Pressemitteilung Nr. 008 vom 23.01.2023 Neue Informationstafel für Schmähdarstellung "Judensau" am Regensburger Dom

REGENSBURG. Heute haben Bayerns Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo, Bayerns Antisemitismusbeauftragter Dr. Ludwig Spaenle, Ilse Danziger, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg, Domprobst Dr. Franz Frühmorgen und Bauamtsdirektor Karl Stock eine Informationstafel zu der spätmittelalterlichen Schmähdarstellung „Judensau“ am Regensburger Dom enthüllt. Künftig werden die Informationstafel und ein Internetauftritt die sog. „Judensau“ historisch einordnen und deutlich machen: Der Freistaat als Eigentümer des Doms und die Diözese Regensburg als Nutzer distanzieren sich von der judenfeindlichen Darstellung aus dem späten Mittelalter.

„Mit der Einweihung der neuen Infotafel setzen wir ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Beteiligten haben gemeinschaftlich einen Weg der Auseinandersetzung mit diesem historischen Erbe gefunden, der als ‚Regensburger Weg‘ Vorbild für die Auseinandersetzung mit ähnlichen Schmähplastiken sein kann!“, so Kultusminister Michael Piazolo bei der Übergabe.

Das Vorgehen in Regensburg ist ein Ergebnis eines lokalen und eines bayernweiten Runden Tischs vom Antisemitismusbeauftragten Dr. Spaenle mit Verantwortlichen der Jüdischen Gemeinden, der christlichen Kirchen und staatlicher Stellen. Denn es gibt an mehreren historischen Gebäuden in Deutschland und in Bayern judenfeindliche Darstellungen, etwa in St. Sebald in Nürnberg und an der Cadolzburg.

Dr. Spaenle: „Wir stehen auch zu der belasteten Vergangenheit wie hier am Regensburger Dom. Wir arbeiten sie nachhaltig auf. Wir machen den Ort zu einem Erinnerungsort. Die Skulptur soll alle Menschen mahnen, gegen jede Form von Propaganda, Hass und Ausgrenzung vorzugehen. Wir distanzieren uns von der langen Geschichte der Verfolgung von Jüdinnen und Juden bis hin zur Ermordung von sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens in der Shoah. Wir machen deutlich: Jüdinnen und Juden gehören essentiell zu unserer Gesellschaft.“

„Es wird nun im Einvernehmen aller Verantwortlichen eine neue, deutlich sichtbare Hinweistafel über die judenfeindliche Schmähplastik aus dem späten Mittelalter am Dom angebracht. Auch wenn wir uns heute in Anerkennung und gegenseitigem Respekt begegnen, ist es doch wichtig, an die Vergangenheit als Mahnung zu erinnern und somit eine Wegweisung für die Zukunft unseres Zusammenlebens zu schaffen. Der Grundsatz des Judentums lautet ‚sich erinnern heißt leben‘", betont Ilse Danziger.

Dompropst Dr. Franz Frühmorgen: „Von Anfang an waren die Diözese Regensburg und das Domkapitel daran interessiert, den Text der Tafel, die sich seit vielen Jahren unterhalb der Schmähskulptur befand, zu bearbeiten, nochmals zu präzisieren und für die heutige Zeit verständlich zu machen. Im Rahmen eines außerordentlich guten Miteinanders zwischen Staat, Jüdischer Gemeinde und katholischer Kirche wurde nun ein Text entwickelt, der die historische Wirklichkeit darstellt und die Schmähskulptur als zu Stein gewordenen Antisemitismus benennt. Die Diözese Regensburg und das Domkapitel distanzieren sich in aller Entschiedenheit von einer solchen Verunglimpfung und Schmähung jüdischer Mitmenschen. Allerdings können wir Geschichte nicht ausradieren. So bleibt die Schmähskulptur für uns eine andauernde Mahnung, gegen jede Form von Antisemitismus einzutreten und die Würde eines jeden Menschen zu achten.“

Von der Informationstafel aus, die das Staatliche Bauamt Regensburg realisiert hat, kommen interessierte Besucher des Doms über einen QR-Code auf den Internetauftritt des Bayerischen Antisemitismusbeauftragten. Dort erhalten sie weitere Informationen über judenfeindliche Darstellungen an historischen Gebäuden in Bayern sowie über die Geschichte von Jüdinnen und Juden in Regensburg. In Regensburg ist die jüdische Gemeinde bereits für das späte 10. Jahrhundert nachgewiesen – sie ist damit die älteste in Bayern.

Der Text der Infotafel wurde von der Münchner Professorin Dr. Eva Haverkamp-Rott in Abstimmung mit dem Antisemitismusbeauftragten des Freistaats erstellt und mit allen beteiligten Einrichtungen abgestimmt.

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