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Nach 36 Monaten:

Spricht nur wenige Wörter

(Geringer Wortschatzumfang)

Lernt nur langsam dazu

(Verlangsamte Wortschatzzunahme)

Hat Probleme mit der Wortfindung

Macht Benennfehler oder benennt nicht

Benutzt Passepartout-Wörter

(machen, Dings)

Verwendet viele Floskeln

(z. B. „Ja, mach‘ ich“)

Antwortet unspezifisch

(z. B. mit „ja“ oder „weiß nicht“)

Probleme im Gebrauch morphologischer

(z. B. Subjekt-Verb-Kongruenz, Kasus-

markierung, Pluralformen) und syntaktischer

(z. B. Verbzweitstellung, Nebensätze) Regeln

der Erstsprache.

Später: Einschränkungen der narrativen

und textgrammatischen Fähigkeiten

Probleme im Verständnis von komplexen

Satzstrukturen (z. B. „Bevor du durch die

Absperrung gehst, löst du ein Ticket.“)

Probleme im Verständnis von W-Fragen

(z. B. wie, warum, womit, weshalb, wodurch)

Phonologische Auffälligkeiten, wie z. B.

Auslassung, Ersetzung oder Vertauschung

von Lauten

Eingeschränkte Kommunikations- und

Dialogfähigkeiten (z. B. Sprecherwechsel)

Ausgeprägtes Nachsprechen vorgesagter

Wörter

Probleme mit der Nutzung nonverbaler

Kommunikationsmittel (z. B. Gestik, Mimik)

Probleme bei der Organisation von

Erzählungen

Sprachauffälligkeiten und Sprach­

entwicklungsstörungen bei Mehr­

sprachigkeit

Auf dem Weg zum Zweitspracherwerb bzw. zur

Mehrsprachigkeit weisen Kinder und Erwachse-

ne eine Reihe von Sprachmerkmalen auf, die

zwar zum normalen mehrsprachigen Erwerbsab-

lauf gehören, jedoch durch ihre Intensität und/

oder Hartnäckigkeit auffallen. Diese auffälligen

Sprachäußerungen verursachen bei Erziehern

und Lehrkräften Unsicherheiten, ob sie als

Symptome einer Sprachentwicklungsstörung zu

werten sind. Zu den Sprachmerkmalen, die in

der Regel diese Art von Unsicherheiten hervor-

rufen können, gehören die Schweigephase sowie

das häufige Auftreten von Interferenzen und

Sprachmischungen.

Schweigephase

Die Schweigephase ist eine der Phasen des

Zweitspracherwerbs, die eine Zeit des beginnen-

den Verständnisses in der Zweitsprache kenn-

zeichnet (vgl. Asbrock et al., 2011). Das Kind

versucht, anhand der bereits in seiner Erst­

sprache erworbenen Strategien die klangliche

Strukturierung des Inputs in der neuen Sprache

wahrzunehmen und zu verstehen. Es liegt auf

der Hand, dass diese Phase am Anfang des

Zweitspracherwerbs auftritt. In manchen Fällen

tritt sie jedoch auch zwischen den verschiede-

nen Erwerbsphasen auf. Die meisten Kinder

überwinden diese Phase relativ schnell (einige

Wochen). Es gibt jedoch auch Kinder, die dafür

längere Zeit brauchen.

Auch wenn ein Kind sich mehr als drei oder vier

Monate weigert, sich sprachlich zu äußern, aber

doch bei allen Aktivitäten mitmacht und zeigt,

dass es die sprachlichen Äußerungen der

Umgebung versteht, besteht kein Grund zur

Sorge. Dieses Verhalten geht mit der Zeit

zurück und zählt noch zum normalen Verlauf

des Zweitspracherwerbs.

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Was Menschen berührt

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