Greta-Fischer-Schule: Die Namensgebung ehrt eine besondere Pädagogin

Die Erzieherin Greta Fischer mit Flüchtlingskindern in Markt Indersdorf
(Schwarz-weiß Fotos: Vancouver Holocaust Research Center)
Die Erzieherin Greta Fischer mit Flüchtlingskindern in Markt Indersdorf
(Schwarz-weiß Fotos: Vancouver Holocaust Research Center)

Das Sonderpädagogischen Förderzentrum Dachau hat einen neuen Namen: Es wird künftig Greta-Fischer-Schule heißen. Kultusminister Spaenle verlieh den Namen in einer feierlichen Zeremonie. Damit wird die jüdische Pädagogin gewürdigt, die nach dem Krieg im Auftrag der Vereinten Nationen ein Heim für Flüchtlingskinder in Markt Indersdorf gründete.

Kultusminister Spaenle: Greta Fischer ist die ideale Namensgeberin für eine Schule in Dachau
Kultusminister Spaenle: Greta Fischer ist die ideale Namensgeberin für eine Schule in Dachau

„Greta Fischer ist sowohl im historischen als auch im pädagogischen Kontext die ideale Namensgeberin für ein Förderzentrum in Dachau“, so Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle. Die Pädagogin hatte ein Motto: „Wenn das Richtige zusammen mit dem Kind getan wird, so kann man über ein Wunder staunen“.

Greta Fischer hat ihre Mitarbeiter angehalten, den Kleinkindern und Jugendlichen mit all ihren körperlichen, psychischen und geistigen Bedürfnissen individuell gerecht zu werden. Somit lässt sich der Bogen schlagen zu den Anforderungen an die Lehrkräfte am Förder- zentrum Dachau. „Auch sie haben die schwierige Aufgabe, Kindern zu helfen, die einer besonderen Zuwen- dung bedürfen“, sagte der Minister, „auch wenn sie nicht durch Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs traumatisiert sind und in aller Regel in einem Elternhaus aufwachsen, wo man um ihr Wohl bemüht ist.“

Die Heimleiterin verteilt neue Kleidung
Die Heimleiterin verteilt neue Kleidung

Greta Fischer (1910 – 1988) war eine jüdische Pädagogin. Sie wurde in Mähren geboren. Zusammen mit ihren fünf Geschwistern konnte sie der Ermordung durch das totalitäre NS-Regime durch eine Flucht ins Ausland entgehen. Ihre Eltern wurden in Treblinka getötet. Die gelernte Kindergärtnerin war eine Mitbegründerin der Trauma-Therapie für Kinder – zusammen mit Sigmund Freuds Tochter Anna.

Ab 1945 war Greta Fischer für die Vereinten Nationen tätig, für die United Nations Relief and Rehabilitation Administration. Diese kümmerte sich um die medizinische und psychologische Versorgung von Flüchtlings- kindern. Im Juli 1945 gründete Fischer in Markt Indersdorf - nur wenige Kilometer von Dachau entfernt – das erste internationale Kinderzentrum der US-Zone. Im Waisen- haus wurden hunderte jüdische und nicht-jüdische Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Nationalität betreut – ehemalige Zwangsarbeiter, Flüchtlinge und Vertriebene, Befreite der Konzentrationslager, Kinder von Zwangsarbeiterinnen.

Warum sich die Schule für den Namen Greta-Fischer-Schule entschieden hat, erklärt die Schulleiterin Gabriele Oswald-Kammerer so: „Sie hat eine moderne, heilpädagogische Methode angewandt. Sie hat das Kind ganzheitlich gesehen. Kinder mit besonderem Förderbedarf brauchen Zuwendung, sonst geht gar nichts.“

Spurensuche: Greta Fischer sucht mit den Karpuks nach Hinweisen
Spurensuche: Greta Fischer sucht mit den Karpuks nach Hinweisen

Zur Namensgebungsfeier reisten Fischers Verwandte und Freunde an aus Israel, Schweiz, den USA und England. Bei der Feier waren auch zwei Zeitzeugen anwesend: Janusz und Sofia Karpuk. Als sie sechs- und zehnjährige Waisenkinder waren, hatte Greta Fischer ihnen nach dem Krieg in Markt Indersdorf geholfen. Ihr Vater war als Widerstandskämpfer in Polen er- mordet worden, die Mutter gestorben bei Zwangsarbeit in Urfar bei Malching, Niederbayern.

„Von heute an wird hier ein Koffer stehen“, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle im Förderzentrum Dachau, „freilich nicht irgendein Koffer, es ist der Koffer, der einmal der einzige Besitz von Janusz und Sofia Karpuk war“. Auf der Suche nach Spuren von Verwandten der beiden ein- samen Kinder oder auf deren Herkunft  fiel nur ein Bild des Großvaters aus dem Koffer, sonst gab es keinen Hinweis.

Die beiden schenkten der Schule symbolisch ihren Koffer.

Überlebende: Janusz und Sofia Karpuk übergeben ihren Koffer der Greta-Fischer-Schule. Rechts Schulleiterin Gabriele Oswald-Kammerer
Überlebende: Janusz und Sofia Karpuk übergeben ihren Koffer der Greta-Fischer-Schule. Rechts Schulleiterin Gabriele Oswald-Kammerer

Kurzfilm über das Wirken von Greta Fischer

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