Isar-Plan: Durch München fließen wieder acht Kilometer Wildwasser

Der neue Uferbereiche an der Isar, die ehemalige Uferbefestigung wurde zur Insel.
Der neue Uferbereiche an der Isar, die ehemalige Uferbefestigung wurde zur Insel.

Elf Jahre lang wurde an der Isar gebaut – in München wurde der Fluss zwischen Großhesseloher Brücke und Deutschem Museum renaturiert. Die Kosten für den acht Kilometer langen Umbau betrugen rund 35 Millionen Euro – getragen vom Freistaat Bayern und von der Stadt München.  Kultusminister Ludwig Spaenle repräsentierte die Staatsregierung bei der Eröffnungsfeier.

Etwa 80.000 Besucher waren zu dem Isarfest zum Abschluss der Renaturierung gekommen. Bei strahlendem Sonnenschein lagerten sie dicht an dicht auf den neuen Kiesbänken am Ufer. Viele schwammen im sauberen Isar-Wasser, andere fuhren Kajak und Kanu oder flanierten am Ufern an Informationsständen vorbei.

Das Projekt Isarplan stieß aber nicht nur bei Münchnern auf Begeisterung – selbst der größte koreanische Fernsehsender hatte ein Kamera-Team geschickt. Und eine Delegation aus Los Angeles wollte sich in Bayern Anregungen holen, wie der L. A. River renaturiert werden kann.

Der Rückbau dauerte elf Jahre
Der Rückbau dauerte elf Jahre

Die Planungen für den Rückbau der Isar hatten schon 1995 begonnen. Nach fünf Jahren wurde 2000 mit dem Bau begonnen. Die Kosten von rund 35 Millionen Euro teilen sich Land und Stadt, vertreten durch das Staatliche Wasserwirtschaftsamt und das Baureferat.

Der Freistaat Bayern bezahlt 55 Prozent, die Landeshauptstadt München trägt 45 Prozent.

Isarplan: Hochwasserschutz, Naturschutz und höherer Freizeitwert

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle
Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle

Als Repräsentant des Freistaats hielt Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle die Festrede. Er nannte den Isarplan „eines der national wie international bekanntesten wasserbaulichen Projekte in Bayern“. Der Minister erinnerte an die drei Ziele, die mit der Renaturierung erreicht werden sollen:

Hochwasserschutz, Naturschutz und höherer Freizeitwert für die Bürger.

Der letzte Bauabschnitt aus der Luft
Der letzte Bauabschnitt aus der Luft

Der Weg zurück zur Natur ist gleichzeitig eine Abkehr vom altmodischen Hochwasserschutz – Anfang des 19. Jahrhunderts wurde damit begonnen, die Isar zu kanalisieren und die Ufer zu befestigen. Der Name Isar bedeutet ursprünglich „reißender Fluss“ – das Hochwasser sollte durch ein einengendes Korsett möglichst schnell abgeleitet werden. Erst Mitte der 80er kam das Umdenken – Minister Spaenle erläuterte: „Ein moderner Hochwasserschutz für München wird sichergestellt, obwohl die massiven Ufersicherungen verschwunden sind. Die Hochwassersicherheit verbessert sich durch eine Vergrößerung des Abflussquerschnitts und eine Erhöhung des Freibords“, so der Minister.

Der Hochwasserschutz in München ist Teil eines Gesamtkonzeptes des Freistaats. Dazu gehöre unter anderem auch der Sylvensteinspeicher, erklärte der Minister. Das riesige Rückhaltebecken in den Alpen „hält Hochwasser bereits dort zurück, wo es entsteht.“ Nach Auskunft von Ludwig Spaenle hat der Freistaat gerade damit begonnen, den Speicher für 23,5 Millionen Euro auf den technisch neusten Stand zu bringen. Als Konsequenz nach dem Pfingsthochwasser 1999 habe Bayern schnell und konsequent reagiert: Im Jahr 2001 wurde das Hochwasserschutz-Aktionsprogramm 2020 aufgelegt. Der Freistaat investiert hier 2,3 Milliarden Euro über einen Zeitrahmen von 20 Jahren.

Hochwasser hat Samen gebracht
Hochwasser hat Samen gebracht

Auch bei dem zweiten Ziel der Renaturierung – dem Naturschutz – lassen sich schon Erfolge sehen. Die Gewässer sollen durchgängiger werden – Fische wieder wandern können. Die Gewässer- und Auenstruktur soll verbessert werden. Biologen sind begeistert, wie schnell sich die Natur ihr Terrain zurück erobert, wenn der Mensch nicht stört. Viele Bürger wollten, dass die alten Weiden an der ehemaligen Uferbefestigung erhalten bleiben. Dieser Uferstreifen nördlich der Wittelsbacher- brücke wurde durch einen neuen Nebenarm künstlich zu einer Weideninsel. Bei dem Hochwasser im Sommer 2009 schwemmte die Isar natürliches Material auf die Insel. Das Schwemm-Material vom Oberlauf enthält Samen von Pflanzen, die nun auch in der Stadt wieder wachsen.

Die Deutsche Tamariske wächst wieder im Münchner Stadtgebiet
Die Deutsche Tamariske wächst wieder im Münchner Stadtgebiet

Das erste Mal seit mehr als 60 Jahren schlägt hier jetzt wieder die Deutsche Tamariske ihre Pfahlwurzeln in das Kiesbett. Der Strauch aus der Familie der Nelken ist stark gefährdet – er kann sich nur in sonnigem Überschwemmungsgebiet halten.

„Die Isar hat nun ihren Charakter als alpiner Wildfluss wieder, und das mitten in der Stadt“, freute sich Minister Ludwig Spaenle, „sie hat nun Kiesbänke und ist ein Flusslauf geworden, der sich lebendig verändert.“

Wasserqualität erlaubt Baden in der Isar
Wasserqualität erlaubt Baden in der Isar

Dass sich Naturschutz und erhöhter Freizeitwert vereinen lassen, zeigten die vielen Besucher beim Isarfest. Staatsminister Ludwig Spaenle bestätigte, dass das Baden in der Isar gefahrlos möglich ist. Auf einer Länge von 110 Kilometern von den Alpen bis Moosburg sind die Kläranlagen „mit einer gezielten Abwasserdesinfektions- stufe nachgerüstet worden – mit einer Keim-Eliminationsrate von 99,9 Prozent.“

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