Sport in Bayern: Sportminister Ludwig Spaenle im Interview

Kultus- und Sportminister Dr. Ludwig Spaenle
Kultus- und Sportminister Dr. Ludwig Spaenle

Vom Schulsport, über das Abschneiden der bayerischen Sportler bei Olympia 2012 bis hin zu den neuen Sportförderrichtlinien für den vereinseigenen Sportstättenbau. Sportminister Ludwig Spaenle nimmt im Interview mit der Zeitschrift bayernsport zu einer breiten Palette an Themen Stellung.

bayernsport: Herr Dr. Spaenle, als Kultusminister sind Sie auch für den Sport in Bayern zuständig. Wie sehr sind Sie persönlich dem Sport verbunden?
Dr. Spaenle: Bewegung und Sport sind mir sehr wichtig. Ich selbst fahre gern Rad und gehe viel zu Fuß. Natürlich bin ich als Münchner ein Fan eines der beiden Vereine dieser Stadt.

bayernsport: Der Bayerische Landes-Sportverband ist als beliehener Unternehmer für den Freistaat unter anderem zuständig für die Organisation der Fördermittel für Vereine und Verbände. Im Zusammenhang mit den neuen Sportförderrichtlinien für den vereinseigenen Sportstättenbau startet der BLSV eine Info-Tour durch ganz Bayern, an der auch Experten Ihres Hauses teilnehmen werden. Welche Bedeutung hat für Sie die Zusammenarbeit mit dem BLSV?
Dr. Spaenle: Die Zusammenarbeit mit dem BLSV ist mir außerordentlich wichtig. Dass ich das ehrlich meine, stellt die Neufassung der Sportförderrichtlinien für den vereinseigenen Sportstättenbau unter Beweis. Schließlich haben wir die neuen Richtlinien nicht am grünen Tisch der Ministerialbürokratie und über die Köpfe des Sports hinweg, sondern im intensiven Austausch mit dem BLSV und dem BSSB erarbeitet. Deshalb bringt die Neufassung nicht nur eine auf die Sportpraxis abgestimmte Reihe an Änderungen mit sich. Die enge Kooperation zwischen der Bayerischen Staatsregierung und dem verbandlich organisierten Sport zur Frage der Neufassung der Richtlinien ist auch ein starkes Signal der Geschlossenheit.
Gerne nutze ich deshalb die Gelegenheit, dem BLSV-Präsidenten Günther Lommer und dem Vizepräsidenten Jörg Ammon für die fachlich ebenso fundierte wie konstruktive und stets vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem BLSV herzlich zu danken.
 

Sportförderrichtlinien für den vereinseigenen Sportstättenbau wurden in Bayern überarbeitet

Bald auf dem Fußballplatz: Förderrichtlinien für den Sportstättenbau werden vereinfacht
Bald auf dem Fußballplatz: Förderrichtlinien für den Sportstättenbau werden vereinfacht

bayernsport: In diesem Jahr verändert sich in diesem Bereich nahezu alles. Die neuen Richtlinien sind zum Teil schon seit 1. August in Kraft getreten. Gibt es dadurch Erleichterungen für unsere mehr als 12.000 Mitgliedsvereine?
Dr. Spaenle: Ja, es war ein zentraler Gesichtspunkt der Überarbeitung der Sportförderrichtlinien, die staatlichen Fördermittel noch schneller, zielgerichteter und mit weniger bürokratischem Aufwand an die Vereine zu bringen. Dieser Zielsetzung trägt zum Beispiel die Einführung eines Kleinantrags und die Umstellung der Finanzierungsart als Garant für eine höhere Verteilungsgerechtigkeit Rechnung. Ebenso gilt dies für die Verankerung des Kriterienkatalogs, der helfen soll, den Bedarf differenzierter zu erfassen und damit zu fördern. Darüber hinaus ermöglichen die neuen Richtlinien aber auch eine Beschleunigung der verwaltungsinternen Verfahren des BLSV.

bayernsport: Eine angemessene finanzielle Förderung für unsere Sportvereine ist notwendig. Die derzeitige Mittelsituation ist allerdings großen Schwankungen unterworfen. In diesem Jahr sind es erfreuliche 15,7 Millionen Euro, im nächsten Jahr derzeit nur 7 Millionen Euro, die zur Verfügung stehen. Das angestrebte Ziel, Vereinen nicht mehr als drei Jahre Wartezeit auf die beantragte Förderung zuzumuten, ist so nicht immer zu realisieren. In Baden-Württemberg gibt es zum Beispiel einen Sportpakt, in Niedersachsen wird derzeit ein Sportfördergesetz vorbereitet. Wäre dies nicht auch für Bayern der Weg, um eine bessere Planbarkeit zu erreichen?
Dr. Spaenle: Wir befinden uns gerade in der Aufstellung des Doppelhaushalts 2013/14. Der Bayerische Landtag wird den Haushalt nach gegenwärtiger Terminplanung Anfang Dezember verabschieden. Erst dann kennen wir die konkreten Haushaltsansätze und können Vergleiche zu den Vorjahren anstellen. Insofern kann derzeit nicht bestätigt werden, dass der Haushaltsansatz für das nächste Jahr in der Höhe verabschiedet wird, wie Sie ihn genannt haben.
Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass der Freistaat Bayern die notwendigen Mittel in ausreichender Höhe zur Verfügung stellen kann. Der Weg ist dabei grundsätzlich egal.
Niedersachsen gewährt künftig per Gesetz einen Mindestbetrag an Sportförderung. Geht es aber um Mehrforderungen des Sports wie in den vergangenen Jahren in Bayern wäre hierdurch nichts gewonnen. Vielmehr ist die Anhebung der Mittel wegen der Hürde einer gesetzlichen Festschreibung des Betrags eher schwieriger.
Die Bayerische Staatsregierung ist immer ein verlässlicher Partner des organisierten Sports gewesen. Und gerade deshalb setzt die Bayerische Staatsregierung alles daran, die Handlungsfähigkeit des Freistaats Bayern und damit die Rahmenbedingungen für eine ausreichende Förderung des Sports auch in Zukunft zu sichern. Der Schlüssel hierzu ist aber weniger ein befristeter Sportpakt oder eine auch kurzfristig änderbare gesetzliche Regelung, sondern eine verantwortungsvolle solide und nachhaltige Haushaltspolitik.

bayernsport: Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Vereine ist die Vereinspauschale. Beim BLSV-Verbandstag 2008 war es erklärtes Ziel des damaligen Ministerpräsidenten Günther Beckstein und unseres Präsidenten Günther Lommer, mindestens 30 Cent pro Berechnungseinheit zu ermöglichen. Davon sind wir derzeit ein gutes Stück entfernt. Gibt es da Hoffnung auf verbesserte Bedingungen?
Dr. Spaenle: Hier ist eine Klarstellung notwendig. Zu keiner Zeit war es Ziel der Vereinspauschale, die Höhe einer bestimmten Fördereinheit zu garantieren. Das kann ein solches System auch nicht leisten. Die Vereinspauschale ist ein Verteilungssystem auf Grundlage objektiver Kriterien. Die Schwankungen von Mitgliedereinheiten und damit die Schwankungen der Höhe einer Fördereinheit sind auch keineswegs zwingend mit einer finanziellen Schlechterstellung der Vereine verbunden. Viele Vereine erhalten trotz sinkender Fördereinheiten trotzdem mehr Geld. Die Diskussion über einen bestimmten festgelegten Betrag der Fördereinheit ist deshalb nicht sachgerecht und widerspricht der Natur der Fördereinheit als reiner „Berechnungseinheit“, wie Sie sie selbst bezeichnet haben.
Entscheidend ist vielmehr, dass seit Einführung der Vereinspauschale im Jahr 2006 der Freistaat Bayern diesen Förderbereich um nahezu 40 % aufgestockt hat.
 

Erfolgreiche Zusammenarbeit von Schule und Sportvereinen

Schulsport: fruchtbare Zusammenarbeit von Schule und Vereinen
Schulsport: fruchtbare Zusammenarbeit von Schule und Vereinen

bayernsport: Kommen wir zur Verbindung Ihrer beiden Zuständigkeiten, dem Bildungswesen in Bayern und dem Sport. G 8 und Ganztagsschulen sorgen für eine veränderte Schullandschaft. Wir sprechen von der Zunahme übergewichtiger Kinder mit reduzierten koordinativen Fähigkeiten. In einigen Schularten sind wir von den einstmals vier Sportstunden pro Woche weit entfernt. Unsere Erstklässler haben derzeit zum Beispiel nur zwei Stunden Sport in der Woche. Kann ein verstärktes Miteinander von Schule und Verein helfen, dieser Entwicklung zu begegnen?
Dr. Spaenle: Der Sportunterricht allein kann den Bewegungsmangel und die damit einhergehenden Folgen nicht kompensieren. Wie alle Erziehungsprozesse, kann auch eine langfristige positive Einstellung gegenüber einem gesundheitsbewussten Lebensstil, zu dem Sport, Bewegung und Ernährung insgesamt gehören, nur im Schulterschluss zwischen allen Verantwortlichen, aber auch den Eltern gelingen. Der Sportunterricht hat dabei das große Privileg und somit die einmalige Chance, alle Kinder und Jugendlichen zu erreichen.
Es ist deshalb die wichtigste Aufgabe des Sportunterrichts und des Schulsports nach dem Unterricht, möglichst viele Schülerinnen und Schüler zum Sport zu bringen und sie zu lebensbegleitendem und gesundheitsorientiertem sportlichem Handeln zu motivieren. Dies gelingt natürlich umso besser, wenn Vereine und Schulen partnerschaftlich zusammenarbeiten, um den Schülerinnen und Schülern ein umfangreiches und qualitativ hochwertiges Angebot zu unterbreiten, das unterschiedliche Interessen und Neigungen bedient. Der ungebrochen große Erfolg des Kooperationsmodells „Sport nach 1 in Schule und Verein“ belegt diese fruchtbare Zusammenarbeit. Hier verzeichnen wir eine Steigerungsrate von über 50 % in der laufenden Legislaturperiode auf über 3700 Kooperationen im vergangenen Schuljahr nachdrücklich. Somit kooperiert fast jede 3. Schule in Bayern im Rahmen von „Sport nach 1“ mit einem Sportverein. Darüber hinaus bietet der Ausbau der schulischen Ganztagsangebote große Chancen, das Sport- und Bewegungsangebot an bayerischen Schulen deutlich zu stärken und die wöchentlichen schulischen Bewegungszeiten der bayerischen Schülerinnen und Schüler zu erhöhen. Auch hier brauchen wir die Mitarbeit der Vereine, die ihrerseits wieder davon profitieren können: eine echte win-win-Situation.
 

Bayerischer Anteil an Medaillenerfolgen noch ausbaufähig

Nachwuchs-Wintersportler: Hier ist Bayern besonders erfolgreich
Nachwuchs-Wintersportler: Hier ist Bayern besonders erfolgreich

bayernsport: Kommen wir zum Leistungssport. Wie zufrieden ist der bayerische Sportminister mit dem Abschneiden der bayerischen Athleten bei den Olympischen Spielen in London?
Dr. Spaenle: Das Ergebnis deutscher Athleten bei diesen Olympischen Sommerspielen ist ja sehr erfreulich. Der bayerische Anteil an den Medaillenerfolgen scheint mir aber ausbaufähig. Schön wäre es, wenn die Sommersportverbände in Bayern von den erfolgreichen Konzepten anderer Verbände und Nationen sinnvolle und übertragbare Erkenntnisse übernehmen könnten. Der Kanuverband ist ja inzwischen seit vielen Jahren beispielgebend für ein erfolgreiches sportliches Konzept.

bayernsport: Wir freuen uns alle über Medaillen und internationale Erfolge. Im Wintersport ist Bayern traditionell sehr gut aufgestellt. Im Sommersport ist noch einige „Luft nach oben“. Vor zwei Wochen haben wir über eine neue Eliteschule des Sports in Nürnberg berichtet. Mit der Gründung der Bayerischen Sportstiftung hat der BLSV die Grundlage für eine effektive Nachwuchsförderung gelegt. Die Unterstützung hält sich dabei allerdings sehr in Grenzen. Wie bewerten Sie den Spitzensport-Standort Bayern?
Dr. Spaenle: Dass Bayern im Spitzensport sehr erfolgreich ist, ist eine Tatsache. Dass im Wintersport aber der Löwenanteil der bayerischen Erfolge errungen wird, ist durchaus Anlass, über Veränderungen nachzudenken. Allerdings bin ich nicht sicher, ob diese Veränderungen staatlicherseits notwendig sind. Schließlich gelten bei der Verteilung der staatlichen Fördermittel die gleichen Verteilungskriterien für den Sommer- wie Wintersport. Die Verbände sollten deshalb die Möglichkeit nutzen, notwendige Konsequenzen aus den offensichtlich unterschiedlich erfolgreichen Strategien für ihre künftige eigene Ausrichtung zu ziehen.
Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass wir unsere gute Position im deutschen Spitzensport noch weiter ausbauen können.

bayernsport: Herr Dr. Spaenle, vielen Dank für das Gespräch !

Das Interview führte Thomas Kern (BLSV-Geschäftsführer und Pressechef).

Quelle:
BLSV-Verbandsmagazin bayernsport, Ausgabe 41
Erscheinungsdatum: Dienstag, 09.10.2013

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