Pressemitteilung Nr. 012 vom 27.01.2020 Kultusminister Michael Piazolo zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus:

"Wir wollen die verpflichtenden Besuche von Schülern in KZ-Gedenkstätten ausbauen. Wir werden die bayerischen Orte der Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen mit einem neuen Gesamtkonzept weiterentwickeln."

MÜNCHEN: Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ruft Bayerns Kultusminister Michael Piazolo dazu auf, die Erinnerungskultur zu stärken und entschieden gegen Antisemitismus vorzugehen. „In Bayern sind verpflichtende Besuche von KZ-Gedenkstätten bereits fest in den Lehrplänen verankert. Wir wollen diese Besuche noch weiter ausbauen. Wir haben auch ein umfassendes Gesamtkonzept beschlossen, um die bayerischen Orte der Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen weiterzuentwickeln. Wir wollen Antisemitismus und Extremismus vorbeugen und bekämpfen.“

Bayern werde sich auch künftig für den Erhalt und die Erschließung der Erinnerungsorte an die Verbrechen des Nationalsozialismus engagieren. Orte, an denen sich NS-Verbrechen ereignet haben oder an denen sie geplant und vorbereitet wurden, sollen Forschungs- und Gedenkstätte, Lernorte und Zentren der zivilgesellschaftlichen Debatte sein. Besondere Bedeutung haben hier die KZ-Gedenkstätten, deren verpflichtender Besuch in den Lehrplänen verbindlich vorgeschrieben ist und noch weiter ausgebaut werden soll. Die verschiedenen Maßnahmen des neuen Gesamtkonzepts stärken die Erinnerungsarbeit und tragen zum Gedenken an die Opfer des NS-Regimes bei. Unter anderem ist geplant:

- die Neugestaltung der Ausstellungen in der KZ-Gedenkstätte Dachau und Einbeziehung bislang nicht berücksichtigter Teile des historischen Areals, um einen europäischen Gedenk- und Erinnerungsort zu schaffen, an dem die Gesamtgeschichte der Konzentrationslager exemplarisch aufgearbeitet und ihrer Opfer gedacht wird.

- ein Ausbau der Kooperation der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg mit der Universität Regensburg. Ein Institut für vergleichende und angewandte Erinnerungskultur soll insbesondere auf die empirische Erforschung der Erinnerungsarbeit ausgerichtet sein. Auf dem Gelände der Gedenkstätte Flossenbürg sollen bedeutende Teile des historischen Lagerbereichs wie etwa der Steinbruch für die Gedenkstättenarbeit weiterentwickelt werden.

- weitere Erschließung bereits bestehender Einrichtungen in ehemaligen KZ-Außenlagern wie Mühldorf und Landsberg/Kaufering.

- Erneuerung des Konzepts des Dokumentationszentrums Nürnberg und umfangreiche Erhaltungsmaßnahmen an der Zeppelintribüne und auf dem Zeppelinfeld.

- Überarbeitung des Memorium Nürnberger Prozesse. Durch den Neubau eines Sitzungssaalgebäudes für die Strafjustiz des Landgerichts Nürnberg-Fürth (Einweihung voraussichtlich März 2020) sind die Voraussetzungen geschaffen, den historischen Saal 600, in dem von 1945 bis 1949 NS-Kriegsverbrechern der Prozess gemacht wurde, vollständig für die Ausstellung zu nutzen.

- Stärkung der Projekte der internationalen Bildungszusammenarbeit. Vor allem junge Menschen sollen nicht nur etwas über die europäische Dimension der NS-Verbrechen erfahren, sondern auch die spezifischen Perspektiven und Antworten des demokratischen und freiheitlichen Europas auf diese Geschichte wahrnehmen. Damit kann die Zusammenarbeit mit Israel, Frankreich, Tschechien und Österreich mit Blick auf Schulbesuche von KZ-Gedenkstätten mit internationaler Perspektive weiter vertieft werden.

Auf der Grundlage des Gesamtkonzepts kann die Erinnerungsarbeit im Freistaat schrittweise in den kommenden Jahren weiter vorangebracht werden. Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus wird dazu in die Abstimmung mit der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und allen Beteiligten gehen und Detailkonzepte ausarbeiten.

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