Pressemitteilung Nr. 106 vom 21.03.2018 Ministerialdirektor Herbert Püls beim Bayerischen Alphabetisierungskongress" - Große Anstrengungen nötig, um ein Tabu zu durchbrechen und Kulturtechniken Lesen und Schreiben zu vermitteln"

MÜNCHEN. „Es sind weiterhin große Anstrengungen nötig, um das Tabu des Analphabetismus in der Gesellschaft zu durchbrechen und davon betroffenen Menschen die Kulturtechniken Lesen und Schreiben zu vermitteln.“ Dies betonte Ministerialdirektor Herbert Püls vom Bayerischen Bildungs- und Wissenschaftsministerium heute zur Eröffnung des Bayerischen Alphabetisierungskongresses in München. „Denn Lesen und Schreiben sind wichtige Grundvoraussetzungen für eine umfassende Teilhabe an der Gesellschaft und für ein selbstbestimmtes Leben“, argumentierte der Bildungsexperte, der selbst viele Jahre als Lehrer und Schulleiter tätig war. Nach der Studie „leo – Level-One-Studie“  von 2011 ist in Deutschland etwa ein Siebtel der Bevölkerung vom funktionalen Analphabetismus betroffen, d. h. sie können nur auf einem niedrigen Niveau lesen und schreiben.

Ministerialdirektor Püls erinnerte daran, dass Bayern bereits unmittelbar im Umfeld der Veröffentlichung der Level-One-Studie zum Analphabetismus in Deutschland ein Programm aufgelegt hat: Ziel war es, zusammen mit Partnern wie dem Bayerischen Volkshochschulverband möglichst niederschwellig Menschen zu erreichen und sie in Lese- und Schreibkompetenz voranzubringen. In rund 3.000 Kursen – finanziert durch bayerische Landesmittel und Mittel aus dem Europäischen Fonds für Soziale Entwicklung – haben Bildungsträger in Bayern allein zwischen 2010 und 2016 fast 40.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Lesen und Schreiben gefördert.

Hauptproblem sei es, die betroffenen Menschen abzuholen, wo sie stehen, und mit ihnen einen gemeinsamen Weg zu gehen. Ministerialdirektor Püls: „Die Menschen fühlen sich stigmatisiert und versuchen, ihr Problem vor anderen zu verheimlichen. Solange dieses Tabu anhält, kann ihnen auch nur schwer geholfen werden.“ Der Ministerialdirektor zeigte sich zuversichtlich, dass die gemeinsamen Anstrengungen, in die auch Jobcenter, Mehrgenerationshäuser, Schulen und Beratungsstellen eingebunden seien, und die Informationsarbeit in der Gesellschaft dazu beitragen, das Problem nachhaltig anzugehen und Erfolg bei der Alphabetisierung zu erzielen.

Dr. Ludwig Unger, Tel. 089-21862105

Vorlese-Funktion