Louis-Kissinger-Preis: Erinnerung an einen besonderen Lehrer

Evi Kurz (Initiatorin des Louis-Kissinger-Preis), Louis-Kissinger-Preisträgerin Margit Felscher, Dana Kissinger (Enkelin von Louis Kissinger), Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle und Fürths Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung (v.l.n.r.)
Evi Kurz (Initiatorin des Louis-Kissinger-Preis), Louis-Kissinger-Preisträgerin Margit Felscher, Dana Kissinger (Enkelin von Louis Kissinger), Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle und Fürths Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung (v.l.n.r.)

Am Helene-Lange-Gymnasium Fürth ist erstmals der Louis-Kissinger-Preis verliehen worden. Kultusminister Ludwig Spaenle würdigte den Namensgeber als einen „hingebungsvollen und überzeugten Lehrer, der in seinem Beruf aufging“.

Das Schicksal des Louis Kissinger ist exemplarisch für das von vielen Juden im Dritten Reich: Als beliebter und anerkannter Lehrer unterrichtete er am Mädchenlyzeum in Fürth, dem Vorläufer des Helene-Lange-Gymnasiums. Geschichte und Geografie waren seine Fächer. Doch die jüdischen Lehrerinnen und Lehrer wurden systematisch von den Nationalsozialisten aus den Kollegien vertrieben.

1938 emigrierte die Familie Kissinger nach New York. Die Nationalsozialisten ermordeten 13 Verwandte der Familie. Der 1887 geborene Louis Kissinger starb 1982 in den USA. Einer seiner Söhne erlangte Weltruhm: Henry Kissinger wurde anerkannter Außenminister der USA.

Helene-Lange-Gymnasium Fürth: Im Altbau unterrichtete Louis Kissinger
Helene-Lange-Gymnasium Fürth: Im Altbau unterrichtete Louis Kissinger

Bis zuletzt schmerzte seinen Vater das Verbot, seinen geliebten Beruf in Bayern ausüben zu dürfen. Kultusminister Ludwig Spaenle: „Es verwundert nicht, dass ihn der Schmerz, den ihm das verbrecherische Regime der Nationalsozialisten dadurch zufügte, dass es ihn aus diesem Beruf vertrieb, bis ins hohe Alter begleitete:

Dr. Ludwig Spaenle in Fürth
Dr. Ludwig Spaenle in Fürth

„Ich werde niemals vergessen“– so Louis Kissinger im Jahr 1972 über seine Ehefrau Paula – „was sie für mich bedeutete, als ich meine Stellung aufgeben musste, für die ich so hart gearbeitet habe und in der ich eine so große Zufriedenheit fand.“

Ich freue mich, dass der passionierte Lehrer Louis Kissinger nun als Namensgeber eines Lehrerpreises fungieren darf!“

Die Umstände, die zu der Schaffung dieses Preises führten, sind symbolträchtig: Das Gründungskapital stammt aus Louis Kissingers deutscher Lebensversicherung. Sein Sohn Walter übergab das Geld der Stadt Fürth, da sein Vater nach eigenem Bekunden hier die glücklichsten Jahre seines Lebens verbrachte. Die Stadt stiftete dann den Preis.

Kultusminister Spaenle skizzierte in seiner Ansprache den Weg zur systematischen Entrechtung und Erniedrigung jüdischer Lehrerinnen und Lehrer im Dritten Reich. Ein Gesetz mit dem zynischen und beschönigenden Titel Zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums bedeutete das Ende der Tätigkeit von jüdischen Lehrkräften an den meisten Schulen in Deutschland.

Luftbild der Schule
Luftbild der Schule

Das Gesetz war nicht nur ein Instrument zur Gleichschaltung des öffentlichen Dienstes, mit dem dieser nach den ideologischen Kriterien der neuen Machthaber gestaltet wurde und politisch missliebige Beamte entlassen werden konnten.

Zugleich war das Gesetz vom April 1933 eine der ersten Maßnahmen zur Ausgrenzung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung. Im Jahr 1935 wurde dann das sogenannte Reichsbürgergesetz erlassen.

Neben den Lehrerinnen und Lehrern wurden auch jüdische Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt aus den allgemeinen Schulen vertrieben. Im Zuge der Novemberpogrome des Jahres 1938 wurde jeglicher gemeinsamer Unterricht von jüdischen und – im Sinne der Nationalsozialisten – deutschen Kindern untersagt.

Das Gesetz „gegen die Überfüllung an deutschen Schulen und Hochschulen“ legte niedrige Quoten für den Anteil jüdischer Kinder und Jugendlicher an einer Schule fest. Auch die Familie Kissinger war davon betroffen: Louis Kissingers Söhne Walter und Heinz  besuchten aufgrund dieser Regelung die jüdische Realschule an der Blumenstraße. Heinz amerikanisierte später seinen Vornamen: Als Henry Kissinger war er von 1973 -1977 renommierter US-Außenminister.

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle gratuliert Margit Felscher
Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle gratuliert Margit Felscher

„Erfahrungen der Vergangenheit müssen uns Anspruch und Leitlinie in der Gegenwart sein“, mahnte Kultusminister Ludwig Spaenle. Die Stadt Fürth fordert bei der Auswahl der Preisträger des Louis-Kissinger-Preises ausdrücklich besondere Leistungen auf dem Gebiet der Werteerziehung. „Zu einer Werteerziehung im Geiste unserer Verfassung gehören als zentrale Aspekte – die Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne, die Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, sowie Verantwortungsfreudigkeit und Hilfsbereitschaft“, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle.

Der Louis-Kissinger-Preis 2012 wurde darum an die Lehrerin Margit Felscher verliehen. Die 63-jährige Pädagogin unterrichtet Mathematik und Geografie an der Leopold-Ullstein Realschule Fürth. Der mit 1.000 Euro dotierte Preis wurde ihr in Beisein der aus Genf angereisten Enkelin des Stifters, Dana Kissinger, sowie Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle von Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung überreicht. Neben ihrem Eintreten für eine fundierte Werteerziehung wurde dabei vor allem das kulturelle Engagement der Preisträgerin hervorgehoben.

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