Abiturprüfung Kultusminister Piazolo stellt Regelungen zum Abitur am G9 vor

Nach einem Jahr ohne Abiturprüfung an den bayerischen Gymnasien wird der erste Jahrgang des neuen G9 sein Abitur im Jahr 2026 ablegen
Nach einem Jahr ohne Abiturprüfung an den bayerischen Gymnasien wird der erste Jahrgang des neuen G9 sein Abitur im Jahr 2026 ablegen

Die ersten Schülerinnen und Schüler des neuen neunjährigen Gymnasiums in Bayern werden ihr Abitur im Jahr 2026 ablegen. Nun wurde das Konzept hierfür vorgestellt, das eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Lehrkräften, Eltern, Schüler und Direktoren erarbeitet hat.

Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo
Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo

„Das Abitur am neuen neunjährigen Gymnasium steht! Wir haben damit die Planungen für die Oberstufe im neuen neunjährigen Gymnasium abgeschlossen. Wir werden die hohe Qualität des bayerischen Abiturs auch in Zukunft sichern und gleichzeitig den Schülerinnen und Schülern mehr Flexibilität bei der Abiturfächerwahl geben“, erklärte Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo bei einer Pressekonferenz in München. „Ich freue mich sehr darüber, dass wir im Konsens mit der gymnasialen Schulfamilie ein sehr gutes Ergebnis entwickelt haben.“

Nach dem Beschluss des Bayerischen Ministerrats am 30. Juni 2020 stellte der Kultusminister nun das Konzept vor, das eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Vertretern der Lehrkräfte, Eltern, Schüler und Direktoren erarbeitet hatte.

Im Einzelnen wird sich das Abitur am neuen G9 folgendermaßen gestalten:

  • Als Ausdruck der vertieften allgemeinen Bildung am Gymnasium legen Schüler die Abiturprüfung auch künftig in fünf Fächern ab. Drei Fächer werden schriftlich, zwei Fächer mündlich geprüft.
  • Deutsch und Mathematik sind wegen ihrer hohen Bedeutung für die allgemeine Studierfähigkeit weiterhin grundsätzlich verpflichtende Abiturprüfungsfächer. Eines der beiden Fächer kann künftig mündlich abgelegt werden.
  • Über das individuell wählbare Leistungsfach werden in der Oberstufe neue Vertiefungs- und Profilbildungsmöglichkeiten geschaffen. Das Leistungsfach wird – neben Deutsch und Mathematik – das dritte verpflichtende Abiturfach.
  • Fremdsprachen und Naturwissenschaften haben aufgrund ihrer zentralen Bedeutung in einer zunehmend globalisierten und technisierten Welt in der Abiturprüfung eine besondere Stellung. Schülerinnen und Schüler können künftig auch in zwei Fremdsprachen oder in zwei Naturwissenschaften ihr Abitur ablegen – eine klare Ausweitung der Möglichkeiten zur individuellen Schwerpunktsetzung. Mindestens eine Fremdsprache oder eine Naturwissenschaft muss als Abiturprüfungsfach gewählt werden.
  • Auch der gesellschaftswissenschaftliche Bereich profitiert von den flexibleren Gestaltungsmöglichkeiten. Künftig können die Schülerinnen und Schüler sogar zwei Leitfächer der Politischen Bildung (Geschichte, Politik und Gesellschaft, Geographie, Wirtschaft und Recht) als Prüfungsfächer wählen.
  • Weiterhin können im Rahmen der individuellen Profilbildung auch Sport, Kunst oder Musik als Abiturprüfungsfächer gewählt werden.
  • Eine Neuerung bedeutet die so genannte Substitutionsregel. Für Schülerinnen und Schüler, die im MINT-Bereich leistungsstark sind, können mit einem MINT-Leistungsfach und einem weiteren MINT-Fach in der Abiturprüfung Mathematik ersetzen. Analog können Schülerinnen und Schüler, die als Leistungsfach eine Fremdsprache haben und eine weitere Fremdsprache als Abiturprüfungsfach wählen, Deutsch in der Abiturprüfung ersetzen.

Mit diesen Regelungen schafft Bayern mehr Flexibilität bei weiterhin hohen Qualitätsstandards. Mit dem Abiturzeugnis erwerben die bayerischen Schülerinnen und Schüler damit auch in Zukunft einen verlässlichen Nachweis der allgemeinen Hochschulreife und ihrer allgemeinen Studierfähigkeit.

Pressekonferenz in München: Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo, LEV-Vorsitzende Susanne Arndt, Landesvorsitzender Walter Bayer (BayDV), bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl sowie Landesschülersprecher Joshua Grasmüller (v. re.) stellen das neue Abitur vor
Pressekonferenz in München: Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo, LEV-Vorsitzende Susanne Arndt, Landesvorsitzender Walter Bayer (BayDV), bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl sowie Landesschülersprecher Joshua Grasmüller (v. re.) stellen das neue Abitur vor

Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes:
„Mit den heute vorgestellten Plänen sind die Kernpunkte unserer Forderungen von 2018 umgesetzt:  Vertiefte allgemeine Bildung geht Hand in Hand mit individueller Profilbildung.  Durch das Fünf-Fächer-Abitur und die Belegungsverpflichtungen wird gymnasiale Bildung in ihrer ganzen Breite abgedeckt. Gleichzeitig werden durch die Vertiefungs- und Wahlmöglichkeiten aber auch die individuellen Stärken der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Dafür stehen das Leistungsfach und die erweiterten Freiheiten bei der Wahl der anderen Prüfungsfächer sowie die Öffnung des verpflichtenden schriftlichen Abiturs in Deutsch und Mathematik. Das künftige bayerische Abitur ist damit eine echte Weiterentwicklung.“

Joshua Grasmüller, Landesschülersprecher: „Durch die intensiven und offenen Gespräche innerhalb der Schulfamilie, haben wir es gemeinsam geschafft, eine solide Oberstufe für uns Schülerinnen und Schüler zu konzipieren. Mit dem in der vereinbarten Lösung enthaltenen Leistungsfach, dem Vertiefungskurs und den Differenzierungsstunden wird jeder Schülerin und jedem Schüler eine stärken- und interessengeleitete Profilbildung in allen Fächern ermöglicht. Besonders freut es uns, dass durch die Möglichkeit zur Abiturprüfung in zwei gesellschaftswissenschaftlichen Fächern der Bereich der politischen Bildung eine signifikante Intensivierung erfährt. Die Substituierbarkeit der Fächer Deutsch und Mathematik rundet eine schülerorientierte und zukunftsfähige Oberstufe ab.“

Susanne Arndt, Vorsitzende des Landes-Eltern-Vereinigung: „Die Zeit, die wir in die Gestaltung der neuen Oberstufe investiert haben, hat sich am Ende gelohnt! Es ist gemeinsam mit den Schülervertretern gelungen, wichtige Flexibilisierungen und sinnvolle Vertiefungsmöglichkeiten zu erreichen. Die Wahlmöglichkeiten dieser Kompromisslösung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Oberstufe bis hin zum Abitur und eröffnen dem Einzelnen die Option seine Begabungen ins Abitur auf höherem Niveau einzubringen und seine Schwächen in der entscheidenden Prüfung ein wenig zu umgehen. Ebenso freut es uns sehr, dass es gelungen ist, die Kopplung von Geschichte und Sozialkunde zu lösen und mit dem Fach PuG der politischen Bildung mehr Gewicht zu geben!“

Walter Baier, Vorsitzender der Direktorinnen- und Direktorenvereinigung bayerischer Gymnasien:In den vergangenen eineinhalb Jahren haben wir intensiv und konstruktiv in der AG Oberstufe zusammengearbeitet. Um das heute vorgestellte Ergebnis haben wir zwar zäh gerungen, aber alle Beteiligten tragen es mit. Wir haben gemeinsam etwas sehr Positives erreicht, das zunächst unmöglich schien. Der Direktorenvereinigung war es besonders wichtig, dass eine Erweiterung hinsichtlich Individualisierung und Profilbildung weder zu unlösbaren Problemen bei der Organisation des Oberstufensystems an der einzelnen Schule noch zu einer zusätzlichen Belastung für die Schülerinnen und Schüler führt."

Für die Impulse und die gute Zusammenarbeit dankte Kultusminister Michael Piazolo dem Bayerischen Philologenverband, der Direktorenvereinigung, der Landes-Eltern-Vereinigung sowie dem Landesschülerrat.

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