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Jeder nennt sie, kaum einer kennt sie: die Oberstufe der bayerischen

Volksschule. Ein Reformwerk ohne Beispiel gab ihr ein neues Profil.

4

S

chüler im Betrieb, Unter–

richt an der Werkbank, in

Schulküche und Fotolabor:

Das Lernangebot unserer

Hauptschule ist überra–

schend vielfältig. Die Fremdsprache

Englisch gehört ebenso dazu wie

Physik, Chemie, Arbeitslehre und

eine ganze Palette von Neigungs–

gruppen und Wahlkursen. Was die

Hauptschule bietet, kann sich sehen

lassen. Mit gutem Grund strengt sich

der Freistaat für sie an. Schließlich

geht jeder zweite junge Bürger die–

sen Bildungsweg und erwartet sich

von ihm ein solides Fundament für

das Berufsleben.

Aber seltsam : Obwohl mehr als

eine halbe Million Jungen und Mäd–

chen die Hauptschule besuchen, ist

sie für viele Eltern die große Unbe–

kannte. Das hat Gründe. Zu lange

blickte die Öffentlichkeit nur auf die

"höheren" Schulen und erwartete

~inseitig

alles Heil von Abitur und

Universitätsstudium. Ein Jahrzehnt"

lang ' hallte die Welt wider vom

Wehgeschrei über die drohende

"deutsche Bildungskatastrophe" mit

ihrem angeblichen Akademikerman–

geL Die Hauptschule dagegen stand

im Schatten der öffentlichen Auf–

merksamkeit. über sie schwiegen

sich Zeitungen, Rundfunk. und Fern–

sehen beharrlich aus. Besonders fort–

schrittlichen Bildungspropheten war

Die Pflichtschule

mit freien Wahl–

kursen schafft ein

sicheres Fundament

für Beruf und

Weiterbildung. Ihr

typisches Profil:

e berufspraktische

Fächer

e kleine Lerngrup-

.

pen durch Kurs–

unterricht

eeinAbschlußzeug–

nis, mit dem man

etwas ·

anfangen kann.

sie nicht mehr klug genug. Sie stem–

pelten die Hauptschule zur "Rest–

schule für die Dummen", zur Bil–

dungs-Sackgasse, zu einer Stätte, die

die "Armen zur Armut erzieht" .

Wer der bayerischen Hauptschule

die Stiefkind-Rolle andichtet, sie

zum Bildungs-Aschenputtel erklärt,

lebt im Reich der Fabel. Solche

Vor–

urteile tun der Hauptschule gründlich

unrecht; denn sie lebt nicht am Ran–

de der Bildungsgesellschaft Im Ge–

genteil: Die moderne Hauptschule ist

ein "Bildungsbauwerk" besonderer

Art, perfekt ausgestattet und zweck–

mäßig eingerichtet. Sie bietet jungen

Menschen aus allen Schichten der

Bevölkerung Platz. Wer mehr mit

praktischem Verstand als mit abstrak–

tem Denkvermögen im Leben seinen

Mann stehen will, dem schafft die

Hauptschule die Voraussetzungen.

Sie öffnet ihm das Tor ins Berufs–

leben und auch zu weiterführenden

Schulen.

Die bayerische Hauptschule mo–

derner Prägung ist nicht durch vor–

dergründige Bildungskosmetik ent–

standen . Beginnend mit dem baye–

rischen Volksschulgesetz von 1966

sind seit über zehn Jahren tiefgrei–

fende Reformideen in die Tat um–

gesetzt worden :

1.

Zunächst vereinigte die Land–

schulreform die dörflichen Klein–

schulen zu Verbandsschulen. Hier ist

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