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Page Background Erhard Dietl Welche Note würden Sie heute Ihrer alten Schule geben? Ich war in den 1960er Jahren auf Schulen in Regensburg und München – leider nur Durchschnittsnote 4. Was war das schönste Schulerlebnis? Einer der seltenen Wandertage mit Würstelgrillen an der Donau. Die Tochter unseres Mathelehrers war in meiner Klasse und ich war unsterblich verliebt. Ich mochte überhaupt nicht … In der Grundschule hatten wir viel zu große Klassen – wir waren einmal 46 Schüler. Da konnte man sich ganz gut im Hintergrund halten. Es gab damals im Gymnasium noch strenge und gefürchtete Lehrer. Einige teilten Ohrfeigen aus oder zogen uns an den Haaren. In der Schule war Erhard ... ein mittelmäßiger Schüler. Ich zeichnete auch damals schon gern und karikierte die Lehrer. Unser Französisch-Lehrer trug jeden Tag eine andere Krawatte. Ich zeichnete ihre Muster alle seitenweise in ein Heft – sie wiederholten sich nie. Was war der beste Schulstreich? Die Parallel-Klasse hatte dieselbe Lehrerin und eine Stunde vor uns auch eine Französisch-Klausur mit den gleichen Aufgaben. Wir warteten unten im Hof, bis jemand ein Blatt mit den Prüfungsaufgaben zu uns hinunter segeln ließ … und dann schrieben wir alle gute Noten. Meine Lieblingsfächer waren … Zeichnen, Musik, Biologie, Deutsch. Warum? Ich hab mich dafür interessiert und wir hatten auch nette Lehrer in diesen Fächern. Haben Sie auch mal geschummelt? Leider ja! Vom Banknachbarn haben wir schon mal abgeschrieben. Mit 16 hat Erhard davon geträumt, ... mit einer Band aufzutreten. Bis es aber soweit war, hat es noch ein paar Jahre gedauert. Ich hab damals viel Musik gemacht, Gitarre gespielt und mir Lieder ausgedacht. Meine Eltern durften nicht wissen, dass ... wir ihre Verbote nicht immer befolgten. Wir waren ja die meiste Zeit draußen im Freien. Wir haben eine Menge Sachen ausprobiert, die wir den Eltern nie im Leben verraten hätten. Trotzdemwussten wir immer, wo unsere Grenzen waren. Wem würden Sie für Ihre Ausbildung einen Orden verleihen? Nach dem Gymnasium machte ich eine Ausbildung zum Grafiker. Mein Zeichenlehrer hat mir für so viele schöne Dinge die Augen geöffnet, durch ihn hab ich erst richtig sehen gelernt und ich bin ihm heute noch dankbar. Was würden Sie rückblickend anders machen? Vielleicht versuchen, meinen Eltern mehr von meinen Problemen anzuvertrauen. Verraten Sie Ihren Noten-Durchschnitt im Abschluss-Zeugnis? Weiß ich nicht mehr. Auf der Grafik-Schule und danach an der Kunstakademie war nur wichtig, was man in seiner Zeichenmappe hatte und man musste die praktische Aufnahmeprüfung bestehen. Was soll Bildung heute leisten? Motivation und soziale Verantwortung. Wichtig ist die Persönlichkeitsent- wicklung und die Schüler auf das Leben vorzubereiten. Nicht nur für Klau- suren zu lernen und dann das Gelernte schnell wieder vergessen. Wichtig wären das Erkennen und die Unterstützung in den individuellen Fähigkeiten. (bk) … wurde 1953 in Regens- burg geboren. Der Autor, Grafiker und Liedermacher ist der Erfinder der Olchis . Von ihm sind bereits über 100 Kinderbücher erschie- nen. Der Künstler besuchte in Regensburg die Augus- tenschule , das Albertus- Magnus-Gymnasium und das Neue Gymnasium (heute Albrecht-Altdorfer- Gymnasium). In München ging er auf das Albert- Einstein-Gymnasium . Ab 1971 studierte Dietl an der Akademie für das graphi- sche Gewerbe und an der Akademie der bildenden Künste . Er lebt in München. Fragebogen