Abschied: Ex-Amtschef Josef Erhard ist im Ruhestand

Hunderte von Weggefährten, Arbeitskollegen und Freunden waren zur Verabschiedung von Josef Erhard in das Ministerium gekommen
Hunderte von Weggefährten, Arbeitskollegen und Freunden waren zur Verabschiedung von Josef Erhard in das Ministerium gekommen

13 Jahre stand Josef Erhard als Amtschef an der Spitze der Schulverwaltung in Bayern. Unter vier Kultusministern, von Dr. Hans Zehetmair über Monika Hohlmeier und Siegfried Schneider bis zu Dr. Ludwig Spaenle, hatte der Ministerialdirektor die Zügel der Verwaltung in der Hand. Er war damit verantwortlich für mehr als 120.000 Lehrkräfte und rund 1,8 Millionen Schüler an über 5.500 Schulen in Bayern. Nun ist der dienstälteste Amtschef eines Kultusministeriums in Deutschland in den Ruhestand getreten.

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle bei seiner Laudatio
Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle bei seiner Laudatio

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle verabschiedete seinen Amtschef im Rahmen einer  Feierstunde im Kultusministerium. „Sie waren während meiner Amtszeit mein wichtigster Mann“, sagte der Minister. „Insbesondere auf Ebene der Kultus- ministerkonferenz haben Sie die Interessen der bayerischen Bildungspolitik wirksam gegenüber den anderen Ländern vertreten. Wir sehen die großen Dienste, die Sie dem bayerischen Kultusministerium und der Bildungspolitik der Länder in den vergangenen 13 Jahren erwiesen haben. Es ist für uns ein großer Verlust, Sie gehen zu lassen“, so der Minister.

Erhard habe sich einen „Ruf von nationaler Bedeutung“ als Grandseigneur der Bildungspolitik erworben. Minister Spaenle stellte auch Dr. Peter Müller, den Leiter der Abteilung „Grund-, Haupt-/Mittel- und Förderschulen“, als künftigen Amtschef des Kultusministeriums vor.

Der ehemalige Amtschef Josef Erhard
Der ehemalige Amtschef Josef Erhard

Der ausgebildete Gymnasiallehrer Josef Erhard war 1984 in die Staatskanzlei berufen worden und hatte danach im Wissenschafts- und im Kultusministerium vielfältige Aufgaben inne. Er war unter anderem persönlicher Referent und Büroleiter von Kultusminister Dr. Hans Zehetmair sowie Leiter der Abteilung „Kunst und Kunsthochschulen“. 1998 hat ihn das Kabinett zum Amtschef des Kultusministeriums ernannt. Josef Erhard hatte verschiedene Funktionen in der Kultusministerkonferenz inne, so den Vorsitz der Amtschefkommission „Qualitätssicherung in Schulen“.

Als „den wichtigsten Mann am Salvatorplatz“ bezeichnete Kultus- minister Spaenle den bisherigen Amtschef. Unter Josef Erhards Ägide seien im Freistaat tiefgreifende Reformen im differenzierten bayerischen Bildungswesen umgesetzt worden. Neu eingeführt wurden unter anderem die sechsstufige Realschule, das achtjährige Gymnasium, die Berufliche Oberschule und die Mittelschule als Weiterentwicklung der Hauptschule.

Kultusminister Ludwig Spaenle, Josef Erhard, Dr. Peter Müller und Staatssekretär Thomas Kreuzer
Kultusminister Ludwig Spaenle, Josef Erhard, Dr. Peter Müller und Staatssekretär Thomas Kreuzer

Als Vorsitzender der Amtschefkommission „Qualitätssicherung in Schulen“ habe Erhard eine Strategie zum Bildungsmonitoring und zu den Bildungsstandards mit entwickelt. Er habe enge Beziehungen zu den christlichen Kirchen und den Religionsgemeinschaften unterhalten und ein besonderes Augenmerk auf die Erinnerungsarbeit gerichtet. "Verlässlichkeit kennzeichne als roten Faden das Handeln von Josef Erhard im Freistaat Bayern wie auch in der Bildungspolitik auf Bundesebene", sagte Kultusminister Spaenle.

Kultusstaatssekretär Thomas Kreuzer bezeichnete den scheidenden Amtschef als „Steuermann mit hohem Sachverstand“, der unter vier Kultusministern das „Schiff auch bei wechselndem Wetter der Bildungspolitik auf dem vorgegebenen Kurs“ gehalten hat.

Der ehemalige Kultusminister Hans Zehetmair mit seinem früheren Büroleiter
Der ehemalige Kultusminister Hans Zehetmair mit seinem früheren Büroleiter

In seinem Grußwort würdigte Josef Erhards langjähriger Chef, Kultusminister a. D. Hans Zehetmair, diesen aufgrund seines Engagements für Bildungsvergleiche und -standards als „heißen Kandidaten für den Mister PISA“. Zehetmair nannte die großen Verdienste des scheidenden Amtschefs Erhard als Fachmann im und für das Schulwesen und als Mann mit einem offenen Ohr für die Kirchen, die Jugend, den Sport und die Gedenkstätten. Abschließend richtete Hans Zehetmair eine ganz persönliche Botschaft an seinen ehemaligen Büroleiter und Amtschef: „Danke für Deine Freundschaft“.

Neuer Amtschef

Übergabe: Josef Erhard mit seinem Nachfolger Dr. Peter Müller
Übergabe: Josef Erhard mit seinem Nachfolger Dr. Peter Müller

Dr. Peter Müller war 2009 von Kultusminister Spaenle zu einem der beiden stellvertretenden Amtschefs des Kultusministeriums ernannt worden. Der 1953 in Regensburg gebürtige Peter Müller hatte Mathematik und Physik für das Lehramt Gymnasium studiert. Er hatte nach verschiedenen Tätigkeiten im Schuldienst, in der Schulverwaltung sowie in einem Softwareunternehmen im Jahr 2000 die Leitung der Abteilung Gymnasien des Bayerischen Kultusministeriums über- nommen.  2006 hat Kultusminister Siegfried Schneider Dr. Müller die Leitung der Abteilung „Berufliche Schulen“ übertragen, 2009 hat ihn Kultusminister Spaenle mit der Leitung der Abteilung „Grund-, Haupt-, Mittel- und Förderschulen“ sowie der Stabsstelle Schulorganisation und Verwaltungsreform beauftragt.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung über Josef Erhard

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