Pressemitteilung Nr. 060 vom 15.03.2012 Kultusminister Spaenle: Bayerisches Gymnasium in achtjähriger Form bleibt unverändert – Individuelle Förderung der Schüler am Gymnasium wird weiterentwickelt – Schulen brauchen Ruhe zur pädagogischen Arbeit

MÜNCHEN. Drei klare Botschaften hat heute Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle in der aktuellen Stunde im Landtag zur Weiterentwicklung des Bayerischen Gymnasiums gegeben:
1. Die Grundkonzeption des Bayerischen Gymnasiums in seiner achtjährigen Form bleibt unverändert.
2. Die Entwicklungsmöglichkeiten des einzelnen Schülers im Gymnasium werden weiter entwickelt. „Wir müssen den Schülerinnen und Schülern die Zeit einräumen, die sie brauchen, um ihr Ziel zu erreichen. Das umfasst vor allem mehr Ganztagsklassen und in begründeten Fällen auch ein freiwilliges zusätzliches Jahr zur Vertiefung“, so der Minister.
3. Das G8 wird mit einer umfassenden Evaluation begleitet. Das Gymnasium benötige Ruhe zur pädagogischen Arbeit mit den jungen Menschen. Dem Vorschlag zur Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium erteilte der Minister eine Absage. „Wer das pädagogische Gebäude des achtjährigen Gymnasiums beschädigt, verursacht dort ein Chaos“, so der Minister.

Konkret führte der Minister folgende Aspekte aus:
1. „Das achtjährige Gymnasium bleibt in der Grundkonzeption unverändert und zuverlässig“, führte Minister Spaenle aus. Es habe sich mit dem ersten Abiturientenjahrgang 2011 bewährt, werde gut angenommen, sichere eine erfolgreiche individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler und bereite sie gut auf ein Studium vor.
2. „Ich möchte jedem Schüler die Zeit geben, die er in seinem Lernverhalten, für seine Lernfortschritte und außerschulischen Interessen auf dem Weg am Gymnasium benötigt“, so Dr. Spaenle. Nach diesem Grundprinzip soll die individuelle Lernzeit unabhängig vom stabilen schulorganisatorischen Rahmen auf den einzelnen Schüler zugeschnitten sein. Der Minister will einzelnen Schülern in begründeten Fällen stärker als bereits bisher in einem freiwilligen zusätzlichen Jahr in der Mittelstufe eine Chance eröffnen, entsprechend der eigenen Entwicklung Schulstoff zu intensivieren, zu wiederholen oder zu ergänzen.
Schüler könnten auch einen längeren Auslandsaufenthalt absolvieren oder sich in besonderen Begabungen weiterentwickeln.
„Dieses Grundprinzip der individuellen Lernzeit verwirklichen wir bereits mit der Flexiblen Grundschule, bei der die Schülerinnen und Schüler die Eingangsstufe in einem, zwei oder drei Jahren durchlaufen können. Ferner mit der Einführungsklasse als Brücke für Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss in das Gymnasium“, ergänzte Dr. Spaenle. Minister Spaenle prüft auch, dass Gymnasiasten die Einführungsklasse nutzen können.
„Das Grundprinzip der individuellen Lernzeit realisieren wir auch mit der Vorklasse als Brücke für Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss in die Berufliche Oberschule“, ergänzte er.
Verstärkt soll an allen Gymnasien auf freiwilliger Basis ein gebundener Ganztagszug eingerichtet werden, um Schülerinnen und Schüler je nach Situation intensiver begleiten zu können. „Auch dadurch wollen wir den Schülerinnen und Schülern nach deren konkretem Bedarf mehr Lern- und Förderzeit an jedem Schulalltag anbieten.“
Mit dem gleichen Ziel, aber bezogen auf einzelne Fächer sollen künftig auch Intensivierungsstunden in der Mittelstufe stärker als bisher von den Schulen für Kernfächer genutzt werden. So könne der Lernerfolg mancher Schülerinnen und Schüler stabilisiert und ihr Übergang in die Oberstufe verbessert werden.
3. Das Gymnasium benötigt dringend Ruhe, um seine pädagogische Aufgabe zu erfüllen. „Das achtjährige Gymnasium wurde, wie gegenüber dem Landtag zugesagt, umfassend evaluiert“, so Minister Spaenle. Dieser Prozess basiert auf einem eingehenden Dialog mit den Schulfamilien, dem Philologenverband, der Direktorenvereinigung, der Landes-Elternvereinigung und Schülern sowie einem intensiven Monitoring einschließlich der ersten Gesamtevaluation des Lehrplans mit über 15.000 Rückmeldungen aus den Schulen.
„Der Lehrplan wird unter Federführung von Staatssekretär Bernd Sibler nochmals in den Blick genommen“, so Minister Spaenle. Die Rückmeldungen werden – wo es sinnvoll erscheint – unmittelbar umgesetzt und fließen in den neuen Lehrplan ein.
Für die Gestaltung von W- und P-Seminaren werden zusätzliche Fortbildungen angeboten. Die Kontakte zu den externen Partnern werden ausgebaut.

Dr. Ludwig Unger Tel. 089 - 2186 2105

 

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