Theresien-Gymnasium Ansbach: Seit 200 Jahren am Puls der Zeit

Kultusminister Ludwig Spaenle auf dem Weg zum Festakt: Das 200-jährige Gründungsjubiläum wurde gefeiert
Kultusminister Ludwig Spaenle auf dem Weg zum Festakt: Das 200-jährige Gründungsjubiläum wurde gefeiert

Vor 200 Jahren wurde das Theresien-Gymnasium als Mädchenschule gegründet. Bei einem Festakt zum Gründungsjubiläum in Ansbach lobte Kultusminister Ludwig Spaenle die Schule als in manchem Bereich einzigartig.

„Tradition bedeutet Verantwortung und Herausforderung. Sie verlangt den Mut, sich zu wandeln, um sich selbst treu zu bleiben“, sagte Kultusminister Spaenle. „Besonders spannend ist es für mich als Minister und Historiker, den Anfang und das Heute miteinander zu vergleichen.“

Geschenk: Kultusminister Ludwig Spaenle erhielt Gummibärchen, die von Schülern im Rahmen eines P-Seminars selbst hergestellt wurden
Geschenk: Kultusminister Ludwig Spaenle erhielt Gummibärchen, die von Schülern im Rahmen eines P-Seminars selbst hergestellt wurden

So sei das Theresien-Gymnasium eine „weltoffene, dynamische Schule“ – mit vielen internationalen Kontakten, nicht nur ins westliche Ausland. Die Schule unterhält auch Kontakte in die Slowakei, sie bietet bilingualen Unterricht oder ein mehrjähriges Zusatzprogramm, in dem die Schülerinnen und Schüler ein Europazertifikat erwerben können. Schülerinnen und Schüler lernen bei Projekten im Bereich der Medienbildung und nutzen den ausgeprägten Schwerpunkt in der sozioökonomischen Bildung: „Das Theresien-Gymnasium ist das einzige staatliche Gymnasium, das als alleinige Ausbildungsrichtungen sowohl den SWG- als auch den WWG-Zweig führt“, betonte Ludwig Spaenle.

Schulgründer Johann Gottlieb Reuter
Schulgründer Johann Gottlieb Reuter

Der Anfang sah ganz anders aus: Gründungsvater Dr. Johann Gottlieb Reuter aus Bayreuth gründete bereits 1775 ein Lehrinstitut überwiegend für Mädchen – begleitet von Spott und Widerständen seiner Zeitgenossen. Ständige Geldnöte zwangen zur Beendigung des Projekts im Jahr 1812.

Doch noch im selben Jahr wurde die Schule als Höhere Töchterschule wiedereröffnet. Diese Vorgeschichte prägt manche Konstante, die noch heute am Theresien-Gymnasium in Ansbach gilt, wie etwa der hohe Mädchenanteil, vor allem aber die Ausrichtung auf Sozialkompetenz, auf Wertebildung  und auf die Entwicklung der Persönlichkeit.

Königin Therese von Bayern
Königin Therese von Bayern

Namenspatronin der Schule ist Königin Therese von Bayern. Heute ist sie vor allem als Namensgeberin der Theresienwiese bekannt, dem Veranstaltungsort des Oktoberfestes in München.

Doch Historiker Dr. Ludwig Spaenle erinnerte daran, dass „Therese als Königin von Bayern überaus beliebt und verehrt war wegen ihres sozialen Wirkens und für ihre politische Klugheit. Königin Therese von Bayern ist damit noch heute eine zeitgemäße Namenspatronin für ein Gymnasium, das sich in besonderer Weise der Vermittlung sozialer Kompetenz und politischer Verantwortungsbereitschaft verschrieben hat.“

Kultusminister Ludwig Spaenle schrieb in das Gästebuch
Kultusminister Ludwig Spaenle schrieb in das Gästebuch

Die Geschichte der Schule spiegelt damit drei Grundanliegen, die bildungspolitisch noch immer hochaktuell sind.

1. Bildungsgerechtigkeit als zentrales Bildungsziel

2. Werteerziehung als schulischer Kernauftrag

3. Weiterentwicklung des Schulwesens zur Sicherung von Bildungsgerechtigkeit und Bildungsqualität bei veränderten gesellschaftlichen Rahmen- bedingungen

Rede: Kultusminister Spaenle lobte besonders die P-Seminare der Schule
Rede: Kultusminister Spaenle lobte besonders die P-Seminare der Schule

Die Schulqualität wird dabei auch sehr stark durch die Arbeit vor Ort geprägt, so der Minister. Als Beispiel nannte Ludwig Spaenle das neu eingeführte P-Seminar und seine Umsetzung am Theresien-Gymnasium Ansbach: Das Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung in der neuen Oberstufe hob der Minister hervor als eine der größten Innovationen der letzten Jahrzehnte. Mit der Einführung sind große Chancen verbunden:

„Für den Schüler - er kann viel gezielter als bisher auf den Übertritt an die Hochschule oder eine Berufsausbildung und die damit verbundenen Anforderungen vorbereitet werden.  

Für die Schule - die Rahmenkonzeption ist so offen, dass die Schulen das P-Seminarangebot dazu nutzen können, ihr Schul- und Ausbildungsprofil in der Oberstufe zu schärfen. Darüber hinaus bietet die Zusammenarbeit mit externen Institutionen die Chance, die Einbettung der Schule in das Umfeld zu stärken und dauerhafte Partner zu finden.

Erfolgreich wird diese Innovation jedoch erst durch die Kreativität und das Engagement der Schulen: Mustergültig erscheinen mir hier die P-Seminare So bio ist Ansbach und Integration Sozialer Randgruppen

Besser kann man die Grundkonzeption der P-Seminare an einem wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Gymnasium nicht umsetzen. Und besser kann man die Leistungsfähigkeit und die Öffnung des Gymnasiums zu seinem Umfeld nicht dokumentieren“, sagte Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle. 

Der Neubau wurde 2006 eröffnet
Der Neubau wurde 2006 eröffnet

Es gibt viele andere Beispiele, die zeigen, dass das Theresien-Gymnasium sein Bildungsangebot immer wieder an die Erfordernisse der Zeit angepasst hat, um eine hohe Bildungsqualität zu bewahren – und dabei der Zeit gelegentlich schon einen halben Schritt voraus war. Der Fächerkanon wurde immer wieder aktualisiert. So gilt die Schule heute mit den Kernfächern Sozialkunde und Sozialpraktische Grundbildung und in der Kombination mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium auch bei Jungen als zeitgemäße anspruchsvolle Ausbildungsrichtung. Die Schülerinnen und Schüler erwerben dort neben politischen, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Inhalten auch Schlüsselqualifikationen, die in der heutigen Berufswelt und im Studium unerlässlich sind.

„Das Theresien-Gymnasium erfüllt damit im besten Sinne den in der Bayerischen Verfassung verankerten Auftrag, nicht nur Wissen und Können zu vermitteln, sondern auch Herz und Charakter zu bilden“, sagte der Kultusminister abschließend.

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