Videos - Preisverleihung Herausragende Künstler erhalten Bayerischen Kunstförderpreis 2017

Video: Verleihung des Bayerischen Kunstförderpreises 2017

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Bayerischer Kunstförderpreis 2017: Sechzehn junge und kreative Künstlerinnen und Künstler sowie Ensembles bekamen für Ihre Leistungen in den Kategorien Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Literatur und Musik und Tanz den begehrten Förderpreis. Hier alle Preisträgerinnen und Preisträger im Video-Porträt ansehen!

Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle
Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle

„Ich freue mich, diese herausragenden Künstlerinnen und Künstler für die beeindruckenden Darbietungen ihres Talents mit dem Bayerischen Kunstförderpreis 2017 auszuzeichnen. Sie überzeugten die Jurys mit ihrem Schaffen in den unterschiedlichen Ausdrucksmitteln der bildenden und darstellenden Künste, Musik und Tanz, sowie Literatur“, sagte Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle bei der Verleihung der Bayerischen Kunstförderpreise.

Minister Spaenle betonte: „Der Freistaat Bayern fördert kreative Talente aktiv und unterstützt junge Künstlerinnen und Künstler auf ihrem Weg. Der Kunstförderpreis soll Anerkennung sein für ihr bisheriges Schaffen und gleichermaßen Motivation für die sechzehn Einzelkünstler und Ensembles, auch weiterhin unsere Kunstlandschaft zu bereichern.“

Der Bayerische Kunstförderpreis wird seit 1965 jährlich in den vier Sparten „Bildende Kunst“, „Darstellende Kunst“, „Musik und Tanz“ sowie „Literatur“ vergeben. Die Preisträger leben in Bayern, haben hier ihren Schaffensmittelpunkt und sind höchstens 40 Jahre alt. Zudem haben sie ihre Ausbildung abgeschlossen, verfügen über eine außergewöhnliche künstlerische Begabung und sind bereits durch herausragende Leistungen hervorgetreten. Die Preise werden vom Bayerischen Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst auf Vorschlag von Fachjurys vergeben. Die Auszeichnung ist mit 6.000 Euro dotiert. Bisherige Preisträger sind etwa Axel Milberg, Nina Kunzendorf, Michael Wollny, Klüpfel & Kobr, Nora Gomringer, Thomas Demand oder Loretta Lux.

Preisträger 2017 in der Sparte „Bildende Kunst“

Florentin Berner

Der 1987 in München geborene Florentin Berner konstruiert aus an sich wertlosen Materialien mit einfachen Mitteln geheimnisvolle Wesen. Spinnengewebartige Strukturen aus Schnüren ziehen sich durch den Raum, winzige Motoren bewegen auf kaum nachvollziehbare Weise kleine Skulpturen. So entsteht um Florentin Berner herum eine geheimnisbergende, verschlüsselte Welt der Illusion, die den Betrachter einlädt, in seine Wunderkammer einzutreten, wie die Jury befindet. Mit seiner Arbeitsauswahl für die Bewerbung zum Förderpreis überzeugte Berner die Jury mit einer hinreißenden Präsentation im Kleinen.

Andreas Chwatal

Andreas Chwatal, geb. 1982 in Regensburg, entwickelt seine Ideen primär in der Zeichnung. Zumeist in Tusche auf Papier gemalt, entstehen technisch beeindruckende Arbeiten in kleinen bis monumentalen Bildformaten, die in ihrer Weiterentwicklung als Skulpturen oder Installationen oftmals auch den architektonischen Raum ausfüllen. Die Jury hob die ungewöhnliche Präsenz und Wiedererkennbarkeit der Arbeiten Chwatals, ihre technisch meisterhafte Umsetzung und in der Komplexität ihrer Bildinhalte das Gespür für die Faszinationssehnsucht des Betrachters hervor.

Michael Seidner

Michael Seidner, Jahrgang 1985, in Nürnberg lebend, lässt sich als Archäologe seiner eigenen Malerei beschreiben. Immer wieder tritt er in eine intensive Auseinandersetzung mit seiner vorangegangenen Bildproduktion: Kratzend, schabend und schleifend legt Seidner Farbschicht für Farbschicht die Sedimente seiner ungegenständlichen Malereien frei, um so neue Formen entstehen zu lassen. Trotz dieser intensiven physischen Auseinandersetzung mit dem Material geht es Michael Seidner zugleich um eine maximal intensive und emotionale Bildwirkung. An Michael Seidners Werk schätzte die Jury die geheimnisvoll schillernde Aufgeladenheit seiner Malerei, in der sich eine sehr singuläre und kompromisslose künstlerische Haltung widerspiegele.

Johannes Tassilo Walter

Johannes Tassilo Walter, Jahrgang 1982, lebt und arbeitet in München. Den Künstler interessiert insbesondere, wie der Umgang mit Fläche, Farbe, Linie und Ornament im digitalen Zeitalter eine zeitgenössische Fortführung erfahren kann. Dabei lässt er sich vom Prinzip der Wiederholung leiten und seiner Erfahrung, dass derselbe Versuch mit anderen Materialien und Mitteln neue bildnerische Ergebnisse zustande bringt. Die Jury bezeichnete ihn als Malerei-Erforscher: Der Künstler verschreibe sich weder einer wiedererkennbaren Handschrift noch einem Stilprinzip und lege sich auch auf keine Technik fest, sondern verfolge ein experimentelles, ins 21. Jahrhundert erweitertes Verständnis der Malerei.

Christoph Weißhaar

Der diesjährige Spezialpreis „Schmuck und Gerät“ geht an den 1980 geborenen, in Nürnberg lebenden Künstler Christoph Weißhaar. Christoph Weißhaars Werk leistet laut Jury einen relevanten zeitgenössischen Beitrag in der aktuellen Diskussion zwischen Handwerk und Technik. Es verbinde auf beeindruckende Weise traditionelles Denken und Tun mit Experiment und Zukünftigem. Weißhaar betreibe eine intelligente Auseinandersetzung mit Arbeits- und Herstellungsprozessen: Sein außergewöhnlich großes Repertoire an Techniken verbunden mit einem feinen und humorvollen Gespür für Form und Gestalt der Dinge hält die Jury für zukunftsweisend.

Preisträger 2017 in der Sparte „Darstellende Kunst“

Svetlana Belesova

Die aus der Ukraine stammende Svetlana Belesova verfügt nach Ansicht der Jury über ein erstaunliches Maß an Lebenserfahrung und interkulturellem Gespür, wobei sich in ihrer Künstlerpersönlichkeit grandioses Handwerk, hohe Spielfantasie und vielfältigste Ausdrucksmöglichkeiten vereine. Insbesondere die Präzision ihrer Bewegungen, ihre Körperbeherrschung, aber auch die Konzentration und Genauigkeit ihrer Sprache, derer sie sich mit großer Bewusstheit bedient, würdigte die Jury. Svetlana Belesova schloss im Sommer 2017 mit großem Erfolg ihr Schauspielstudium an der Theaterakademie August Everding ab. Im Herbst 2017 tritt sie ihr Engagement am Staatstheater Nürnberg an.

Philip Dechamps

Der gebürtige Münchner Philip Dechamps ist seit 2014 am Residenztheater in München engagiert. Die Jury überzeugte seine Verkörperung des Pinocchio ebenso wie sein Engagement in Pasolinis „Schweinestall“ oder Molières „Tartuffe“. Die Darstellungen des außergewöhnlichen jungen Schauspielers weisen häufig weit über den Rahmen der Inszenierungen hinaus, so die Jury.

Julia Riedler

Bereits von ihrem ersten Auftritt in Nicolas Stemanns Inszenierung von „Der Kaufmann von Venedig“ an habe sich Julia Riedler als neuer Publikumsliebling an den Münchner Kammerspielen bewiesen, wie die Jury hervorhob. Dabei sei sie eine stets instinktsichere und achtsame Team-Playerin, die von Anfang an überzeugte.

Anna Pisareva

Die in Minsk (Weißrussland) geborene Sopranistin Anna Pisareva erhielt ihre erste Gesangsausbildung an der Belarussischen Musikakademie und schloss anschließend ihre Studien (Konzert- und Solistendiplom) an der Hochschule der Künste Zürich mit Auszeichnung ab. Seit der Spielzeit 2012/13 ist sie Ensemblemitglied am Theater Regensburg, wo sie u.a. die Mimi in „La Bohème“ von Giacomo Puccini oder die Gilda in „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi sang. Neben einer großen spielerischen Begabung war es vor allem ihre stimmliche Reifung von der Soubrette in Richtung lyrischer Sopran, die ihr Wertschätzung und eine große Fangemeinde in Regensburg beschert haben, so die Jury. Die Ausgewogenheit der Stimme in tiefen Lagen und in der Höhe mache sie zu einer Ausnahmesängerin, die in den verschiedenen musikalischen Genres immer auf höchstem Niveau mit einer ganz besonderen Qualität arbeite.

Preisträger 2017 in der Sparte "Literatur"

Paul-Henri Campbell

Paul-Henri Campbell, geboren 1982 in Boston, Massachusetts, lebt in Großwallstadt in Unterfranken. Er verfasst Lyrik und Prosa sowohl in englischer als auch deutscher Sprache. Ausgezeichnet wird er für seinen Gedichtband nach den narkosen (Wunderhorn 2017). Der Deutsch-Amerikaner Paul-Henri Campbell stellt in seinem Gedichtband einer sich zur Norm erhebenden gesunden Welt die Welt des Unglücklichen, des Leidenden entgegen. Campbell gelinge es, so die Jury, der Erfahrung von Krankheit und Todesnähe schonungslos radikal in „eindringlich-soghaften Bildern“ Ausdruck zu verleihen. Dabei gehe es Campbell nicht um Selbstmitleid, sondern um Welt-Eröffnung, um den Dialog mit dem eigenen leidenden Körper. Die Jury würdigte einen herausragenden Gedichtband in der gegenwärtigen Lyriklandschaft.

Dr. Mara-Daria Cojocaru

Mara-Daria Cojocaru wurde 1980 in Hamburg geboren und lebt heute in München. Die Lyrikerin wird für ihren zweiten Gedichtband Anstelle einer Unterwerfung (Schöffling & Co. 2016) ausgezeichnet. Die Jury würdigte Cojocarus poetisches Anliegen, die Tierwelt „als ein Gegenüber zu gestalten, das in all seiner Fremdheit und geheimnisvollen Eigenständigkeit erfahrbar wird“. Vor dem Hintergrund der christlichen Theologie und in geschliffener philosophischer Reflexion übt Cojocaru dabei Kritik an jeder Verniedlichung und Verzweckung von Tieren. Cojocaru lehrt als Dozentin für praktische Philosophie an der Hochschule für Philosophie SJ in München; mit der ethischen Grundhaltung ihrer Dichtkunst bearbeitet sie zentrale Fragen nach dem, was das Mensch-Sein ausmacht.

Kristina Pfister

Kristina Pfister wird für ihren Debütroman Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten ausgezeichnet, der 2017 im Tropen-Verlag erschienen ist. 1987 in Bamberg geboren, lebt Kristina Pfister heute in Nürnberg. Ihr Roman gibt ungewöhnlich tiefe Einblicke in das Lebensgefühl der sogenannten „Generation Praktikum“, die schon überall war und doch nicht weiß, wohin mit sich; die scheinbar alles gesehen hat und doch fürchtet, das Leben zu verpassen. Pfister, die Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften studiert hat, erzählt davon so lakonisch wie pointiert, so die Jury.  Die Jury würdigte den „genau beobachteten, inhaltlich überraschenden, dramaturgisch und stilistisch souverän durchgearbeiteten Roman“, dessen Entstehung durch die Bayerische Akademie des Schreibens begleitet wurde.

Preisträger 2017 in der Sparte "Musik und Tanz"

Viva Vassileva

Die aus Hof stammende Vivi Vassileva hatte bereits im Alter von 13 Jahren ihr Debut mit Orchester. Die Schlagzeugerin studierte an der Hochschule für Musik und Theater München bei Prof. Dr. Dr. Peter Sadlo. 2015 gründete sie mit vier weiteren Percussionisten das „Vivi Vassileva Quintett“. Zahlreiche Preise bei renommierten Wettbewerben belegen laut Jury die außergewöhnliche Qualität ihres Könnens. Neben ihrer brillanten Technik und ihrer atemberaubenden Virtuosität würdigt die Jury ihre Musikalität in Kombination mit poetischem Ausdruck. Sie sei eine kreative, vielseitige junge Künstlerin mit einer herausragenden Bühnenpräsenz.

Ensemble 11

Das Ensemble 11 wurde 2015 von der Jazzmusikerin Rebecca Trescher gegründet. Als dessen Leiterin komponiere sie für das Ensemble Stücke, die eine bestehende Balance zwischen musikalischem Abenteuer und elegantem Wohlklang aufweisen, so das Urteil der Jury. Darüber hinaus würden die Kompositionen die persönlichen Stärken der beteiligten Musiker geschickt nutzen. Die Jury hebt hervor, dass die Besetzung des Ensembles in keiner Weise den bewährten Ensemble-Bausätzen jazzkompositorischer Ambitionen folge. Dies sei die Grundlage für eine frisch anmutende Symbiose aus Jazz und zeitgenössischer E-Musik. Die künstlerische Qualität des Ensembles zeige sich laut Jury sowohl in den Einzelmusikern als auch insbesondere in der Arbeit der Bandleaderin.

Johannes Öllinger

Der gebürtige Gräfelfinger Johannes Öllinger wurde im Jahr 2000 mit dem 1. Bundespreis bei „Jugend musiziert“ ausgezeichnet. Er studierte in Berlin und Würzburg Gitarre. Die Jury lobt, dass er als Solist wie als Kammermusiker in den unterschiedlichsten Kontexten mit instrumentaler und musikalischer Qualität überzeuge. Der Musiker besteche durch die Vielseitigkeit seines Repertoires, das von alter Musik über klassische Gitarrenstücke bis zu aktuellen Erscheinungsformen mit Elektronik, Elektrogitarre und performativen Elementen reicht.

Moritz Stahl

Der in Augsburg geborene Moritz Stahl gehörte hochkarätigen Ensembles wie dem Landesjugendjazzorchester Bayern oder dem Bundesjugendjazzorchester an. Während seines Studiums an der Hochschule für Musik und Theater München habe er sich als fester Bestandteil der Münchner Jazzszene etabliert, so die Jury. Bereits heute sei er eine eigenständige Stimme in der Tradition der großen Tenorsaxophonisten. Sein Balladenspiel mit klanglichen und dynamischen Nuancen, differenziertem Vibrato, melodischem Erfindungsreichtum und Mut zur Reduktion ist für die Jury meisterlich.

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