Table of Contents Table of Contents
Previous Page  475 / 641 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 475 / 641 Next Page
Page Background

46

Ringbuch Inklusion zum Nachschlagen, Teil B, Stand Juli 2015

auf den Lehrplänen der Grundschule und Mittelschule auf, hat aber nicht

zwingend deren Anforderungsniveau, sondern wird individuell auf die Schüler

entsprechend ihrem Leistungsvermögen angewandt. Wird in Klassen

lernzieldifferent sowohl nach den vorgenannten Lehrplänen mit dem

Anforderungsniveau der Grundschule und Mittelschule als auch nach dem

Rahmenlehrplan Lernen unterrichtet, kann die Klasse für Schüler geöffnet

werden, sofern das Anforderungsniveau der allgemeinen Schule überwiegt. Ist

eine Öffnung rechtlich wegen des von der allgemeinen Schule abweichenden

Lehrplans nicht möglich (z.B. im Förderzentrum geistige Entwicklung) ist eine

faktische Öffnung und ein gemeinsamer Unterricht im Wege des

Partnerklassenkonzepts möglich (z.B. Klasse der Grundschule im Förderzentrum

geistige Entwicklung).

Neu ist, dass die bisherige Ausnahme der Jahrgangsstufe 1 A von der Öffnung in

die nun geltenden Regelung des Art. 30a Abs. 7 Nr. 3 BayEUG nicht

übernommen wurde. Dies soll den durchgehenden gemeinsamen Unterricht

ermöglichen (vorausgesetzt es treffen die vorgenannten Bedingungen zu).

2.1.1.2 Umfang der möglichen Öffnung – Erhalt des Status der Schule

als Förderschule

Das BayEUG selbst sieht keine Obergrenze für die Aufnahme von Schülern ohne

sonderpädagogischen Förderbedarf in offenen Förderschulklassen und damit an

Förderschulen vor. Eine Grenze ergibt sich allerdings daraus, dass eine

Förderschule nur eine solche Schule sein kann, die mehrheitlich Schüler mit

sonderpädagogischem Förderbedarf hat.

Unabhängig von dieser rein formalen Betrachtungsweise ist die pädagogisch-

organisatorische Frage maßgeblich, welcher Anteil von Schülern noch sinnvoll ist

und ab wann das spezifische Angebot für diejenigen Schüler mit

sonderpädagogischem Förderbedarf verloren geht, für die es im besonderen

Maße gedacht ist; dies betrifft insbesondere die Förderschwerpunkte Sehen und

Hören. Nach § 30 Abs. 2 Satz 3 VSO-F ist daher bei offenen Förderschulklassen

sicherzustellen, dass die spezifische, auf den Förderschwerpunkt ausgerichtete

Förderung der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf erhalten bleibt;

Näheres kann das Staatsministerium durch Bekanntmachung festlegen. Neben

der Regelungsbefugnis für das Staatsministerium, die bislang nicht ausgeübt

wurde, wird man vor allem vor Ort unter Einbezug der Betroffenen (ggf.

differenzierte) Antworten finden müssen.

2.1.2 Klassenbildung/Personelle Ausstattung

Grundsätzlich werden Schüler ohne sonderpädagogischen Förderbedarf nicht bei

der Klassenbildung berücksichtigt; es werden daher ggf. die Klassen lediglich bis

zur Schülerhöchstzahl „aufgefüllt“. Dieser Grundsatz entspricht der bisherigen

Regelung des Art. 20 Abs. 5 BayEUG (2003).