Pressemitteilung Nr. 039 vom 19.02.2013 PULSS-Studie: In Bayerns Hochbegabtenklassen werden Schülerinnen und Schüler gut gefördert

Kinder in Hochbegabtenklassen zeigen im Vergleich zu überdurchschnittlich begabten Schülerinnen und Schülern in Regelklassen einen deutlichen Leistungsvorsprung - Junge Menschen schätzen die Lernatmosphäre in Hochbegabtenklassen - Acht Standorte in allen bayerischen Regierungsbezirken

MÜNCHEN. Hochbegabte Schülerinnen und Schüler werden in Modellklassen an bayerischen Gymnasien ihren Bedürfnissen entsprechend gut gefördert. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht der sogenannten PULSS-Studie, die das Konzept der Hochbegabtenklassen auch im Vergleich zu Regelklassen in Bayern und Baden-Württemberg untersucht hat. Wissenschaftler befragten zwischen 2008 und 2012 über 1.000 Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern und Lehrkräfte zu ihren Erfahrungen. Die Ergebnisse fließen unter anderem mit Blick auf die Hochbegabtenförderung in Regelklassen oder von Mädchen in die Weiterentwicklung des Förderangebots für besonders Begabte ein.

Wissensvorsprung und soziale Anerkennung

Die Schülerinnen und Schüler der Hochbegabtenklassen zeigen - auch im Vergleich zu ebenfalls überdurchschnittlich begabten Kindern in Regelklassen - einen deutlichen Leistungsvorsprung in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Natur und Technik. So nehmen beispielsweise Leseverständnis und -geschwindigkeit deutlich stärker zu als bei Kindern in den Vergleichsklassen. Kaum Unterschiede ergeben sich hinsichtlich des Geschlechts: Mädchen und Jungen aus Hochbegabtenklassen zeigen gleich gute Leistungen, lediglich im Fach Englisch schneiden die Mädchen etwas besser ab.
Ihre Erfahrungen aus dem Unterricht beschreiben die Gymnasiasten in vielen Aspekten ähnlich. Schülerinnen und Schüler aus beiden Klassentypen bevorzugen zum Beispiel jeweils kooperative Lernformen. Eine besonders ausgeprägte Freude am Denken erleben die Kinder in Hochbegabtenklassen bei sich selbst. Sie spüren in ihren Klassen zudem eine größere soziale Anerkennung als vergleichbar begabte junge Menschen in Regelklassen und fühlen sich sehr gut in ihre Klassengemeinschaft integriert. Die überwiegende Mehrheit der befragten Kinder mit überdurchschnittlicher Begabung gibt daher an, seit dem Besuch einer Hochbegabtenklasse deutlich lieber in die Schule zu gehen.

Junge Menschen werden ganzheitlich gefördert

Eltern, die ihr Kind in einer Hochbegabtenklasse angemeldet haben, beurteilen diese Klassenform aufgrund der individuellen Unterstützung der jungen Menschen und der gelungenen sozialen Integration als positiv. Besondere Förderung erfahren die Schülerinnen und Schüler aus Hochbegabtenklassen vor allem über die Unterrichtsgestaltung: Langeweile kommt nicht auf, denn Übungsphasen und Wiederholungen werden in einigen Bereichen zugunsten zusätzlicher Angebote reduziert. Beispielsweise können sich die Kinder und Jugendlichen über Projektarbeit oder mehrsprachigen Unterricht vertieft mit Inhalten des Lehrplans auseinanderzusetzen. Weitere Zusatzangebote zielen auf eine ganzheitliche Förderung der jungen Menschen und bieten Methodentraining oder Programme zur Stärkung der sozialen Kompetenz an.
Hochbegabtenklassen in allen Regierungsbezirken
In Bayern gibt es derzeit an acht Standorten in allen Regierungsbezirken Förderklassen, in denen hochbegabte Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung besonders unterstützt werden. Aufnahmevoraussetzungen sind neben dem Nachweis einer Hochbegabung auch besondere Kreativität im Umgang mit problematischen Fragestellungen. Um sich ein Bild von den jungen Bewerberinnen und Bewerbern machen zu können, laden die Schulen unter anderem zu einem Testunterricht ein.
Tests, Fragebögen und Unterrichtstagebücher als Grundlage der Studie
Das Projekt für die Untersuchung des Lernens in der Sekundarstufe (PULSS) wurde im Auftrag des Bayerischen und des Baden-Württembergischen Kultusministeriums in Kooperation mit der Karg-Stiftung von den Universitäten in Würzburg, Ulm, Erlangen-Nürnberg und Trier durchgeführt. Mit Hilfe von Tests und Fragebögen wurden die Leistungsentwicklung und Aspekte der Schulerfahrung wie Motivation, Wohlbefinden und Selbsteinschätzung der jungen Menschen in Begabten- und Regelklassen von der fünften bis zur siebten Jahrgangsstufe dokumentiert. Lehrkräfte der Begabtenklassen führten Unterrichtstagebücher. Die Eltern der teilnehmenden Schüler wurden in Form von Fragebögen zu den Beweggründen ihrer Klassenwahl, zu ihren Erwartungen und ihrer Zufriedenheit in Bezug auf die Förderung ihres Kindes befragt.

An folgenden Schulen sind derzeit Förderklassen für Hochbegabte eingerichtet:
- Gymnasium bei St. Stephan Augsburg
- Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium Bayreuth
- Comenius-Gymnasium Deggendorf
- Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting
- Maria-Theresia-Gymnasium München
- Dürer-Gymnasium Nürnberg
- Kepler-Gymnasium Weiden
- Deutschhaus-Gymnasium Würzburg

Vielfältige Wege der Begabtenförderung in Bayern

Neben dem Konzept der Hochbegabtenklassen setzt das Bayerische Kultusministerium auf weitere Maßnahmen, um Kinder und Jugendliche mit besonderen Begabungen in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Dazu gehören schulübergreifende Programme, in denen sich interessierte Schülerinnen und Schüler mit wissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen können, sowie verschiedene Ferienseminare und Angebote des Frühstudiums an der Hochschule. Einen geschlechterspezifischen Ansatz verfolgte beispielsweise das fünftägige Seminar „Mathe und mehr“ für mathematisch besonders begabte Mädchen im November 2012 in Würzburg.

Weitere Informationen zur Begabtenförderung: http://www.km.bayern.de/eltern/lernen/foerderung/begabtenfoerderung.html


Kathrin Gallitz, 089 2186-2108
 

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