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K

inder sind

begeisterte

Kauboys und

Kaugirls: sie kauen und

kauen .. . Nur Kühe auf der

Alm sind womöglich noch

kaufreudiger.

Die Kaugummi-Industrie

hat darob gut lachen: der

Markt der kindlichen Kund–

schaft dehnt sich von Jahr zu

Jahr weiter aus. Allein eine

amerikanische GmbH in

Oberbayern spuckt täglich

I,5 Millionen Stück aus.

Kein Wunder, wenn aus sol–

chen Massen ein neues Pro–

blem erwächst: die Umwelt–

verpappung.

Woher

stammen

die

schwarzen. fünfmarkstück–

großen ,.Piatschari" auf

Bahn- und Gehsteigen, in

Fußgängerzonen, Warenhäu–

sern und Pausenhallen?

Raumpfleger und Städtische

Straßemeiniger rätselten lan–

ge, bis sie dahinterkamen:

diesen Flecken liegt ausge–

spuckter,

flachgetretener,

schmutzgeschwärzter

und

nun am Boden innig haften–

der Kaugummi zugrunde.

Ein Glück, daß im Winter

die Natur zu Hilfe eilt: Kälte

killt Kaugummi. Bei Frost

wird er spröde und springt ab.

Wie sieht es aber in den

nie

unter null Grad

sinkt? ., Viel schlimmer

auf den Gehsteigen und

in den Fußgängerzonen'",

sagen Lehrer, Hausmeister

und das PutzpersonaL In der

Schule hat schon die Mor–

genstund viel Papp im Mund:

Nach der

10-Uhr-Pause

prangt in Treppenhäusern,

Gängen, Wandelhallen so

mancher Schule üppiger Kau–

gummi-Zierat.

Nicht nur auf dem Fußbo–

den, auch an Pulten, Tischen,

Stühlen, Mauern, Türen und

Fensterrahmen sammeln die

klebrigen Klümpchen Staub

und Bakterien an, bis der

Putzteufel sie holt. Das aber

wird dem Putzteufel sauer!

Denn die Haupteigenschaft

des Produkts ist seine An–

hänglichkeit.

Woche für Woche rücken

darum Putzkommandos mit

Spachteln und mit Schabern

dem Kaugummi in den Schu–

len zu Leibe. Das Wegkrat–

zen hinterläßt Flecken und

Löcher: entweder bleibt ein

Gummirückstand

kleben

oder der teuere Bodenbelag

geht mit. Und sollte es gar

ein Teppichboden sein, dann

ist alle Mühe vergebens.

Die GebäudereinigeT der

Stadt München schildern an–

schaulich die Folgen der

kindlichen Kauwut : 20 bis

30 Kaugummis finden sie

nicht selten unter einer einzi–

gen Schulbank. Oft hilft nur

Kältespray. Aber die künst–

liche Kälte kommt teuer:

eine Dose zu 5 DM reicht

gerade zum Absprengen von

20 Kaugummis. Mit

lOO

Ar–

beitsstunden Mehraufwand

pro Schule rechnet man in

München allein für die Kau–

gummi-Razzia beimsommer-

liehen

Großreine–

machen. Rund

kostet das die

Landeshauptstadt:

Wenn es nach den Haus–

meistern ginge, wäre darum

der Kaugummi schon längst

aus den Schulen verschwun–

den. Auch die Lehrer würden

den Auszug freudig begrü–

ßen. Sie mögen's nämlich

nicht, wenn mümmelnde,

mahlende Münder im Unter–

richt unverständliches Kau–

derwelsch herausquetschen.

Aber die Kinder hängen ver–

bissen an ihrem Mahlgut:

"Kaugummi ist gesund, ist

gut für die Zähne! Kau–

boys kriegen keine

Karies!'' Leider stimmt

das nicht ganz.

Wenn Kaugummi Zucker

enthält, umspült Zucker die

Zähne, löst den Schmelz und

macht das Gebiß anfällig für

Karies. Zahnschmelzfreund–

lich ist allein der zuckerlose

Kaugummi, der auf die che–

mischen Süßstoffe Sorbit und

Xylit ausweicht. Aber auf

den zuckerlosen Geschmack

kommen die Kinder halt

nicht so leicht. Die meisten

mögen's wie eh und je zuk–

kersüß. Deshalb sind die

Bubble-gums so beliebt. Sie

bestehen zu 20 Prozent aus

Zucker und ramponieren die

Kinderzähne genauso wie

alles andere zuckrige Nasch–

werk.

Es gibt also gute Gründe,

den Kaugummi aus den

Schulhäusern zu verbannen.

Das ist übrigens gar nicht so

schwer. Ein schlichtes Kau–

gummi-Verbot, verankert in

der Hausordnung, könnte

der Umweltverpappung, zu–

mindest hier, rasch den Gar–

aus machen. So heißt es viel–

leicht künftig an Schulen,

wo'sgarzu

war: Nur für

Nichtkauert