis jederzeit möglich. Zusätzliche Personalkosten können im Zeitraum von Mai bis einschließlich Juli 2022 unter bestimmten Voraussetzungen (u. a. Mindestgruppengröße von 10 Kindern und Jugendlichen sowie Bedarfsbestätigung der zuständigen Steuerungsgruppe) im Rahmen verfügbarer Haushaltsmittel staatlich gefördert werden. Potenziell an der Förderung interessierte Schulträger sollten mit der Steuerungsgruppe des zuständigen Staatlichen Schulamts Kontakt aufnehmen.

Wer ist für die Ausgestaltung der Pädagogischen Willkommensgruppen zuständig?

Die Willkommensgruppen sind ein sehr offener, flexibler Rahmen, in dem unterschiedliche Modelle der Integration realisiert werden können. Die Schulen können gemäß dem Rahmenkonzept des Staatsministeriums sehr frei entscheiden, welche Schwerpunkte sie setzen und wie sie die Willkommensgruppen mit dem regulären Unterrichte verzahnen. Die Verantwortung für die Durchführung Pädagogischer Willkommensgruppen liegt bei der Schulleitung. Sie stimmt die pädagogische Konzeption und ihre Umsetzung mit den Willkommenskräften ab.

Unser Kollegium möchte helfen – wohin können wir uns wenden?

Ihr Kollegium hilft gerade im hohen Maße, indem Sie sich für die geflüchteten Kinder und Jugendlichen an Ihrer Schule stark machen – vielen Dank dafür!

Wenn Ihr Kollegium darüber hinaus Hilfe leisten möchte, stehen zahlreiche Hilfsorganisationen zur Verfügung, damit Ihre Hilfe auch dort ankommt, wo sie gebraucht wird.  Hier ist eines wichtig: Geldspenden sind besser als Sachspenden. Denn sie helfen den Hilfsorganisationen und damit auch den Menschen vor Ort unmittelbar. Bei Sachspenden besteht nach wie vor die Problematik des Transports. Denn es kann aufgrund der Kampfhandlungen und der damit einhergehenden sehr unübersichtlichen Lage vor Ort nicht gänzlich sichergestellt werden, dass die Hilfslieferungen auch genau diejenigen erreichen, die sie erreichen sollen.

Deshalb bitten alle Behörden und großen Hilfsorganisationen darum, ihnen keine Sachspenden, sondern Geldspenden für die Ukraine oder die Nachbarländer zukommen zu lassen.

Gespendet werden kann z. B. an die Aktion Deutschland hilft.

Genauere Informationen zu Geld- und Sachspenden und weitere Hilfeleistungen finden Sie unter: www.ukraine-hilfe.bayern.de

Informationen zur Schullaufbahn ukrainischer Schülerinnen und Schüler

Wann endet die Schulpflicht für ukrainische Schülerinnen und Schüler in Bayern?

Nach Art. 39 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BayEUG ist vom Besuch der Berufsschule befreit, wer einen mittleren Schulabschluss erreicht hat.

Für das Schulsystem der Ukraine sind dies Schülerinnen und Schüler, die die (vollständige) allgemeine mittlere Bildung an einer allgemeinbildenden Mittelschule, einer spezialisierten Schule nach den Jahrgangsstufen 10 bzw. 11, hier: mit staatlichen (schulischen) Abschlussprüfungen, abgeschlossen und erworben haben. Nachgewiesen wird diese über das Jahreszeugnis Klasse 10 („Tabel′ navčal′nych dosjahnen“) bzw. durch das Zeugnis über die vollständige allgemeine mittlere Bildung („Svidoctvo pro zdobuttja povnoji zahal'noji serednoji osvity“) nach Jahrgangsstufe 11. (vgl. Kurzinformationen zum ukrainischen Schulsystem (A bis Z))

Aufgrund der Beschlüsse der Kultusministerkonferenz vom 05.04.2022 (vgl. Das ukrainische Schulsystem: Aktuelles) betrifft Vorstehendes im Schuljahr 2021/2022 auch

  • Schülerinnen und Schüler, die in der Ukraine 10,5 Schuljahre im Schuljahr 2021/2022 besucht haben, sowie
  • Schülerinnen und Schüler, die in der Ukraine 9,5 Schuljahre im Schuljahr 2021/2022 besucht haben, kriegs- und fluchtbedingt diesen Schulbesuch unterbrechen oder abbrechen mussten.

Obwohl im Schuljahr 2021/2022 das zweite Schulhalbjahr ggf. nicht vollständig abgeschlossen werden kann, in Jahrgangsstufe 11 keine staatlichen ukrainischen Abschlussprüfungen durchgeführt werden, ist eine formale Gleichwertung der schulischen Ausbildung mit einem mittleren Schulabschluss für diese beiden Gruppen in Bayern gegeben.

Für weitere Fragen zu ausländischen Bildungsnachweisen steht das Bayerische Landesamt für Schule als Zeugnisanerkennungsstelle zur weiteren Beratung zur Verfügung.

Welche Möglichkeiten bestehen für ukrainische Jugendliche, die zeitnah eine Berufsausbildung anstreben?

Eine automatische Zuweisung von Jugendlichen, die das 15. Lebensjahr vollendet haben, an die Berufsschule erfolgt nicht. Jugendliche, die zeitnah eine Berufsausbildung anstreben und das 15. Lebensjahr vollendet haben, sollen jedoch bevorzugt in das Modell der Berufsintegration der Berufsschulen aufgenommen werden.

Grundsätzlich können auch an Wirtschaftsschulen, Berufsfachschulen und Fachoberschulen Pädagogische Willkommensgruppen eingerichtet werden und auch an den weiteren beruflichen Schulen ist eine Einrichtung denkbar (an den Berufsschulen werden zunächst die Kapazitäten im Modell der Berufsintegration – v. a. Deutschklassen an Berufsschulen – ausgeschöpft).
Die beruflichen Schulen werden im Rahmen der Steuerungsgruppen durch die Regionalkoordinatorinnen und Regionalkoordinatoren für Berufsvorbereitung in die Planungen eingebunden, die ggf. von den Koordinatorinnen und Koordinatoren für Berufsvorbereitung der Regierungen und den Ministerialbeauftragten für die Berufliche Oberschule unterstützt werden. Diese stellen die Verbindung zu den Angeboten der beruflichen Schulen her.

Können ukrainische Schülerinnen und Schüler an staatlichen Abschlussprüfungen in der Ukraine teilnehmen?

Die Ukraine hat mit dem Gesetz № 2157-IX am 24.03.2022 beschlossen, dass die Personen, die im Schuljahr 2021/2022 den Abschluss der vollständigen allgemeinen mittleren Bildung erwerben, von der Teilnahme an den staatlichen Abschlussprüfungen (ukrainisch: „Deržavna pidsumkova atestacija“) ebenso wie von der Teilnahme an den extern evaluierten Prüfungen für den Hochschulzugang befreit sind. Demnach werden im Schuljahr 2021/2022 keine staatlichen ukrainischen Abschlussprüfungen durchgeführt.

Die Ukraine plant, im Juli den an einem Studium in der Ukraine interessierten Schülerinnen und Schülern einen „nationalen Multifachtest“ aus Ukrainisch, Ukrainische Geschichte und Mathematik in einem online Testformat anzubieten. Der Multifachtest ist kein Abschlusstest als Zeugnis für das Schuljahr 2021/2022, sondern ein Einstufungstest für die Möglichkeit der Aufnahme an die ukrainischen Universitäten.

Können ukrainische Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2021/2022 eine Hochschulzugangsberechtigung in Bayern bzw. in den Ländern in der Bundesrepublik Deutschland erwerben?

Die Ukraine hat mit dem Gesetz № 2157-IX am 24.03.2022 beschlossen, dass die Zulassung zum Hochschulstudium für das Studienjahr 2022/2023 ohne Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben (Nachweis des Schulabschlusszeugnisses der Jahrgangsstufe 11 in Verbindung mit der „Externen unabhängigen Prüfung“) erfolgt. Mit Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 05.04.2022 spricht sich die Amtschefskonferenz nachdrücklich dafür aus, dass hierdurch Schülerinnen und Schüler sowie Studentinnen und Studenten, die berechtigt sind, die Feststellungsprüfung am Studienkolleg abzulegen bzw. ein Hochschulstudium in Deutschland aufzunehmen, nicht benachteiligt werden.

Geflüchteten aus der Ukraine, die ihr Schuljahr bzw. ihr Studienjahr 2021/2022 nicht regulär in der Ukraine abschließen können, wird der Hochschulzugang gemäß den „Beschlüssen der Kultusministerkonferenz zum Hochschulzugang mit ukrainischen Bildungsnachweisen“ über den Zugang zur Feststellungsprüfung am Studienkolleg eröffnet.

Für Fragen zum Hochschulzugang mit ausländischen Bildungsnachweisen stehen die Beratungsstellen der Hochschulen sowie das Bayerische Landesamt für Schule als Zeugnisanerkennungsstelle zur weiteren Beratung zur Verfügung.

Personalgewinnung und Personaleinsatz

Wer kommt als Willkommenskraft in Betracht?

Für einen Einsatz als Willkommenskraft kommen neben aktiven Lehrkräften u. a. auch Dritt- und Unterstützungskräfte, Lehramtsstudierende, pensionierte Lehrkräfte oder auch sonstige geeignete Personen, die berufliche Erfahrungen in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen haben (z. B. Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen), in Betracht.

Besonders gesucht sind neben Personen mit Qualifikationen im Bereich Deutsch als Fremdsprache (DaF) bzw. Deutsch als Zweitsprache (DaZ) auch Personen mit ukrainischen Sprachkenntnissen.

Auf welchen Wegen kann geeignetes Personal gefunden werden? (akt. 31.03.2022, 10:15 Uhr)

Zur Personalgewinnung sind verschiedene Möglichkeiten denkbar:

  • Gezielte Ansprache geeigneter Personen aus dem Umfeld der Schulen durch Schulleitung/Schulamt
  • „Direktbewerbungen“ interessierter Personen bei der Schule bzw. beim Schulamt
  • Interessierte Personen können sich auch über die Vermittlungsbörse auf der Homepage des Staatsministeriums, die für die Pädagogischen Willkommensgruppen erweitert wurde, registrieren: www.km.bayern.de/willkommenskraft. Schulleitungen wie Schulaufsicht können die Inserate z. B. nach Sprachkenntnissen, Vorqualifikationen (bis hin zu ukrainischen Lehrbefähigungen) oder gewünschten Einsatzorten filtern.

Wie sieht die Arbeit als Willkommenskraft aus? (akt. 13.04.2022; 12:35 Uhr)

Der Einsatz von Willkommenskräften kann im nichtunterrichtlichen Bereich erfolgen: im Rahmen von außerunterrichtlichen Bildungsangeboten (z. B. Projekte, Sprachförderung, unterstützende Hausaufgabenanleitung, pädagogische Freizeitangebote) und in der Wahrnehmung von Betreuungsaufgaben (z. B. Beaufsichtigung während Übungs- und Lernzeiten). Ebenso können Willkommenskräfte für unterrichtliche Tätigkeiten eingesetzt werden, die auf der Grundlage fachlicher und pädagogischer Kompetenzen mit einer systematisch-strukturierten Vermittlung neuer Kenntnisse einhergehen.

Können Willkommenskräfte auch an mehreren Standorten in Pädagogischen Willkommensgruppen eingesetzt werden?

Generell können Willkommenskräfte auch an unterschiedlichen Standorten tätig sein. Welche Rahmenbedingungen dabei zu beachten sind, ist im jeweiligen Einzelfall zu klären.

Wie ist das Arbeitsverhältnis als Willkommenskraft angelegt?

Wer sich jetzt neu als Willkommenskraft engagiert, erhält einen zunächst bis zum 29. Juli 2022 befristeten Arbeitsvertrag. Der Beschäftigungsumfang und die konkreten Tätigkeiten richten sich nach der Ausgestaltung der Pädagogischen Willkommensgruppen vor Ort.

Wer bereits im Schuldienst tätig ist, erhält für die Tätigkeit in den Willkommensgruppen in der Regel eine Mehrarbeitsvergütung; bei befristet Beschäftigten in Teilzeit wird die Arbeitszeit des laufenden Vertrags für befristete Zeit erhöht.

Wonach richtet sich die Bezahlung bei einer Tätigkeit als Willkommenskraft?

Die Bezahlung richtet sich generell nach der Qualifikation und der überwiegenden Tätigkeit, die vor Ort in den Pädagogischen Willkommensgruppen ausgeübt wird.

Wie können aktive oder ehemalige Lehrkräfte in der gegenwärtigen Situation helfen?

Lehrkräfte im Ruhestand sind voll qualifiziert und verfügen über wertvolle Erfahrungen. Jede Lehrkraft, die nach Ruhestandseintritt wieder zurück an die Schule möchte, ist daher willkommen – unabhängig davon, wie lange der Eintritt in den Ruhestand schon zurückliegt.

  • Die Anzahl der Stunden, die gearbeitet werden kann ohne pensionsschädlich zu wirken, variiert je nach persönlicher Situation. In der Regel kann ein Beamter rund 1/3 seines Ruhegehalts hinzuverdienen, ohne dass dies pensionsschädlich wirkt.
  • Zuständig für alle Fragen der Abwicklung sind die jeweiligen Regierungen. Die notwendigen Formulare finden Sie an gewohnter Stelle auf der Homepage Ihrer Regierung.

Unterstützungsangebote der ALP

Die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) Dillingen stellt zahlreiche Unterstützungsangebote bereit und informiert auf dieser Seite fortlaufend über weitere Fortbildungsmöglichkeiten:
Unterstützungsangebote für Lehrkräfte im Umgang mit dem Ukraine-Krieg

Unterstützungsangebote des ISB

ISB

Zur Unterstützung der schulischen Integration von geflohenen Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine hat das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) München eine Übersichtsseite mit Materialien und weiterführenden Links zusammengestellt: 
https://www.willkommen.schule.bayern.de/

Weitere Angebote

Welche Angebote an Sprachkursen und für die Vermittlung in Studium, Ausbildung und Arbeit gibt es für Geflohene aus der Ukraine, die nicht mehr schulpflichtig sind? (akt. 03.05.2022; 12:50 Uhr)

Einen Überblick über Sprachkurse und weitere Unterstützungs-, Weiterqualifizierungs- und Serviceangebote, die den geflohenen Menschen aus der Ukraine die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtern, gibt u. a. eine zweisprachige Online-Plattform der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Auf dieser Plattform ist auch eine Stellenbörse zu finden:

Sprungbrett into work Ukraine – Du bist neu in Deutschland und suchst einen Job? (sprungbrett-intowork.de)

Auch seitens des Bayerischen Volkshochschulverbands bestehen Angebote zur Sprachförderung und Orientierung für Schutzsuchende aus der Ukraine:

1. Erstorientierungskurse (EOK) (u. a. an Bayerischen Volkshochschulen)
Weitere Informationen zu den Kursen, die wesentliche Informationen über das Leben in Deutschland und erste Deutschkenntnisse vermitteln, sowie die Voraussetzungen zur Teilnahme, sind zu finden unter https://www.bamf.de/DE/Themen/Integration/TraegerLehrFachkraefte/TraegerProjektfoerderung/Erstorientierungskurse/erstorientierungskurse-node.html
 

2. Wegweiserkurse (WWK)
Im Rahmen von Wegweiserkursen, die ebenfalls an Volkshochschulen angeboten werden, werden wesentliche Informationen über das Leben in Deutschland in der Herkunftssprache vermittelt.
 

3. Alpha Asyl
Für den Erwerb oder die Verbesserung der Schriftkompetenz in der Zweitsprache Deutsch haben Ukrainerinnen und Ukrainer mit Aufenthaltsgenehmigung nach § 24 AufenthG Zugang zu Alpha Asyl Kursen, die vom Freistaat Bayern gefördert werden.
Personen mit Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Beschäftigung oder Ausbildung (§ 18 bzw. § 16 ff. AufenthG) haben Zugang zu den Kursen Alpha+ besser lesen und schreiben, die ebenfalls vom Freistaat Bayern gefördert werden.

4. vhs-Lernportal

Das vhs-Lernportal ist eine bundesweite Lernplattform für Grundbildung und Deutsch als Zweitsprache (bis Level B2). Der Lernbereich Deutsch als Zweitsprache ist als Standardlehrmittel in den Integrationskursen des BAMF anerkannt. Die Nutzung des vhs-Lernportals ist für Lernende kostenfrei und kann von Geflüchteten aus der Ukraine, die unabhängig von Kursangeboten Deutsch lernen wollen, genutzt werden (vhs-Lernportal - Willkommen im vhs-Lernportal).

Seitens der Bundesagentur für Arbeit stehen ebenfalls Informationen für Geflüchtete sowie Migrantinnen und Migranten zu den Themen Studium, Ausbildung und Beruf in Deutschland sowie Anerkennung von Zeugnissen zur Verfügung – auch in englischer und ukrainischer Sprache:

Start in Deutschland – abi.de

Einsteigen - planet-beruf.de

Welche weiteren außerschulischen Angebote gibt es?

„Kultur macht stark“-Projekte stehen auch geflüchteten Kindern und Jugendlichen von 3 bis 18 Jahren aus der Ukraine offen. Zusätzlich können lokale Bündnisse für Bildung auch Projekte beantragen, die diese Zielgruppe adressieren, etwa wenn sie in Flüchtlingsunterkünften o. Ä. durchgeführt werden (Kultur macht stark (kulturmachtstark-bayern.de)).

Unterrichtlicher/pädagogischer Umgang mit dem Ukraine-Krieg

Sollen Willkommenskräfte den Krieg in der Ukraine thematisieren? Wie soll mit der aktuellen Situation an der Schule umgegangen werden?

Eine schulische Willkommenskultur erfordert, dass sich geflohene Kinder und Jugendliche auch außerhalb des besonderen Schutzraums der Pädagogischen Willkommensgruppen an den Schulen angenommen und sicher fühlen. Entsprechend gilt an den Schulen gegenüber Mobbing und Diskriminierung eine klare Null-Toleranz-Strategie. Es ist Aufgabe der gesamten Schulfamilie, Schülerinnen und Schüler vor Diskriminierungen zu schützen und ein tolerantes Miteinander zu fördern.

Im Sinne des fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungsziels der Politischen Bildung ist die Schule ein geeigneter Ort, um in einem geschützten Rahmen offen und altersangemessen über kriegerische Auseinandersetzungen sprechen zu können. Die Schülerinnen und Schüler sollen auch im Unterricht einen Raum bekommen, ihre Ängste und Sorgen zum Ausdruck zu bringen, und in einem demokratischen Diskurs einen eigenen Standpunkt zum aktuellen Geschehen zu entwickeln. Dabei ist es für die Lehrkräfte unerlässlich, den zum Teil heterogenen Sichtweisen auf den Krieg im Sinne des Beutelsbacher Konsenses zu begegnen. Dies bedeutet auch, mitunter zu entscheiden, was im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und des Völkerrechts nicht kontrovers ist. Dabei ist ggf. Aufklärungsarbeit zu leisten und sind Falschinformationen („Fake News“) als solche zu thematisieren. Durch Versachlichung kann es darüber hinaus gelingen, Ereignisse und Bedrohungsszenarien in ihren Dimensionen einzuordnen, ohne damit den Emotionen der Schülerinnen und Schüler ihre Berechtigung abzusprechen.

Um der Gefahr vorzubeugen, dass sich der Konflikt in den schulischen Bereich überträgt, ist es wichtig darauf zu achten, dass der Krieg nicht als Konflikt zwischen Nationen dargestellt wird und die Akteure richtig benannt werden. Insbesondere dürfen Kinder und Jugendliche nicht aufgrund politischer Entscheidungen in ihren Herkunftsländern stigmatisiert oder für diese verantwortlich gemacht werden. Eine besondere Sensibilität ist daher bei Schülerinnen und Schülern mit Verbindungen nach Russland und in die Ukraine geboten. Diese müssen als Teil der Schulfamilie besonders geschützt und Anfeindungen strikt unterbunden werden.

Wo findet man Unterstützung bei Konflikten über den Krieg in der Ukraine, die in die Schule getragen werden?

Bei Konflikten an Schulen stehen innerschulisch als Ansprechpartner die Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie die Beratungslehrkräfte zur Verfügung. Weitere Informationen zu den Unterstützungsangeboten der Staatlichen Schulberatung sind unter www.schulberatung.bayern.de zu finden.

Weiterhin kann auf die 25 Regionalbeauftragten für Demokratie und Toleranz verwiesen werden, die dienstlich an den neun Staatlichen Schulberatungsstellen angebunden sind und über diese vertraulich kontaktiert werden können. Diese speziell ausgebildeten Schulpsychologen, Schulpsychologinnen bzw. Beratungslehrkräfte stehen der ganzen Schulfamilie als kompetente Ansprechpartner für verhaltens-orientierte Prävention sowie anlassbezogene Intervention gegen jedwede Form von Extremismus oder Diskriminierung zur Verfügung. Sie beraten Lehrkräfte im Hinblick auf den richtigen Umgang mit Diskriminierung, Demokratiefeindlichkeit, Diffamierung sowie Radikalisierung im Schulkontext. Zudem fördern sie die kritische Medienkompetenz bei Schülerinnen und Schülern, sodass diese Falschinformationen erkennen können. Die Dekonstruktion von tradierten Stereotypen und der damit einhergehende Abbau von Vorurteilen gehören ebenso zu ihrem Aufgabenbereich.

Können auch Unterrichtsmaterialien in ukrainischer Sprache eingesetzt werden?

Die Pädagogischen Willkommensgruppen zielen darauf ab, ukrainischen Kindern und Jugendlichen u. a. durch neue soziale Kontakte, Begegnungen mit der deutschen Sprache oder das Kennenlernen des Schulalltags in Bayern den Einstieg in die schulische Integration in unserem Land zu erleichtern. Um den geflohenen Kindern und Jugendlichen weiterhin den Kontakt zu ihrer Heimat zu ermöglichen, können Teile des Angebots – je nach Situation vor Ort – auch in ukrainischer Sprache stattfinden.

So können, sofern entsprechend qualifizierte Lehrkräfte (z. B. aus der Ukraine) zur Verfügung stehen, im Rahmen der Pädagogischen Willkommensgruppen auch Unterrichtssequenzen in ukrainischer Sprache durchgeführt werden. Bei der Einbettung dieser Angebote in das pädagogische Konzept der jeweiligen Pädagogischen Willkommensgruppe ist darauf zu achten, dass immer auch die anderen Zielsetzungen der Pädagogischen Willkommensgruppen im Blick behalten werden.

Ein umfassendes unterrichtliches Angebot in ukrainischer Sprache, das sich an ukrainischen Lehrplänen orientiert, den gesamten Schulvormittag abdeckt und durchgehend durch ukrainische Lehrkräfte umgesetzt wird, ist mit dem konzeptionellen Rahmen der Pädagogischen Willkommensgruppen hingegen nicht vereinbar. Selbstverständlich steht es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Pädagogischen Willkommensgruppen frei, außerhalb der Willkommensgruppen und damit außerhalb der schulischen Verantwortung an ukrainischsprachigen Angeboten jeder Art teilzunehmen.

Welche Medien bzw. Plattformen mit Unterrichtsmaterialien in ukrainischer Sprache können den Willkommenskräften empfohlen werden?

Zur Umsetzung von Unterrichtssequenzen in ukrainischer Sprache stehen im Internet umfassende Hilfsmittel zur Verfügung. Das Medieninstitut der Länder – FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht gGmbH hat auf MUNDO (www.mundo.schule), der frei zugänglichen offenen Bildungsmediathek der Länder, ukrainische Lehrwerke verlinkt. Diese können dort über die Suche „Ukraine Schulbuch“ schnell gefunden und niederschwellig ohne Passwort oder Kennung genutzt werden. Auch der Zugriff auf ukrainische Lehrwerke des Faches Deutsch als Fremdsprache ist möglich (Suche: „Ukraine Schulbuch deutsch“). Darüber hinaus werden die ukrainischen Bildungsmedien auch in der mebis Mediathek zur Verfügung stehen, so dass auch eine einfache Einbindung in die mebis Lernplattform möglich ist. Die mebis Lernplattform kann inzwischen auch auf die Sprache „Ukrainisch“ umgestellt werden.

Gibt es Empfehlungen oder werden Materialien zur Verfügung gestellt, um den Konflikt im Unterricht thematisieren zu können? (akt. 29.03.2022, 13:25 Uhr)

Der Ukraine-Konflikt mit seinen Auswirkungen bewegt die Menschen in der ganzen Welt und beschäftigt natürlich auch die bayerischen Schülerinnen und Schüler. Unsere Lehrkräfte fangen sie mit ihren Fragen und Ängsten auf und sind wichtige Ansprechpartner und Vertrauenspersonen.

Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus, das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsfor-schung (ISB) sowie die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen (ALP) stellen kurzfristig Internet-Angebote bereit, in denen sich Hinweise auf vielfältige Unterstützungsangebote finden:

  • ISB: Auf der Website des ISB ist eine Themenseite eingerichtet, die unter der Adresse https://www.isb.bayern.de/willkommensgruppen abrufbar ist und laufend ergänzt wird. Dort stehen sukzessive unterstützende Angebote für Lehrkräfte bzw. Willkommenskräfte (pädagogisch-didaktische Materialien z.B. zum Spracherwerb oder zum Erwerb interkultureller Kompetenz, digitale Sprachlernanwendungen, Lern- und Lehrmittel, Konzepte und Good-Practice-Beispiele) bereit sowie Informationen über die Ukraine (z. B. Landeskunde, ukrainisches Schulsystem, Hintergründe zum Konflikt, Hilfsmittel zur Erleichterung der Kommunikation zwischen ukrainischen und bayerischen Kindern und Jugendlichen).

Auf den Online-Plattformen www.historisches-forum.bayern.de und www.politischebildung.schule.bayern.de werden ebenfalls laufend aktualisierte Linklisten zu hochwertigen deutschsprachigen Online-Ressourcen zum Thema „Krieg in der Ukraine“ bereitgestellt. Zudem erhalten Lehrkräfte hier auch Hilfen (u. a. schulartübergreifende und anpassbare Materialien zur Unterrichtsplanung und Gestaltung) für die Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht im Unterricht sowie die Integration von jungen Flüchtlingen und Asylbewerbern an den Schulen. Ganztagsschulen können hier Unterstützung finden. 

  • ALP: Auf der Website der ALP Dillingen ist eine eigene Themenseite eingerichtet, die unter der Adresse https://links.alp.dillingen.de/ukraine abrufbar ist. Die Themenseite bündelt von der ALP zur Verfügung gestellte Materialien und Fortbildungsangebote für Lehrkräfte. Diese Angebote unterstützen die Lehrkräfte in der derzeitigen Situation gezielt und bedarfsgerecht. Neben Informationsmaterialien bieten Selbstlernkurse und eSessions die Möglichkeit, dass Lehrkräfte zeitlich flexibel an für sie passenden und ihren Bedürfnissen entsprechenden Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen. Thematisch werden unterschiedliche Bereiche abgedeckt, wie etwa der Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen, eine Einordnung des Krieges aus der Perspektive der politischen Bildung oder der sprachsensible Unterricht. Eine Anmeldung zu den Online-Lehrgängen ist direkt von der Themenseite aus über FIBS möglich.
  • Die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (BLZ) hat eine aktuelle historisch-politische Analyse zum Hintergrund des Ukraine-Kriegs von Prof. Dr. Klaus Gestwa online bereitgestellt und erarbeitet Angebote in ihrer Reihe „Zeit für Politik“.
  • Für die jüngere Generation war der Krieg bisher ein geschichtliches Ereignis, das sie aus Geschichtsbüchern oder durch Erzählungen der Urgroßeltern kannten. Hier finden sich Materialien zum Thema „Krieg im Alltag thematisieren“.
  • Im Bereich der Grund- und Mittelschulen sind die Beraterinnen und Berater Migration an den Staatlichen Schulämtern qualifizierte und bewährte Ansprechpartner für Fragen zur Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit Migrations- oder Fluchthintergrund. Sie unterstützen Grund- und Mittelschullehrkräfte bei der Umsetzung von qualitativ hochwertigen Deutschfördermaßnahmen sowie bei der interkulturellen Erziehung und tragen dazu bei, die interkulturellen Kompetenzen von Lehrkräften zu stärken und damit die Integration der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund zu fördern.

Gibt es Fortbildungsangebote für Lehrkräfte?

Die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalentwicklung (ALP) Dillingen bietet einen ca. 45-minütigen Online-Selbstlernkurs (Lehrgangsnummer: 102/678E) für Lehrkräfte an, der kompakt aktuelle Informationen und Materialien zum Krieg in der Ukraine zur Verfügung stellt. Zudem stehen den Lehrkräften Grundlagen-Informationen zum Thema Traumatisierung und zu praxisnahen Methoden im Umgang frei zur Verfügung. Des Weiteren bietet die ALP eSessions zu folgenden Themen an: ​

  • Wie Kinder und Jugendliche mit den Bildern vom Krieg umgehen“ (Lehrgangsnummer: 102/S0324 bzw. 102/S0281))
  • „Krieg in der Ukraine: Prävention von und Intervention bei diskriminierenden Vorfällen im Schulleben“ (Lehrgangsnummer: 102/686)
  • „Informationsveranstaltung für Deutschlehrkräfte am Gymnasium zum (außer-)unterrichtlichen Umgang mit ukrainischen Flüchtlingen“ (Lehrgangsnummer: 102/690E) 
  • „Ukraine – ein historischer Überblick zur Einordnung der aktuellen Lage“ (Lehrgangsnummer: 102/698E)
  • „Pädagogischer Umgang mit durch Krieg und Flucht traumatisierten Kindern und jungen Menschen“ (schulartspezifische Lehrgangsnummern, vgl. Flyer)

Geplant sind weitere eSessions in absehbarer Zeit.

Rahmenkonzept: Geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine im bayerischen Schulsystem

Das Rahmenkonzept für die bayerischen Schulen enthält Informationen und Hinweise zur Aufnahme geflüchteter Kinder und Jugendlicher an den Schulen. 

Den aus der Ukraine geflohenen Kindern und Jugendlichen soll ein gutes Ankommen im bayerischen Schulsystem ermöglicht werden. Im Vordergrund steht hierbei das Ziel, Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln. Zudem sollen die geflohenen Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit haben, das Ankunftsland Bayern und sein Schulwesen kennenzulernen. Ein großer Wunsch vieler ukrainischer Familien ist es außerdem, dass ihre Kinder auch im Ankunftsland die Verbundenheit mit der ukrainischen Heimat bewahren können und, soweit möglich, nicht den Anschluss zum ukrainischen Schulsystem verlieren.

Das ukrainische Schulsystem im Überblick

Informationsschreiben von Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo

Weitere Informationen

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Aktuelle Meldungen

Ukraine-Hilfe Pädagogische Willkommensgruppen für geflüchtete Kinder aus der Ukraine

Bild: Aus Papier gebastelte Kette von Menschen

Durch schulische Strukturen Sicherheit und Geborgenheit vermitteln: Mit Pädagogischen Willkommensgruppen richtet das bayerische Kultusministerium ab sofort ein Angebot für geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine ein.

Ukraine-Hilfe Schulen erhalten Angebote zur Betreuung und Unterstützung

Bild: Mädchen formt ein Herz für die Ukraine

Mit viel Fingerspitzengefühl über den Krieg in der Ukraine sprechen: Das bayerische Kultusministerium stellt den Schulen vielfältige Unterstützungs- und Betreuungsangebote im Umgang mit dem Krieg in der Ukraine zur Verfügung. 

KIBBS aktuell Hinweise zum Umgang mit dem Krieg in der Ukraine in der Schule

Bild: Mädchen mit Ukraine-Flagge am Auge blickt in die Kamera

Der Krieg in der Ukraine beschäftigt und verunsichert Menschen weltweit. Vor kurzer Zeit erschien dies noch undenkbar und es macht viele fassungslos, wütend, hilflos und ängstlich. Im Folgenden werden Hinweise gegeben, in der Schule mit der schwierigen Situation umzugehen.

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