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Der Schlüssel zur

EingliederunjJ ist die

deutsche Sprache

Fortsetzung von Seite 4

diese deutschen Aussiedler-Fa–

milien mit ihren Kindern zu

uns. Die abgetragenen Kleider,

die wenigen Habseligkeiten in

Pappschachteln und alten Kof–

fern kennzeichnen sie auch äu–

ßerlich als vom Schicksal ge–

schlagene Menschen : Das

Strandgut jener großen Kata–

strophe, die nach dem verlore–

nen Zweiten Weltkrieg über al–

les Deutsche im Osten herein–

brach.

Was bewegte diese Men–

schen, in den kommunistischen

Diktaturen Jahrzehnte auszu–

halten? Warum ertrugen sie die

Beschimpfungen, die Zurück–

setzung, nahmen die Drohun–

gen und Schikanen auf sich, die

schon der erste Ausreiseantrag

dort automatisch nach sich

zieht? Ein Familienvater aus

dem

polnisch verwalteten

Oberschlesien antwortet: "Wir

sind Deutsche. Wir wollen un–

ter Deutschen leben . Unsere

Kinder sollen Deutsche blei–

ben ." Vor die Wahl gestellt, Po–

len, Russen, Rumänen oder

Tschechen zu werden , ent–

schieden sie sich für ihr ange–

stammtes Deutschtum und da–

mit für die Aussiedlung.

Seit 1950 entschloß sich be–

reits über eine Million Deut–

scher zu diesem Schritt. Aber

ein Ende ist nicht abzusehen .

Noch immer leben schätzungs–

weise dreieinhalb Millionen

Deutsche im Osten, davon al–

lein in Rußland zwei Millionen,

in Polen eine Million, der Rest

verteilt auf Rumänien, Ungarn,

die Tschechoslowakei.

Wenn die Aussiedlerfamilien

in Deutschland ankommen,

stehen sie an einem Nullpunkt.

Viele von ihnen haben grausa–

me, epenreife Odysseen hinter

sich . Sie sind gezeichnet vom

Leben in einer kommunisti–

schen Diktatur, die ihnen natio–

nale Gruppenrechte verweiger–

te. Es sind Deutsche, die ver–

folgt wurden, nur weil sie Deut–

sche sind und sich stets dazu

bekannten .

Der massive Polonisierungs–

druck, dem der deutsche Be–

völkerungsrest zum Beispiel in

den Oder-Neiße-Gebieten un–

terworfen ist, spiegelt sich in

zahlreichen Aussiedler-Berich–

ten. Bevorzugtes Angriffsziel ist

die deutsche Sprache. Ihr öf–

fentlicher Gebrauch wird als

6

staatsfeindliche Demonstration

ausgelegt und entsprechend

kriminalisiert. Aber nicht nur in

der Öffentlichkeit oder am Ar–

beitsplatz ist es strikt verboten,

deutsch zu sprechen . Sogar

Wohnungen werden belauscht,

Kinder in der Schule ausge–

horcht, ob die Familie etwa

deutsch spricht.

Ähnlich massiv ist der Assi–

milierungsdruck in Rußland

und in der Tschechoslowakei.

Immer wieder werden dort von

Staats wegen sogar die Namen

der Deutschen geändert. Eine

Katharina Köhler ist dann plötz–

lich gezwungen, als Katerinka

Kahlerova weiterzuleben, ein

Friedrich Schneider wird amt–

lich zum Bedrich Krejci ge–

macht. Kein Ortsname, kein

Denkmal, nicht einmal die In–

schriften auf den Grabsteinen

sollen mehr die Muttersprache

erkennen lassen, sollen Zeug–

nis davon ablegen, daß hier je–

mals Deutsche lebten und wirk–

ten . Ganze Friedhöfe wurden

schon eingeebnet, um auch

noch diese Erinnerung an die

vormals deutsche Bevölkerung

auszulöschen.

Herstellung und Vertrieb

deutschsprachiger Bücher, Zei–

tungen und Zeitschriften in den

heute unter polnischer Verwal–

tung stehenden Gebieten sind

unterbunden. Es gibt dort keine

deutschsprachigen

Schulen

oder

Gottesdienste,

kein

deutschsprachiges Theater oder

Fernsehen. Deutsche Filme

werden, wenn überhaupt, dann

nur in polnischer Synchronisa–

tion gezeigt. Ein Vater klagt:

"Das schwerste ist, dort die

deutsche Sprache zu erhalten,

denn ringsherum ist nur ein

Meer polnischer Sprache, und

wenn es so weitergeht und wir

keine Unterstützung von seiten

der deutschen Regierung erhal–

ten, müssen wir im Meer der

polnischen Sprache unter–

gehen . . ."

Die gewaltsame Entdeut–

schung bewirkte, daß die nach–

wachsende Generation immer

dürftigere Kenntnisse der deut–

schen Muttersprache erwerben

konnte; denn wie in Polen gibt

es auch in Rußland und in der

Tschechoslowakei weder Schu–

len mit deutscher Unterrichts–

sprache, noch private Einrich–

tungen zum Erlernen dieser

Sprache. Besonders schlimm:

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Deutschkurs

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Intensivkurs mit Internat

für 15-20jährige

Sprachkurs für

• Vorabiturienten

und Abiturtanten

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Den Anschluß gewinnen

Die jungen Aussiedler finden in Bayern ein reichhaltiges För–

derangebot Es ist auf ihren bisherigen Werdegang abgestellt,

nimmt Rücksicht auf schon erreichte Abschlüsse und umfaßt

alle Stufen vom Elementarbereich bis zur Universität. Die

Karte zeigt, welche Einrichtungen wo in Bayern bereitstehen.