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Eichstälter

·wellen·

reiter

Nicht nur Gymna–

siasten, sondern

auch Hauptschüler

sitzen in Eichstätt

am Funkgerät. Zum

Kursprogramm

gehört auch der

sichere Umgang

mit der Morsetaste.

Fortsetzung von Seite 18

Anstrengung ist es, den Funk–

neulingen das Wissen für die

Lizenzprüfung bei der Post zu

vermitteln .

Am einfachsten ist die (-Li–

zenz. Sie erlaubt nur Sprech–

funk an Geräten bis maximal

75

Watt. Die A-Lizenz schließt

die Morsetelegraphie ein, und

zwar an Sendern bis

150

Watt.

Mit ihnen kann man schon

weltweite Funkverbindungen

herstellen.

Das größte Können verlangt

die Prüfung für die B-Lizenz.

Wer sie erwirbt, darf Sender bis

zu

750

Watt betreiben, mit de–

nen sich auch der letzte Winkel

auf der Erdkugel anpeilen läßt.

Schon mit

14

Jahren kann man

sich zur Prüfung melden. Aber

eine eigene Station darf man

erst mit

16

betreiben. Bis jetzt

haben alle Eichstätter Kursteil–

nehmer, die sich zur Prüfung

meldeten, ihren Lizenzschein

erhalten.

Krönender Abschluß eines

Kurses am Willibald-Gymna–

sium sind jedoch nicht die Prü–

fungen bei der Post. Weitaus

aufregender ist der "field-day",

eine dreitägige Geländeübung.

Sie findet immer in der letzten

Schulwoche vor den Sommer–

ferien statt. Mit Schlafsack, Zelt

und Campingverpflegung zie–

hen dann die jungen Funker auf

eine einsame Jurahöhe in der

Nähe Eichstätts.

Unter Aufsicht von Kursleiter

Eichiner bauen die Buben dort

Antennen auf, rollen Leitungen

von den Kabeltrommeln . Es ist

einfach, das Funkgerät daheim

an die Steckdose anzuschlie–

ßen. Jetzt lernen die Schüler,

eine Sende- und Empfangssta–

tion unter erschwerten Bedin–

gungen · aufzubauen und mit

einem Stromaggregat zu betrei–

ben : bei jedem Wetter und

rund um die Uhr.

Besonders spannend wird es

am Abend. Unvergeßliche Au–

genblicke erlebten die Eichstät–

ter Funkamateure gleich beim

ersten field-day. Ein Kollege

aus dem süditalieni schen Brin–

disi berichtete ihnen über den

Äther von der entsetzlichen

Erdbebenkatastrophe in seiner

Heimat. An Schlaf war da nicht

zu denken . Auch nicht in der

nächsten Nacht.

Atemlos verfolgten da die

Buben das Gespräch mit einem

Funker im nordirischen Belfast

Während er berichtete, deto–

nierten in seiner Nachbarschaft

mehrere Bomben von IRA-Ter-

Auch die Weltkarte für Amateurfunker fehlt nicht in der Schulstation des

Willlbald-Gymnasiums. Sie enthält die Kennzeichen aller Länder rings um den Globus.

roristen . Der Mann in Belfast

blieb unverletzt. ·Für die Schü–

ler war es ein Stück Weltpolitik

-erlebt am Funkgerät.

Die Gespräche werden meist

in Englisch "gefahren", aber

auch in Französisch und Spa–

nisch . Von München nach

Montevideo, von Würzburg

nach Wladiwostok, von Augs–

burg nach Addis Abeba span–

nen sich die Fäden ; denn rund

eine Million Amateurfunker

gibt es auf der Weit.

01 iver plauscht jeden Sams–

tagabend mit seinem Funk–

freund John in Michigan/USA.

Seit Monaten versucht er außer–

dem, einen durch Zufall aufge–

fangenen Geheimcode der Rus–

sen zu knacken. Abenteuer und

Spannung werden bei der A

teurfunkerei also groß geschrl-.

ben.

Daneben bringt das Hobby

praktischen Nutzen, z. B. Be–

rufskenntnisse für Fernmelde–

oder Elektrotechnik. Die Bun–

deswehr setzt Amateurfunker

unter den Rekruten schon nach

kurzer Zeit als Ausbilder ein -

ein Vorzug, den Wehrpflichtige

zu schätzen wissen.

Was muß eine Schule tun,

wenn sie eine Arbeitsgemein–

schaft mit eigener Funkstation

einrichten möchte? Kostet das

viel Geld? Steht ein aufreiben–

der Formularkrieg ins Haus?

Nichts von alledem.

Erste Voraussetzung ist ein

Amateurfunker mit Lizenz an

der Schule. M it Zustimmung

des nächsten Amateurclubs

kann dann der Antrag auf Ge–

nehmigung einer Schulstat:.

bei der Oberpostdirektion ge–

stellt werden. Sie teilt auch das

Rufzeichen zu. Gebühr pro

Monat: ganze drei Mark.

An technischen Geräten be–

nötigt man einen Transceiver

zum Senden und Empfangen.

Geschickte Bastler bauen so et–

was einschließlich aller An–

schlüsse und Antennen für rund

500

DM. Unter ihren Händen

verwandelt sich sogar ein aus–

gedientes Tablettenröhrchen in

eine funktionstüchtige Spule.

Ein Mikrophon gibt es an jeder

Schule, eine gebrauchte Morse–

taste auf dem nächsten Floh–

markt - und schon kann's los–

gehen.

Am Willibald-Gymnasium

Eichstätt hat es schon "ge–

funkt" . An welcher Schule wer–

den die nächsten drahtlosen

Gespräche gefahren? ln Eich–

stätt wartet man schon darauf.