Erinnerungskultur Deutsch-deutsches Museum in Mödlareuth wird erweitert

Das Dorf Mödlareuth, das an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen liegt, wurde jahrzehntelang durch eine 1966 errichtete Mauer, die mitten durch den Ort verlief, geteilt
Das Dorf Mödlareuth, das an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen liegt, wurde jahrzehntelang durch eine 1966 errichtete Mauer, die mitten durch den Ort verlief, geteilt

Die Freistaaten Bayern und Thüringen sowie der Bund stellen insgesamt 12 Millionen Euro bereit, um den größten Teil der Kosten für die Erweiterung des Museums Mödlareuth an der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu übernehmen.

Die Bundesrepublik Deutschland sowie die Freistaaten Bayern und Thüringen werden die Erweiterung des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth mit insgesamt 12 Millionen Euro fördern und damit den Löwenanteil der geplanten Kosten tragen. Das Museum soll künftig die Geschichte der deutschen Teilung und Wiedervereinigung am Beispiel von „Little Berlin“ auf dem Stand der Forschung und digital-gestützt erzählen und so einen Beitrag gegen das Vergessen und das Verharmlosen der SED-Diktatur leisten. Das haben Bayerns Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Monika Grütters und Thüringens Chef der Staatskanzlei und Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff mit ihrer Unterschrift nun vereinbart. Sie machen damit den Weg frei für einen modernen Erweiterungsbau. Die Gesamtkosten des Museumsprojekts werden auf knapp 15 Millionen Euro geschätzt.

Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo
Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo: „Seit dem Fall der Mauer sind über 30 Jahre vergangen. Gerade jüngere Menschen können sich nicht vorstellen, dass die SED mitten durch Deutschland und sogar mitten durch einzelne Dörfer auf 1400 Kilometer Länge eine nahezu unüberwindbare Grenze mit Minen und Selbstschusslagen errichten ließ, um das eigene System zu stabilisieren. Viele Menschen haben hier auf dem Weg in die Freiheit ihr Leben verloren. Mödlareuth bietet mit den authentischen Sperranlagen die einmalige Chance, die Teilung Deutschlands mit den gravierenden sozialen Folgen für Familien und Freunde lebendig zu machen.“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters
Kulturstaatsministerin Monika Grütters

Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „Die Erinnerung an das menschenverachtende DDR-Grenzregime muss auch mehr als 30 Jahre nach dem Mauerfall für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Vor allem jungen Menschen eröffnet das Deutsch-Deutsche Museum in Mödlareuth als Gedenk- und Erinnerungsstätte die Möglichkeit, sich in anschaulicher und beklemmender Weise ein Bild von der damaligen tödlichen Grenzsperranlage zu machen. Ich bin überzeugt, dass die beständige Auseinandersetzung mit den Diktaturerfahrungen des 20. Jahrhunderts motivieren kann, für Freiheit und Demokratie einzustehen. Dazu leisten unsere historischen Museen und Gedenkeinrichtungen einen wertvollen Beitrag.“

Thüringens Staatskanzleiminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff
Thüringens Staatskanzleiminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff

 Thüringens Staatskanzleiminister Benjamin-Immanuel Hoff: „In Mödlareuth ist die Widersprüchlichkeit der deutsch-deutschen Teilung unverkennbar deutlich geworden. Wer nicht wie ich in Berlin mit meterhohen Mauern und Stacheldraht großgeworden ist, kann sich eine hohe Betonmauer, die ein kleines Dorf in einen Ost- und einen Westsektor teilt, kaum vorstellen. Über 37 Jahre war es in ‚Little Berlin’ auf legale Weise nicht möglich, die Grenze zu überwinden, um vom einen in den anderen Ortsteil zu gelangen. Beziehungen, Freundschaften und Familien wurden zerrissen. Die wichtige Gedenkstättenarbeit im thüringisch-bayerischen Grenzgebiet fördert die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und besonders das geschichtliche Bewusstsein der jungen Generationen. Dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist, ist eine von vielen Erkenntnissen die man in Mödlareuth erfahren kann.“

Konkret unterstützen der Bund und der Freistaat Bayern die Maßnahme mit jeweils 5,603 Millionen Euro sowie der Freistaat Thüringen mit 800.000 Euro.

Die Erweiterung und Neukonzeption des Grenzlandmuseums umfasst:

  • die Errichtung eines modernen Erweiterungsbaus für das Museum mit neuer Dauerausstellung,
  • eine bessere Zugänglichkeit des Freigeländes mit der Nachzeichnung des Mauerverlaufs – auch für Menschen mit Behinderung,
  • moderne Themenstationen sowie interaktive Medien zur Vermittlung der Geschichte der Teilung und den Folgen für die Menschen an der innerdeutschen Grenze,
  • den Rückbau nicht authentischer nachträglicher Installationen.

Die Pläne für den Erweiterungsbau und die Außengestaltung hat das Atelier 30 Architekten BDA, Kassel, in Kombination mit den Landschaftsarchitekten GrünPlan BDLA, Hannover, entworfen. Die inhaltliche Gestaltung wird von einem wissenschaftlichen Arbeitskreis mit dem Gestaltungsbüro frankonzept unter Moderation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit ausgearbeitet.

„Eiserner Vorhang“ teilte das Dorf am Tannbach

Das Dorf Mödlareuth, in dem heute rund 50 Menschen leben, liegt in Bayern und Thüringen – im Drei-Länder-Dreieck Bayern/Thüringen/Sachsen zwischen den Städten Hof, Schleiz und Plauen. Während der Teilung Deutschlands verlief der „Eiserne Vorhang“ mitten durch den Ort. Ähnlich wie in Berlin trennte eine Betonmauer die Menschen im Osten von den Menschen im Westen und damit die Familien beiderseits des Tannbachs.

Die von der DDR errichteten Sperranlagen am Tannbach umfassten u.a. eine 700 Meter lange Betonmauer, einen zusätzlichen Sperrzaun und einen Beobachtungsturm. 90 Meter Mauer, über 600 Meter Sperrzaun sowie der Beobachtungsturm sind auf dem Freigelände noch authentisch erhalten und werden künftig das Herzstück des Erinnerungsorts und Museums bilden. In der Dauerausstellung im Erweiterungsbau werden Hintergrundinformationen gegeben und historisch seltene Exponate ausgestellt werden.

Das Deutsch-Deutsche Museum in Mödlareuth wurde in den frühen 1990er Jahren auf ehrenamtliche Initiative hin aufgebaut. Es zeigt die Geschichte der deutschen Teilung und erläutert die politischen, militärischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und alltagsgeschichtlichen Aspekte der Teilung vornehmlich anhand regionaler und lokaler Bezugspunkte. Das Museum befindet sich in der Trägerschaft des Zweckverbands Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth, in dem die Landkreise Hof, Saale-Orla und Vogtlandkreis sowie die Gemeinde Töpen und die Stadt Gefell zusammenarbeiten.

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