Inklusion in der schulischen Praxis: Neuer Leitfaden vorgestellt

Inklusion - ein wichtiges Ziel der bayerischen Bildungspolitik
Inklusion - ein wichtiges Ziel der bayerischen Bildungspolitik

Was genau kennzeichnet eine inklusive Schule? Was macht sie aus, welche Bedingungen muss sie erfüllen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt ein neuer Leitfaden zur Inklusion, der von den Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats „Inklusion“ Kultusminister Ludwig Spaenle übergeben wurde.

Heute stellte Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle den Leitfaden „Profilbildung inklusive Schule“ in München der schulischen Öffentlichkeit vor. Verfasst wurde er von vier Hochschullehrern aus München und Würzburg, die in einem wissenschaftlichen Beirat Bayerns Schulen auf dem Weg zur inklusiven Bildung begleiten. Minister Spaenle stellte bei der Präsentation der 66seitigen Broschüre heraus: „Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung sollen in unseren Schulen selbstverständlich zusammen lernen, leben und arbeiten.“ Die rechtliche Grundlage dazu hat der Landtag mit einem Gesetz zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention 2011 verabschiedet. Für den Prozess, die bayerische Schullandschaft inklusiv zu gestalten, soll der Leitfaden wichtige Anregungen und Hilfestellungen liefern 

Seit dem Schuljahr 2011/12 prägen 41 Schulen in Bayern ganz bewusst das Schulprofil Inklusion aus, ihre Zahl hat sich zum Schuljahr 2012/13 auf 86 erhöht. Auf der Grundlage wissenschaftlicher Studien und der Erfahrungen an den Schulen haben die Professoren der LMU München und der Universität Würzburg den Leitfaden erarbeitet – im Format zugeschnitten auf Schulleitungen und Schulfamilien, entsprechend versehen mit schulpädagogischen Anregungen.

Ziel der Publikation, die von den Pädagogikprofessoren Erhard Fischer, Ulrich Heimlich, Joachim Kahlert und Reinhard Lelgemann verfasst wurde, ist es, Parameter für eine inklusive Schule zu erarbeiten. Bei der Entwicklung der inklusiven Schule soll das einzelne Kind in seiner konkreten Situation und seine optimale Förderung im Mittelpunkt stehen. Dabei geht es nicht nur um den Abbau von Barrieren. Eine inklusive Schule muss vor allem die umfassende Teilhabe aller Schülerinnen und Schüler sicherstellen.

Kultusminister Spaenle würdigte bei seiner Ansprache den Leitfaden
Kultusminister Spaenle würdigte bei seiner Ansprache den Leitfaden

Der Leitfaden gibt dazu Hinweise für einen Unterricht und Schulalltag, der der Verschiedenheit der Schülerinnen und Schüler mit und ohne besonderen Förderbedarf gerecht wird. Das erfordert aus der Sicht der Autoren die enge Zusammenarbeit von Lehrkräften und Eltern, die von allgemeinen Pädagogen und Sonderpädagogen, eine enge Vernetzung mit außerschulischen Partnern vor Ort.

Die Pädagogikprofessoren entfalten dabei zur Orientierung Qualitätsstandards von Schulen mit dem Profil „Inklusion“ und ergänzen damit praxisorientiert den vorliegenden „Index für Inklusion“ der Europäischen Agentur für Entwicklungen in der sonderpädagogischen Förderung.

Letztlich wollen die Autoren jeder Schule in ihrer Eigenverantwortung „Mut machen, ihre eigenen Weg zur Inklusion zu gehen“ – einen umfassenden Schulentwicklungsprozess zu durchlaufen, um „grundsätzlich alle Kinder und Jugendlichen aufnehmen und eine für sie bestmögliche Förderung bieten zu können“. Auf diesen Weg sollen sich allgemeine Schulen, aber auch Förderzentren begeben.

Der Leitfaden steht als E-Paper zur Verfügung und kann als pdf-Datei heruntergeladen werden, so dass er für alle Schulen einfach zugänglich ist und effektiv eingesetzt werden kann.
 

"Profilbildung inklusive Schule - ein Leitfaden für die Praxis" als E-Paper

Ein Klick auf das Bild öffnet das interaktive E-Paper
Ein Klick auf das Bild öffnet das interaktive E-Paper

Der Leitfaden ist als Impuls für inklusive Schulentwicklung zu verstehen. Dieser wurde von den Professoren Herrn Fischer, Herrn Heimlich, Herrn Kahlert und Herrn Lelgemann erarbeitet. Darüber hinaus sind Fragen der fachspezifischen Umsetzung im Hinblick auf die verschiedenen sonderpädagogischen Förderschwerpunkte und die Fachdidaktiken der allgemeinen Schule zu entwickeln, z. B. für Schülerinnen und Schüler mit Sinnesbehinderungen.

Video: Inklusion konkret

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