Unterrichtsversorgung in Bayern

Ein Lehrer erklärt seinen Schülern etwas

In den vergangenen Jahren standen den staatlichen Schulen wie in den Jahren zuvor verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, um vor allem dem Problem des kurzfristig auftretenden Unterrichtsausfalls verstärkt begegnen zu können. Viele dieser Maßnahmen haben sich bewährt. In fast allen Schularten konnte der Unterrichtsausfall auf einem niedrigen Niveau stabilisiert werden. Aus diesem Grund werden die Maßnahmen fortgeführt bzw. ausgeweitet.

  • Eine mehrstufige, am Bedarf orientierte Mobile Reserve im Umfang von 1900 Lehrerplanstellen und 212 Fachlehrerplanstellen ermöglicht den Einsatz von ausgebildeten Ersatzlehrkräften zur Unterrichtsvertretung an den staatlichen Grund-, Mittel- und Förderschulen.
  • Auch für die staatlichen Gymnasien wurde zum Schuljahr 2011/12 eine Mobile Reserve eingerichtet. Diese konnte durch die Bereitstellung von zusätzlichen Ressourcen zum Schuljahr 2012/13 ausgebaut werden, sodass derzeit 165 Lehrkräfte zu Verfügung stehen, um längerfristigen Unterrichtsausfall abzuwenden.
  • Im staatlichen Realschul- und Gymnasialbereich steht seit dem Schuljahr 2013/14 flächendeckend eine Integrierte Lehrerreserve zur Verfügung. Hierzu werden vom Staatsministerium den staatlichen Realschulen und Gymnasien zusätzliche Lehrerwochenstunden zugewiesen, die von den Schulleitungen bei einem Aushilfsfall sofort eingesetzt werden können. Vor Ort kann somit noch eigenständiger und flexibler auf kurzfristig auftretende Aushilfsfälle reagiert werden.
  • Zusätzlich wurden an allen Schularten zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung und zum Absenken der Höchstzahl von Schülerinnen und Schülern pro Klasse zusätzliche Lehrerstellen zur Verfügung gestellt.
  • Die den staatlichen Gymnasien, Realschulen und Beruflichen Schulen zur Verfügung gestellten zusätzlichen Mittel für den Auf- bzw. Ausbau eines Vertretungspools wurden aufgestockt.
  • Seit dem Schuljahr 2008/2009 ist der Einsatz von externen Experten als Honorarkräfte an den Schulen möglich. Nach anfänglichem Zögern wird diese Möglichkeit, externes Expertenwissen für den Unterricht an Realschulen, Gymnasien und beruflichen Schulen zu nutzen, gut angenommen.
  • An den Gymnasien können Teilzeitänderungen bei den Stammlehrkräften vorgenommen werden. Zudem kann Mehrarbeit angeordnet oder die Gruppenbildung (z.B. Aufhebung von Klassenteilungen) geändert werden.

Schulen, Schulleitungen und die Staatlichen Schulämter finden auf diesen Seiten aktualisierte Informationen, Formulare und Hilfestellungen, um drohenden Unterrichtsaufall zu verhindern. Dazu werden ihnen Hilfestellungen gegeben wie sie etwa Vertretungspools auf- bzw. ausbauen können. Zudem finden sich Hinweise zu begleitenden Maßnahmen wie zum Beispiel für den Einsatz von externen Experten als Honorarkräfte an den Schulen.
Daneben erhalten Personen, die in den Vertretungspool einer Schule aufgenommen werden wollen, die notwendigen Informationen.
 

Allgemeine Informationen

Im Schuljahr 2015/16 wurden an allen 6.123 bayerischen Schulen insgesamt 1.680.384 Schüler von 114.280 Lehrkräften unterrichtet. Die Lehrkräfte hielten Woche für Woche nicht weniger als 2.520.495 Stunden Unterricht.
Diese Zahlen geben einen ersten Eindruck über die Komplexität des Themas "Unterrichtsversorgung".
Im Folgenden finden Sie eine zusammenfassende Vorstellung der neuen Maßnahmen, die helfen, den Unterricht in Zeiten zu sichern, in denen Erkrankungen von Lehrkräften gehäuft auftreten.

Maßnahmen zur Sicherstellung der Unterrichtsversorgung Vorlesen lassen

Zum Schuljahr 2007/2008 hatte der Freistaat Bayern verschiedene Maßnahmen beschlossen, um dem Unterrichtsausfall noch gezielter begegnen zu können. Die Maßnahmen haben sich bewährt, weshalb sie in den folgenden Schuljahren fortgeführt wurden und werden. Der Umfang, in dem drohender Unterrichtsausfall aufgrund der verschiedenen Maßnahmen abgewendet werden konnte, lag bei der letzten Erhebung zum Unterrichtsausfall je nach Schulart zwischen 66 % und 89 %.

I. Festeinstellungen

 

Schul-
jahr
GS.1 MS1 FS.2 RS.1 Gymn.1 BS.2 Fach-
lehrer3
Insges.
2003/04 1 079 578 356 797 1 269 437 219 4 735
2004/05 379 381 107 517 849 426 174 2 833
2005/06 968 436 127 497 1 319 201 146 3 694
2006/07 979 309 222 562 1 245 296 181 3 794
2007/08 779 317 321 484 1 081 307 168 3 457
2008/09 765 372 299 702 1 290 403 154 3 985
2009/10 779 397 208 661 1 230 493 211 3 979
2010/11 614 398 328 730 1 238 453 209 3 970
2011/12 845 527 461 611 613 374 213 3 644
2012/13 750 441 540 519 1 078 514 195 4 037
2013/14 1244 696 350 278 960 360 212 4 100


GS = Grundschule, MS = Mittel-/Hauptschule, FS = Förderschule,
RS = Realschule, Gymn. = Gymnasium, BS = Berufliche Schulen

1Ohne Fachlehrer
2Ohne Fachlehrer, einschließlich gewerblicher Fachlehrer
3Ohne gewerbliche Fachlehrer


II. Weitere Maßnahmen

Neben den Festeinstellungen werden insbesondere folgende Maßnahmen zur Vermeidung von Unterrichtsausfall getroffen:

  • Bei den Grund- und Mittelschulen werden auch im Schuljahr 2014/15 mehr als 2.000 Lehrerplanstellen für Mobile Reserven eingesetzt.
  • Seit dem Schuljahr 2013/14 stehen den staatlichen Realschulen und Gymnasien zusätzlich zum Grundbudget Lehrerwochenstunden für die sogenannte Integrierte Lehrerreserve zur Verfügung. Die Schulleitungen sind dazu verpflichtet, diese zusätzlichen Lehrerwochenstunden so zu planen, dass die Integrierte Lehrerreserve sofort bei einem Aushilfsfall eingesetzt werden kann.
  • Realschulen und Gymnasien können auf der Basis von Mittelzuweisungen geeignete Vertretungskräfte beschäftigen.
  • In einigen Schularten wurden Bewerber mit einem Hochschulabschluss in bestimmten Fächerverbindungen ("Mangelfächer") im Rahmen des sog. Quereinstiegs für den Lehrerberuf nachqualifiziert.
  • Neben dem "verpflichtenden Arbeitszeitkonto" wurde die Möglichkeit eines zusätzlichen freiwilligen Arbeitszeitkontos geschaffen.

Im Einzelnen:

1. Aufbau eines Vertretungspools

Jede Schule und jedes Staatliche Schulamt hat einen Pool mit möglichen Vertretungskräften aufgebaut. Mittel für den Einsatz dieser Vertretungskräfte wurden vom Freistaat bereitgestellt.

Bei längerfristigen Ausfällen von Lehrkräften stehen folgende Möglichkeiten zur Abdeckung des Ersatzbedarfs zur Verfügung, die in dieser Reihenfolge von den Schulleitern genutzt werden:

  • Kompensation innerhalb des Kollegiums der Schule: Erbringung von Mehrarbeit, zusätzliche Beschäftigung auf Basis von Stundenmehrung/-minderung, Teilzeitaufstockungen, Teilnahme am freiwilligen Arbeitszeitkonto
  • Einsatz anderer voll ausgebildeter Lehrkräfte: pensionierte Lehrkräfte, Lehrkräfte in der Altersteilzeit, beurlaubte Lehrkräfte, Lehrer in Elternzeit, voll ausgebildete Lehrkräfte mit befristetem Aushilfsvertrag
  • Einsatz fachwissenschaftlich adäquat ausgebildeten Personals: Hochschulabsolventen mit Diplom, Meister/Techniker, Lehramtsstudenten höherer Semester bzw. mit abgeschlossener 1. Staatsprüfung

Mit den Vertretungspools wurde den Schulen und Schulämtern die Möglichkeit gegeben, auf Engpässe in der Personalversorgung flexibel zu reagieren und nach passgenauen Lösungen vor Ort zu suchen. Seither können Schulleiter und Schulräte im Umfeld der Schulen nach geeigneten Bewerbern mit und ohne volle Lehramtsausbildung suchen und sie im Unterricht als Vertretungskräfte für längerfristig abwesende Kollegen einsetzen. Zudem werden bereits im Vorfeld einer Bedarfssituation geeignete Bewerber als "potenzielle" Vertretungskräfte in den Pool aufgenommen, damit bei einem Ausfall einer Stammlehrkraft fachlich und pädagogisch qualifizierte Vertretungskräfte rasch zur Verfügung stehen. Um die Suche nach geeigneten Bewerbern zu erleichtern, hat das Staatsministerium ein Stellenportal eingerichtet, auf das die Schulen zugreifen können.

Den staatlichen Gymnasien stehen je nach Schulgröße zusätzlich 20.000 bis 40.000 € zur eigenen Bewirtschaftung für die Beschäftigung von Vertretungskräften und pädagogischem Personal zur Verfügung. Dies entspricht jährlich einem Gesamtbetrag von rund 9 Mio. Euro.

Im staatlichen Realschulbereich können für längerfristige Vertretungsfälle Unterrichtsaushilfen im Rahmen von befristeten Arbeitsverträgen beschäftigt werden. Die hierfür notwendigen Geldmittel werden bereitgestellt.

2. Flexibilisierung des Einsatzes Mobiler Reserven an Grund- und Mittelschulen

Die Mobile Reserve wurde noch stärker als bisher dem tatsächlichen Bedarf an den Schulen angepasst. Da die Vertretungslehrkräfte vor allem ab dem Monat November in erhöhtem Umfang benötigt werden, wurde die Zahl der Mobilen Reserven ab diesem Zeitpunkt in drei Schritten aufgestockt.
Dieses im Schuljahr 2007/2008 erstmals zum Einsatz gekommene Modell hat sich bewährt. Es sieht vor, dass die Zahl der Mobilen Reserven im November um 190 und im Janaur in einem weiteren Schritt um 80 erhöht wird. Darüber hinaus werden im Februar alle Kapazitäten von Lehrkräften ersetzt, die in den Ruhestand eintreten oder während des ersten Schulhalbjahres abgegangen sind.

3. Mobile Reserven im Förderschulbereich

Auch im Förderschulbereich stehen Mobile Reserven für Unterrichtsausfälle und Vertretungen bereit. Darüber hinaus besteht im Förderschulbereich die Möglichkeit, Lehrkräfte, die zwischen dem ersten Schultag und dem Schulhalbjahr ausscheiden, ab Mitte Februar mit befristet beschäftigten Lehrkräften zu ersetzen. Mit dieser Ausnahme von der allgemeinen Wiederbesetzungssperre erhöht sich faktisch die Mobile Reserve. Dabei handelt es sich erfahrungsgemäß um ein Volumen von etwa 10 bis 30 Lehrkräften. Für diese Maßnahme bauen Regierungen und Schulen einen Vertretungspool auf.

4. Tipps zur Vermeidung organisationsbedingten Unterrichtsausfalls

Bereits im Schuljahr 2008/2009 wurden den Schulen Tipps und Erfahrungsberichte zur Vermeidung organisationsbedingten Unterrichtsausfalls zur Verfügung gestellt. Die Tipps wurden von ausgewählten Gymnasien und Realschulen in Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst erarbeitet.

Ziel der Tipps ist es nicht, für das Schulleben unerlässlich Dinge, wie z.B. Schülerfahrten oder Lehrerfortbildungen, zu beschränken. Die Tipps und Erfahrungsberichte sollen vielmehr Möglichkeiten eines Konsens zwischen der erforderlichen Sicherstellung des Unterrichts und der Gestaltung des schulischen Lebens aufzeigen. Sie sollen den Schulen eine Hilfestellung bei der Vermeidung organisationsbedingten Unterrichtsausfalls bieten.

5. Einsatz von Honorarkräften

Seit dem Schuljahr 2009/2010 können die Schulen Honorarkräfte, die selbständig tätig sind, in Bereichen einsetzen, die den Unterricht ergänzen. Sie unterrichten aber - anders als Vertretungskräfte - nicht. Honorarkräfte können Schulen z.B. bei der Durchführung von Projekten oder durch die Mitwirkung bei der Gestaltung pädagogischer Tage unterstützen oder aber Fachvorträge mit Lehrplanbezug halten.

  • dass die Eigenverantwortung der Schulen gestärkt wird, damit die Sicherung des Unterrichts vor Ort gewährleistet werden kann (die Schulen werden dabei unterstützt durch die Staatlichen Schulämter, die Regierungen und die Ministerialbeauftragten),
  • dass die Qualität des Unterrichts gewahrt bleibt. Deshalb achten die Schulleitungen bzw. die Schulämter auf eine entsprechende pädagogische und fachliche Befähigung der Vertretungskräfte.

Schule und Bildung in Zahlen

1. Eckdaten des bayerischen Schulwesens Vorlesen lassen

Im Schuljahr 2013/14 wurden an allen 6.117 bayerischen Schulen insgesamt 1.701.483 Schüler von 116.055 Lehrkräften unterrichtet. Die Lehrkräfte hielten Woche für Woche nicht weniger als 2.528.493 Stunden Unterricht.

Tabelle 1 weist für ausgewählte Schularten einige Eckdaten des Schuljahres 2013/14 aus. Nicht vollbeschäftigte Lehrkräfte sind entsprechend ihrem Stellenanteil auf Vollzeitlehrer umgerechnet.
 

2. Indikator Schüler je Klasse Vorlesen lassen

Die Statistik hat aber nicht nur die Aufgabe, „Zahlen zu sammeln“, sondern sie soll die erhobenen Daten auch analysieren. Und „Analysieren“ heißt im Prinzip nichts anderes als „Vergleichen“. Nur die Einordnung der statistischen Ergebnisse in einen zeitlichen, regionalen oder sachlichen Zusammenhang erzeugt brauchbare Aussagen. Benötigt werden damit Vergleichsmaßstäbe, also Indikatoren. Der bekannteste der in der Schulstatistik verwendeten Indikatoren ist die Relation Schüler je Klasse (Klassenfrequenz):
 

(GS: Grundschule, MS: Mittelschule, FZ: Förderzentrum, RS: Realschule, WS: Wirtschaftsschule, GY: Gymnasium, BS: Berufsschule, BFS: Berufsfachschule, FOS: Fachoberschule, BOS: Berufsoberschule; Schüler je Klasse in allen Schulen nach Schulart)

Allerdings werden in einzelnen Fächern die Klassen aufgeteilt und der Unterricht erfolgt in kleineren, von der Statistik nicht erfassten Gruppen. Die ausgewiesenen Klassenfrequenzen sind also lediglich ein Maß für die durchschnittliche Klassenstärke, nicht jedoch für die durchschnittliche Größe der Gruppen, in denen der Unterricht erteilt wird. Die Klassenfrequenz allein kann die Unterrichtssituation in einer Schulart noch nicht ausreichend abbilden. So kann man bei gleicher Versorgung der Schüler mit Lehrern entweder eine möglichst kleine Klassenfrequenz anstreben oder man bietet ein umfangreicheres Stundenangebot und ein höheres Maß an Differenzierungen an, nimmt aber gleichzeitig eine größere Klassenstärke in Kauf.

3. Indikator Schüler je Lehrer Vorlesen lassen

Betrachtet man hingegen den Indikator Schüler je Lehrer, so lassen sich Schulsysteme unabhängig davon vergleichen, ob bei ihnen der Fokus auf eine niedrige Klassenfrequenz oder eine hohe Wochenstundenzahl je Klasse gerichtet ist. In der bildungspolitischen Diskussion hat sich deshalb die „Schüler-Lehrer-Relation“ als der am meisten verwendete Indikator für den Grad der Versorgung mit Lehrern durchgesetzt:
 

Dabei werden die Schüler auf die in Vollzeitlehrer-Einheiten umgerechneten Lehrkräfte bezogen. Der hohe Relationswert „Schüler je Lehrer“ an der Berufsschule hat seine Ursache im Teilzeitunterricht (vgl. Abb. 3) im Rahmen der dualen Berufsausbildung und spiegelt wider, dass im Teilzeitunterricht vergleichsweise viele Schüler von einem Lehrer betreut werden können.

Der Indikator „Schüler je Lehrer“ beschreibt zwar die Versorgung der Schulen mit Lehrerstellen, lässt aber nur bedingt Aussagen über die tatsächliche Unterrichtsversorgung zu. Denn durch Lehrkräfte, die mit Dienstbezügen abwesend sind oder an Arbeitszeitmodellen teilnehmen, kommt es zu Abweichungen der Stellenbelegung (Grundlage für die Berechnung der Vollzeitlehrer-Einheiten) von der tatsächlich vorhandenen Kapazität. Bei unterschiedlichem Pflichtstundenmaß und unterschiedlicher Zahl von Entlastungsstunden der Lehrer können selbst bei gleicher Schüler-Lehrer-Relation die Schüler zweier Schularten verschieden mit Unterricht versorgt sein.

4. Indikator Unterrichtsstunden je Klasse Vorlesen lassen

Genaueren Aufschluss über die Unterrichtsversorgung geben die Relationen „Unterrichtsstunden je Schüler“ bzw. „Unterrichtsstunden je Klasse“. Der Indikator Unterrichtsstunden je Klasse spiegelt das Angebot an wöchentlichem Pflicht- und Wahlunterricht pro Klasse wider. Das entspricht auch näherungsweise dem Unterrichtsangebot, das an jeden einzelnen Schüler gerichtet ist:
 

Erhebung zum Unterrichtsausfall im Schuljahr 2014/15

1. Welches Konzept liegt der Erhebung zum Unterrichtsausfall zugrunde? Vorlesen lassen

  • Detaillierte und vertiefte Erfassung der Ausfallgründe und Arten der Vertretung in einem Zeitraum von je zwei Wochen im Herbst und Frühjahr eines Schuljahres ("Feinerhebung")
  • Erste empirische Untersuchung im Schuljahr 1999/2000 (Stichprobenkonzept im Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags fraktionsübergreifend gebilligt)
  • Jährliche Fortführung seit dem Schuljahr 2005/06
  • Seit dem Schuljahr 2010/11 zusätzliche Erhebung wichtiger Kenngrößen über das gesamte Schuljahr hinweg ("Groberhebung")
  • Zusätzlich ab dem Kalenderjahr 2012 Ausweitung der Erhebung wichtiger Kenngrößen auf alle staatlichen Realschulen und Gymnasien
  • Teilnehmende Schulen im Schuljahr 2014/15: alle staatlichen Realschulen und Gymnasien sowie zusätzlich insgesamt 124 zufällig ausgewählte Schulen aus 8 weiteren Schularten (repräsentative Stichprobe nach Schulgröße und regionaler Lage)

2. Welche Stundenausfälle werden erfasst? Vorlesen lassen

Es werden alle bezüglich des aktuell gültigen Stundenplans nicht regulär erteilten Lehrerstunden erfasst. Dabei werden unterschieden:

  • Ersatzloser Unterrichtsausfall umfasst diejenigen Stunden, in denen Schüler lediglich beaufsichtigt werden oder die überhaupt nicht stattfinden, also insbesondere nicht vertreten oder anderweitig kompensiert werden.
  • Nicht planmäßig erteilte Lehrerstunden schließen neben dem ersatzlosen Unterrichtsausfall auch solche Unterrichtsstunden ein, die von einer anderen als im Stundenplan vorgesehenen Lehrkraft erteilt werden.

3. Welche Ursachen waren im Schuljahr 2014/15 für die Stundenausfälle verantwortlich? Vorlesen lassen

  • Häufigste Ursache für nicht planmäßig erteilte Lehrerstunden ist die Erkrankung der Lehrkraft (61 %)
  • Weitere Ursachen für Unterrichtsausfälle: Fortbildungen (15 %), Fahrten und Exkursionen (9 %), Teilnahme an dienstlichen Veranstaltungen (6 %), Lehrerausbildung (3 %), sonstige Ursachen (zusammen 6 %)

4. Welche Maßnahmen wurden an den staatlichen Schulen ergriffen und wie erfolgreich waren diese? Vorlesen lassen

Getroffene Auffangmaßnahmen zur Abwendung von Unterrichtsausfall:

  • längerfristige Vertretungen durch Lehrer aus der Mobilen Reserve und integrierten Lehrerreserve sowie durch Vertretungskräfte aus dem Vertretungspool
  • kurzfristige Vertretungen durch schuleigene Lehrkräfte (klasseneigene bzw. klassenfremde Lehrkräfte)
  • Mitführung von Klassen bzw. Aufhebung von Klassenteilungen (organisatorische Maßnahmen)

Nachfolgende Tabelle zeigt, dass von der Gesamtheit aller nicht planmäßig erteilten Lehrerstunden (gelbe Zeile) durch Ergreifen der angeführten Auffangmaßnahmen (grüne Zeile) nur gewisse Restmengen an Stunden verbleiben, die nicht kompensiert werden können und ersatzlos ausfallen (rote Zeile):

Tab. 1: Auffangmaßnahmen

Dabei lag der Umfang, in dem drohender Unterrichtsausfall noch abgewendet werden konnte (blaue Zeile), an den verschiedenen Schularten zwischen etwa 59 % an der Berufsfachschule und 89 % an der Realschule.

5. Welcher Anteil der vorgesehenen Lehrerstunden fiel ersatzlos aus? Vorlesen lassen

Abb. 1: Ersatzlos ausgefallener Unterricht (rot) als Teil der nicht planmäßig erteilten Lehrerstunden (Gesamtsäule)

 

Der Anteil des ersatzlosen Unterrichtsausfalls lag im Schuljahr 2014/15 zwischen 1,0 % an der Grundschule und 2,9 % an der Berufsfachschule (vgl. Abb. 1). An der Realschule verbleiben nach Kompensation nur 1,2 % ersatzlos entfallene Unterrichtsstunden. Am Gymnasium werden lediglich die Jahrgangsstufen 5 bis 10 erfasst, da sich die pädagogische Situation in der Qualifikationsphase nur bedingt mit anderen Schularten vergleichen lässt (fehlende Klassenstruktur, selbstständige Bibliotheksarbeit der Oberstufenschüler bei Unterrichtsausfall usw.).

6. Wie gestalten sich die Gesamtverhältnisse in einer schulartübergreifenden Betrachtung? Vorlesen lassen

In einer schulartübergreifenden Gesamtbetrachtung kristallisiert sich folgendes Bild heraus: Von den im Stundenplan vorgesehenen Unterrichtsstunden konnten 91,5 % planmäßig erteilt werden, 5,2 % wurden durch eine Lehrkraft der Schule, eine externe Vertretungskraft oder eine Mobile Reserve vertreten. Außerdem konnten 1,7 % der Lehrerstunden durch organisatorische Maßnahmen aufgefangen werden, so dass lediglich die verbleibenden 1,6 % der vorgesehenen Stunden ersatzlos ausfallen mussten:
 

Abb. 2: Gesamtverteilung der erteilten und nicht erteilten Lehrerstunden

7. Welche zeitlichen Entwicklungen lassen sich erkennen? Vorlesen lassen

Verfolgt man die Quoten des ersatzlosen Unterrichtsausfalls seit dem Schuljahr 2010/11, so zeigt sich an den Grund- und Mittel-/Hauptschulen (bis 2011/12: Volksschulen), Realschulen, Gymnasien und beruflichen Schulen zusammen folgendes Bild:

Abb. 3: Vergleich der Erhebungen (ersatzlos ausgefallener Unterricht)

 

An den Grund- und Mittelschulen ist im Vergleich zur Vorjahreserhebung der Anteil ersatzlosen Unterrichtsausfalls von 1,1 % auf 1,3 % leicht angestiegen. Ausschlaggebend hierfür ist maßgeblich ein Anstieg des krankheitsbedingten Unterrichtsausfalls – insbesondere wegen der im vergangenen Winter außergewöhnlich intensiven Grippewelle. Dass sich die Ausfallquoten an den Grund- und Mittelschulen insgesamt gesehen dennoch auf geringem Niveau befinden, liegt nicht zuletzt an dem bewährten, kontinuierlichen Aufbau eines Kontingents an Mobilen Reserven in einem 4-Stufen-Modell – dabei wird über das Jahr verteilt bedarfsgerecht eine immer weiter steigende Zahl von Vertretungskräften bereitgestellt.
Zum Schuljahr 2015/16 stehen für die Bildung von zusätzlichen Übergangsklassen im weiteren Verlaufe des Schuljahres bayernweit mindestens 50 Vollzeitkapazitäten zur Verfügung. Damit können bei entsprechendem Bedarf und ohne Auswirkungen auf die Mobile Reserve auch nach Unterrichtsbeginn weitere Klassen eingerichtet werden..

Der Anteil der ersatzlos ausgefallenen Unterrichtsstunden im Bereich staatlicher Realschulen und Gymnasien liegt mit 1,2 % bzw. 2,3 % trotz der Grippewelle auf annähernd gleich niedrigem Niveau wie im Vorjahr (1,1 % bzw. 2,3 %). Dies ist vor allem dem nach wie vor großen Engagement der Schulleitungen und Lehrkräfte vor Ort, aber auch den durch das Staatsministerium zugewiesenen Aushilfsmitteln und Mitteln zur eigenen Bewirtschaftung sowie der integrierten Lehrerreserve an allen staatlichen Realschulen und Gymnasien zu verdanken. Die Schulen können mithilfe der vor Ort zur Verfügung stehenden integrierten Lehrerreserve beim Ausfall einer Lehrkraft schnell und flexibel reagieren und müssen nicht erst eine Aushilfskraft auf dem freien Markt akquirieren. Mit dieser zusätzlichen Personalausstattung der Schulen kann insbesondere eine höhere Qualität bei den Vertretungsstunden sichergestellt werden, da bei absehbaren Ausfällen die Vertretungsstunden durch eigene Stammlehrkräfte der Schule abgehalten werden können.

Wie an den allgemein bildenden Schulen macht sich auch im beruflichen Schulbereich die außergewöhnliche Krankheitswelle in den Wintermonaten des Schuljahres 2014/15 bemerkbar: So hat sich der Anteil ersatzlosen Unterrichtsausfalls an der Beruflichen Oberschule mit 2,5 % leicht erhöht (Vorjahr: 2,1 %), auch an der Berufsfachschule ist er angestiegen (von 1,9 % auf 2,9 %). An der Wirtschaftsschule beträgt er wie im Vorjahr 2,8 %. An der Berufsschule bewegt sich der Anteil ersatzlosen Unterrichtsausfalls mit 2,3 % in der Größenordnung des Vorjahres (2,2 %). Dass hier kein größerer Anstieg der Ausfallquote zu verzeichnen war, ist unter anderem auf die Einrichtung der Sondermaßnahme zur Zulassung von Diplomingenieuren und Masterabsolventen zum Vorbereitungsdienst in den Bereichen Elektro- und Metalltechnik zurückzuführen. Die Maßnahme soll auch im Schuljahr 2015/16 fortgesetzt werden.

Schulartübergreifend hat sich als vorteilhaft erwiesen, dass sich die Schulen eigenverantwortlich um die Gewinnung von kurzfristigem Vertretungspersonal bemühen können: Vertretungspools eröffnen die Möglichkeit, flexibel auf Engpässe in der Personalversorgung zu reagieren und nach passgenauen Lösungen vor Ort zu suchen. Dabei können Schulleiter und Schulräte im Umfeld der Schulen nach geeigneten Bewerbern suchen und diese im Unterricht als Vertretungskräfte für längerfristig abwesende Kollegen einsetzen.

8. Wird die Erhebung zum Unterrichtsausfall im Schuljahr 2015/16 fortgesetzt? Vorlesen lassen

Das Erhebungskonzept mit einer ganzjährigen Erfassung wichtiger Kenngrößen hat sich bewährt. So zeigt eine genauere Analyse des zeitlichen Verlaufs durchaus saisonale Schwankungen (vereinzelte unterrichtsfreie Tage durch den Wintereinbruch in einzelnen Regionen, Prüfungswochen in der zweiten Schuljahreshälfte). Deren Berücksichtigung ist für eine Gesamtschau wichtig und notwendig. Aus diesem Grund wird die Erhebung im aktuellen Schuljahr 2015/16 nach gleichem Konzept wie zuletzt durchgeführt fortgesetzt.

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