Bayerische Staatsgemäldesammlungen Das Gemälde „Die Auferweckung des Lazarus“ wurde restituiert

Die Auferweckung des Lazarus, Süddeutscher Meister, um 1530-1540
Die Auferweckung des Lazarus, Süddeutscher Meister, um 1530-1540

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben erneut ein künstlerisches Werk restituiert. Mit der Restitution des Gemäldes „Die Auferweckung des Lazarus" wurde nach langer und intensiver Vorarbeit eine weitere faire Lösung zwischen den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und einer Erbengemeinschaft erreicht.

Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle
Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle

„Die Restitution des Gemäldes „Auferweckung des Lazarus“, eines süddeutschen Meisters aus dem 16. Jahrhundert, das aus dem Nachlass von Dr. James von Bleichröder († 1937) stammt, dokumentiert: Das Bayerische Kultusministerium und die staatlichen Sammlungen und Einrichtungen setzen auf intensive Provenienzrecherche mit dem Ziel, Unrecht aus der NS-Zeit aufzuarbeiten“, resümierte Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle.

Dr. Bernhard Maaz
Dr. Bernhard Maaz

Der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Dr. Bernhard Maaz betont dazu: „Es ist mir ein großes Anliegen, alle Kraft auf die Aufarbeitung dieser düsteren Geschichtskapitel zu verwenden. Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, nach langen Vorbereitungen und Bemühungen dem Schicksal der Familie Bleichröder Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und dass zudem das Gemälde aus Mitteln der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sowie unter Hinzuziehung von Spendenmitteln angekauft werden konnte.“

 

Das Bild „Die Auferweckung des Lazarus“ stammt aus dem Nachlass von James von Bleichröder (1859 – 1937). James von Bleichröder war einer der Söhne des Bankiers Gerson von Bleichröder, des Inhabers der gleichnamigen Privatbank, die unter den Nationalsozialisten unterging. Auf Grund seiner jüdischen Herkunft gilt James von Bleichröder als ab 1933 kollektivverfolgt. Analog zum Schicksal der Bank verlor die Familie von Bleichröder ihre soziale Stellung. Mehrere Familienmitglieder verloren ihr Leben im Holocaust.

Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle (rechts) mit dem Erbenvertreter Arndt Surner
Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle (rechts) mit dem Erbenvertreter Arndt Surner

Das Gemälde wurde nach dem Tod von James von Bleichröder im Jahr 1938 beim Auktionshaus Lepke versteigert, dort von der Kunsthandlung Böhler, München, erworben und kurz darauf an Hermann Göring verkauft. Es befand sich bis 1945 in der Sammlung Hermann Görings und wurde 1961 von der Treuhandverwaltung für Kulturgut der Bundesrepublik Deutschland als „Überweisung aus Staatsbesitz“ an die vom Bayerischen Staat getragenen Bayerischen Staatsgemäldesammlungen überwiesen.

Die jetzt vollzogene Restitution erfolgt auf der Grundlage der „Washingtoner Erklärung“ und gemäß der Handreichung der Länder zur Umsetzung der „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“. Die Erbengemeinschaft nach James von Bleichröder und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben gemeinsam vertraglich festgelegt, dass das Werk zunächst restituiert und sodann von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen angekauft wird.

Dr. Bernhard Maaz, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, mit den Erbenvertretern Dr. Frank Winkel, James Palmer, Arndt Surner und Dr. Andrea Bambi, Leiterin der Provenienzforschung und Kulturgüterausfuhr der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, vor dem restitutierten Bild (v.l.n.r.)
Dr. Bernhard Maaz, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, mit den Erbenvertretern Dr. Frank Winkel, James Palmer, Arndt Surner und Dr. Andrea Bambi, Leiterin der Provenienzforschung und Kulturgüterausfuhr der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, vor dem restitutierten Bild (v.l.n.r.)

Nach der Restaurierung wird das Bild in der Zweiggalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Schloss Johannisburg in Aschaffenburg wieder zu sehen sein, sobald die dortige Baumaßnahme abgeschlossen ist. Auf die Restitution und das Schicksal der einstigen Besitzerfamilie wird künftig mit einer würdigenden Erinnerungstafel verwiesen.

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