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ISI,

Ist die junge Generation heute technikfeindlich? Haben die Natur–

wissenschaften ihren jahrzehntelangen Sympathie-Vorsprung bei

der Jugend verloren? Sind nur mehr Psychologie und Soziologie

gefragt? Häufig hört man diesen Verdacht. Aber am Willibald-Gym–

nasium im bayerischen Eichstätt ist davon nichts zu spüren.

F

reitag nachmittag, 14.30

Uhr. Am Willibald-Gym–

nasium in Eichstätt breitet

sich

Wochenendruhe

aus. Nur im zweiten Stock ist

die Stille gestört. Rauschen und

Kratzen, seltsame Pfeiftöne

dringen aus dem PhysiksaaL

Plötzlich auch eine Stimme,

Wortfetzen in Englisch: "CQ

Australia, CQ Australia, CQ

Australia ... this is DL zero WQ

. .. this is DL zero WQ . .. " Was

geht hier vor? Welchem Ge–

heimnis sind wir auf der Spur?

Wer die Tür öffnet, steht vor

des Rätsels Lösung. Das Pfeifen

und Rauschen stammt von

einem Funkgerät. Davor sitzt

Oliver, Schüler der Kollegstufe,

18 Jahre jung. Er versucht gera–

de, Funkkontakt mit Australien

herzustellen . Unter der seltsa–

men Formel " DL zero WQ"

meldet sich die schuleigene

Funkstation seit 1980 in der

ganzen Weit zu Wort.

Oliver ist nicht allein. Eine

Schar Buben umringt ihn,

lauscht ebenso angestrengt wie

er in den Äther: Die Arbeitsge–

meinschaft Amateurfunk des

Willibald-Gymnasiums

hält

ihren allwöchentlichen Kurs

ab. Jeden Freitag von 14.30

Uhr bis 17.00 Uhr treffen sich

die jungen "Wellenreiter".

Begonnen hat alles im Schul–

jahr 1978. Physiklehrer Eichi–

ner, Exfunker einer Bundes–

wehreinheit, startete damals

den ersten Lehrgang an der

Eichstätter Schule. Was zu–

nächst nur als Probelauf ge–

dacht war, erwies sich bald als

Renner. Auf Anhieb meldeten

18

Mit diesem selbstgebauten Sendegerät knüpft man

in Eichstätt weltweite Kontakte. Für einen

findigen Kopf ist die Finanzierung kein Problem.

Was anderswo in den Mülleimer wandert, fand hier

Verwendung: vom ausgedienten Tintentod und

Kronenverschluß bis zum leeren Tablettenröhrchen.

sich 17 Schüler und machten in

ihrer Freizeit ein Jahr lang be–

geistert mit.

Auch zwei alte Hasen waren

darunter: Oliver, den wir schon

kennen, und sein Freund Diet–

mar. Im Gegensatz zu den an–

deren Teilnehmern hatten sie

schon eine Lizenz für Amateur–

funker, erworben in einem pri–

vaten Funkclub. Unter dem

Motto "Schüler unterrichten

Schüler" helfen Oliver und

Dietmar seither bei der Ausbil–

dung der Neulinge mit.

Oberstudienrat Dieter Eichi–

ner konnte sich bald auf Orga–

nisation und Planung des Kurs–

programms beschränken. Er

sorgt für die Ordnung im

Übungsraum, beschafft Fach–

bücher und Funkersatzunge11

baut physikalische Versu

auf. Mit ihrer Hilfe demonstriert

er die Naturgesetze, die der

Funktechnik zugrundeliegen.

ln der Arbeitsgemeinschaft

sind die Gymnasiasten nicht

unter sich. Auch Eichstätter

Hauptschüler machen mit.

Demnächst werden noch Real–

schüler aus dem benachbarten

Rebdorf dazustoßen. Willkom–

men ist grundsätzlich jeder ab

der 8. Klasse. Natürlich auch

Mädchen. Aber leider hat sich

bishertrotzaller Werbung noch

keine Funker-Fee gemeldet.

Die einzige Voraussetzung

für die Teilnahme sind techni–

sches Interesse und Begeiste–

rung fürs Basteln. Allerdings :

Die Anforderungen sind nicht

gering. Wer zu den "Wellenrei–

tern" gehören will, muß lernen,

was man unter Frequenz,

!v'–

dulation oder Wellenlänge v'–

steht. Er muß auch wissen, wel–

che Aufgabe Röhren, Transisto–

ren, Widerstände und Verstär–

ker haben.

Wie man sich für wenig Geld

ein Funkgerät selbst bauen

kann, auch das gehört zum

Kursprogramm. Hinzu kom–

men die. Amateurfunk-Abkür–

zungen, die Kennzeichen der

wichtigsten Länder und das in–

ternationale

Buchstabier-AI–

phabet. Auch wichtige Gesetze

und Bestimmungen für den

Amateurfunk fehlen nicht.

Bei aller Theorie kommt

selbstverständlich die Praxis

nicht zu kurz . So basteln die

Eichstälter Schüler Bauteile

eines Funkgerätes, lernen den

Umgang mit Mikrophon und

Morsetaste und wie man ein

Stationstagebuch führt. Ziel der

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