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Teil 1: Beobachtung und Dokumentation

Typischerweise fallen die Reaktionen von Eltern

auf die Feststellung einer auffälligen Entwick-

lung ihres Kindes in drei Hauptkategorien, die

folgendermaßen beschrieben werden können:

Die Eltern sind erleichtert darüber, dass ihre

eigenen Befürchtungen ausgesprochen

werden – es gibt eine grundsätzliche Überein-

stimmung darüber, dass etwas nicht stimmt.

Die Eltern sind ratlos, unsicher, verängstigt,

aber auch besorgt. Ist das besorgniserregende

Verhalten eine Phase, Teil des Temperaments,

kann es sich auswachsen oder ist es ein

Zeichen für eine Schwierigkeit?

Die Eltern wollen die Wahrheit nicht wahr­

haben, sind möglicherweise verärgert,

stimmen nicht mit Ihren Beobachtungen

überein oder versichern, dass das Kind zu

Hause keine Schwierigkeiten habe.

Beginnen Sie das Gespräch mit Eltern immer

mit einer möglichst neutralen Beschreibung des

Zwecks dieses Gesprächs: „Ich habe Sie gebe-

ten, zu diesem Gespräch zu kommen, damit wir

uns darüber unterhalten können, wie es Robin

im Kindergarten und zu Hause geht.“ Geben Sie

den Eltern dann erst einmal Gelegenheit, etwas

dazu zu sagen. Wenn das nicht ergiebig ist, kann

eine Überprüfung der Perspektiven der Eltern

die Diskussion voranbringen: „Was denken Sie,

wie es Robin geht?“

Widerstehen Sie der Versuchung, das Problem

zu früh zu benennen oder zu sehr ins Detail zu

gehen. Das kann unter Umständen das Ge-

spräch in einen Monolog verwandeln und die

notwendige Beteiligung der Eltern verhindern.

Beteiligen Sie die Eltern am Einschätzprozess

(Bredekamp/Copple, 1997). Das verbessert die

Genauigkeit der gesammelten Daten und ebnet

den Weg für die Einbindung der Eltern in den

Bildungsprozess ihres Kindes. Sprechen Sie den

Seldak-/Sismik-Bogen und evtl. auch den

Beobachtungsbogen zur sozial-emotionalen

Entwicklung Perik

1

mit den Eltern durch (falls

noch nicht geschehen) und fragen Sie an ver-

schiedenen Stellen, was die Eltern in diesem

Bereich beobachten können. Auf diese Weise

erhalten Sie ein gutes Bild von den Fähigkeiten

eines Kindes in unterschiedlichen Kontexten.

Füllen Sie anschließend den Orientierungshilfe-

bogen zusammen mit den Eltern aus. Hören Sie

den Eltern gut zu, lassen Sie ihnen für die

Antworten Zeit. Wenn Sie die Verantwortung

für die Einschätzung der Fähigkeiten des Kindes

mit den Eltern teilen, erkennen Sie die Nützlich-

keit des elterlichen Urteilsvermögens an,

wertschätzen es und beziehen es mit ein, um zu

einer Entscheidung zu kommen. Dieser Prozess

erzeugt bedeutsame Informationen, stiftet

einen Konsens und kann spätere Entscheidun-

gen erleichtern.

Im Gespräch mit den Eltern ist es besonders

wichtig, die Beobachtungen neutral zu schildern

und mit Beispielen zu erläutern.

Geben Sie den Eltern eine Kopie des aktuell

ausgefüllten Sismik- bzw. Seldak-Bogens und

besprechen Sie die Beobachtungen Punkt für

Punkt.

Fragen Sie nach, ob die Eltern ein ähnliches

sprachliches Verhalten auch zu Hause beob-

achten, ob sie sich Sorgen hinsichtlich der

sprachlichen Entwicklung ihres Kindes ma-

chen und ob es Verwandte mit einer ähnli-

chen Vorgeschichte gibt.

1

Mayr, T./Ulich, M. (2006): Perik. Positive Entwicklung und Resilienz im Kindergartenalltag (Beobachtungsbogen und Begleitheft)

Freiburg: Herder.