200 Jahre Max-Josef-Stift: Mädchenbildung mit Tradition und Zukunft

Kultusminister Spaenle bei seiner Laudatio im Herkulessaal der Münchner Residenz
Kultusminister Spaenle bei seiner Laudatio im Herkulessaal der Münchner Residenz

Münchens renommierte Mädchen-Schule feiert Geburtstag. Auf der 200-Jahr-Feier des Max-Josef-Stifts erinnerte Kultusminister Ludwig Spaenle an die wechselvolle Geschichte des einzigen staatlichen Mädchen-Gymnasiums mit Internat in Bayern: „Schülerinnen ganzheitlich erziehen – das ist der Anspruch des Max-Joseph-Stifts bis heute“, so der Minister.

Im Herkulessaal der Münchner Residenz feierten 1.400 geladene Gäste das 200. Gründungsjubiläum des May-Josef-Stifts – darunter Prinzessin Beatrice von Bayern mit ihrem Sohn Prinz Tassilo, der Muslimratsvorsitzende Sokol Lamaj, Apostolos Malamoussis, Erzpriester der griechisch-orthodoxen Kirche, sowie der französische Generalkonsul Emmanuel Cohet. Schülerinnen und Lehrkräfte sorgten für ein ebenso anregendes wie anspruchsvolles Programm: Das Symphonieorchester des Max-Josef-Stifts und seine Chöre begeisterten ihr Publikum mit Werken von Purcell, Beethoven, Schubert, Verdi, Wagner und Elgar.

Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, neben Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Schulleiterin Gisela Ewringmann Festredner der Jubiläumsfeier, verdeutlichte in seiner Laudatio: „Das Max-Josef hat es in seiner langen Geschichte immer verstanden, mit der Zeit zu gehen. Am Max-Josef-Stift hatten Sie immer den Mut, sich zu wandeln und sich gleichzeitig treu zu bleiben.“

Kultusminister Spaenle mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Schulleiterin Gisela Ewringmann sowie einer Schülerin
Kultusminister Spaenle mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Schulleiterin Gisela Ewringmann sowie einer Schülerin

„Das Max-Josef-Stift steht für eine zeitgemäße und ganzheitliche Mädchenbildung – und das seit 200 Jahren. Tradition mit Vision verbinden – am Max-Josef-Stift zeigen Sie, wie das geht!“, lobte der Kultusminister.

Bereits 1809, drei Jahre nach seiner Krönung, hatte Bayerns König Max I. Joseph beschlossen, öffentliche Schulen für Mädchen in Bayern zu errichten. Als Vorbild für seine Mädchenschule wählte der frankophile bayerische König die kaiserlichen Institute zu Écouen und Saint-Denis bei Paris. Und ganz nach den Regeln der napoleonischen Mädchenschulen, den heutigen Maisons d`éducation de la Légion d`honneur, gründete Max I. dann seine erste Schule für Mädchen in München.

Am 27. Mai 1813, dem Geburtstag des Königs, öffnete am Oberanger Nummer 17 das erste bayerische „Weibliche Erziehungsinstitut für die höheren Stände“ seine Pforten. Historiker Ludwig Spaenle erinnerte daran, dass 1813 auch ein Schicksalsjahr für Bayern war:„Im Oktober 1813, im so genannten Vertrag von Ried, wechselte Bayern die Seiten und trat der antinapoleonischen Allianz bei. Napoleons Stern war am Untergehen, 1815 erlebte Napoleon sein Waterloo“, berichtete der Minister.

In den Jahren 1837 bis 1841 erbaute Münchens berühmter Architekt Friedrich von Gärtner in der Ludwigstraße, am heutigen Professor-Huber-Platz, das Gebäude, das die Mädchenschule beinahe einhundert Jahre lang beherbergte. „In diese Zeit fällt auch die Umbenennung in die heute übliche Bezeichnung unserer Jubilarin“, so Ludwig Spaenle. „Am 10. August 1856 erhielt die Schule zur Erinnerung an ihren Stifter den offiziellen Namen „Max-Joseph-Stift“.

„1913, zum 100. Geburtstag folgte dann das letzte Jubiläum des Stifts, das das bayerische Königshaus begleitet hat. Diesem Jubiläum verdankt das Stift auch übrigens die Gründung seines agilen Stiftsvereins“, so Spaenle weiter, „Wann immer erforderlich, setzt sich die Vereinigung Max-Joseph-Stift e.V. für ihre Schule ein und steht solidarisch zu Mitgliedern, die in Not geraten sind. Das ist großartig!“

Den Ersten Weltkrieg überstand das Stift nahezu unbeschadet. Ab 1924 wurde das Erziehungsinstitut schließlich unter staatliche Verwaltung gestellt. „Doch auch der Staat konnte nicht verhindern, das die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre auch von den Stiftsmädchen ihren Tribut forderte“, berichtete der Minister, „Kalt duschen oder im Wintermantel essen – das war damals in Ermangelung von Holz und Kohle an der Tagesordnung.“

Und auch der Zweite Weltkrieg ging am Max-Josef-Stift nicht spurlos vorüber. Weil das Schulhaus in der Ludwigstraße zu klein wurde, siedelte die Schule im April 1939 in die Mühlbaurstraße 15 über. „Drei Monate später mussten die Schülerinnen und ihre Lehrer das neue Gebäude schon wieder verlassen: Das Schulhaus war beschlagnahmt worden und wurde als Hilfskrankenhaus genutzt“, berichtete Minister Spaenle, „Das Stift zog wieder zurück in die Ludwigstraße – diesmal ins Georgianum.“

Nach Kriegsende ging der Schulbetrieb in Salesianerinnenkloster Beuerberg weiter: „Das war das erste und einzige Mal, dass das Max-Josef-Stift auch Knaben aufgenommen hat“, so der Kultusminister. Erst im September 1951 durfte das Stift als neunklassiges Realgymnasium nach München in die Mühlbaurstraße 15 zurückkehren.

1964 wurde die Schule in Neusprachliches Gymnasium umbenannt. Seit 1988 führt das Max-Josef-Stift auch einen musischen Ausbildungszweig.

Symphonieorchester und Chöre des Max-Josef-Stifts bezauberten ihr Publikum
Symphonieorchester und Chöre des Max-Josef-Stifts bezauberten ihr Publikum

Heute habe das Max-Josef-Stift ein sehr stark ausgeprägtes Schulprofil – auch als Heimschule, sagte Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle: „Wir haben es gerade gehört: Wie kaum eine andere Schule hat das Max-Josef-Stift seinen musischen Zweig zum Blühen gebracht!“ Ebenso selbstverständlich zum Programm des Max-Josef-Stifts gehört die Pflege der deutsch-französischen Freundschaft. „Erst vor wenigen Wochen haben wir das 50-jährige Jubiläum der Unterzeichnung der Elysee-Verträge gefeiert“, sagte Minister Spaenle, „Herzstück dieses Vertrages war es, den Austausch der Jugend zu fördern. Das Max-Josef-Stift lebt diese Vereinbarung – vom Schüleraustausch bis zum Europaprojekttag!“

„Das pädagogische Profil des Max-Josef-Stifts hat viele Innovationen hervorgebracht. Aber zur Heimat wurde diese Schule für viele Schülerinnen, weil sie seit 200 Jahren Schule und Internat in einem ist“, würdigte der Minister. „Internatsschulen mit ihrem Ganztags- und Heimbetrieb haben die größten Chancen, Begabungen zu entdecken, zu wecken und zu fördern“, so der Minister weiter, „Viele individuelle Fördermöglichkeiten, die wir in Bayern in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht haben, werden am Max-Josef-Stift schon seit vielen Jahren erfolgreich umgesetzt.“

Abschließend sagte Ludwig Spaenle: „Chancen und Zukunft für alle unsere Kinder und Jugendlichen überall in Bayern – das ist mein bildungspolitisches Credo. Das Max-Josef-Stift beweist: Bayerische Schulen leben das seit vielen Jahren!“

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