Serbien

Schülerinnen und Schüler berichten von ihrem Auslandsjahr in Serbien

Ankunft im Gastland

Da ich dieses Jahr die einzige Gastschülerin in Serbien bin, verbrachte ich das Orientierungsseminar alleine beim serbischen YFU-Vorsitzenden und seiner Familie. In diesen drei Tagen zeigten mir einige YFU-Volontäre die Stadt, erklärten mir einige serbische Gewohnheiten und Sitten und unternahmen erste Versuche, mir die serbische Schrift Kyrillisch beizubringen.

Gastfamilie

In Serbien wurde ich dann herzlich von meiner Gastfamilie empfangen. Wir fuhren  nach Hause, wo es erst mal etwas zu essen gab. Die viel gerühmte Gastfreundlichkeit der Serben brachten sie wirklich deutlich zum Ausdruck.

 

Land und Leute

Serbien ist ein sehr sportbegeistertes Land. Darum war es auch nicht sehr schwer, einen neuen Handballverein zu finden.
Ich spiele nun beim „roten Stern Belgrad“, einem der bekanntesten serbischen Vereine. Auf Grund der zwei Schichten in der Schule gibt es jeden Tag zwei Trainingseinheiten. Eine um acht Uhr morgens und eine am Nachmittag und das jeden Tag.
Das Training hier ist viel strenger und die Spielerinnen haben viel mehr Respekt vor ihren Trainern als in Deutschland.
Jammern und Meckern gibt es nicht. Es herrscht ein ziemlicher Konkurrenzkampf zwischen den Spielern, den ich so in Deutschland noch nie erlebt habe. Die Serben sind, was ihre Hobbys angeht, ziemlich ehrgeizig und machen nichts halbherzig.

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An den Wochenenden gehe ich gerne mit meiner Gastmama auf den serbischen Markt, die Pijaza. Hier bin ich besonders gern, weil es so etwas in dieser Form in Deutschland nicht gibt. Es sind so viele Stände auf so geringer Fläche verteilt.
Die Leute drängen sich alle durch die kleinen Gassen und führen Unterhaltungen mit den Händlern oder irgendwelchen fremden Personen. Es wirkt alles so familiär und es herrscht so eine schöne, unbeschreibliche Stimmung.

Schule

Die serbische Schule unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht stark von der deutschen. Hier geht man eine Woche vormittags von acht bis ca. ein Uhr und eine Woche nachmittags von zwei bis ca. acht Uhr in die Schule.
Anfangs fand ich das ziemlich komisch und verwirrend. Mittlerweile aber habe ich mich an dieses neue Schulsystem gewöhnt und finde es ganz angenehm, wenn man vor dem Unterricht mal ausschlafen kann.

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Ein weiterer Unterschied sind die Klassenzimmer, in denen es, mit Ausnahme von manchen Fachräumen, keine Waschbecken oder elektronischen Geräte gibt. Wenn also die Tafel gewischt werden muss, muss erst jemand zur Toilette am Ende des Gangs gehen und den Schwamm nass machen.

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Während des Unterrichts wird, obwohl die Lehrer viel strenger sind als in Deutschland, viel mehr gelacht. Die Leute hier haben einfach einen guten Humor und können auch über sich und ihre Fehler lachen. Der Unterricht fällt mir dennoch recht schwer, obwohl ich die Sprache fast komplett verstehe. Das Niveau aber in Fächern wie Physik, Chemie und Mathe ist viel höher als in Deutschland.

Sprache

Kyrillisch ist die Amtsschrift in Serbien und wird auf Straßenschildern, aber auch bei offiziellen Dokumenten oder in der Schule verwendet. In manchen Zeitungen hingegen kommen beide Schriften noch bunt gemischt vor, genauso wie auf Ladenschildern. Mir fällt Kyrillisch ehrlich gesagt ziemlich schwer, da auch hier zwischen Schreibschrift und Druckschrift unterschieden wird und die meisten Lehrer in der Schule ziemlich unleserlich schreiben. Mittlerweile beherrsche ich aber die Druckschrift einigermaßen und kann auch schon die etwas längeren Texte aus den Schulbüchern lesen.

Zum Schluss: Betrachtungen und Erkenntnisse

Ich habe viele wertvolle und einzigartige Erfahrungen gesammelt und musste mich in eine vollkommen andere Kultur einleben, neue Freunde finden, mich auf einmal selbst um so viele Dinge kümmern. Auch wenn es vielleicht manchmal nicht so leicht war, habe ich so viele schöne Erlebnisse gehabt und so viele neue Leute kennengelernt. Es hat mich vielleicht ein wenig verändert, in der Art, wie ich manche Dinge wahrnehme. Ich hinterfrage sie nun viel öfter und denke mehr nach, bevor ich mir eine Meinung zu etwas bilde. In dieser kurzen Zeit habe ich so viel Neues gelernt, nicht nur in der Schule, sondern auch in Gesprächen mit anderen. Man beginnt plötzlich manche Denkweisen oder einem selbst komisch vorkommende Sitten und Traditionen zu verstehen.

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