Schule & Wir 4|14 - page 6

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mmer wieder werden Schule, Schüler und Lehr-
kräfte, mit vergleichbaren Situationen konfron-
tiert. Dabei stellen sich Schüler und Lehrer häufig
die Frage nach dem „Warum?“ oder „Wozu?“. Es
sind grundlegende Lebensfragen, auf die Schule
hier reagieren soll.
Welche Hilfestellungen zur Sinnorientierung
kann der Schulunterricht überhaupt bieten?
Für Eltern wie Lehrer ist sicher die gegenseitige
Ergänzung der Idealfall.
Die Bemühungen aller Erziehenden zielen bei
der Hilfestellung zur Sinnorientierung darauf ab,
dass aus den Kindern und Jugendlichen
Erwachsene werden, die ein erfülltes
Leben führen und sich für ihre Mit-
menschen engagieren. Doch Schüler
erörtern ihre Lebenssituationen meist
lieber mit Altersgenossen in der Schu-
le und seltener mit den eigenen Eltern.
Im Unterricht haben Schülerinnen und
Schüler daher die Gelegenheit zur Diskussi-
on, um sich mit der Sinnsuche in ihrem Leben zu
befassen. Dazu bieten verschiedenste Themenbe-
reiche der Fachlehrpläne Anregungen und eröffnen
so Gesprächsangebote: Denn auch in schwierigen
Phasen der eigenen Entwicklung können sich Schü-
ler auf der Basis einer distanzierten Betrachtung
hier mit Sinnfragen auseinandersetzen.
Unterrichtsfächer, die diesen Fragen an erster
Stelle Raum bieten, sind der christliche, islami-
sche und israelitische Religionsunterricht und das
Fach Ethik.
Ein Blick in die Katholische und
Evangelische Religionslehre
„Bei Fragen nach dem Ganzen, nach Sinn,
Wahrheit und Glück gibt es keine neutrale
Perspektive, sondern nur Positionen“,
erklärt Sebastian Görnitz-Rückert,
Seminarlehrer
für Evangelische
Religionslehre.
„Im Religionsunterricht ist von vorn-
herein klar, dass eine solche Neutralität
nicht gegeben ist. Die Schüler wissen, dass
Religionslehrer aus einer religiösen – in diesem
Fall einer evangelischen – Perspektive heraus
antworten werden, wenn sie sie nach ihrer Sicht
Auf der Suche nach
Glück
Lebenssinn
und
8.15 Uhr. Der Unterricht hat vor 15 Minuten begonnen. Es klopft und die Tür öffnet sich.
Aufgeregt kommt Thomas* aus der 6. Klasse in sein Klassenzimmer. Sein Blick zeigt, dass irgend-
etwas vorgefallen ist: „Meine Mutter liegt im Krankenhaus – der Notarzt hat sie heute Morgen
abgeholt. Sie hatte einen schweren Unfall.“ Wie kann Schule in einer solchen Situation helfen?
*Alle Namen und Fälle des Artikels wurden von der Redaktion anonymisiert.
Sebastian
Görnitz-Rückert
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Schule & Wir
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Titel
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