Table of Contents Table of Contents
Previous Page  15 / 24 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 15 / 24 Next Page
Page Background

darum zu kümmern, welche

Schulbücher die Kinder in die

Hand bekommen und welche

besser nicht.

Das Grundgesetz und die

Bayerische Verfassung stellen

das gesamte Schulwesen unter

die Aufsicht des Staates. Somit

hat letztlich er zu verantwor–

ten, was in den Schulbüchern

steht, aus denen unsere Kinder

fürs leben lernen. Kein Schul–

buch gelangt aus diesem Grund

unbesehen und ungeprüft in

Bayerns Schulen. Nur dann

darf es mit Steuergeldern ange–

schafft und in der Schule ver–

wendet werden, wenn ihm das

Kultusministerium das amtliche

Gütesiegel )ernmittelfrei zuge–

lassen" verl iehen hat.

Was nun aus der unüber–

schaubaren Bücherflut das be–

gehrte Prädikat erhält und was

nicht, entscheidet das Kultus–

ministerium nicht in eigener

Machtvollkommenheit,

son–

dern zusammen mit einem

Kreis von Experten. 1300 be–

währte Pädagogen aller Fach–

richtungen und Schularten sind

am Werk, prüfen jahraus, jahr–

ein die Bücher, die von den

Verlagen zur Genehmigung

eingereicht werden. Das waren

allein im letzten Schuljahr

1700 Titel .

Natürlich erfolgt die Prüfung

nicht nach Lust, Laune oder

W illkür der Gutachter. Sie wird

vielmehr geregelt durch eine

Reihe von Verordnungen und

Richtlinien. Die wichtigsten

sind die verbindlichen Lehrplä–

ne, auf die alle Schulbücher ab–

gestimmt sein müssen. Minde–

stens zwei Gutachter prüfen

unabhängig voneinander jedes

Buch auf Herz und Nieren. Der

Befund wird den Verlagen mit–

geteilt. Er kann positiv oder ne–

gativ ausfallen. Manchmal sind

nur kleinere Änderungen nötig.

Ist der Verlag bereit, sie durch–

zuführen, wird das Buch zuge–

lassen .

Welche Anforderungen muß

ein Schulbuch erfüllen, damit

es das amtliche Gütesiegel er–

hält? Zunächst ganz äußerli–

che: Nur ein robuster Um–

schlag und eine solide Papier-·

qualität gewährleisten, daß es

der Belastung mehrerer Schul–

jahre standhält. lappige Bro–

schüren, die sich schon nach

kurzer Zeit in ihre Bestandteile

auflösen, sind für den Schulge–

brauch ungeeignet. Dasselbe

gilt für zu J<leine Schrift oder zu

lange Druckzeilen; denn sie er–

schweren das lesen und damit

das lernen .

-

Der Schüler inuß mit einem

Buch selbständig arbeiten kön–

nen. Darum beachten die Prü–

fer sehr genau, wie der Text ge–

gliedert ist: Wenn Wichtiges

groß gedruckt, unterstrichen, in

Kästchen gesetzt oder farbig

hervorgehoben wird, dann fin–

det sich der Schüler besser zu–

recht. Notfalls auch ohne die

H ilfe des Lehrers.

Auch der Einsatz von bunten

Fotos, von Zeichnungen und

Schaubildern entscheidet oft

darüber, wie gern oder ungern

Kinder ein Schulbuch zur Hand

nehmen. Allerdings haben die

Prüfer auch abzuwägen, ob der ·

Aufwand überhaupt gerechtfer"

tigt ist. Sind die bunten Bilder

nur kostspielige Zutat, mit der

sich ein Schulbuch unnötig auf–

putzt, oder ergänzen und berei–

chern sie wirklich den Text?

Nicht minder wichtig ist es,

zu prüfen, nach welcher Me–

thode und in welcher Sprache

ein Schulbuch den Lehrstoff

darbietet. Geht es in sinnvol–

len, pädagogischen Schritten

vor, baut es lückenlos Stein auf

Stein? Vor allen Dingen aber:

Berücksichtigt es das Alter der

Schüler? Eine Fibel für Abc–

Schützen muß in Wort und Bild

anders aufgebaut sein als etwa

eine Literaturgeschichte für

Kollegiaten.

Auch die Sprache, in der das

Lehrbuch abgefaßt ist, muß im–

mer verständlich sein, anschau–

lich, klar, einfach und dennoch

wissenschaftlich genau . Schul–

buchautoren, die sich nur in

unverdaulichem

Fachchine–

sisch ausdrücken, dürfen sich

nicht wundern, wenn ihr Werk

von den Gutachtern abgewie–

sen wird. Die wichtigste Arbeit

bei der Schulbuchzulassung

besteht aber darin, zu untersu–

chen, ob die Lehrpläne einge–

halten wurden .

Unser Schulwesen · bemüht

sich, den unterschiedlichen Be–

gabungen und Interessen der

jungen Leute gerecht zu wer–

den. Darum gibt es keinen Ein–

heitslehrplan, der alles über

einen Kamm schert, sondern

für jede Schulart eigene

Schwerpunkte und Akzente,

d. h. jeweils verschiedene

Lehrpläne. Darin ist auch fest–

gelegt, welches Wissen für eine

bestimmte

Abschlußprüfung

verlangt wird.

Die Schulbücher müssen ge–

nau darauf abgestimmt sein. Sie

müssen lückenlos den Stoff ent–

halten, den der Lehrplan vor–

schreibt. Nicht weniger, aber

auch nicht mehr. Sie müssen

auf dem neuesten Stand der

W issenschaft sein, sonst sind

Auch Gewicht und Größe

müssen stimmen beim Lehrbuch.

Damit der Schulweg kein

Gepäckmarsch wird.

sie inhaltlich überholt und ha–

ben ,in der Schule nichts mehr

zu suchen. Sie dürfen vor allen

Dingen auch keine sachlichen

Fehler enthalten, sonst prägt

sich der Schüler womöglich et–

was Falsches ein und muß den

Irrtum in der Prüfung büßen .

Zieht man alle diese Ge–

sichtspunkte in Betracht, so

wird deutlich, was für eine

wichtige Arbeit unsere Schul–

buchgutachter leisten . Kein

vernünftiger Mensch wird dar–

an Anstoß nehmen. Die Szene

ändert sich aber, sobald bei der

amtlichen Schulbuchprüfung

politische oder weltanschau li–

che Gesichtspunkte ins Spiel

kommen. Die freilich lassen

sich nie ganz aussparen, beson–

ders nicht in Fächern wie

Deutsch, Geschichte und So–

zialkunde.

Es ist unverzichtbar, daß ein

Schulbuch .mit dem Grundge-

setz , mit der Bayerischen Ver–

fassung und mit den übrigen

Gesetzen unseres Rechtsstaates

im Einklang steht. Stellen die

Gutachter hier Verstöße fest,

gibt es keine Zulassung. Dann

aber hagelt es Vorwürfe. Die

Presse spart nicht mit Kritik. So–

fort ist von Gesinnungsschnüf–

felei, von Zensurterror und

Amtsanmaßung die Rede.

·

Aber wie sähe die Schul–

buchl iteratur aus, wenn von

Amts wegen nicht aufgepaßt

würde? Trennt man Spreu nicht

vom Weizen, dann lernen Kin–

der in Schulbüchern z. B. Ge–

dichte wie dieses: " Du · sollst

deine Eltern lieben. Wenn sie

um die Ecke glotzen, sollst sie

in die Fresse rotzen! " Vielleicht

fänden Eitern im Lesebuch

dann auch folgende Kostprobe

aus der Mottenkiste des Klas–

senkampfes: " Das Übel an der

Bitte umblättern

15