Bayerische Kunstförderpreise 2015 Preisträger in der Sparte "Literatur" stehen fest

Erstmals wurde ein Kunstförderpreis im Bereich
Erstmals wurde ein Kunstförderpreis im Bereich "Comic" vergeben: Hier ein Ausschnitt aus dem Comicroman "Irmina" von Barbara Yelin

Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle gab die Preisträger der "Bayerischen Kunstförderpreise 2015" in der Sparte "Literatur" bekannt. Die vier Preisträgerinnen und Preisträger bereichern mit ihren Werken das literarische Leben im Freistaat.

Die mit je 6.000 Euro dotierten Preise gehen an Lilian Loke für ihren Debütroman "Gold in den Straßen" und an Barbara Yelin für ihren Comicroman "Irmina". Ein weiterer Preis wird auf Wunsch der Jury geteilt und an die literarische Übersetzerin Silke Kleemann für ihre Übertragungen der Werke des argentinischen Autors Ariel Magnus sowie an den Lyriker Tobias Roth für seinen Lyrikband "Aus Waben" vergeben. Alle Preisträger leben in München.

Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle
Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle

Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle gratulierte: "Auch in diesem Jahr spiegeln die Preisträger das breite Spektrum des literarischen Schaffens in Bayern wider. Ihre beeindruckenden Werke zeichnen sich bereits durch einen eigenen Stil aus und bereichern das literarische Leben im Freistaat. Besonders freut mich, dass in diesem Jahr zum ersten Mal der Kunstförderpreis im Bereich Comic vergeben werden konnte", so der Minister. Für ihr weiteres literarisches Schaffen wünschte Minister Spaenle den Preisträgerinnen und Preisträgern viel Erfolg.

Kunstförderpreisträger 2015 in der Sparte Literatur

Lilian Loke

Lilian Loke, 1985 in München geboren, studierte Englische Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Neuere deutsche Literatur. Sie wurde u. a. bereits mit dem Publikumstagespreis des Literaturfestivals Wortspiele München und dem Literaturstipendium der Landeshauptstadt München ausgezeichnet. Ihr Romandebüt "Gold in den Straßen", erschienen bei Hoffmann&Campe 2015, schildert den Erfolg und den Abstieg eines Luxusimmobilienmaklers. Die Jury würdigte den Roman vom Kaufen und Verkaufen, vom Spekulieren, Gewinnen und Verlieren als "schnell, präzise und unerbittlich erzählt". Selbstverlust und Selbstgewinn, ein altes Thema der Literatur, bekomme mit diesem "genau gebauten Text eine prägnante zeitdiagnostische Signatur."

Barbara Yelin

Barbara Yelin, 1977 in München geboren, studierte bei Anke Feuchtenberger Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. 2014 erschien ihr Comic-Roman "Irmina" im Berliner Reprodukt Verlag mit einem eigenen Szenario. Yelin erzählt, wie eine junge Frau in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts ihre Selbstverwirklichungswünsche aufgibt und zur Mitläuferin des Nationalsozialismus wird. Die Jury würdigte die "überaus gelungene, zwanglose Verbindung von individuellem Schicksal und historischem Hintergrund." Die umfangreiche Graphic Novel besteche auch durch "die differenzierte, ebenso einfühlsame wie kritische Darstellung der Hauptfigur". Auch in zeichnerischer Hinsicht gehöre Yelin mit ihren bei allem Detailreichtum stets skizzenhaft-dynamischen Bildern zu den größten Comic-Talenten des deutschsprachigen Raums.

Silke Kleemann

Silke Kleemann, 1976 in Köln geboren, studierte Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft in Mainz/Germersheim. Seit 2000 arbeitet sie als freie Übersetzerin, Scout, Lektorin und Autorin. Kleemann organisierte und leitete etliche Übersetzertagungen sowie -workshops und erhielt verschiedene Arbeitsstipendien. Mit "Ein Chinese auf dem Fahrrad" und "Zwei lange Unterhosen der Marke Hering", beide Titel erschienen bei Kiepenheuer und Witsch, hat sie gleich zwei Bücher des argentinischen Autors Ariel Magnus übersetzt. Die Jury zeigte sich beeindruckt: "An beiden Büchern lässt sich exemplarisch zeigen, welche herausfordernde Leistung Übersetzer zu vollbringen haben. Da geht es um Protagonisten, die das Spanische selbst nicht perfekt beherrschen und die durch falsche Wendungen charakterisiert werden müssen. Silke Kleemann gelingt nicht nur das, sondern sie bringt Tempo in die langen Sätze, findet eine Sprachmaske für den mündlichen Erzählton und glänzt mit Worterfindungen und Wortwitz."

Tobias Roth

Tobias Roth, 1985 in München geboren, machte sich nach seinem Studium in Freiburg i.Br. und Berlin als freier Autor, Übersetzer, Kritiker und Literaturwissenschaftler selbständig. Er erhielt mehrere Literaturstipendien und wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. im internationalen Essay-Wettbewerb der Goethe-Gesellschaft in Weimar und durch die Literaturstiftung Bayern. In seinem Lyrikband "Aus Waben", erschienen 2013 beim Berliner Verlagshaus J. Frank, widmet sich Tobias Roth der Gegenwartstauglichkeit von Sprachtraditionen. Die Jury lobte das Lyrikdebüt: "Tobias Roths Gedichte beziehen sich im Fluss einer gepflegten Sprache auf die europäische Tradition, insbesondere auf die Zeit der Renaissance." Roth nehme, so die Jury, "den Leser von Gedicht zu Gedicht in einen beschwörenden ruhigen Rhythmus mit", immer wieder gelängen ihm "wunderbar frische, überraschend eigenständige Fügungen."

Bayerischer Kunstförderpreis

Der Bayerische Kunstförderpreis in der Sparte Literatur soll begabte Nachwuchsautoren und  autorinnen auf ihrem eingeschlagenen Weg bestärken und sie zur weiteren schriftstellerischen Entwicklung ermutigen. Die Preisträger müssen durch literarische Veröffentlichungen hervorgetreten sein, in Bayern wohnen und dürfen höchstens 40 Jahre alt sein. Die Preisträger werden von einer unabhängigen Jury ausgewählt. Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle wird alle Bayerischen Kunstförderpreise, die auch in den Sparten Bildende Kunst, Darstellende Kunst sowie Musik und Tanz verliehen werden, am 11. November 2015 in der Hochschule für Fernsehen und Film in München überreichen.

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