Lesen als entscheidende Schlüsselkompetenz

Leseförderung an bayerischen Schulen

Lesekompetenz ist ein entscheidender Schlüssel für schulischen und beruflichen Erfolg sowie für gesellschaftliche Teilhabe. Leseförderung ist deshalb, auch im Sinne der Chancengerechtigkeit, eine zentrale bildungspolitische Zukunftsaufgabe und beispielsweise im LehrplanPLUS im Rahmen der Sprachlichen Bildung als fächerübergreifendes Bildungs- und Erziehungsziel verankert.

Leseförderungsinitiative #lesen.bayern

Die mit dem Schuljahr 2018/2019 gestartete Initiative #lesen.bayern betont die Förderung der Lesekompetenz als Daueraufgabe aller Fächer und aller Schularten. Sie unterstützt die Schulen dabei, die Lesekompetenz der bayerischen Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen systematisch, über alle Bildungsetappen hinweg und fachspezifisch zu fördern. Der hierfür am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung erstellte Leitfaden „Fit im Fach durch Lesekompetenz“ und das Online-Unterstützungsportal www.lesen.bayern.de begleiten die bayerischen Lehrkräfte mit Methoden, exemplarischen Aufgaben und good practice-Beispielen.  Auch bei der Frage, wie die Leseförderung systematisch an der Einzelschule verankert werden kann, zeigt das Portal Wege auf: Es bietet sich an, die Leseförderung in bereits bestehende Strukturen bzw. schulische Konzepte wie etwa das Medien- und Methodencurriculum und beispielsweise Angebote des offenen und gebundenen Ganztags zu integrieren, um eine nachhaltige und systematische Verankerung an der einzelnen Schule, abgestimmt auf deren individuelle Bedingungen, zu gewährleisten.

Eine ausgebildete Leseflüssigkeit und ein souveräner, bewusster Umgang mit Lesestrategien sind Grundvoraussetzung dafür, dass Kinder und Jugendliche Texte – in gedruckter wie auch digitaler Form – sinnerfassend lesen können. Nur dann können Texte auch reflektiert, kritisch diskutiert und hinterfragt werden.

Die Initiative #lesen.bayern geht mit der Förderung der Lesekompetenz damit auch Hand in Hand mit den fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen der Medienbildung und der Politischen Bildung.

Lesekompetenz und Lesemotivation gehen in Hand in Hand

An den Schulen in Bayern gibt es bereits eine Fülle von Aktivitäten mit dem Ziel, bei Kindern und Jugendlichen Interesse an Büchern zu wecken und Lesefreude zu vermitteln. Mit Veranstaltungen wie Autorenlesungen, Vorlesewettbewerben und literarischen Exkursionen werden die Schülerinnen und Schüler für das Lesen begeistert. Auch die Wahl geeigneter, auf die Interessen und das Alter der Schülerinnen und Schüler abgestimmter Texte ist entscheidend, wenn es darum geht, die Lesemotivation zu fördern. Anregungen zu aktueller Literatur für Kinder, Jugendliche und (junge) Erwachsene sowie zu Buchklassikern bieten deshalb die im Portal veröffentlichten Rezensionen, die von den Gutachterinnen und Gutachtern des Arbeitskreises #lesen.bayern zu Titeln aus der Belletristik und zur Sachbuchliteratur erstellt werden. Diese enthalten neben einer Besprechung des Buchs didaktische Impulse sowie Hinweise zur Eignung (Jahrgangsstufe, fächer- und schulartübergreifende Bildungs- und Erziehungsziele, Fächer, Klassenlektüre). 

Vorlese-Initiative vorlesen.zuhören.bewegen

Eine wichtige Bedeutung kommt bei der (frühen) Leseförderung auch dem Vorlesen zu, das eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt. Kinder und Jugendliche, denen regelmäßig vorgelesen wird, lernen leichter lesen, verfügen über einen größeren Wortschatz und sind erfolgreicher in Schule und Beruf.

Die aktuelle Vorlesestudie 2019 der Stiftung Lesen, bei der 700 Eltern von zwei- bis achtjährigen Kindern befragt wurden, belegt abermals, dass 30% der Eltern ihren Kindern nie oder zu selten vorlesen. Diese Zahlen gleichen denen der Vorjahre (vgl. z. B. Vorlesestudie 2013). Die Empfehlung der Stiftung Lesen lautet, Kindern täglich 15 Minuten vorzulesen. Vorlesen zahlt sich aus:

 „Vier von fünf der Vorlesekinder fällt das Lesenlernen in der Grundschule leicht – aber nur der Hälfte der Kinder, denen nicht vorgelesen wird. Letztere sind auch häufiger frustriert, weil ihnen das Lesenlernen zu lange dauert. Aber nicht nur in Deutsch, auch in Mathe und Fremdsprachen haben die Kinder mit Vorleseerfahrungen bessere Noten als Kinder ohne. Vorlesen soll darüber hinaus den Gemeinschafts- und Gerechtigkeitssinn der Kinder fördern.“ (Stiftung Lesen)

Anlässe wie der bundesweite Vorlesetag oder der Welttag des Buches stellen hervorragende Möglichkeiten dar, die Bedeutung des Vorlesens und des Lesens mit Aktionen bewusst zu machen und diese Tage als besondere „Sternstunden“ einer kontinuierlichen (Vor-) Lesearbeit an Schulen zu gestalten.

Mittels der Aktion #lesen.bayern – vorlesen.zuhören.bewegen. wurde der bundesweite Vorlesetag 2019 zum Thema „Sport und Bewegung“ dazu genutzt, Kinder und Jugendliche nachhaltig zum Lesen zu motivieren und die Bedeutung des Vorlesens für die Lesesozialisation gesamtgesellschaftlich herauszustellen. Tipps, welche Bücher sich besonders gut zum Vorlesen eignen, finden Sie auf www.lesen.bayern.de/vorlesen

Kooperation

Bei vielen Aktivitäten zur Leseförderung spielt die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern eine entscheidende Rolle. Die Schulen brauchen für die Entwicklung einer positiven Einstellung zum Buch auch die Unterstützung und das Vorbild der Eltern. Bei der Gestaltung des literarischen Lebens an der Schule sind in erster Linie der Buchhandel, Verlage, Bibliotheken und Medien unverzichtbare Partner der Schulen.

Gütesiegel

„Bibliotheken – Partner der Schulen“

Seit 2006 wird vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus in Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst das Gütesiegel „Bibliotheken – Partner der Schulen“ vergeben. Ausgezeichnet werden öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken, die besonders intensiv und beispielhaft mit Schulen zusammenarbeiten. Weitere Informationen finden Sie hier.

„Partner der Schulen für die Leseförderung“ für Buchhandlungen

Weitere Informationen finden Sie hier.

Schulbibliotheken: Lesestoff in nächster Nähe

Gut sortierte Schulbibliotheken sind mehr als nur ein Bestandteil der schulischen Wissensvermittlung. Sie leisten beispielsweise auch einen wertvollen Beitrag beim Aufbau von Recherchekompetenzen sowie im sicheren und reflektierten Umgang mit neuen Medien und sind als Ort zum Schmökern, als Ort von Fantasie und Geschichten auch wichtig für die Entwicklung von Lesefreude.

Über den Auftrag sowie die Funktion von Schulbibliotheken gibt der „Praxisleitfaden Schulbibliothek“ umfassend Auskunft. Er unterstützt die Arbeit aller mit Schulbibliotheken betrauten Personen und gibt einen umfassenden, praxisorientierten Einblick in die Arbeit in und mit der Schulbibliothek. Zudem stehen an den Landesfachstellen der Bayerischen Staatsbibliothek in München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg vier teilabgeordnete Lehrkräfte als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung, die die Schulen in Bayern rund um das Thema „Schulbibliothek” unterstützen und beraten.

Die umfassende Arbeit der Schulbibliotheken, auch bei der Verankerung von #lesen.bayern, soll nun mit einem Gütesiegel gewürdigt werden. Analog zu den öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken, die als „Partner der Schulen“ schon seit 2006 mit einem Gütesiegel ausgezeichnet werden, wird 2021 zum ersten Mal auch die schulbibliothekarische Arbeit der bayerischen Schulen mit einem Prädikat gewürdigt. Bewerben können sich ab März 2020 Schulbibliotheken aller Schularten. Weitere Informationen finden Interessierte hier.

Startschuss für den Vorlesewettbewerb

Der von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels organisierte bundesweite Vorlesewettbewerb möchte die Schülerinnen und Schüler der sechsten Jahrgangsstufe zur Beschäftigung mit Kinder- und Jugendliteratur anregen und die Lust am eigenen Lesen fördern.

Vorlese-Funktion