Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten Schüler beweisen sich als historische Spurensucher

Ministerialdirektor Herbert Püls, Kultusministerium, (li.) zeichnet gemeinsam mit Dr. Thomas Paulsen, Vorstandsmitglied der Körber-Stiftung, (re.) die beiden Schüler Bernadette Vogler und Leandro Liebler des Deutschherren-Gymnasiums Aichach mit ihrem Lehrer Michael Lang (2. v. re.) aus
Ministerialdirektor Herbert Püls, Kultusministerium, (li.) zeichnet gemeinsam mit Dr. Thomas Paulsen, Vorstandsmitglied der Körber-Stiftung, (re.) die beiden Schüler Bernadette Vogler und Leandro Liebler des Deutschherren-Gymnasiums Aichach mit ihrem Lehrer Michael Lang (2. v. re.) aus

Aus der Geschichte lernen:  500 Schülerinnen und Schüler aus ganz Bayern haben in den Archiven recherchiert sowie Gespräche mit Zeitzeugen und Experten geführt. Daraus sind thematisch vielfältige Forschungsbeiträge entstanden, die nun in München ausgezeichnet worden sind.

Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo
Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo

Im Rahmen der Preisverleihung beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gratulierte Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo den Schülern: „Eure Arbeiten zeigen, wie viel mehr man aus der Geschichte lernen kann, wenn man historische Ereignisse nicht nur an Daten festmacht, sondern an konkreten Beispielen aus Biographien oder der damaligen Lebenswelt. Wer die Umbrüche in der Vergangenheit kennt und die entsprechenden Lehren daraus zieht, kann den Aufbruch in die Zukunft sinnvoll mitgestalten.“  Insgesamt hatten rund 500 Schülerinnen und Schüler aus ganz Bayern über 80 Beiträge eingereicht, 22 davon wurden als beste Arbeiten ausgewählt und erhielten dafür heute ihre Auszeichnungen.

Ministerialdirektor Herbert Püls
Ministerialdirektor Herbert Püls

Ministerialdirektor Herbert Püls, Amtschef im Kultusministerium, ehrte die herausragenden Leistungen der Landessieger und Förderpreisträger aus ganz Bayern: „Ihr alle habt euch mit viel Engagement und Freude am Forschen und Entdecken auf eine lehrreiche, historische Spurensuche begeben. Dabei habt ihr in den Archiven sowie in alten historischen Quellen einige neue Erkenntnisse ans Tageslicht geholt, aber auch in Gesprächen mit Zeitzeugen und Experten viel wichtiges Hintergrundwissen erfahren. Ich gratuliere euch zu euren sehr gut recherchierten und informativ aufbereiteten Forschungsbeiträgen.“ Umbruch und Aufbruch waren Leitmotive des diesjährigen Wettbewerbs, der unter dem Motto „So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch“ stand. Beispiele von Krisen, Umbrüchen und Aufbrüchen fanden die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei meist in ihrem direkten Lebensumfeld, sei es in den Flucht- und Migrationserfahrungen der eigenen Familie oder in der eigenen Region. 

Von der Revolution 1919 bis zum Mauerfall 1989 – breites Spektrum an Themen spiegelt Zeiten von Umbruch und Krise wider

Viele der Arbeiten begaben sich auf die Suche nach den Spuren des jüdischen Lebens in ihrem Heimatort oder beleuchteten die Regionalgeschichte in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Andere Projekte beschäftigten sich mit der innerdeutschen Teilung und den Auswirkungen des Mauerbaus sowie des Mauerfalls. Die „friedliche“ Revolution von 1989 wurde dabei ebenso aufgegriffen wie die Revolution von 1919, die in Bayern zu blutigen Unruhen führte. So vielfältig die Themen der eingereichten Beiträge waren, so abwechslungsreich gestaltete sich auch die Form der Dokumentation: Von selbst konzipierten Ausstellungen über Podcasts bis hin zu Rollenspielen fanden die Schülerinnen und Schüler viele kreative Wege, um ihre historischen Funde anschaulich zu präsentieren und Geschichte dabei lebendig werden zu lassen.

Die ausgezeichneten Schulen in Bayern und ihre Beiträge im Überblick:

Landessieger:

  • Jüdisches Gymnasium München: „Spuren im Sand. Die Geschichte des hebräischen Gymnasiums in München von 1946-1951“
  • Louise-Schroeder-Gymnasium München: „Point Alpha – Ein Stellvertreter“
  • Dom-Gymnasium Freising: „Wenn Steine sprechen könnten… Jüdisches Leben in Freising zur Zeit des Nationalsozialismus“
  • Simpert-Kraemer-Gymnasium Krumbach: „Kriegsende 1945 und Neubeginn in der Nachkriegszeit in Krumbach (Schwaben). Die Übergabe der Stadt Krumbach an amerikanische Soldaten am 27. April 1945 als ‚Stunde Null‘?“
  • Gymnasium Carolinum Ansbach: „Räte-Republik. Eine Ansbacherin liest sich durch die Revolution“
  • Hans-Scholl-Realschule für Knaben Weiden: „WAA Wackersdorf. So geht’s nicht weiter. Krise – Umbruch – Aufbruch“
  • Kepler-Gymnasium Weiden: „‚Neues Glück im Tal des Todes‘ eine Untersuchung zur sozialen Praxis der Vergangenheitsbewältigung am Beispiel der Rebesiedlung der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg“
  • Private Berufsschule der St. Michaelis-Werke e.V. Grafenwöhr: „Handicap – back to the past. Ein Rollenspiel zur NS-Zeit und danach. Wie lebten Menschen mit Behinderung in der NS-Zeit? Wie leben sie heute? – Eine kreative Aufarbeitung“
  • Grundschule Altenstadt: „Die Geschichte der Familie Steinhauser und das verschwundene Dorf Paulusbrunn“
  • Willi-Ulfig-Mittelschule Regensburg: „Frieda Schottig gibt nicht auf. Schoah – ein Wort, das Vergangenheit in Erinnerung bleiben lässt“
  • Kaiser-Heinrich-Gymnasium Bamberg: „GESCHICHTE für dich. Warum floh die Regierung 1919 nach Bamberg“

Förderpreisträger:

  • Michaeli-Gymnasium München: „Der Mauerfall – Umbruch in der DDR“
  • Michaeli-Gymnasium München: „Das Attentat bei Olympia 1972“
  • Gymnasium Geretsried: „Lager und Siedlung: Vom Föhrenwald zu Waldram“
  • Deutschherren-Gymnasium Aichach: „Frauenstimmrecht nein? 100 Jahre Frauenwahlrecht. Sind Frauen heute politisch gleichberechtigt?“
  • Johannes-Scharrer-Gymnasium Nürnberg: „Alle hielten dicht – 16 flohen. Eine Schulklasse wählte die Freiheit.“
  • Augustinum-Gymnasium Weiden: „Dr. Loew Soziale Dienstleistungen“
  • Kepler-Gymnasium Weiden: „Im Wandel der Zeit. Die Reformation im Fürstentum Pfalz-Neuburg“
  • Gustl-Lang-Schule Staatliche Wirtschaftsschule Weiden: „Ausstellung KZ-Gedenkstätte Flossenbürg – 74 Jahre nach der Befreiung. Was war? Was bleibt? Was hat das mit mir zu tun? Unsere Gedanken – dargestellt mit Light Painting“
  • Caspar-Vischer-Gymnasium Kulmbach: „Das Tagebuch von Maria Hofmann. Mein Weg in die Freiheit“
  • Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg: „Demokratie in unruhigen Zeiten. 1919 Die Bamberger Verfassung – Geschichte und Geschichten zur Bamberger Verfassung“
  • Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium Münnerstadt: „Gerhard Cartellieri. Bürgermeister von Gotenhafen. Ein biografischer Blick auf schwierige Entscheidungen in krisenhaften Zeiten“

Auszeichnung als landesbeste Schule:

  • Kepler-Gymnasium Weiden

Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Die Hamburger Körber-Stiftung und das Bundespräsidialamt richten seit 1973 den bundesweit mit bislang über 146.500 Teilnehmern und rund 33.500 Beiträgen teilnahmestärksten Geschichtswettbewerb für junge Menschen in Deutschland aus. Er findet im zweijährigen Turnus zu wechselnden Themen statt.  Sein übergeordnetes Ziel ist es, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte zu wecken, Selbstständigkeit zu fördern und Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Auf Landesebene vergibt die Körber-Stiftung 250 Landespreise und 250 Förderpreise. Alle Landessieger haben die Chance, im November 2019 als Bundessieger in Berlin vom Bundespräsidenten geehrt zu werden.

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