Bayerisches Bier: Schüler lernen an Staatlicher Berufsschule das Brauen

Modernste Technik: Bernd Sibler in der Lehrbrauerei der Berufsschule Main-Spessart
Modernste Technik: Bernd Sibler in der Lehrbrauerei der Berufsschule Main-Spessart

Kultusstaatssekretär Bernd Sibler hat sich über die Ausbildungssituation der Brauer und Mälzer in Bayern informiert. In der Staatlichen Berufsschule Main-Spessart besuchte er die neue Lehrbrauerei. In diese wurde mehr als eine Million Euro investiert. Die Ausbildung in Karlstadt ist begehrt – sie zieht sogar Schüler außerhalb Bayerns an.

Die neue Lehrbrauerei ist ein Vorzeige-Objekt: Erst im vergangenen Schuljahr hat der Landkreis rund eine Million Euro in die kleine Ausbildungs-Brauerei gesteckt. „Bier ist nicht nur ein kultureller Faktor, sondern auch ein wirtschaftlicher“, sagte Staatssekretär Bernd Sibler bei seinem Besuch in Karlstadt, „der Freistaat braucht hier gut ausgebildeten Nachwuchs.“

Der Staatssekretär war erfreut, zu erfahren, dass Brauer nach wie vor ein begehrter Beruf in Bayern ist. An der Berufsschule Main-Spessart werden im aktuellen Schuljahr 1853 Schüler in 80 Klassen unterrichtet. 120 Auszubildende in drei Lehrjahren beschäftigen sich dabei mit Bier: 111 lernen Brauer und Mälzer, neun Auszubildende werden Maschinen- und Anlagenführer in diesem Bereich. Die Ausbildung zum Maschinenführer ist in Bayern nur in Karlstadt möglich. Im laufenden Schuljahr wurden wieder zwei Eingangsklassen für Brauer und Mälzer gebildet.

Von li. nach re.: Armin Grein (Vors. Brauerverein, Altlandrat), StD Markus Metzger, Bernd Sibler (Kultusstaatssekretär), Gerhard Schmitt (Geschäftsführer Brauerverein), Dr. Susan Schubert (Stellv. Vors. Brauerverein)
Von li. nach re.: Armin Grein (Vors. Brauerverein, Altlandrat), StD Markus Metzger, Bernd Sibler (Kultusstaatssekretär), Gerhard Schmitt (Geschäftsführer Brauerverein), Dr. Susan Schubert (Stellv. Vors. Brauerverein)

Bereits seit 46 Jahren werden an der Berufsschule Main-Spessart Brauer und Mälzer aus Unterfranken, Mittelfranken und der nördlichen Oberpfalz ausgebildet. Bevor die Brauerschule eingerichtet wurde, mussten die Interessenten zusammen mit anderen Nahrungsmittelberufen ausgebildet werden. Nun kommen die Bewerber sogar aus anderen Bundesländern nach Bayern: Gastschüler aus Hessen und Thüringen lernen bayerisches Bier zu brauen.

Neben der Berufsschule im Main-Spessart-Kreis gibt es im Freistaat noch zwei Sprengel. Die Oberfranken werden in der Staatlichen Berufsschule Kulmbach unterrichtet. Oberbayern, Niederbayern, Schwaben und Bewerber aus der südlichen Oberpfalz gehen nach München in die Städtische Berufsschule für das Hotel-, Gaststätten- und Braugewerbe. Die Schülerzahlen sind an allen drei Standorten stabil.

Neue Investition: Kultusstaatssekretär Sibler nimmt die Abfüllanlage in Augenschein
Neue Investition: Kultusstaatssekretär Sibler nimmt die Abfüllanlage in Augenschein

Staatssekretär Bernd Sibler konnte sich überzeugen, was die Ausbildung so attraktiv macht. In der neuen Lehrbrauerei funktioniert alles wie in einer Großbrauerei, nur meist viel kleiner. 75 Liter Bier werden von den Auszubildenden pro Sud gebraut, in der alten Lehrbrauerei waren es nur 25 Liter. Dass die eine Million Euro für die neue Lehrbrauerei gut investiert sind, bezweifelt niemand – nur das produzierte Bier ist wohl das teuerste in ganz Bayern. Etwa 110 Euro kostet die Halbe Bier aus der Lehrbrauerei. Das hat zum Spaß ein Braulehrer ausgerechnet – dabei hat er den Stundenlohn der Braumeister und der 15 Azubis als Grundlage genommen und auch das Material und die Abschreibungen von 30 Jahren berücksichtigt.

In Wirklichkeit steckt die Investition natürlich nicht im Bier, sondern in der Brauanlage. Die Maisch-Automatik ist neu, ebenso der Innenkocher, die Flaschenwaschmaschine, die Abfüllanlage, die Etikettierung oder der Einpacker. Auch Dampfkessel und Kühlanlage wurden neu aufgebaut. Im Gegensatz zu größeren Brauereien haben die Maisch- und Kochgefäße Sichtfenster. Der Brauablauf lässt sich so verfolgen.

Die angehenden Brauer sehen, worum es geht. „Wir können jetzt endlich handlungsorientiert arbeiten“, sagte Braulehrer Markus Metzger. Gerade die technische Wartung der Maschinen kann in der Lehrbrauerei so gut wie nirgendwo sonst in ganz Deutschland gezeigt und geübt werden. Die Abschlussprüfungen können nun hier stattfinden und nicht mehr nur in den Brauereien in Arnstein und Schweinfurt. Die neue Brauerei erfüllt auch die Anforderungen des Rahmenlehrplans von 2007, der Unterricht in Handlungssituationen vorsieht.

Und da man bekanntlich nicht für die Schule, sondern für das Leben lernt, gibt es eine Handlungssituation, die alle Auszubildenden immer sehr gerne erleben, berichtet der Braulehrer: In Karlstadt steht auch auf dem Lehrplan, wie man mit ganz einfachem und alltäglichem Küchenzubehör zu Hause auf dem Herd Bier brauen kann.

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