Pressemitteilung Nr. 055 vom 09.03.2012 Kultusminister Spaenle: Wir werden die Möglichkeiten individueller Entwicklung für Schüler am Gymnasium erweitern - Bayerisches Gymnasium bleibt in der Grundkonzeption unverändert - Schulen benötigen Ruhe zur pädagogischen Arbeit mit jungen Menschen

MÜNCHEN. „Das achtjährige Gymnasium hat sich mit dem ersten Abiturientenjahrgang 2011 bewährt. Es wird gut angenommen, es sichert eine erfolgreiche individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler und bereitet sie gut auf die Hochschule vor.“ Mit diesem Fazit steht Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle eindeutig zum bayerischen Gymnasium in der neuen Form.
Nach einem eingehenden Dialog mit den Schulfamilien, auch mit den Organisationen wie dem Bayerischen Philologenverband, der Direktorenvereinigung und der Landes-Elternvereinigung an den Gymnasien und einem intensiven Monitoring einschließlich der ersten Gesamtevaluation des Lehrplans mit über 15.000 Rückmeldungen aus den Schulen wird der Minister das achtjährige Gymnasium behutsam weiterentwickeln. Die bildungspolitischen Sprecher der Regierungsfraktionen, Georg Eisenreich (CSU) und Renate Will (FDP), waren ebenfalls in diesen Dialog eingebunden.

Minister Spaenle: Ich will den Schülern am Gymnasium mehr Zeit geben, um sich individuell zu entwickeln

Zugleich will er die Möglichkeiten individueller Entwicklung der Schüler am Gymnasium erweitern. „Ich möchte den Schülern bei Bedarf mehr Zeit geben, nicht aber der Laufzeit des Gymnasiums als ganzes“, so der Minister. Und er ergänzte: „Das achtjährige Gymnasium bleibt in seiner Grundkonzeption unverändert. Unsere Schulen benötigen nach der Kraftanstrengung zur Einführung der neuen Form des Gymnasiums jetzt die nötige Ruhe.“

Minister Spaenle: Keine Rückkehr zum G 9 - Strukturdebatte überflüssig

Vorschlägen zu einer möglichen Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium erteilt der Minister eine klare Absage: „Schulpolitik darf nicht unter wahltaktischen Gesichtspunkten gestaltet werden. Eine Rückkehr zum G9 würde an den Schulen ein pädagogisches und organisatorisches Chaos auslösen.“

Weiterentwicklung in Organisation, Inhalt und Unterricht

Die Weiterentwicklung des achtjährigen Gymnasiums orientiert sich an den Prinzipien „Qualität und Gerechtigkeit“ und bezieht sich auf drei Säulen, nämlich Organisation, Inhalt sowie Unterricht. Als konkrete Maßnahmen beabsichtigt Minister Spaenle:

Zur Schulorganisation:
- Die Intensivierungsstunden sollen in der Mittelstufe künftig stärker als bisher von den Schulen für Kernfächer genutzt werden, um den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler zu stabilisieren und den Übergang in die Oberstufe zu verbessern. Dieses Vorgehen wird bereits an vielen Schulen praktiziert.
- Es ist das Ziel, dass an allen Gymnasien auf freiwilliger Basis ein gebundener Ganztagszug eingerichtet werden kann, um Schülerinnen und Schüler je nach Situation intensiver begleiten zu können.

Zum Inhalt:
- Der Lehrplan wird auf der Basis der Erhebung an 370 Gymnasien mit über 15.000 Rückmeldungen – wo es nötig erscheint – nochmals in den Blick genommen, und zwar unter Federführung von Staatssekretär Bernd Sibler. Dieser hatte bereits 2007/2008 die Federführung bei der Überarbeitung des Lehrplans inne, deren Ergebnisse in ein Gesamtpaket eingearbeitet wurden. Die Rückmeldungen fließen vor allem in den neuen Lehrplan ein, der ab 2015 umgesetzt werden soll.
- Die W- und P-Seminare werden nach dem Ergebnis einer zusätzlichen Erhebung des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung an 35 Gymnasien intensiv und gern angenommen. Aufgrund der Rückmeldung von Lehrkräften, Schülern und externen Partnern sollen zusätzliche Fortbildungen angeboten und die Kontakte zu den externen Partnern ausgebaut werden.

Zum Unterricht:
- Die Unterrichtsversorgung wird gemeinsam mit den Schulen noch besser als bisher sichergestellt. Dazu wird die mobile Reserve erweitert, die erstmals im Schuljahr 2011/2012 für die Gymnasien eingeführt worden ist. – Dazu erprobt das Kultusministerium mit Hilfe von zwei Modellversuchen an jeweils sechs Gymnasien eine integrierte Lehrerreserve und die Erhöhung des Budgets, das die Schulen selbst bewirtschaften, aber zur Sicherung des Unterrichts einsetzen müssen.
- Das bisher vorgesehene Finanz-Budget zur eigenen Bewirtschaftung bleibt dabei völlig unberührt.

Der einzelne Schüler soll individuell Lernangebote nutzen können

Minister Spaenle machte zusammenfassend deutlich: „Ich möchte jedem Schüler die Zeit geben, die er in seinem Lernverhalten, für seine Lernfortschritte und außerschulischen Interessen auf dem Weg am Gymnasium benötigt.“
Nach dem Grundprinzip, das in der Einführungsklasse für das Gymnasium und in der Vorklasse für die Berufliche Oberschule, aber auch in der Flexiblen Grundschule sichtbar wird, will er den Schülern in begründeten Einzelfällen in einem freiwilligen zusätzlichen Jahr die Chance in der Mittelstufe eröffnen, nach der eigenen Entwicklung Schulstoff zu intensivieren, zu vertiefen, zu wiederholen oder zu ergänzen.
Schüler würden so z.B. unterstützt, einen längeren Auslandsaufenthalt zu absolvieren oder sich in besonderen Begabungen weiterzuentwickeln.
Die Schulen können den jungen Menschen schulische Angebote unterbreiten, um die Grundlagen für deren weiteren schulischen Weg zu festigen.

Dr. Ludwig Unger Tel. 089 - 2186 2105

 

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