Unterrichtsversorgung in Bayern

Ein Lehrer erklärt seinen Schülern etwas

In den vergangenen Jahren standen den staatlichen Schulen wie in den Jahren zuvor verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, um vor allem dem Problem des kurzfristig auftretenden Unterrichtsausfalls verstärkt begegnen zu können. Viele dieser Maßnahmen haben sich bewährt. In fast allen Schularten konnte der Unterrichtsausfall auf einem niedrigen Niveau stabilisiert werden. Aus diesem Grund werden die Maßnahmen fortgeführt bzw. ausgeweitet.

  • Eine mehrstufige, am Bedarf orientierte Mobile Reserve ermöglicht den Einsatz von ausgebildeten Ersatzlehrkräften zur Unterrichtsvertretung an den staatlichen Grund-, Mittel- und Förderschulen.
  • Auch für die staatlichen Gymnasien ist eine Mobile Reserve eingerichtet, um längerfristigen Unterrichtsausfall abzuwenden.
  • Im staatlichen Realschul- und Gymnasialbereich steht seit dem Schuljahr 2013/2014 flächendeckend eine Integrierte Lehrerreserve zur Verfügung. Hierzu werden vom Staatsministerium den staatlichen Realschulen und Gymnasien zusätzliche Lehrerwochenstunden zugewiesen, die von den Schulleitungen bei einem Aushilfsfall sofort eingesetzt werden können. Vor Ort kann somit noch eigenständiger und flexibler auf kurzfristig auftretende Aushilfsfälle reagiert werden.
  • Für den Fall des längerfristigen Ausfalls einer Lehrkraft haben die staatlichen Schulen und Schulämter einen Pool mit Vertretungskräften aufgebaut. Die Mittel für den Einsatz dieser Vertretungskräfte werden vom Freistaat bereitgestellt. Mit den Vertretungspools wird den Schulen und Schulämtern die Möglichkeit gegeben, bei Engpässen in der Personalversorgung nach passgenauen Lösungen vor Ort zu suchen.
  • Seit dem Schuljahr 2008/2009 ist der Einsatz von externen Experten als Honorarkräfte an den Schulen möglich. Honorarkräfte können Schulen z. B. bei der Durchführung von Projekten oder durch die Mitwirkung bei der Gestaltung pädagogischer Tage unterstützen oder aber Fachvorträge mit Lehrplanbezug halten.
  • Im Bedarfsfall können Teilzeitänderungen bei den Stammlehrkräften vorgenommen werden. Zudem kann Mehrarbeit angeordnet oder die Gruppenbildung (z. B. Aufhebung von Klassenteilungen) geändert werden.

Schulen, Schulleitungen und die Staatlichen Schulämter finden auf diesen Seiten aktualisierte Informationen, Formulare und Hilfestellungen, um drohenden Unterrichtsaufall zu verhindern. Dazu werden ihnen Hilfestellungen gegeben, wie sie etwa Vertretungspools auf- bzw. ausbauen können. Zudem finden sich Hinweise zu begleitenden Maßnahmen wie z. B. für den Einsatz von externen Experten als Honorarkräfte an den Schulen.
Daneben erhalten Personen, die in den Vertretungspool einer Schule aufgenommen werden wollen, die notwendigen Informationen.
 

Schule und Bildung in Zahlen

1. Eckdaten des bayerischen Schulwesens

Im Schuljahr 2017/18 wurden an allen 6.106 bayerischen Schulen insgesamt 1.671.386 Schüler von 114.667 Lehrkräften (in Vollzeitlehrer-Einheiten) unterrichtet. Die Lehrkräfte hielten Woche für Woche nicht weniger als 2.519.692 Stunden Unterricht.

Tabelle 1 weist für ausgewählte Schularten einige Eckdaten des Schuljahres 2017/18 aus. Nicht vollbeschäftigte Lehrkräfte sind entsprechend ihrem Stellenanteil auf Vollzeitlehrer-Einheiten umgerechnet.

2. Indikator Schüler je Klasse

Die Statistik hat aber nicht nur die Aufgabe, „Zahlen zu sammeln“, sondern sie soll die erhobenen Daten auch analysieren. Und „Analysieren“ heißt im Prinzip nichts anderes als „Vergleichen“. Nur die Einordnung der statistischen Ergebnisse in einen zeitlichen, regionalen oder sachlichen Zusammenhang erzeugt brauchbare Aussagen. Benötigt werden damit Vergleichsmaßstäbe, also Indikatoren. Der bekannteste der in der Schulstatistik verwendeten Indikatoren ist die Relation Schüler je Klasse (Klassenfrequenz):
 

(GS: Grundschule, MS: Mittelschule, FZ: Förderzentrum, RS: Realschule, WS: Wirtschaftsschule, GY: Gymnasium, BS: Berufsschule, BFS: Berufsfachschule, FOS: Fachoberschule, BOS: Berufsoberschule; Schüler je Klasse in allen Schulen nach Schulart)

Allerdings werden in einzelnen Fächern die Klassen aufgeteilt und der Unterricht erfolgt in kleineren, von der Statistik nicht erfassten Gruppen. Die ausgewiesenen Klassenfrequenzen sind also lediglich ein Maß für die durchschnittliche Klassenstärke, nicht jedoch für die durchschnittliche Größe der Gruppen, in denen der Unterricht erteilt wird. Die Klassenfrequenz allein kann die Unterrichtssituation in einer Schulart noch nicht ausreichend abbilden. So kann man bei gleicher Versorgung der Schüler mit Lehrern entweder eine möglichst kleine Klassenfrequenz anstreben oder man bietet ein umfangreicheres Stundenangebot und ein höheres Maß an Differenzierungen an, nimmt aber gleichzeitig eine größere Klassenstärke in Kauf.

3. Indikator Schüler je Lehrer

Betrachtet man hingegen den Indikator Schüler je Lehrer, so lassen sich Schulsysteme unabhängig davon vergleichen, ob bei ihnen der Fokus auf eine niedrige Klassenfrequenz oder eine hohe Wochenstundenzahl je Klasse gerichtet ist. In der bildungspolitischen Diskussion hat sich deshalb die „Schüler-Lehrer-Relation“ als der am meisten verwendete Indikator für den Grad der Versorgung mit Lehrern durchgesetzt:
 

Dabei werden die Schüler auf die in Vollzeitlehrer-Einheiten umgerechneten Lehrkräfte bezogen. Der hohe Relationswert „Schüler je Lehrer“ an der Berufsschule hat seine Ursache im Teilzeitunterricht (vgl. Abb. 3) im Rahmen der dualen Berufsausbildung und spiegelt wider, dass im Teilzeitunterricht vergleichsweise viele Schüler von einem Lehrer betreut werden können.

Der Indikator „Schüler je Lehrer“ beschreibt zwar die Versorgung der Schulen mit Lehrerstellen, lässt aber nur bedingt Aussagen über die tatsächliche Unterrichtsversorgung zu. Denn durch Lehrkräfte, die mit Dienstbezügen abwesend sind oder an Arbeitszeitmodellen teilnehmen, kommt es zu Abweichungen der Stellenbelegung (Grundlage für die Berechnung der Vollzeitlehrer-Einheiten) von der tatsächlich vorhandenen Kapazität. Bei unterschiedlichem Pflichtstundenmaß und unterschiedlicher Zahl von Entlastungsstunden der Lehrer können selbst bei gleicher Schüler-Lehrer-Relation die Schüler zweier Schularten verschieden mit Unterricht versorgt sein.

4. Indikator Unterrichtsstunden je Klasse

Genaueren Aufschluss über die Unterrichtsversorgung geben die Relationen „Unterrichtsstunden je Schüler“ bzw. „Unterrichtsstunden je Klasse“. Der Indikator Unterrichtsstunden je Klasse spiegelt das Angebot an wöchentlichem Pflicht- und Wahlunterricht pro Klasse wider. Das entspricht auch näherungsweise dem Unterrichtsangebot, das an jeden einzelnen Schüler gerichtet ist:
 

Erhebung zum Unterrichtsausfall im Schuljahr 2020/2021

1. Welches Konzept liegt der Erhebung zum Unterrichtsausfall zugrunde?

  • Erste empirische Untersuchung im Schuljahr 1999/2000 (Stichprobenkonzept im Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags fraktionsübergreifend gebilligt)
  • Jährliche Fortführung seit dem Schuljahr 2005/2006 als zeitlich begrenzte Erhebung im Herbst und Frühjahr eines Schuljahres
  • Seit dem Schuljahr 2010/2011 Erhebung wichtiger Kenngrößen über das gesamte Schuljahr hinweg („Verlaufserhebung“)
  • Zusätzlich: detaillierte und vertiefte Erfassung der Ausfallgründe und Arten der Vertretung in einem Zeitraum von je zwei Wochen im Herbst und im Frühjahr („Ergänzungserhebung“)
  • Ab dem Kalenderjahr 2012: Ausweitung der Erhebung wichtiger Kenngrößen auf alle staatlichen Realschulen und Gymnasien
  • Abbruch der Erhebung im Schuljahr 2019/2020 aufgrund der durch die COVID-19-Pandemie hervorgerufenen Sondersituation
  • Wiederaufnahme der Erhebung im Schuljahr 2020/2021 unter Verwendung eines angepassten Konzepts, das die von der COVID-19-Pandemie verursachten Änderungen des Schulbetriebs berücksichtigt
  • Teilnehmende Schulen im Schuljahr 2020/2021: alle staatlichen Realschulen und Gymnasien sowie zusätzlich insgesamt 128 zufällig ausgewählte Schulen aus acht weiteren Schularten (repräsentative Stichprobe nach Schulgröße und regionaler Lage)

2. Welche Unterrichtsstunden werden erfasst?

Es werden alle bezüglich des aktuell gültigen Stundenplans nicht regulär erteilten Unterrichtsstunden erfasst. Dabei werden unterschieden:

  • Ersatzloser Unterrichtsausfall umfasst diejenigen Stunden, in denen Schüler lediglich beaufsichtigt werden oder die überhaupt nicht stattfinden, also insbesondere nicht vertreten oder anderweitig kompensiert werden.
  • Nicht planmäßig erteilte Lehrerstunden schließen neben dem ersatzlosen Unterrichtsausfall auch solche Unterrichtsstunden ein, in denen durch organisatorische Maßnahmen ersatzloser Unterrichtsausfall abgewendet werden kann (hierunter fällt neben der Vertretung und Zusammenlegung von Klassen bzw. Lerngruppen auch die Einrichtung von Unterricht in Distanzform bei angeordneten Sondermaßnahmen).

3. Welche Maßnahmen wurden an den staatlichen Schulen ergriffen und wie erfolgreich waren diese?

Getroffene Auffangmaßnahmen zur Abwendung von Unterrichtsausfall:

  • längerfristige Vertretungen durch Lehrkräfte aus der Mobilen Reserve, integrierte Lehrerreserve und Vertretungskräfte aus dem Vertretungspool
  • kurzfristige Vertretungen durch schuleigene Lehrkräfte (klasseneigene bzw. klassenfremde Lehrkräfte)
  • Mitführung von Klassen bzw. Aufhebung von Klassenteilungen
  • im Falle angeordneter Sondermaßnahmen: Einrichtung von Unterricht in Distanzform

Nachfolgende Tabelle zeigt, dass trotz der massiven Einschränkungen aufgrund der COVID-19-Pandemie in hohem Maße Unterricht planmäßig erteilt (dunkelgrüne Zeile) bzw. Unterrichtsausfall abgewendet (hellgrüne Zeilen) werden konnte. Lediglich gewisse Restmengen an Stunden verbleiben, die nicht zu kompensieren waren und daher ersatzlos entfallen mussten (rote Zeile).

 

Tab. 1: Auffangmaßnahmen

4. Welcher Anteil der vorgesehenen Unterrichtsstunden fiel ersatzlos aus?

Abb. 1: Ersatzlos ausgefallener Unterricht (rot), ersatzweise eingerichteter Unterricht (hellgrün) und planmäßig erteilter Unterricht (dunkelgrün) als Anteile an den im Stundenplan vorgesehenen Unterrichtsstunden (Gesamtsäule)

Der Anteil des ersatzlosen Unterrichtsausfalls lag im Schuljahr 2020/2021 zwischen 1,2 % an den Förderzentren und 4,1 % an den Berufsfachschulen (vgl. Abb. 1). Am Gymnasium werden lediglich die Jahrgangsstufen 5 bis 10 erfasst, da sich die pädagogische Situation in der Qualifikationsphase nur bedingt mit anderen Schularten vergleichen lässt (fehlende Klassenstruktur, selbstständige Bibliotheksarbeit der Oberstufenschülerinnen und -schüler bei Unterrichtsausfall usw.).

5. Wie gestalten sich die Gesamtverhältnisse in einer schulartübergreifenden Betrachtung?

In einer schulartübergreifenden Gesamtbetrachtung kristallisiert sich folgendes Bild heraus:

Von den im Stundenplan vorgesehenen Unterrichtsstunden konnten 51,2 % planmäßig erteilt werden, lediglich 2,2 % der Stunden entfielen ersatzlos. Eine detaillierte Aufgliederung der ersatzweise eingerichteten Unterrichtsstunden (zusammen 46,7 %) kann der folgenden Abbildung entnommen werden.

 

Abb. 2: Prozentuale Verteilung der planmäßig erteilten, ersatzweise eingerichteten und ersatzlos ausgefallenen Unterrichtsstunden.

6. Welche zeitlichen Entwicklungen lassen sich erkennen?

Der nachfolgenden Abbildung kann die Entwicklung der Quoten des ersatzlosen Unterrichtsausfalls an den Grund- und Mittel-/Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien sowie beruflichen Schulen seit dem Schuljahr 2016/2017 entnommen werden.

Hinweise:​

  • Für das Schuljahr 2019/2020 liegen keine vergleichbaren Daten vor, da die Erhebung aufgrund der durch die COVID-19-Pandemie hervorgerufenen Sondersituation abgebrochen werden musste.
  • Hinsichtlich der teilweise deutlichen Abweichungen der Quoten im Schuljahr 2020/2021 gegenüber den entsprechenden Werten der Vorjahre sind die außergewöhnlichen Bedingungen des Schulbetriebs im Schuljahr 2020/2021 zu berücksichtigen, der von großen Herausforderungen infolge der COVID-19-Pandemie geprägt war.

Abb. 3: Ersatzlos ausgefallener Unterricht seit dem Schuljahr 2016/2017 an ausgewählten Schularten

An den Grund- und Mittelschulen lag der Anteil ersatzlosen Unterrichtsausfalls in den Vorjahren auf konstant niedrigem Niveau. Diese erfreuliche Tatsache ist nicht zuletzt mit dem bewährten, kontinuierlichen Aufbau eines Kontingents an Mobilen Reserven in einem 4-Stufen-Modell zu begründen – dabei wird über das Jahr verteilt bedarfsgerecht eine immer weiter steigende Zahl von Vertretungskräften bereitgestellt. Hervorgerufen durch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie nahm die Quote zum Schuljahr 2020/2021 deutlich auf 2,5 % zu (im Schuljahr 2018/2019: 1,3 %).

Die in den vergangenen Jahren zu beobachtende kontinuierliche Abnahme des Anteils der ersatzlos ausgefallenen Unterrichtsstunden an den Realschulen setzte sich infolge der COVID-19-Pandemie im Schuljahr 2020/2021 nicht fort – die Quote stieg auf 1,3 % (im Schuljahr 2018/2019: 1,0 %).
An den Gymnasien sank der Anteil ersatzlosen Unterrichtsausfalls auf 1,7 % und liegt damit deutlich unter dem Niveau der Vorjahre (Schuljahr 2018/2019: 2,1 %). Hierbei ist zu berücksichtigen, dass an den Gymnasien ein besonders hoher Anteil der geplanten Unterrichtsstunden infolge von Sondermaßnahmen in Distanzform eingerichtet wurde.
Die seit vielen Schuljahren niedrigen Quoten der ersatzlos entfallenen Unterrichtsstunden an Realschulen und Gymnasien sind u. a. dem großen Engagement der Schulleitungen und Lehrkräfte vor Ort, aber auch den durch das Staatsministerium zugewiesenen Aushilfsmitteln und Mitteln zur eigenen Bewirtschaftung sowie der integrierten Lehrerreserve an allen staatlichen Realschulen und Gymnasien zu verdanken. Die Schulen können mithilfe der vor Ort zur Verfügung stehenden integrierten Lehrerreserve beim Ausfall einer Lehrkraft schnell und flexibel reagieren und müssen nicht erst eine Aushilfskraft auf dem freien Markt akquirieren. Mit dieser zusätzlichen Personalausstattung der Schulen kann insbesondere eine höhere Qualität bei den Vertretungsstunden sichergestellt werden, da bei absehbaren Ausfällen die Vertretungsstunden durch eigene Stammlehrkräfte der Schule abgehalten werden können.

Im beruflichen Bereich sind unterschiedliche Entwicklungen festzustellen: Während an den Beruflichen Oberschulen und Wirtschaftsschulen der Anteil ersatzlosen Unterrichtsausfalls auf 2,5 % bzw. 2,4 % sank (im Schuljahr 2018/2019: 3,4 % bzw. 2,5 %), war an den Berufsschulen und Berufsfachschulen eine Zunahme der entsprechenden Quoten auf 3,2 % bzw. 4,1 % zu verzeichnen (im Schuljahr 2018/2019: 2,6 % bzw. 2,4 %).

7. Wird die Erhebung zum Unterrichtsausfall im Schuljahr 2021/2022 fortgesetzt?

Die Erhebung zum Unterrichtsausfall im Schuljahr 2020/2021 lieferte wichtige Einblicke in den Schulbetrieb – insbesondere hinsichtlich der Veränderungen infolge der COVID-19-Pandemie. Das hierfür entworfene Erhebungsdesign hat sich bewährt und dient deshalb auch als Grundlage für die Erhebung zum Unterrichtsausfall im Schuljahr 2021/2022, in dem mit vergleichbaren pandemiebedingten Einschränkungen gerechnet werden muss.

Vorlese-Funktion

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden.
Mehr Informationen und eine Möglichkeit zur Deaktivierung der Webanalyse finden Sie hier.