Interaktiver Roman des Autors Thomas Lang Seien Sie live bei der Entstehung eines Romans dabei!

Drei jugendliche Außenseiter finden einen Toten im Gleisbett
Drei jugendliche Außenseiter finden einen Toten im Gleisbett

Mit Unterstützung des Literaturportals Bayern schreibt der Münchner Schriftsteller und Ingeborg-Bachmann-Preisträger Thomas Lang einen interaktiven Roman. Die Leser können dabei jede Entwicklung live mitverfolgen und sogar selbst Einfluss auf den Fortgang der Geschichte nehmen.

In der Literaturgeschichte haben sich Tradition und Experiment schon immer gegenseitig bedingt und befruchtet. So auch in dem faszinierenden Internetprojekt, das der Schriftsteller Thomas Lang in diesem Herbst beginnt: ein literarisches Online-Experiment mit dem Titel "Der gefundene Tod", ein Netzroman, den der Leser selbst beeinflussen kann.

Der Ingeborg-Bachmann-Preisträger Thomas Lang schreibt live im Netz einen Roman
Der Ingeborg-Bachmann-Preisträger Thomas Lang schreibt live im Netz einen Roman

Über den Zeitraum von sechs Monaten wird Thomas Lang einen Roman oder eine längere Erzählung schreiben – aber eben nicht abgeschottet im stillen Kämmerlein, sondern ganz offen im Netz. Die Leser rezipieren nicht mehr nur das fertige Textergebnis, sondern den gesamten kreativen Prozess, zum Beispiel indem der Autor Materialien seiner Entwürfe, Notizen und Recherchen zugänglich macht. Auf einer zweiten Textebene wird er zudem den Prozess des Schreibens selbst reflektieren und mit den Usern grundlegende Fragen zur Entstehung von Literatur diskutieren: Wie haucht man einer Figur Leben ein? Wie viel Wirklichkeit braucht die Fiktion?

So können die Leser jeden Fortschritt, jede Entwicklung und Veränderung in real time verfolgen, kommentieren, eigene Entwürfe beisteuern und das Werk im Austausch mit dem Autor beeinflussen. Eine Gruppe von Schülern soll sogar eine eigene literarische Figur zur Ausgestaltung erhalten.

Autor Thomas Lang hat sich in Traunreut und Trostberg auf Spurensuche begeben
Autor Thomas Lang hat sich in Traunreut und Trostberg auf Spurensuche begeben

Inhaltlich erzählt "Der gefundene Tod" eine Coming-of-age-Geschichte. Sie handelt von einer unguten Art, erwachsen zu werden, von einem einschneidenden Erlebnis dreier jugendlicher Außenseiter. Diese finden beim Feiern einen Toten im Gleisbett – und malträtieren die Leiche mit Schlägen, brüsten sich damit in den sozialen Medien. Ihre Umwelt reagiert geschockt. Sie isoliert die Jugendlichen zunehmend und verschärft so die eigentlichen Probleme noch. Im Mittelpunkt steht das Mädchen Elle, das sich nach Zuneigung sehnt, aber auch nach moralischer Orientierung und der Anerkennung seiner Schuld.

Die unerwartete Konfrontation von Jugendlichen mit einem Toten macht Thomas Lang zum Ausgangspunkt einer komplexen Entwicklungs- und Gesellschaftsgeschichte. Zugleich knüpft er an jüngere, dokumentarisch belegte Fälle aus der deutschen Provinz an, die den Fokus jeweils nicht nur auf die individuellen Hintergründe der Beteiligten richten, sondern auch auf die sozialen Zusammenhänge, letztlich auf die Frage, was solche situativen Grenzverletzungen über unsere Gesellschaft und ihre Conditio Humana aussagen.

Alle interessierten Leserinnen und Leser sind hier herzlich zur Beteiligung eingeladen.

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