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Halb zehn Uhr morgens auf demHibsch-

Hof der Familie Bradl in Schönbach, ei-

nem Ortsteil der Gemeinde Hollenbach,

rund 20 Kilometer von Augsburg ent-

fernt. Es ist kalt draußen, als Bäuerin Lucia Bradl die Stalltüren für die 15 Buben und Mädchen der Grundschule Hollenbach öffnet. Der Stall mit seinen

rund 70 Milchkühen und Kälbern ist

wohlig warm und einladend. Alle Schü-

lerinnen und Schüler der zweiten Klasse

stammen aus der näheren Umgebung,

sind also Landkinder. Trotzdem waren

viele von ihnen noch nie auf einem

Bauernhof. Eine Kuh gestreichelt oder

Hühner gefüttert haben die allerwe-

nigsten.

Um Schülern den besseren Kontakt zur

Landwirtschaft zu ermöglichen, hat die

Bayerische Staatsregierung das Lern-

programm „Erlebnis Bauernhof“ ins

Leben gerufen. In den letzten fünf Jah-

ren hatten schon über 170.000 Schüler

der Grund- und Förderschulen Gelegen-

heit, den Alltag auf einem der 554 baye-

rischen „Erlebnis-Höfe“ aus nächster

Nähe zu erleben. Seit diesem Schuljahr

können erstmals die Zweitklässler teil-

nehmen.

Die Hollenbacher Kinder und ihre

Lehrerin Alexandra Herrmann haben

heute besonderes Glück: Vor nicht ein-

mal einer Stunde hat eine der Kühe

gekalbt. Das Jungtier – eines von

rund 90 Kälbern, die jedes Jahr bei

den Bradls das Licht der Welt erbli-

cken – kann noch nicht einmal auf

den eigenen Beinen stehen. Die Mutter

leckt dem Kälbchen das noch nasse

Fell. „Wir sind immer bemüht, den

Kindern möglichst viele Facetten un-

seres Alltags zu zeigen. Aber so ein

frisch geborenes Kalb zu sehen, ist

schon was Besonderes. Das können

auch wir nicht planen“, erklärt die

Erlebnis-Bäuerin.

Ohnehin steht heute das Thema „Kuh“

im Mittelpunkt. Lucia Bradl teilt die

Klasse in zwei Gruppen – so lernen die

Kinder noch intensiver mit allen Sinnen.

Zuerst geht es in den Melkraum. Anders

als im Stall ist es hier kalt. Da um diese

Uhrzeit die Kühe bereits gemolken sind,

dürfen die Schüler an einem Euter-

Modell selbst Hand anlegen. Bäuerin

Bradl erklärt die richtigen Handgriffe,

denn auch in Zeiten modernster Melk-

technik muss der Landwirt noch von

Hand melken können. Rund 20 Liter

Milch gibt eine Kuh täglich auf dem

Hibsch-Hof. Um die Menge zu verdeut-

lichen, reiht die Bäuerin 20 Milchtüten

auf. Vom Reinigen der Zitzen vormMel-

ken bis zum Abtransport der Milch in

die Molkerei bekommen die Schüler eine

Vorstellung, wie viele Arbeitsgänge es

für einen Liter Milch braucht, der dann

bequem und griffbereit im Supermarkt-

regal steht. Genau darum geht es Leh-

rerin Alexandra Herrmann: „Mir ist

wichtig, dass sich den Kindern die Zu-

sammenhänge erschließen.

Alexandra Herrmann, Lehrerin

Mir ist wichtig, dass

sich den Kindern

die Zusammenhänge

erschließen. Woraus

bestehen unsere

Lebensmittel und

woher kommen sie?

Bäuerin Lucia Bradl erklärt, wie richtiges Melken funktioniert

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