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Fortsetzung von Seite 11

neu mit einer Klasse toben–

der Western- und Krimihel–

den zusammenraufen muß,

neigt wohl eher zur Nachah–

mungstheorie. Daß auf der

anderen Seite

Fernsehen

nicht geradewegs in Jugend–

krim inalität

zu

münden

braucht, ist ebenfalls klar.

Auch spielerisch nachvoll–

zogene Kampfszenen richten

Schaden an. Kung Fus Killer–

Karate zum Beispiel führte -

an Spielkameraden auspro–

biert - zu bösen Verletzun–

gen. Daß das Fernsehen bei

entsprechend ve ranlagten Na–

turen aber auch eine krimi–

nelle Tat auslösen kann , be–

weist der Fall einer Dreizehn–

jährigen , di e einen Buben

ermordete: " Nur so. Ich

wollte mal sehen, wie das ist,

wenn ein Mensch getötet

wird. Wi e im Fernsehen' "

Lieber Mr. Cartwright!

Eltern sollten auch beden–

ken, daß Fernsehen Angst

hervorruft. Denn: Kinder

können Bild und Wirklichkeit

nicht

auseinanderhalten.

Aber können es denn die Er–

wachsenen? Da schreiben ge–

standene Männer und Frau en

ratsuchend an Ben Cart–

wright. Da wendet sich ein

leibhaftiger deutscher Medi–

ziner an den " Schwarzen

Doktor" und bittet um An–

stellun g im Urwaldhospital.

Wenn die im Film vor–

gegaukelte

" Wirklichkeit "

schon Erwachsene verwirrt,

wieviel schwerer ist es dann

erst für ein Kind. Sein und

Schein zu trennen. Beson-

12

ders für das Vorschulkind ist

es die blanke Unmöglichkeit.

Darum gibt es viele Ärzte

und Psychologen, die das

Fernsehen im Vorschulalter

strikt ablehnen. Ihrer An–

sicht nach ist der kindliche

Organismus dem Ansturm

der Bilder noch nicht ge–

wachsen. Sie stimmen keines–

wegs ein in den Jubel um die

angeblich segensreiche Rolle

des Vorsch ulfernsehens.

in der Tat leuchtet ein,

was der amerikanische Wis–

senschaftler Moore zu die–

sem Thema sagt. Er weist auf

den Streß hin , den die ein–

prasselnde Reizflut bei klei–

nen Kindern auslöst. Die

Folge: in einer Art Notwehr

schalten die überforderten

Kinder streckenweise inner–

lich ab , hören nur mit hal–

bem Ohr zu, nehmen ledig–

lich Handlungsfetzen wahr.

Sie trainieren also vor dem

Fernsehgerät genau das, wor–

über später ihre Lehrer in

der Schul e klagen werden:

d ie Unfähigkeit zur Konzen–

tration .

Soll man also Kinder über–

haupt nicht fernsehen lassen?

Diese Frage ist rein rheto–

risch. Denn die Kinder sehen

nun einmal fern' Es ist prak–

tisch unmöglich, sie vom

Fernsehen völlig abzuschir–

men - ni cht einmal dort, wo

Eitern aus Entsagung oder

Überzeugung kein Fernseh–

gerät kaufen. Die Kinder wis–

sen schon , wie sie anderswo,

bei Freunden oder Nachbarn ,

zu ihrem Vergnügen kom–

men '

Eine Mutter fiel aus allen

Wolken, als ihre vermeintlich

"fernsehlos "

aufwachsende

Tochter plötzlich 25 Werbe–

sprüche herunterrasselte. Des

Rätsels Lösung: Sie hatte bei

einer Freundin jeden Nach–

mittag " Hausaufgaben ge–

macht" . Für ein Kind ist es

nun einmal sehr hart und es

schadet seinem Ansehen un–

ter Gleichaltrigen, wenn es

beim Gespräch über

Fernseh~

sendungen nicht mithalten

kann.

Realistisch betrachtet, lautet

darum di e Frage heute nicht

mehr: Fernsehen oder nicht?

Sondern: Fernsehen ja - aber

was, wann und wieviel?

Die erste Regel heißt:

Nicht wahllos glotzen, son–

dern auswählen! Wer die

ganze Speisekarte herunter–

futtert verdirbt sich den Ma–

gen . Eine einzige Sendung

·mit Verstand angeschaut,

wird von Kindern besser ver–

arbeitet als ein abendfüllen–

des Kraut-und-Rüben-Menü.

Darum sollten Eitern die Pro–

grammvorschau

zusammen

mit ihren Kindern studieren

und ankreuzen , was

jeder

zu

sehen wünscht. Daraus wird

gemeinsam eine Auswahl ge–

troffen.

Sagen Sie als Mutter oder

Vater auch ruhig einmal nein

zu Sendungen, die Ihnen un–

geeignet erscheinen! Und

bleiben Sie eisern, wenn

Filme bis in die späten

Abendstunden dauern ; denn

Kinder gehören zur rechten

Zeit ins Bett.

Verwenden Sie Fernsehen

nicht als Lohn oder Strafe.

Länger aufbleiben dürfen we–

gen eines Krimis ist eine un–

pädagogische

Belohnung,

weil sie dem Kind schadet.

Die fernsehsüchtigsten Kin–

der kommen übrigens nach–

weislich aus Familien , in de–

nen auch die Erwachsenen

"harte Seher" sind. Für das

Fernsehen gilt darum dassel–

be wie für das Rauchen und

Trinken : Wer den Konsum

seiner Kinder in Grenzen hal-

ten will, muß zuerst den

eigenen in den Griff bekom–

men.

Lassen Sie besonders ein

kleines Kind nie allein fern–

sehen. Und reden Sie mit

ihm über das Gesehene vor

dem Zubettgehen . Unver–

dautes führt oft zu Angst und

Schlafstörungen .

Geben Sie nur im Notfall

der Versuchung nach, den

Fernseher als " Babysitter"

einzusetzen, auch wenn es

noch so

verl ~:>ekend.

sein mag,

sich mit diesem taubertrick

Kinderkrakeel vom Hals zu

schaffen.

Ein anderer Rat: Erweitern

Sie das Unterhaltungsangebot

in der Familie! Wie wär's mit

einem wöchentlichen ge–

meinsamen Spielabend, ar

dem die Glotze zu bl eibt?

Und noch ein Tip für die–

jenigen, die den nötigen

Platz haben: Verbannen Sie

den Fernseher aus dem

Wohnzimmer in eine entle–

gene Ecke. Wer die gemütli–

che Familienrunde ve rlassen

muß, überlegt es sich, ob er

eine Sendung unbedingt se–

hen will.

"Das war klasse,

das war Mist!"

Am Stammti sch oder im

stillen Kämmerlein über das

miese Programm schimpfen,

führt zu gar nichts. Schreiben

Sie lieber an den Sender, was

Ihnen gefiel oder was Sie

nicht gut fanden. Solche Brie-

fe zeigen den Verantwortli–

chen , was sich Eltern eigent- ._

lieh wünschen. Glauben Si

nicht, daß " man ja doch

nichts machen kann ". Eitern

haben Mittel und Wege, sich

Gehör zu verschaffen. Zum

Beispi el beim Rundfunkrat

(Adresse: Bayerischer Rund–

funk, Rundfunkplatz 1, 8000

München 2, Tel. 59 00 - 1).

Wir alle müssen lernen ,

un s vom Fernsehen nicht

versk laven zu lassen , sondern

seine Vorzüge zu nutzen.

Gelingt das nicht, steht uns

wohl bald auch die stumpf–

si nnige Dauerberieselung

a

Ia

USA ins Haus. Dort wurde

nachgewiesen, daß die Acht–

zehnjährigen durchschnittlich

bis zu 22 000 Stunden vor

der Mattscheibe verbracht

haben , aber nur 12 000 Stun–

den in der Schule. Bis sie 70

sind, werden sie zusammen–

gerechnet ein Dutzend Jahre

vor der Röhre verglotzt ha–

ben. S & W meint: Dafür ist

das Leben eigentlich zu

schade!

e