Archäologische Staatssammlung Kammergrab aus Otzing intensiv erforscht

Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler, Johannes Schmid (Erster Bürgermeister Otzing) und Prof. Dr. Rupert Gebhard (Leiter der Archäologischen Staatssammlung) vor dem präparierten Kammergrab (v.l.)
Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler, Johannes Schmid (Erster Bürgermeister Otzing) und Prof. Dr. Rupert Gebhard (Leiter der Archäologischen Staatssammlung) vor dem präparierten Kammergrab (v.l.)

Im Juli 2011 war in Otzing, Landkreis Deggendorf bei Baggerarbeiten eine reich ausgestattete Grabkammer aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. entdeckt worden. Die Archäologische Staatssammlung stellte nun vorläufige Ergebnisse ihrer Untersuchungen vor.

Die 3.000 Jahre alte Otzinger Grabkammer hatte ursprünglich unter einem mächtigen, etwa drei Meter hohen Grabhügel mit 16 Metern Durchmesser gelegen. Beim Ausgraben eines Skelettes fanden sich unzählige kleine Metallbeschläge, die den Kreisarchäologen vor Ort dazu veranlasste, um Amtshilfe zu ersuchen. Auf seine Bitte hin barg die Archäologische Staatssammlung das Grabensemble nach sorgfältiger Einschalung in mehreren Blöcken und transportierte es in die Restaurierungswerkstätten der Archäologischen Staatssammlung nach München. Nach intensiver, dreijähriger Erforschung stellte nun Prof. Dr. Rupert Gebhard, der Leiter der Archäologischen Staatssammlung, Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler und dem Gemeinderat Otzing erste vorläufige Ergebnisse vor.

Vorläufige Ergebnisse

Es handelt sich um einen etwa 20 jährigen Mann, auf dessen angewinkelten Armen ein Dolch lag, der in die Hallstattzeit datiert wird. Als spektakulärste, vom Erdreich befreite Objekte anzusprechen sind die mit zehntausenden von bronzenen Metallnieten überreich verzierten Zaumzeugteile, Lederbänder und ein Doppeljoch, Bestandteile, die zur Schirrung zweier Tiere gehörten. Dazu kommen diverse eiserne Werkzeuge, Lanzenspitzen, ein Toilettbesteck, Bernstein, Textilien und  Pflanzen, Speisebeigaben und ganze Geschirrsätze, deren Inhalt noch untersucht wird. Eine Besonderheit hierbei stellt eine aus Italien importierte Bronzetasse dar. Lebensmittelvorräte bekam man damals mit ins Grab, um im Jenseits angemessenen Gastgeberpflichten nachkommen zu können, quasi als Vorbereitung für ein Festmahl nach dem Tod.

Die Bestattung mit ihrem reichen Beigabenspektrum und dem prächtig verzierten Pferdegeschirr - ähnlich demjenigen, das man von Brauereigespannen kennt -  ist in dieser Erhaltung bisher einzigartig in Bayern. Insbesondere die Entdeckung von Spezialwerkzeugen im Grab bringt neue Impulse für die Interpretation europäischer Elitegräber.

Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler war imponiert von seinen Besuch in der Archäologischen Staatssammlung: „Es ist beeindruckend, mit welcher Präzision hier die Archäologen den Fund analysieren und historisch einordnen und welche Erkenntnisse sich daraus über die Menschen und die Kultur heute noch ermitteln lassen. Wir können auf der Basis gerade solch außergewöhnlicher Funde wie in Otzing die Geschichte Bayerns um wichtige Facetten ergänzen.“

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