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Teil 1: Beobachtung undDokumentation

der Sprach- und Literacy-Entwicklung

– Früherkennung von

Sprachentwicklungsstörungen

1 PROZESSBEGLEITENDE

SPRACHSTANDSERFASSUNG

Manche Kinder aus sprachlich und kognitiv

sehr anregungsarmen Elternhäusern brauchen

gezielte sprachliche Unterstützung, um sie bis

zum Schulbeginn so vertraut mit der Bildungs-

sprache Deutsch zu machen, dass sie den

Eintritt in das formale Bildungssystem mit

ähnlichen Voraussetzungen wie der Großteil

der Kinder meistern.

Die Bildungssprache unterscheidet sich auf-

grund ihrer hohen kognitiven Ansprüche und

der relativ hohen Dekontextualisierung, die auf

einem breiten Wissen über Wörter, Redewen­

dungen, Grammatik und pragmatische Konven­

tionen für Ausdruck, Verständnis und Interpre­

tation basiert, erheblich von der im sozialen

Umfeld der Kinder verwendeten Alltagssprache.

Zum Erwerb der Bildungssprache benötigen

Kinder in der Regel 5 bis 7 Jahre (Cummins,

1979). Nach einer amerikanischen Langzeit­

studie von Hart & Risley (1995) hat ein drei­

jähriges Kind im Durchschnitt von Geburt an

20 Millionen Wörter gehört. Während aber

die Dreijährigen aus sozial aktiven Familien, in

denen Sprache eine sehr große Rolle spielt,

bereits 35 Millionen Wörter erfahren haben,

sind es bei den Dreijährigen aus Familien mit

wenig Sprachanregung weniger als 10 Millionen

Wörter. Dieser Unterschied beim Wortschatz-

umfang bedeutet gleichzeitig einen bedeuten-

den Unterschied bezogen auf das Weltwissen,

das einen erheblichen Einfluss auf die spätere

Lesekompetenz und das Textverständnis hat

(Neuman, 2006). Dieses Wissensdefizit, das

vorwiegend auf quantitativ und qualitativ

mangelhafte Eltern-Kind-Interaktionen und

fehlende literale Impulse zurückzuführen ist,

kann im pädagogischen Alltag der Kindertages-

einrichtung allein nicht kompensiert werden.

Hier bedarf es einer zusätzlichen intensiven

Unterstützung.

Einige Kinder, deren Familiensprache nicht die

deutsche Sprache ist, haben ebenfalls einen

erhöhten Unterstützungsbedarf beim Erlernen

des Deutschen oder bei der Weiterentwicklung

der bereits bestehenden Kompetenzen. Auch sie

verfügen in der Regel nicht über das für den

späteren Unterricht notwendige bildungssprach-

liche Niveau in der deutschen Sprache. Obwohl

sie häufig über gute kommunikative Fähigkeiten

verfügen, kann daraus nicht auf ihre bildungs-

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Was Menschen berührt

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