Deutschförderung an bayerischen Grund- und Mittelschulen

Ein Schwerpunkt der Integration von ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern liegt zweifellos im Bildungsbereich. Dort bestehen die unmittelbarsten Einwirkungsmöglichkeiten der Landespolitik. Entsprechend dem Föderalismusprinzip gibt es dabei in den Bundesländern unterschiedliche Bildungsangebote zur Förderung der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Die Schule ist dabei der Ort in der Gesellschaft, in dem Integration in besonderer Weise geleistet werden kann. Mit dem Ansatz der individuellen Förderung sollen die Fähigkeiten und Potentiale aller Kinder und Jugendlichen bestmöglich ausgeschöpft werden. Der Freistaat Bayern hat dabei Schwerpunkte gesetzt:

Hauptziel der Förderung der rund 65. 000 ausländischen Schülerinnen und Schüler in den bayerischen Grund- und Mittelschulen ist der schnelle und gründliche Erwerb der deutschen Sprache und damit die möglichst reibungslose Integration in Schule, Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, mithin in die Gesellschaft. Der Schwerpunkt liegt auf einer möglichst frühzeitigen und intensiven Sprachförderung, die die schulischen Erfolgschancen von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund nachhaltig verbessern soll. Fehlende oder geringe Deutschkenntnisse sind für Schulanfänger und spät einsteigende Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache ein großes Hemmnis für die Integration und den Schulerfolg. Die Deutschfördermaßnahmen wirken dem gezielt entgegen.

Besondere Fördermaßnahmen für Schüler mit Migrationshintergrund

Die Fördermaßnahmen für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund umfassen

  • die Vorkurse Deutsch,
  • die Deutschförderklassen,
  • die Deutschförderkurse,
  • die Übergangsklassen.

Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Sprachen bereichern den Unterricht und beleben den Schulalltag. An Schulen mit einem hohen Anteil von Schülern und Schülerinnen mit Migrationshintergrund besteht aber auch die Gefahr kultureller und gesellschaftlicher Konflikte.

Hier setzt die interkulturelle Erziehung an, die das Kennenlernen der unterschiedlichen Kulturen, gegenseitige Toleranz und Akzeptanz sowie weitergehendes Verständnis im Umgang der Schülerinnen und Schüler miteinander beinhaltet.

Neben den Deutschfördermaßnahmen, die das Erlernen der deutschen Sprache zum Ziel haben, wird seit dem Schuljahr 2009/10 in allen Jahrgangsstufen der Grund- und Mittelschule die Höchstzahl 25 eingehalten, wenn der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund mehr als 50% beträgt. Im Schuljahr 2010/11 wurde diese Regelung fortgeführt und es konnten bayerweit 401 zusätzliche Klassen eingerichtet werden. Davon profitieren vor allem große Städte wie München, Nürnberg und Augsburg.

Vorkurs Deutsch

Grundlagen:
Die defizitären Kenntnisse der deutschen Sprache führen bei Kindern mit Migrationshintergrund nicht selten zu geringem Schulerfolg. Deshalb ist eine gezielte Sprachförderung schon vor Eintritt in die Grundschule notwendig. Schulische Fördermaßnahmen, wie Deutschförderkurse oder Deutschförderklassen können sich bei Bedarf daran anschließen.

Die Grundlage für die Feststellung des Sprachstandes bildet der sog „SISMIK-Bogen“ (Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen) in den Kindergärten. Hier wird in der Mitte des vorletzten Kindergartenjahres die sprachliche Kompetenz in der deutschen Sprache erhoben.

Entwicklung:
2002 wurde der Vorkurs Deutsch als Kooperationsmodell zwischen Grundschule und Kindergarten zur Deutschförderung eingeführt. Bis zum Schuljahr 2004/05 fand der Vorkurs Deutsch in Form einer 40-stündigen Förderung im Zeitraum zwischen Mai und Juli vor der Einschulung statt.
Im Schuljahr 2005/06 erfolgte eine erste Ausweitung dieser Kurse auf das gesamte letzte Jahr vor der Einschulung auf 160 Stunden. Im Schuljahr 2008/09 wurde der Vorkurs dann abschließend auf 240 Stunden sowie auf die zweite Hälfte des vorletzten Kindergartenjahres ausgeweitet.

Einzelheiten zum Modell dieses Vorkurses:

  • Grundlage: SISMIK-Beobachtungsbogen zu Beginn des vorletzten Kindergartenjahres
  • Zielgruppe: Kinder mit Migrationshintergrund im vorletzten Jahr vor der Einschulung ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen, deren beide Elternteil nichtdeutscher Herkunft sind
  • Kooperation zwischen Kindergärten und Grundschulen mit jeweils 120 Stunden Förderung
  • Förderort: Kindergarten (Kindergartenanteil); Grundschule/Kindergarten (schulischer Anteil; Entscheidung nach lokalen Gegebenheiten)
  • Verpflichtung: Der Besuch des Vorkurses ist nicht verpflichtend. Kinder, die jedoch beim Zeitpunkt der Schuleinschreibung nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen und keinen Vorkurs besucht haben, können vom Schulbesuch zurückgestellt und zum Besuch eines Vorkurses verpflichtet werden.
  • Materialien: Das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung hat gemeinsam mit dem Staatsinstitut für Frühpädagogik die sog. „Lernszenarien“ entwickelt.
  • Fortbildungskampagne Vorkurs Deutsch 240: Um die Effektivität der Vorkurse weiter zu verbessern, führen das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen (StMAS) und das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus (StMUK) ab dem Kindergarten- bzw. Schuljahr 2010/2011 gemeinsam die Fortbildungskampagne „Vorkurse Deutsch 240“ durch.

Deutschförderklassen

Mit Beginn des Schuljahres 2002/2003 wurden als Förderangebot für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund so genannte Sprachlernklassen eingerichtet. Seit dem Schuljahr 2007/2008 wird diese Fördermaßnahme als Deutschförderklasse bezeichnet. Diese Bezeichnung wird dem Anliegen einer intensiven Form der inneren Differenzierung besser gerecht.
Deutschförderklassen sollen gezielt dem intensiven Spracherwerb und der Integration der nichtdeutschen Mitschülerinnen und Mitschüler dienen. Die Deutschförderklassen sind das geeignete Förderangebot, wenn der Unterricht regulär planbar sowie ganzjährig angelegt ist und werden überall dort, wo es organisatorisch möglich und fachlich sinnvoll ist, durch die Staatlichen Schulämter eingerichtet.

Merkmale der Deutschförderklasse
In einer Deutschförderklasse werden Schülerinnen und Schüler aus der Regelklasse (Stammklasse) zusammengefasst, die keine oder sehr geringe Deutschkenntnisse haben. Deutschförderklassen können in allen Jahrgangsstufen der Grund- und Mittelschulen eingerichtet werden. Sie umfassen ca. 12 Schülerinnen und Schüler, die in ausgewählten Fächern den Unterricht getrennt von ihrer Stammklasse erhalten, in den übrigen Fächern nehmen sie am Unterricht ihrer Stammklasse teil. Der gemeinsame Unterricht dient insbesondere der Integration.
Insgesamt gilt für die Deutschförderklasse die in der Stundentafel für die jeweilige Jahrgangsstufe ausgewiesene Pflichtstundenzahl. Die Deutschförderklasse kann bis zu zwei Schuljahre bestehen, die Dauer hängt vom individuellen Fortschritt im Erlernen der deutschen Sprache ab. Auch während des Schuljahres können Schülerinnen und Schüler – gegebenenfalls auch sukzessive - in die Stammklasse zurückgeführt werden, d.h. sie nehmen dann komplett am Unterricht in deutscher Sprache teil.

In den Jahrgangsstufen 1 bis 7 erhalten die Kinder bis zu zwei Jahre lang eine auf das Erlernen der deutschen Sprache und auf ihre Grundkenntnisse und Grundfertigkeiten bezogene Förderung mit dem Ziel, in ihre Stammklasse zu wechseln und dort – falls erforderlich mit begleitenden Hilfen – ihre Schullaufbahn erfolgreich fortzusetzen. Jugendliche Späteinsteiger, die in eine Deutschförderklasse der Jahrgangsstufe 8 aufgenommen werden, sollen in den verbleibenden zwei Jahren zum erfolgreichen Abschluss der Mittelschule und ggf. zum Erwerb des qualifizierenden Abschlusses der Mittelschule geführt werden.

Dieses Modell stellt sicher, dass

  • auf der einen Seite der kompakte Deutschunterricht in der Deutschförderklasse die Schülerinnen und Schüler zügig an den erforderlichen Leistungsstand heranführt
  • und auf der anderen Seite die Isolation und Gettoisierung dieser Kinder überwunden wird.

Ziel ist es, die Kinder soweit zu fördern, dass sie je nach ihrer Leistungsentwicklung nach einem oder nach zwei Jahren ohne Zeitverlust voll in ihre Regelklasse eingegliedert werden können und dort ihre Schullaufbahn erfolgreich fortsetzen.

Deutschförderkurse

Deutschförderkurse verstehen sich in erster Linie als begleitende Fördermaßnahme für Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache in Regelklassen der Grund- oder Mittelschule. Im Schuljahr 20014/15 konntenüber 45. 551 Schülerinnen und Schüler in etwa 5.573 Kursen gefördert werden.

Das Staatliche Schulamt entscheidet auf Grundlage eines Förderkonzeptes über die Stundenzuteilung für die einzelnen Schulen.
Grundsätzlich erhält jede Schülerin und jeder Schüler, der an einem Deutschförderkurs teilnimmt, im Zeugnis eine Bewertung im Fach Deutsch als Zweitsprache. Ebenso erfolgt eine solche Bewertung, wenn eine Schülerin oder ein Schüler zwar keinen Deutschförderkurs besucht, aber nach den Grundsätzen des Lehrplans für Deutsch als Zweitsprache unterrichtet wird. Umfasst der Deutschförderkurs mindestens fünf Wochenstunden, so erfolgt die Zeugnisbewertung ausschließlich auf der Basis der Leistungserhebungen, die in diesem Kurs absolviert werden. Bei Deutschförderkursen im Umfang von einer bis vier Wochenstunden werden die hier erbrachten Leistungen in angemessener Weise berücksichtigt.

Deutschförderkurse an der Grundschule im Umfang von einer bis vier Wochenstunden finden zusätzlich zum regulären Deutschunterricht statt. An der Mittelschule kann dafür ganz oder teilweise eine Befreiung vom übrigen Unterricht (nicht nur Deutschunterricht) ausgesprochen werden. Für Deutschförderkurse im Umfang von fünf oder mehr Stunden ist eine Befreiung vom Unterricht in der entsprechenden Stundenzahl notwendig.

Übergangsklassen

Übergangsklassen werden für Schülerinnen und Schüler angeboten, die als Quereinsteiger in das bayerische Schulsystem eintreten und nur rudimentäre oder gar keine Deutschkenntnisse haben. Die Grundlage für den Unterricht in der Übergangsklasse stellt der Lehrplan Deutsch als Zweitsprache dar. Durch stark differenzierte Unterrichtsformen sollen die Schülerinnen und Schüler besonders in der deutschen Sprache gefordert und gefördert werden und bei entsprechendem Lernfortschritt in der deutschen Sprache in die entsprechende Jahrgangsstufe der Regelklasse zurückgeführt werden.

Weitere Maßnahmen

Mütter lernen Deutsch an der Schule ihrer Kinder

Als Hauptursache für die oft beklagte mangelhafte Zusammenarbeit mit Erziehungsberechtigten von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache werden Verständnisschwierigkeiten und Schwellenängste der sprachgehemmten Eltern angegeben. Zahlreiche ausländische Mütter, verfügen nur über geringe, teilweise keinerlei Deutschkenntnisse.

Durch die Organisation von Sprachkursen am Vormittag für Mütter an Schulen lassen sich diese Defizite beheben. Zudem dient ein solcher Sprachkurs der Förderung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus. In den Sprachkursen werden auch schulische und fächerspezifische Inhalte aufgegriffen, etwa Elternbriefe, Schullaufbahn, Erziehungsfragen, Lernmittelfreiheit, Formulare aller Art, Fachausdrücke oder Rechenverfahren. Die Durchführung dieser Kurse im Bereich der Erwachsenenbildung ist ohne die Unterstützung und Koordination durch die Schule, die zeit- und arbeitsintensiv ist, nicht möglich.

Notwendig hierzu ist die Kooperation verschiedener Partner: 

  • der Schulen (Koordination des Angebots, schulrelevanter Input des Unterrichtsangebotes),
  • dem Sachaufwandsträger (stellt Räumlichkeiten an der Schule zur Verfügung),
  • Trägern der Erwachsenenbildung (Lehrpersonal für Mütter),
  • privaten Sponsoren (zur Finanzierung des Fachpersonals zur Kinderbetreuung),
  • der an Sprachunterricht und Schule interessierten Mütter (kleiner finanzieller Eigenbeitrag)

Tätigkeit von Beraterinnen und Beratern Migration

Ein weiteres wichtiges Instrument zur Optimierung des Unterrichts für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund - und damit ihrer Integration - stellen im Freistaat Bayern die Beraterinnen und Berater Migration dar, die die Lehrkräfte bei den Aufgaben der Vermittlung des Faches 'Deutsch als Zweitsprache' und der interkulturellen Erziehung unterstützen.
Für die Tätigkeit als Beraterin bzw. Berater Migration sind im Schuljahr 2011/12 insgesamt 283 Anrechnungsstunden veranschlagt. Die Auswahl erfolgt unter dem Gesichtspunkt der fachlichen Qualifikation, gute Sprachkenntnisse in einer Fremdsprache wie Türkisch, Italienisch, Kroatisch usw. sind aber ebenfalls wichtig. Gerade die Beratung Migration kann dazu beitragen, die Qualität des Unterrichts zu steigern, die Abschlussprofile und das Anforderungsniveau des Unterrichts zu verbessern und damit die schnellere Integration der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund zu fördern.

Deutsch als Zweitsprache

Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache werden auf breiter Basis in der deutschen Sprache gefördert. Dabei muss zwischen Intensiv- und Begleitmaßnahmen unterschieden werden. Alle Maßnahmen basieren auf dem Lehrplan für das Fach 'Deutsch als Zweitsprache' , der seit 2002 für alle allgemein bildenden Schulen gilt. Er berücksichtigt einerseits neueste didaktisch-methodische Erkenntnisse aus dem Zweitsprachenerwerb, andererseits bezieht er mehr als zwanzig Jahre Erfahrung im Unterrichtsfach Deutsch als Zweitsprache mit ein.

Der Lehrplan "Deutsch als Zweitsprache" setzt wichtige und aktuelle Erkenntnisse aus Praxis und Fachwissenschaft um und findet bundesweite Anerkennung. Er wurde mit KMBek. vom 18.12.2001 (KWMBl I Nr. 1/2002) angekündigt und ist sowohl in einer Ausgabe des Maiss Verlags (Tel.: 089/242097-0) veröffentlicht als auch im Internetauftritt des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung München zu finden. Der Lehrplan ist seit dem 01.08.2002 für alle Jahrgangsstufen verbindlich. Er gilt für den Unterricht im Fach Deutsch als Zweitsprache in Grundschule, Mittelschule, Gymnasium, Realschule, Wirtschaftsschule, Berufsschule und Förderschule.


Inhaltliche Neuerungen des Lehrplans 

In den jeweils sechs Lernfeldern des Grund- und Aufbaukurses werden Themenvorschläge in Modulen angeboten, die offenes und schülerbezogenes Lernen ermöglichen. Ein leeres Modul gibt Gelegenheit, auf aktuelle oder kursspezifische Themen einzugehen. Ein zeitlicher Rahmen wird nicht vorgegeben, um auf unterschiedlichste Bedingungen und Gegebenheiten eingehen zu können. In den Kerninhalten werden Sprechsituationen benannt, in denen die Lernenden zyklisch ihr Sprachwachstum erweitern können. Es werden lexikalische Bereiche benannt, deren inhaltliche Konkretisierung je nach Lernsituation erfolgt. Unter dem Untertitel "Syntaktische Mittel" werden Musterbeispiele für den Schwierigkeitsgrad der sprachlichen Inhalte gegeben. Damit wird deutlich, dass Grammatik nicht beschreibend, sondern funktional gelernt wird.

  • Die Rubrik Mögliche Schüleraktivitäten gibt eine Fülle von Anregungen für einen handelnden schüler- und situationsbezogenen Unterricht. Das Sprachlernen wird als kreativer Prozess betrachtet. Dem individuellen Lernen und dem Anwenden und Erproben wird daher ein sehr hoher Stellenwert beigemessen. Wesentliche Kriterien des neuen Lehrplankonzeptes zeigen sich auch in der Unterteilung der möglichen Schüleraktivitäten in vier Bereiche:
  • Unter dem Punkt Individuelles Lernen werden Anregungen für das selbstständige Lernen gegeben, vor allem für die individuelle Wortschatzerweiterung, die eine zentrale Bedeutung für die Kommunikation und das Leseverstehen hat.
  • Die Rubrik Gemeinsames Lernen bietet als Vorschläge Tätigkeiten an, die in verschiedenen Sozialformen durchgeführt, die Basis für eine vielfältige mündliche und schriftliche Umsetzung der Lernziele bildet.
  • Unter Lernen außerhalb der Klasse werden Vorschläge gemacht, wie die deutschsprachige Umgebung zum effektiven Lernort für Sprache wird.
  • Im Bereich Sprachliche und kulturelle Erfahrungen nutzen wird der interkulturelle Aspekt bei den Lerngruppen verankert, da unterschiedlichste Erfahrungen fruchtbar für Kommunikation genutzt werden können und das Sprachwachstum fördern.
  • Durch die Anregungen in der Rubrik Lernen lernen wird die Fähigkeit des Lernenden gefördert, sich Sprache selbstständig und in Eigeninitiative zu erwerben. Für unterschiedliche Lerntypen werden unterschiedliche Lernstrategien angeboten.

Grenzen der Förderung

Herausforderungen und Lösungsversuche

Trotz vielfältiger Fördermaßnahmen stellt sich jedoch nicht bei allen Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund der gewünschte Schulerfolg ein. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass eine große Anzahl der betroffenen Familien - trotz der Tendenz zum Daueraufenthalt - im täglichen Umgang überwiegend die Muttersprache benützt, sich in die eigene Kultur und Religion zurückzieht und von daher die Förderung der eigenen Kinder in der deutschen Sprache nicht nachhaltig genug unterstützt wird. Ein weiteres Problem stellen auch die anhaltenden Wanderungsbewegungen der ausländischen Wohnbevölkerung dar. Zahlreiche Zu- und Wegzüge von ausländischen Kindern und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter in den Freistaat Bayern wirken sich ungünstig auf den Schulerfolg dieser Schülergruppe aus. Schule ist auf einen regelmäßigen und dauerhaften Unterricht hin ausgerichtet. Aus dem hohen Anteil der Quer- und Seiteneinsteiger erwächst trotz intensiver Fördermaßnahmen das Problem, dass bei einer Verweildauer von nur wenigen Schuljahren die Ziele der bayerischen Mittelschule nicht voll erreicht werden können und die staatlichen Eingliederungsbemühungen an den Schulen an Grenzen stoßen.

Zudem ist die Schule allein nicht in der Lage, eine vollständige Integration und Förderung von Kinder und Jugendlicher mit Migrationshintergrund zu gewährleisten, wenn diese Bemühungen von den Familien - aus welchen Gründen auch immer - nicht mitgetragen werden. Eine regelmäßige und enge Zusammenarbeit zwischen Schulen, Jugendhilfe, Sozialbehörden, Arbeitsverwaltung, Ausländerbehörden, Polizei und Justiz, die zu konkreten Lösungen für das einzelne Kind führen muss, erscheint unerlässlich. Eine besonders wichtige Rolle spielt an Schulen in sozialen Brennpunkten mit hohem Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund die präventive Zusammenarbeit zwischen sozialpädagogischen Fachkräften der Jugendhilfe und den Lehrkräften. Rasche Krisenintervention bereits in der Schule sowie kind- und familienbezogene therapeutische Hilfen dürfen nicht nur vereinzelt zur Verfügung stehen. Deshalb ist die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe durch vielfältige Maßnahmen intensiviert worden.

Vorhandene Potenziale können so besser vernetzt und ausgebaut werden. Damit wird noch mehr zur Integration von ausländischen Kindern und Jugendlichen beigetragen und der Schulerfolg dieser Gruppe gesteigert.

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