Reformationsjubiläum 2017 Bayern blickt auf bedeutende Orte der Reformation und Gegenreformation

Luther beim Verhör durch den Kardinallegaten Thomas de Vio von Gaeta (Cajetan) 1518 in Augsburg (für aktuelle Veranstaltungen bitte Bild klicken)
Luther beim Verhör durch den Kardinallegaten Thomas de Vio von Gaeta (Cajetan) 1518 in Augsburg (für aktuelle Veranstaltungen bitte Bild klicken)

Das historische Erinnern und Gedenken steht 2017 im Zeichen des Reformationsjubiläums von Luthers Thesenanschlag vor 500 Jahren, am 31. Oktober 1517 in Wittenberg. Bayern - in seinem heutigen territorialen Umriss - ist bei diesem Erinnern ein Sonderfall.

Große Teile des Landes waren durch Reformation und Gegenreformation geprägt; dieses Konfliktgeschehen wie diese Pluralität mit ihren politischen und kulturellen Folgewirkungen unterscheiden Bayern von der mitteldeutschen Ausgangsregion der Reformation.

Die zweite wesentlich bayerische Besonderheit ist die herausgehobene Rolle der damaligen „oberdeutschen“ Metropolen Augsburg und Nürnberg. Nürnberg war Zentralort des Heiligen Römischen Reiches, dazu nach heutigem Verständnis Medien- und Kommunikationszentrum. Die Augsburger Reichstage von 1530 (Vorlage der „Confessio Augustana“) und 1555 (Religionsfrieden) hatten welthistorische Bedeutung.

In Coburg nahm Luther während des Augsburger Reichstages von 1530 seinen Aufenthalt, da er, unter der Reichsacht stehend, es nicht riskieren durfte, das Territorium des damaligen sächsischen Kurfürstentums zu verlassen. Die Stadt selbst, später wettinisch-ernestinische Residenzstadt in der sehr kleinteiligen thüringischen Territorialstruktur, gewann für die Ausprägung evangelischen Selbstverständnisses und evangelischer Kultur große Bedeutung. Nach einem Plebiszit wurde sie 1920 bayerisch.

Historische Stätten der Reformation und Gegenreformation - ihre Bedeutung und aktuelle Veranstaltungen

Das bayerische Veranstaltungsprofil zum Reformationsjubiläum wird im kommenden Jahr die Vielfalt des historischen Geschehens wie seine Schwerpunkte auf dem Boden unseres Landes und zugleich die  Bedeutung dieser Vergangenheit  für die Gegenwart reflektieren. Die hier vorgestellten Ergebnisse und Veranstaltungen stellen eine Auswahl der zahlreichen historisch bedeutsamen Orte ohne Anspruch auf Vollständigkeit dar.

Karte von Bayern Unterfranken Oberfranken Mittelfranken Oberpfalz Schwaben Niederbayern Oberbayern

Oberbayern

Burghausen

Datum: 1629
Ereignis: Aktivitäten von Jesuiten
Geschehen: Errichtung eines Jesuitenkollegs.

Freising/Passau

Datum: 1571
Ereignis: Diözesansynoden (Versammlungen der Kleriker einer Diözese zur Beratung des Bischofs)
Geschehen: Entwurf eines Reformprogramms im Zeichen der katholischen Konfessionalisierung.

Ingolstadt

Datum: 1549 - 1552; 1555/1556
Ereignis: Aktivitäten von Jesuiten
Geschehen: Berufung von Jesuiten an die Ingolstädter Universität (u. a. Petrus Canisius), in der zweiten Periode jesuitischen Wirkens in Ingolstadt Bau eines Kollegs und eines Gymnasiums; Ingolstadt zudem als Sitz des Provinzials der Oberdeutschen Jesuitenprovinz.

Landsberg

Datum: 1578
Ereignis: Aktivitäten von Jesuiten
Geschehen: Errichtung eines Jesuitenkollegs in Landsberg.

München

Datum: 5. März 1522
Ereignis: Erstes bayerisches Religionsmandat
Geschehen: Aufforderung an die Untertanen, beim „wahren” Glauben zu bleiben und am überlieferten Abendmahls- und Sakramentenverständnis sowie an der Marien- und Heiligenverehrung festzuhalten.

Datum: 2. Oktober 1524
Ereignis: Zweites bayerisches Religionsmandat
Geschehen: Aufzählung der neugläubigen „(Irr-)Lehren”, Zensur reformatorischer Schriften im Herzogtum Bayern, Befehl zur Rückkehr aller bayerischer Studenten in Wittenberg.

Datum: 19. Mai 1531
Ereignis: Drittes bayerisches Religionsmandat
Geschehen: Verbot aller vom alten Glauben abweichenden Lehren, Plädoyer für die Abschaffung von kirchlichen Fehlentwicklungen.

Datum: ab 1559
Ereignis: Aktivitäten von Jesuiten
Geschehen: Zur Förderung gegenreformatorischen Gedankenguts Gründung einer Jesuiten-Niederlassung in München.

Datum: 31. März 1556
Ereignis: Deklaration Herzog Albrechts V.
Geschehen: Bis zu einer Einigung in Religionsangelegenheiten Straffreiheit für den Laienkelch und das Fleischessen an Fasttagen.

Datum: Juni bis August 1564
Ereignis: Prozess gegen Adelige
Geschehen: Vorwurf der Verschwörung gegen den Herzog von Bayern mit dem Ziel, dessen Absetzung zu erwirken; Abbitte aller Angeklagten; Konsequenzen für die Grafschaft Ortenburg: 1566/76 Vergleich, durch Beschluss des Reichskammergerichts Erhalt der Selbstständigkeit der Grafschaft als evangelisches Territorium.

Datum: 30. September 1569 und 31. Oktober 1569
Ereignis: Mehrere landesherrliche Mandate zur Wahrung der katholischen Religion
Geschehen: Allgemeines Religionsmandat mit Verbot des „Auslaufens” (des Besuchs evangelischer Gottesdienste jenseits der Landesgrenzen) und der Schmähung des Katholizismus, Verpflichtung zum Studium nur in bestimmten Universitäten (Ingolstadt, Freiburg, Köln, Dillingen, Löwen, Douai), Partikularschulen (in den Bischofsstädten) und Jesuitenkollegien; Schulordnung mit religiöser Schwerpunktsetzung nach jesuitischem Vorbild; Zensurmandat u. a. mit Verbot aller nichtkatholischen Bücher; am 31. Oktober 1569: Einleitung einer Visitation mit Überprüfung des Befolgens herzoglicher Religionsnormen (Gottesdienstbesuch, Kommunion ohne Laienkelch usw.) durch die Untertanen.

Datum: 1570/73
Ereignis: Errichtung des Geistlichen Rates
Geschehen: Geistlicher Rat als Behörde aus drei weltlichen und vier geistlichen Räten unter Leitung des Dekans von St. Peter in München, zuständig für alle Religions- und Schulsachen, für die Überwachung des Klerus und für Kirchengüter.

Datum: 1576/80
Ereignis: Überführung der Reliquien des Meißener Bistumsheiligen Benno (1105/07 gestorben) nach München
Geschehen: Wiederbelebung der Wallfahrten als charakteristisches Zeichen der Gegenreformation.

München, Regensburg, Passau, Chiemsee
Datum:
15. September 1583
Ereignis: Konkordat, Vertrag zwischen Herzog Wilhelm V. und dem Erzbischof von Salzburg sowie den Bischöfen von Freising, Regensburg, Passau und Chiemsee
Geschehen: Einigung über Zuständigkeiten zwischen Staat und Kirche, Verzicht des Staates auf Strafgerichtsbarkeit über den Klerus, staatliche Aufsicht über kirchlichen Besitz, auch staatlicher Einfluss bei Besetzung von Pfründen und Prälatenwahlen, Besteuerungsrecht des Staates über kirchlichen Besitz.

Datum: 10. Juli 1609
Ereignis: Gründung der katholischen Liga durch einige katholische Reichsfürsten, unter anderem den bayerischen Herzog
Geschehen: Defensivbündnis zur Wahrung der religionspolitischen Interessen katholischer Reichsstände, zunächst für neun Jahre.

Datum: 1616 und 1638
Ereignis: Marienverehrung - Patrona Bavariae und Mariensäule
Geschehen: 1616 Aufstellung der Patrona Bavariae über dem Eingangstor der neuen Residenz und 1638 Aufstellung der Mariensäule auf dem Münchner Marktplatz - Zeichen der Beförderung des Marienkults in Zeiten katholischer Konfessionalisierung.

Veranstaltung(en):

Neuburg

Datum: 22. Juni 1542
Ereignis: Neuburger Religionsmandat
Geschehen: Klares Bekenntnis des Pfalzgrafen Ottheinrich zur reformatorischen Bewegung, Dokument auch staatlich-herrschaftlicher Kirchenaufsicht und einer Kirchenreform von Staates wegen, verfasst vom Nürnberger Reformator Andreas Osiander.

Datum: 1543
Ereignis: Neuburger Kirchenordnung
Geschehen: Organisation des protestantischen Kirchenwesens in Pfalz-Neuburg, von Andreas Osiander entworfen: Protestantismus mit deutlicher Nähe zu tradierten katholischen Formen der Messe und des Sakramentenverständnisses.

Datum: 1552
Ereignis: Neuburger Religionsmandat
Geschehen: Mit der erneuten Machtübernahme von Pfalzgraf Ottheinrich abermals klares Bekenntnis zur evangelischen Religion und erneute Einführung des Protestantismus in Pfalz-Neuburg.

Datum: 1554
Ereignis: Neuburger Kirchenordnung
Geschehen: Neu bearbeitet von Johann Ehinger, Michael Diller und Johann Brenz, klar der oberdeutschen Richtung der Reformation zuzuordnen; Einführung auch in der Oberpfalz, im selben Jahr Veröffentlichung einer Schul- und Eheordnung.

Datum: 1555
Ereignis: Pfalz-Neuburger Bildersturm
Geschehen: Pfalzgräfliches Mandat auf Grundlage der zweiten Kirchenordnung: Entfernung aller Bilder, Abbruch der Nebenaltäre in den Kirchen.

Datum: ab 1613/1614
Ereignis: Katholisierung Pfalz-Neuburgs
Geschehen: Konversion des protestantischen späteren Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm zum Katholizismus; ab 1614 als Pfalzgraf konsequente Katholisierung des Fürstentums Pfalz-Neuburg; 1615 zunächst Religionsmandat mit Gleichberechtigung des katholischen Kultus, Einführung des Gregorianischen Kalenders; 1617/1618 Verschärfung der Anordnungen: Zwang der Geistlichen und der Pfalz-Neuburger Untertanen zur Konversion, ansonsten Notwendigkeit, auszuwandern.

Veranstaltung(en):

Niederbayern

Landshut

Datum: Dezember 1553
Ereignis: Landshuter Landtag
Geschehen: Forderung des großen Ausschusses der Stände nach Kommunion in beiderlei Gestalt; Ablehnung dieser Forderung durch den bayerischen Herzog Albrecht V.

Datum: Dezember 1557
Ereignis: Konflikt zwischen Herzog Albrecht V. und den Landständen
Geschehen: Beschwerde der Landstände wegen Nichterfüllung der herzoglichen Deklaration durch die Bischöfe und Priester; scharfe Zurückweisung der landständischen Position durch Herzog Albrecht V.; dennoch Beschluss einer großen bayerischen Landesvisitation (bis 1560 durchgeführt).

Datum: 1629
Ereignis: Aktivitäten von Jesuiten
Geschehen: Errichtung eines Jesuitenkollegs in Landshut.

Ortenburg

Datum: 3./17. Oktober 1563
Ereignis: Bekenntnis der Grafen von Ortenburg zum evangelischen Glauben.
Geschehen: Anläßlich eines  Gottesdiensts in der Schlosskapelle auf Neu-Ortenburg Bekenntnis Graf Joachims von Ortenburg zur Reformation, am 17. Oktober 1563 erster öffentlicher evangelischer Gottesdienst in der Ortenburger Marktkirche - damit Einführung der Reformation durch Graf Joachim von Ortenburg in der reichsunmittelbaren Grafschaft Ortenburg; aufgegriffen u. a. in der Ausstellung „Evangelisch mitten in Bayern. 450 Jahre Reformation in Ortenburg”.

Datum: Ende 1563 bis Mai 1564
Ereignis: Konflikt zwischen Herzog Albrecht V. von Bayern und Graf Joachim von Ortenburg.
Geschehen: Besetzung Ortenburgs und der anderen Besitzungen der Grafen von Ortenburg durch Herzog Albrecht V.

Veranstaltung(en):

Passau

Datum: 2. August 1552
Ereignis: Passauer Vertrag
Geschehen: Passauer Vertrag zwischen protestantischen Reichsständen (unterzeichnet von Landgraf Wilhelm und Moritz von Sachsen) und Kaiser Karl V., eine politische Lösung zwischen Reich und Kurfürsten in der Glaubensfrage als wichtiger Schritt auf dem Weg zum Augsburger Religionsfrieden; Inhalt u. a.: Bildung eines gleichmäßig besetzten Ausschusses zur Beendigung der Religionsstreitigkeiten, kein Ausschluss der Anhänger des Augsburger Bekenntnisses vom Reichskammergericht.

Oberpfalz

Amberg

Datum: 1563
Ereignis: Evangelische Konfessionalisierung im Bildungsbereich
Geschehen: Gründung des Amberger Paedagogiums, einer Bildungsanstalt für Anwärter des Kirchen- und Schuldienstes, von Kurfürst Friedrich III. ins Leben gerufen, nach lutherischem Intermezzo ab 1585 wieder reformiert.

Datum: 22. März bis 1. Mai 1563
Ereignis: Huldigungslandtag der oberpfälzischen Stände
Geschehen: Forderung nach Garantie der lutherischen Religionsausübung anlässlich eines dem reformierten Protestantismus deutlich zuneigenden Kurfürsten Friedrich III., besonders Amberg dabei hervortretend.

Datum: 1628
Ereignis: Aktivitäten von Jesuiten
Geschehen: Errichtung eines Jesuitenkollegs in Amberg.

Neumarkt

Datum: 1534
Ereignis: Konversion des Pfalzgrafen Friedrich II. zum Luthertum
Geschehen: Bekenntnis des Pfalzgrafen Friedrich II. zum Luthertum im Rahmen eines evangelischen Abendmahlsgottesdienstes in der Hofkirche von Neumarkt.

Datum: 1538
Ereignis: Einführung der Reformation
Geschehen: Ermöglichung des Abendmahls in beiderlei Gestalt durch den oberpfälzischen Statthalter Pfalzgraf Friedrich II.

Datum: 1577
Ereignis: Kirchenordnung
Geschehen: Durch Kurfürst Ludwig VI. erlassen - Wiedereinführung des Luthertums im Gegensatz zum in der Oberpfalz vorherrschenden Calvinismus.

Neumarkt, Amberg, Nabburg, Tirschenreuth
Datum:
1592
Ereignis: Schwere Unruhen nach dem Conventus Classicus
Geschehen: Conventus Classicus als Belehrung der Geistlichen in der reformierten Lehre, angeordnet durch Johann Casimir, den Vormund des noch minderjährigen Friedrich IV., angeleitet von den vorwiegend lutherischen Bürgerschaften.

Datum: 1623
Ereignis: Katholisierung der Oberpfalz
Geschehen: Nach Erhalt der pfälzischen Kurwürde Friedrichs V. Beginn der Katholisierung der Oberpfalz durch den bayerischen Herzog und nunmehrigen pfälzischen Kurfürsten Maximilian I.  (Oberpfalz zunächst als Pfand Maximilians I.).

München/Neumarkt
Datum:
1628
Ereignis: Konversionszwang
Geschehen: Endgültiger Erhalt der pfälzischen Kurwürde für das Haus Bayern unter Maximilian I., Erlass eines Religionsmandats mit Zwang für alle Untertanen zur Annahme des katholischen Glaubens.

Regensburg

Datum: Juni/Juli 1524
Ereignis: Regensburger Konvent mit Bayern, Österreich und zwölf süddeutschen Bischöfen
Geschehen: Reformordnung noch über das in Mühldorf Beschlossene hinaus, Bündnis/Einung mit dem Ziel der Unterdrückung reformatorischen Gedankenguts und der reformatorischen Bewegung, umzusetzen von geistlichen und weltlichen Kräften; Grundlage für das zweite bayerische Reformationsmandat.

Datum: 1541
Ereignis: Regensburger Religionsgespräch im Rahmen des Reichstags
Geschehen:  Diskussion zwischen katholischen und protestantischen Theologen (u. a. Johannes Eck auf katholischer Seite, Philipp Melanchthon auf protestantischer), ohne Einigung in Religionsangelegenheiten.

Datum: 14./15. Oktober 1542
Ereignis: Einführung der Reformation in der Reichsstadt Regensburg
Geschehen:  Beicht- und Abendmahlsgottesdienste in dem vom städtischen Rat belegten Kirchenschiff der Dominikanerkirche und in der Marienkirche; Abendmahl unter beiderlei Gestalt - offizielles Bekenntnis der Reichsstadt Regensburg zum Luthertum; kurz darauf: Kirche zur Schönen Maria vom Rat zur Kirche der Protestanten ernannt - neuer Name: „Neupfarrkirche”.

Datum: 1543 - 1546
Ereignis: Organisatorische Durchführung der Reformation in Regensburg
Geschehen:  Einführung einer Kirchenordnung in Regensburg durch den städtischen Rat (1543),  einer Ehegerichtsordnung (1545) und schließlich der Pfälzischen Kirchenordnung (1546) als Grundlage für ein landesfürstliches Kirchenregiment.

Datum: 1552
Ereignis: Erlaubnis zur freien Religionsausübung
Geschehen:  Nach dem Augsburger Interim von 1548 faktische Katholisierung der Stadt, ab Frühjahr 1552 aber Erlaubnis zur freien Religionsausübung in der Reichsstadt Regensburg.

Datum: 1576, 1584, 1588
Ereignis: Diözesansynoden
Geschehen:  Entwurf eines Reform- und katholischen Konfessionalisierungsprogramms.

Datum: 1589
Ereignis: Aktivitäten von Jesuiten
Geschehen: Errichtung eines Jesuitenkollegs.

Sulzbach(-Rosenberg)

Datum: 1627/28
Ereignis: Katholisierung des protestantischen Pfalz-Sulzbach
Geschehen: Einführung des katholischen Glaubens durch Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm in der Deputatherrschaft Sulzbach gegen den Widerstand des Pfalzgrafen August.

Datum: 1649
Ereignis: Sulzbacher Simultaneum (Recht zur freien Ausübung des evangelischen und des katholischen Glaubens)
Geschehen: Wiedereinführung des evangelischen Glaubens in Pfalz-Sulzbach, „Sulzbacher Simultaneum”, also auch Miteigentum an allen Kirchen und Pfründen für katholische Einwohner Pfalz-Sulzbachs, Gotteshäuser in gemeinsamer Nutzung.

Oberfranken

Bad Rodach

Datum: 6. - 8. Juni 1529
Ereignis: Rodacher Abschied
Geschehen: Tagung der verbündeten evangelischen Fürstentümer und Reichsstädte, Ergebnis: im Falle eines Angriffs gegenseitiges Beistehen; Rodacher Abschied mit Einfluss auf Schmalkaldische Bundesverfassung vom 23. Dezember 1535.

Bamberg

Datum: 1522 - 1524
Ereignis: Reformatorische, sozialkritische Predigten Johannes Schwanhausers
Geschehen: Johannes Schwanhauser, Kustos des Kollegiatstifts St. Gangolf in der Theuerstadt, mit evangelischen, auch immer wieder soziale Missstände thematisierenden Predigten; anerkennende Äußerungen Luthers gegenüber Schwanhauser in einem persönlichen Brief Anfang März 1523; sofortiges Verteilen der Osterkollekte 1524 unter den Bedürftigen - Gegnerschaft des Domkapitels; im Herbst 1524 Vorgehen Bischof Weigands von Redwitz gegen Schwanhauser - Flucht des Predigers nach Nürnberg; im Frühjahr 1525 „Trostbrief an die Christlichen gemain zuo Bamberg” durch Schwanhauser, Verteidigung angesichts der ihm zur Last gelegten Vorwürfe der Verkündigung einer neuen Lehre.

Datum: 9. April 1525
Ereignis: Soziale und reformatorische Unruhen
Geschehen: Ausbruch des Aufruhrs gegen die Obrigkeit in der Bürgerschaft des Hochstifts, Vermischung von sozialen und religiösen Forderungen.

Datum: 1575
Ereignis: Visitation im Hochstift Bamberg
Geschehen: Ergebnis: Niedergang des alten Glaubens durch Versagen hoher und niederer Geistlichkeit, keine Erfüllung der pastoralen Aufgaben durch den Klerus.

Datum: Mitte 1586
Ereignis: Gründung eines Seminars
Geschehen: Eröffnung eines Seminars im Karmeliterkloster - gymnasiale Ausbildung von Schülern und geistliche Prägung von zukünftigen Priestern als Zeichen konfessioneller Bildungspolitik.

Datum: 1589
Ereignis: Verordnung im Zeichen der Gegenreformation
Geschehen: Erlass von Vorschriften zur intensiveren Glaubensunterweisung der Bevölkerung, zusammen mit einer Feiertags- und Fastenordnung durch Bischof Ernst von Mengersdorf.

Datum: Ende März 1594
Ereignis: Gegenformatorisches Religionsmandat Bischof Neidhardts von Thüngen
Geschehen: Zwang zum Übertritt aller Glaubensfremden zur katholischen Kirche bei empfindlicher Strafe, Landesverweis für Renitente; in der Folge mancherorts fehlende, ausbleibende Berücksichtigung des Mandats, Ausweisung von „häretischen” Prädikanten.

Datum: 1612
Ereignis: Bamberger Jesuitenkolleg
Geschehen: Gründung eines Jesuitenkollegs in Bamberg, Verpflichtung der Jesuiten auch zur Übernahme von Lehrverpflichtungen am Bamberger (Priester-)Seminar.

Datum: 1. September 1648
Ereignis: Aufwertung des Jesuitenkollegs zur Academia Ottoniana
Geschehen: Ausbau des Bamberger Jesuitenkollegs zur Akademie, feierliche Eröffnung der Academia Ottoniana, Rektorat und Kanzlerschaft in Händen der Jesuiten, nun reguläres Studium möglich.

Bayreuth

Datum: 1525
Ereignis: Reformatorische Anfänge
Geschehen: Anfänge reformatorischer Bewegung in der landesfürstlichen, dem Markgraftum Kulmbach zugehörigen Stadt Bayreuth; Bitte an den Markgrafen um Einführung des evangelischen Gottesdienstes abgelehnt.

Coburg

Datum: 24. August 1524
Ereignis: Einführung der Reformation
Geschehen: Erstmals im Fürstentum Coburg Beerdigung ohne Seelmesse und Vigilie (Totenamt), im Oktober 1524 Genehmigung der neuen Gottesdienstordnung, erarbeitet vom Coburger Reformator Balthasar Düring, dem Coburger Rat und den kurfürstlichen Abgesandten, durch Herzog Johann von Sachsen (später: Kurfürst Johann der Beständige).

Datum: 15. Apil - 4. September 1530
Ereignis: Martin Luther in Coburg
Geschehen: Aufenthalt größtenteils in der Veste Coburg während des Augsburger Reichstags, dort Verfassen von 16 wichtigen Bekenntnis- und Streitschriften, u. a. „Sendbrief vom Dolmetschen”; Aufenthalt auch des sächsischen Landesherrn, Philipp Melanchthons und Justus Jonas auf dem Hin- und Rückweg zum Reichstag.

Datum: ab Frühjahr 1542
Ereignis: Festigung der Reformation
Geschehen: Einrichtung eines Consistoriums durch Herzog Johann Ernst in der Pflege Coburg, vor allem mit Entscheid über Eheangelegenheiten betraut; Synode Mitte Oktober 1543 in Coburg: Abschaffung der Elevation in der Messe und der Messgewänder.

Datum: 1550 - 1552
Ereignis: Justus Jonas als Hofprediger in Coburg

Veranstaltung(en):

Forchheim

Datum: 1648
Ereignis: Förderung franziskanischen Lebens
Geschehen: Gründung einer Franziskanerniederlassung.

Kronach

Datum: 1648
Ereignis: Förderung franziskanischen Lebens
Geschehen: Gründung einer Franziskanerniederlassung.

Kulmbach

Datum: November 1548
Ereignis: Landtag in Kulmbach
Geschehen: Versuch des am alten Glauben festhaltenden Markgrafen Albrecht Alcibiades, eine dem Augsburger Interium entsprechende Kirchenordnung durchzusetzen - scheiternd am Widerstand der Stände und der Drohung der Geistlichen, geschlossen von ihrem Amt zurückzutreten; am 11. Januar 1549 Verkündung einer gemäßigteren Fassung der Kirchenordnung - ablehnende Stellungnahme evangelischer Prediger hierzu.

Mittelfranken

Altdorf

Datum: 1578
Ereignis: Gründung der Akademie in Altdorf bei Nürnberg
Geschehen: Ab 1583 mit ausschließlichem Recht der Prüfung und der Ordination für die in der Reichsstadt Nürnberg tätigen Geistlichen; Nürnberg damit außer Straßburg als einzige Reichsstadt mit einer theologischen Ausbildungsstätte.

Ansbach

Datum: 1. Oktober 1524
Ereignis: Landtagsabschied
Geschehen: Aufforderung, von Polemik in Glaubensfragen Abstand zu nehmen, Willensbekundung zur evangelischen Predigt.

Datum: 10. Oktober 1526
Ereignis: Landtagsabschied
Geschehen: Verabschiedung einer befristet gültigen Kirchenordnung (bis zu einem Konzil) mit Latein als Sprache der Liturgie, in Ausnahmefällen (Epistel, Evangelium und Taufe) Deutsch, Erlaubnis des Laienkelchs, allgemein landesherrlicher Zugriff auf die Kirche in den Markgraftümern Ansbach und Kulmbach.

Datum: ab 1528
Ereignis: Einführung der Reformation
Geschehen: Unter Markgraf Georg „dem Frommen” in den Markgraftümern Ansbach und Kulmbach Einführung der Reformation, Kirchen- und Schulvisitationen, beginnende Konfiskation klösterlicher Güter.

Ansbach/Kulmbach
Datum:
1535
Ereignis: Organisatorische Festigung des landesherrlichen Kirchenregiments
Geschehen: Erlass einer Eheordnung für die Markgraftümer Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach, in der Folge Errichtung von Konsistorien zunächst als Ehegerichte wie 1556 in Ansbach, 1567 in Kulmbach, schließlich 1580 in Ansbach, 1594 in Kulmbach Ausbau dieser Konsistorien zu kirchlichen Oberbehörden.

Dinkelsbühl

Datum: ab 1531
Ereignis: Einführung und organisatorische Festigung der Reformation
Geschehen: Nach Unruhen in der immer noch offiziell altgläubigen Reichsstadt (Annahme des Reichsabschieds von 1529 und 1530) sukzessives Einleiten der Reformation durch den Rat, Kauf des Patronatsrecht der Benediktinerpropstei Mönchsroth und Anstellen eines lutherischen Predigers, Bernhard Wurzelmann; Übernahme der brandenburgisch-nürnbergischen Kirchenordnung von 1533.

Datum: 1567
Ereignis: Gemeindliches, nicht stadträtliches Kirchenregiment
Geschehen: Durch kaiserliche Erlaubnis Errichtung eines Kirchenregiments aus zwölf von der Gemeinde in freier Wahl gewählten Kirchenpflegern - damit unabhängig von der Obrigkeit, dem reichsstädtischen Rat.

Eichstätt

Datum: 1519-1522
Ereignis: Reformatorische Anfänge
Geschehen: Thomas Venatorius als Geistlicher bei den Benediktinerinnen von St. Walburg tätig, Sympathisant Luthers, ab 1522 Prediger im Nürnberger Heiliggeistspital.

Datum: Herbst 1564
Ereignis: Bildung im Zeichen der Konfessionalisierung
Geschehen: Eröffnung des Collegium Willibaldinum für Gymnasiasten und Priesteramtsanwärter unter Bischof Martin von Schaumberg.

Datum: ab 1614
Ereignis: Aktivitäten von Jesuiten
Geschehen: Förderung der Jesuiten unter Bischof Johann Christoph von Westerstetten, Gründung eines Gymnasiums academicum.

Datum: 1623
Ereignis: Niederlassung der Kapuziner
Geschehen: Ansiedlung der Kapuziner in Eichstätt im vormaligen Schottenkloster, Bau einer Kirche mit Geldern des Fürstbischofs.

Hilpoltstein

Datum: 1627/28
Ereignis: Katholisierung der Deputatherrschaft Hilpoltstein
Geschehen: Einführung der katholischen Religion durch Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm gegen den Widerstand Pfalzgraf Johann Friedrichs in der Deputatherrschaft Hilpoltstein.

Nürnberg

Datum: 1522
Ereignis: Hinwendung des Rats zur Reformation
Geschehen: Besetzung der Predigerstellen an den Kirchen mit klaren Anhängern der lutherischen Lehre, Andreas Osiander und Dominikus Schleupner.

Datum: 1522/23
Ereignis: Reichstag in Nürnberg
Geschehen: Forderung nach einem Konzil zur Bewältigung der Glaubensspaltung.

Datum: März 1525
Ereignis: Nürnberger Disputation
Geschehen: Disputation zwischen neugläubigen Seelsorgern in Nürnberg und den von Ordensangehörigen vertretenen Altgläubigen: „Sieg” für die Lutheraner, daraufhin Verbot der Feier nach altgläubigem Ritus durch den Rat, Aus- und Aufbau eines städtischen Kirchenregiments.

Nürnberg/Weißenburg/Windsheim
Datum:
1530
Ereignis: Annahme der Confessio Augustana
Geschehen: Klares Bekenntnis fränkischer Reichsstädte zur lutherischen Lehre.

Datum: 23. Juli 1532
Ereignis: Nürnberger Anstand
Geschehen: Befristetes Moratorium im Glaubensstreit.

Nürnberg/Ansbach/Kulmbach
Datum:
1533
Ereignis: Veröffentlichung der brandenburgisch-nürnbergischen Kirchenordnung
Geschehen: Vorbild für weitere Kirchenordnungen im süddeutschen Raum, zugleich Dokument der Abkehr von der päpstlich-römischen Kirche und Einführung eines städtischen respektive landesherrlichen Kirchenregiments.

Datum: 1560/61
Ereignis: Nürnberger Kirchenvisitation
Geschehen: Ergebnis: Qualität der Geistlichkeit weniger problematisch als das theologische Unwissen der Gläubigen - Impuls zur Neuordnung des Kirchenwesens.

Veranstaltung(en):

Rothenburg ob der Tauber

Datum: 1522/23
Ereignis: Reformatorische Anfänge
Geschehen: Feier des Abendmahls in beiderlei Gestalt durch den Geistlichen Johann Teuschlein, Deutsch als Sprache des Gottesdienstes.

Datum: 23. März 1544
Ereignis: Einführung der Reformation
Geschehen: Prediger Thomas Venatorius mit erster evangelischer Predigt in der Jakobskirche, allerdings nach wie vor Toleranz der altgläubigen Predigt einiger Priester des Deutschen Ordens in der Reichsstadt; Mitte der 1540er-Jahre Einführung der brandenburg-nürnbergischen Kirchenordnung von 1533.

Veranstaltung(en):

Weißenburg

Datum: 1524
Ereignis: Reformatorische Anfänge
Geschehen: Ausweisung zweier lutherischer Prediger auf Geheiß des Eichstätter Bischofs, im Herbst Anstellung von Jakob Arpontius als evangelischem Prädikanten, Heirat von Arpontius im Februar 1525.

Datum: 1533
Ereignis: Einführung und organisatorische Festigung der Reformation
Geschehen: Einführung der brandenburgisch-nürnbergischen Kirchenordnung in der Reichsstadt, damit klares, entschiedenes Bekenntnis zur Reformation und Verbot altgläubiger Messen.

Windsheim

Datum: Oktober 1522
Ereignis: Reformatorische Anfänge
Geschehen: Mit Thomas Appel Berufung eines Lutheranhänges zum Prediger in der Reichsstadt Windsheim.

Datum: August 1524
Ereignis: Kreistag des Fränkischen Reichskreises
Geschehen: Annahme einer Deklaration mit 23 Punkten über strittige Glaubensfragen.

Datum: März 1525
Ereignis: Festigung der Reformation
Geschehen: Erwerb des Patronatsrechts durch die Stadt über die Pfarrei.

Unterfranken

Aschaffenburg

Datum: 31.10.1517
Ereignis: 95 Thesen
Geschehen: Martin Luther verfasst ein Anschreiben mit beigefügten 95 Thesen an seinen obersten Dienstherrn Kardinal Albrecht von Brandenburg. Albrecht ist in Personalunion Bischof von Halberstadt, Magdeburg und Mainz. In seiner Eigenschaft als Mainzer Bischof befindet er sich um diese Zeit in seiner Zweitresidenz Aschaffenburg, dort erreicht ihn der Luther-Brief.

Karlstadt

Datum: 1525
Ereignis: Reformatorische Anfänge
Geschehen: Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, mit erster evangelischer Predigt in Karlstadt.

Datum: ab 1573
Ereignis: Durchsetzung der Gegenreformation
Geschehen: Durchsetzung der Gegenreformation unter dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn, Vertreibung der Protestanten.

Datum: 1646
Ereignis: Niederlassung von Kapuzinern
Geschehen: Berufung von Kapuzinern nach Karlstadt zur Behebung des Seelsorgermangels.

Kitzingen

Datum: 1629/30
Ereignis: Katholisierung der einst evangelischen Reichsstadt
Geschehen: Berufung von Kapuzinern nach Kitzingen, nach dem Rückfall der Stadt ans Hochstift Würzburg, sofortiger Beginn der Katholisierung, Ausweisung von Prädikanten, Berufung katholischer Seelsorger, Aufforderung der Konversion an die Untertanen, Auswanderung von gut 1000 Einwohnern.

Miltenberg

Datum: 1522 - 1524
Ereignis: Reformatorische Unruhen in Miltenberg
Geschehen: Ab 1522 Dr. Johannes Drach (Draco/Draconites), ein Freund Luthers, als Prediger in Miltenberg, Ignorieren der Vorladung wegen lutherischer Predigt vor dem geistlichen Gericht des Mainzer Oberstifts in Aschaffenburg, 1523 Exkommunikation wegen Ungehorsams, Flucht aus Miltenberg; Brief Luthers an Drachs Anhänger vor Ort im Februar 1524 („Christlicher Trostbrief”), Ausschreitungen in Miltenberg.

Ochsenfurt

Datum: 1645
Ereignis: Niederlassung von Kapuzinern
Geschehen: Berufung von Kapuzinern nach Ochsenfurt zur Behebung des Seelsorgermangels.

Schweinfurt

Datum: 1523
Ereignis: Reformatorische Neigungen - und herrschaftlicher Widerstand
Geschehen: Einrichtung eines Gemeinen Kastens (einer Gemeindekasse für die Armen- und Sozialfürsorge). Im April 1525 Taufe in deutscher Sprache; nach den Ereignissen des Bauernkriegs Abflammen der reformatorischen Bewegung aus Angst vor Strafmaßnahmen des Würzburger Bischofs oder hennebergischen Vogts.

Datum: 1539
Ereignis: Rittertag der fränkischen Ritterschaft
Geschehen: Entschließung zur konfessionellen Neutralität nach außen; de facto Mehrzahl der Ritter mit lutherischer Präferenz.

Datum: seit 1542
Ereignis: Einführung der Reformation
Geschehen: Johannes Sutellius, Anhänger der Augsburger Konfession, als Geistlicher der Reichsstadt, offizieller Übergang zur neuen Lehre.

Datum: 12. Juni 1554
Ereignis: Erneuerung der Reformation
Geschehen: Eroberung und fast vollständige Zerstörung der Reichsstadt durch die Truppen Markgraf Albrecht Alcibiades'; trotz gegenreformatorischer Bestrebungen im Zuge des Wiederaufbaus auch Erneuerung des evangelischen Profils der Stadt.

Datum: 1587 bis 1594
Ereignis: Gescheiterte Katholisierung
Geschehen: Deutliche Versuche des Würzburger Bischofs Julius Echter von Mespelbrunn zur Katholisierung der Reichsstadt Schweinfurt, Mittel: Handelskrieg und Lebensmittelsperre, Ende dieser Versuche durch kaiserliches Mandat.

Veranstaltung(en):

Wertheim

Datum: ab 1524
Ereignis: Sukzessive Einführung der Reformation
Geschehen: Durch Graf Georg II. von Wertheim Umgestaltung des Kirchenwesens nach wittenbergischem Vorbild, bis 1530 Durchführung der Reformation.

Würzburg

Datum: 19. April 1518
Ereignis: Luther in Würzburg
Geschehen: Reise Luthers als Distriktsvikar des Augustinerordens zum Generalkapitel nach Heidelberg, Empfang durch Bischof Lorenz von Bibra in Würzburg und Erhalt des erbetenen Geleitbriefs.

Datum: Mitte 1520 - Anfang 1525
Ereignis: Reformatorische Anfänge
Geschehen: Zwei Anhänger Luthers als Inhaber der Dompredigerstelle: Paulus Speratus von Sommer 1520 bis November 1521, ab Sommer 1522 Johann Poliander (Gramann, Graumann) bis Februar 1525.

Datum: 1523
Ereignis: Kirchenreformatorische Ansätze
Geschehen: Weisung des Bischofs Konrad II. von Thüngen zur Entlassung aller Konkubinen von Priestern.

Datum: Spätherbst 1567
Ereignis: Förderung jesuitischen Wirkens
Geschehen: Eröffnung des neuen Jesuitenkollegs in Würzburg unter der Ägide Bischof Friedrichs von Wirsberg.

Datum: 1582
Ereignis: Gründung der Würzburger Universität
Geschehen: Eröffnung der Würzburger Universität mit ihrem Rektor, Bischof Julius Echter von Mespelbrunn, als Zeichen katholisch-konfessioneller Bildungspolitik.

Datum: 1585 bis 1588
Ereignis: Durchsetzung der Gegenreformation/Unterdrückung reformatorischer Gesinnungen
Geschehen: Gegenreformatorische Politik Bischof Julius Echters - Auswanderung von 700 bis 800 Untertanen, Konversion zum Katholizismus von mehreren 10 000 Hochstiftsangehörigen, Ausweisung von mehreren Dutzend Prädikanten.

Datum: 1589
Ereignis: Kirchenordnung für die Diözese Würzburg
Geschehen: Regelung der Liturgie, der Feier von Sonn- und Festtagen, der Sakramentenspendung und der Ausstattung der Gotteshäuser, Bestimmungen zum tugendhaften Leben, auch zum Schulwesen.

Datum: 1635/1636
Ereignis: Katholische Konsolidierung im Zeichen des Dreißigjährigen Krieges
Geschehen: Wiedereröffnung des Priesterseminars 1635 und der Universität 1636 durch Bischof Franz von Hatzfeld.

Schwaben

Augsburg

Datum: 7. bis 20./21. Oktober 1518
Ereignis: Luther in Augsburg
Geschehen: Aufenthalt Luthers in Augsburg im Rahmen des Augsburger Reichstags, Wohnung im Karmeliterkloster St. Anna, Anlass: Verhör durch den Kardinallegaten Thomas de Vio von Gaeta (Cajetan).

Datum: 1523 bis 1525
Ereignis: Reformatorische Anfänge
Geschehen: Zunehmendes Eintreten mehrerer Pfarrer für die lutherische Lehre: Johannes Schneid in Hl. Kreuz, Johannes Seifried in St. Georg und Johannes Schmid in St. Ulrich; Rücktritt von Johannes Frosch als Prior des Karmeliterklosters, Heirat von Frosch 1525, erste öffentliche Abendmahlsfeier unter beiderlei Gestalt am 25. Dezember 1525 in St. Anna.

Datum: 6. August 1524
Ereignis: Schilling-Aufstand
Geschehen: Volksauflauf vor dem Augsburger Rathaus wegen der Predigten des Franziskaners Johannes Schilling in der Barfüßerkirche; Predigten Schillings mit deutlicher Kritik an der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit, mit Resonanz besonders bei der städtischen sozialen Unterschicht; Volksunruhen mit Forderung der weiteren Predigterlaubnis angesichts von Kritik an Schilling durch den Rat; Gewähren der Predigterlaubnis durch den Großen Rat mit Auflage, treu zum Evangelium zu stehen, am 12. August 1524 per Ratsmandat Verbot von aufrührerischen Reden und Handlungen; Emigration Schillings im November 1524.

Datum: 25. Juni 1530
Ereignis: Confessio Augustana und Tetrapolitana
Geschehen: Vortrag der Confessio Augustana in der Kapitelstube der Bischofspfalz durch die Vertreter der lutherischen Reichsstände; zudem Vorlegen eines zwinglianisch orientierten Bekenntnisses, der „Tetrapolitana” (unterzeichnet u. a. von Memmingen und Lindau).

Datum: 3. August 1530
Ereignis: Confutatio
Geschehen: Gegenschrift, u. a. vom Ingolstädter Theologen Johannes Eck verfasst, die „Confutatio confessionis Augustanae” - darauf aufbauend Aufforderung durch Karl V. und die Mehrheit des Reichstages an die evangelischen Reichsstände, zum alten Glauben zurückzukehren.

Datum: 17. Januar 1537
Ereignis: Durchsetzung der Kirchenhoheit durch den Stadtrat; Bildersturm
Geschehen: Aufforderung des Rats an die Geistlichkeit der Stadt: Anschluss an die Oberhoheit des Rates als höchster theologischer Autorität, Emigration als einzige Alternative; Bildersturm in den katholischen Gotteshäusern.

Datum: 15. Mai 1548
Ereignis: Augsburger Interim
Geschehen: Verkündung auf dem Augsburger Reichstag nach dem Sieg der katholischen Partei unter Karl V. im Schmalkaldischen Krieg: Forderung an die Protestanten nach Anerkennung der katholischen Lehre, Rückkehr zur den herkömmlichen Arten des Glaubens, Priesterehe und Laienkelch - also Kelchkommunion für Nichtkleriker - weiterhin erlaubt.

Datum: 25. September 1555
Ereignis: Augsburger Religionsfrieden
Geschehen: Anerkenntnis des evangelischen Glaubens lutherischer Prägung, Festschreibung  der Grundsätze cuius regio, eius religio, ius emigrandi, paritätische Struktur in einigen Reichsstädten - eine Vertragsordnung mit jahrzehntelanger, befriedender Wirkung für das konfessionell gespaltene Reich.

Datum: 14. Juni 1559
Ereignis: Förderung jesuitischen, gegenreformatorischen Wirkens
Geschehen: Berufung von Petrus Canisius SJ zum Augsburger Domprediger durch den Augsburger Bischof Kardinal Otto Truchseß von Waldburg.

Datum: 1582
Ereignis: Gründung von St. Salvator
Geschehen: Gründung des Jesuitenkollegs St. Salvator - nunmehr als katholische Antwort auf das sich zur evangelischen Schule entwickelnde St. Anna, seit 1579 Anwesenheit von Jesuiten in Augsburg.

Datum: 1583
Ereignis: Kalenderstreit
Geschehen: Einführung des Gregorianischen Kalenders nach Ratsbeschluss; Protest der evangelischen Seite wegen Bruch des Religionsfriedens, zudem in den Folgejahren Streit wegen Berufungsrecht der Prädikanten (vom Rat eindeutig reklamiert).

Datum: 8. August 1650
Ereignis: Augsburger Friedensfest
Geschehen: Feier des ersten Augsburger Friedensfestes nach Aufhebung des Restitutionsedikts vom 6. März 1629 durch den Westfälischen Frieden, in Kraft getreten am 8. August 1629.

Veranstaltung(en):

Auhausen

Datum: 14. Mai 1608
Ereignis: Protestantische Union
Geschehen: Gründung der protestantischen Union durch evangelische Reichsstände, konzipiert als auf zehn Jahre hin angelegtes Verteidigungsbündnis - u. a. durch die Fürsten von Ansbach, Kulmbach und Pfalz-Neuburg, schließlich Beitritt u. a. des Grafen von Öttingen und einiger Städte wie etwa Nürnberg.

Burtenbach

Datum: Sonntag Judica 1546
Ereignis: Einführung der Reformation
Geschehen: Einführung der Reformation durch den Ortsherrn des Ritterguts Burtenbach, Sebastian Schertlin von Burtenbach.

Dillingen

Datum: ab 1548 (6. April 1551)
Ereignis: Gründung der Dillinger Universität als Zeichen gegenreformatorischer Bildungspolitik
Geschehen: Beschluss auf der Dillinger Diözesansynode: Gründung einer Universität in Dillingen, 1549 Gründung eines Kollegs, 1551 durch Papst Julius III. zur Universität erhoben, seit 1563 administrative Zuständigkeit des Jesuitenordens für die Universität.

Donauwörth

Datum: 27. Dezember 1544
Ereignis: Einführung der Reformation
Geschehen: Offizielle Berufung des Augsburger Dompredigers Wolfgang Mäuslin (Musculus) zum ersten evangelischen Stadtpfarrer.

Datum: ab 25. April 1606
Ereignis: Donauwörther Kreuz- und Fahnengefechte/Reichsexekution/Katholisierung
Geschehen: Störung von Bittprozessionen am Markustag, Klage des Augsburger Bischofs beim Reichshofrat in Wien; Grundlage: zunehmend rigide lutherische Konfessionspolitik des Donauwörther Rats, Beschränkung der Rechte der katholischen Minderheit um das Benediktinerkloster Heilig Kreuz; am Markustag 1607 erneute Prozession, angeführt von Prior Beck aus dem Hl.-Kreuz-Kloster, gestört von bewaffneten Teilen der Donauwörther Bürgerschaft, angeführt von Stadtammann Ulrich Hindenach, Handgemenge, Zerstörung der Fahnen des Hl.-Kreuz-Klosters und des Deutschordenshauses, Schändung eines Prozessionskreuzes; Reichsacht über die Stadt Donauwörth durch Kaiser Rudolf II. im November 1607 (Lossprechung am 23. Juli 1609), Reichsexekution und damit einhergehende Katholisierung in den Händen Herzog Maximilians I. (bis 1631 vollendet).

Kaufbeuren

Datum: ab 1524/25
Ereignis: Reformatorische Anfänge
Geschehen: Zunehmendes Ausbreiten der reformatorischen Bewegung in der Reichsstadt, ersichtlich am Stören etwa von katholischen Gottesdiensten, an deutschen Tauffeiern und dem Abendmahl in beiderlei Gestalt.

Datum: 31. Januar/1. Februar 1525
Ereignis: Disputation/Einführung der Reformation
Geschehen: Disputation nach dem Vorbild Memmingens, Ratsbeschluss: ausschließliche Predigt des reinen Evangeliums.

Datum: 5. August 1545
Ereignis: Annahme der Confessio Augustana
Geschehen: Beschluss des Kaufbeurer Stadtrats, in der Folge Entlassung der katholischen Geistlichen, Anschluss an den Schmalkaldischen Bund.

Datum: ab 1627
Ereignis: Aktivitäten von Jesuiten
Geschehen: Anwesenheit von Jesuiten in Kaufbeuren.

Veranstaltung(en):

Kempten

Datum: 1527
Ereignis: Ausbreitung der Reformation
Geschehen: Erster evangelischer Prediger in St. Mang, vom Rat bestellt: Jakob Haystung, ein Anhänger von Zwinglis Lehre.

Datum: 1533
Ereignis: Hinwendung zum reformierten Glauben
Geschehen: Beschluss des Rats der Reichsstadt zum Bildersturm in der Pfarrkirche St. Mang und den städtischen Kapellen, Entlassung zweier lutherischer Prediger, verstärkte Hinwendung zur zwinglianischen Richtung der Reformation.

Datum: 1551
Ereignis: Hinwendung zum Luthertum
Geschehen: Entlassung der zwinglianischen Prediger Christoph Zuckschwert und Johannes Scheuring, Hinwendung zur lutherischen Lehre in der Reichsstadt.

Lauingen

Datum: 1562
Ereignis: Einrichtung des Collegium illustre, einer Fürstlichen Schule
Geschehen: Gründung einer Fürstlichen Schule in Lauingen im Geist des Protestantismus.

Lindau

Datum: ab 1524
Ereignis: Einführung der Reformation
Geschehen: Änderung des Kirchenwesens durch den Rat der Reichsstadt im reformatorischen Sinn, Einflussnahme von Thomas Gassner als Lindauer Reformator; 1525 in der Stadtpfarrkirche St. Stephan erstmaliges Austeilen des Abendmahls in beiderlei Gestalt durch Gassner.

Datum: ab 1528
Ereignis: Gründung der Lindauer Lateinschule
Geschehen: im Zusammenhang mit der Einführung der Reformation 1528 und der Auflösung des dortigen Franziskaner-Klosters Gründung der Lindauer Lateinschule, Vorläuferin des heutigen Bodensee-Gymnasiums. Erster „Schulmeister“ wird Kaspar Heldelin: hat in Wittenberg u.a. bei Philipp Melanchthon studiert und bringt reformatorische Authentizität aus Mitteldeutschland in den Südwesten.

Datum: 15. Juni 1530
Ereignis: Bildersturm
Geschehen: Entfernung und Verbrennung aller kirchlichen Bilder.

Datum: 1532
Ereignis: Annahme der Confessio Augustana - Wechsel vom reformierten zum lutherischen Bekenntnis
Geschehen: Akzeptanz der Confessio Augustana durch die noch 1530 als Unterzeichnerin der Tetrapolitana fungierende Reichsstadt.

Memmingen

Datum: ab 1519
Ereignis: Reformatorische Anfänge
Geschehen: Öffentliches Bekenntnis des Predigers bei St. Martin, Dr. Christoph Schappeler, zu den Lehren Martin Luthers, 1524 erste Abendmahlsfeier mit Spenden des Laienkelchs, der Kelchkommunion für Nichtkleriker.

Datum: 2. bis 6. Januar 1525
Ereignis: Memminger Disputation
Geschehen: Disputation über sieben Thesen mit Christoph Schappeler in Gegenwart des städtischen Rats, Verurteilung der Ohrenbeichte, der Marien- und Heiligenverehrung, des Zehnten, des Messopfers, des Fegefeuers, des Kelchentzugs, des klerikalen Priesterverständnisses, nach weiteren Gutachten Erlaubnis für Geistliche, den Laienkelch zu gewähren, zu heiraten und das evangelische Abendmahl zu feiern.

Datum: 1528
Ereignis: Zwinglianische Kirchenordnung
Geschehen: Ausarbeitung einer eigenen Kirchen- und Zuchtordnung - im zwinglianischen Sinn, unter Einfluss des Konstanzer Reformators Blarer.

Nördlingen

Datum: 1522
Ereignis: Reformatorische Anfänge
Geschehen: Flugschrift „Von der evangelischen messz”, erste gedruckte Flugschrift mit Forderung einer Abendmahlsfeier unter beiderlei Gestalt, verfasst vom Nördlinger Karmelitermönch Kaspar Kantz; am 31. Oktober 1522  Berufung des klar evangelischen Predigers Theobald Gerlacher Billicanus durch den Nördlinger Rat.

Datum: 1538
Ereignis: Einführung der Reformation
Geschehen: Verbot der katholischen Messe in der Reichsstadt.

Oettingen

Datum: 1542
Ereignis: Vertragliche Einigung auf Bikonfessionalität
Geschehen: Vergleich zwischen dem katholischen Haus Oettingen-Wallerstein und dem protestantischen Haus Oettingen-Oettingen bezüglich der religiösen Situation im Ort Oettingen, St. Sebastians-Wallfahrtskapelle darin als katholische Pfarrkirche, St. Jakobskirche als ausschließlich evangelische Pfarrkirche, im Prinzip bikonfessionelles Leben in der Stadt.

Augsburg, Nürnberg und Coburg in Zeiten von Reformation und Gegenreformation

Augsburg

Augsburg in Zeiten von Reformation und Gegenreformation

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts – und damit in der Zeit, in der die Anfänge der reformatorischen Bewegung liegen – spielt Augsburg eine entscheidende Rolle. Mit der schwäbischen Reichsstadt ist nicht nur eine wichtige Station im Leben des Reformators Martin Luther verbunden, im Rahmen der Augsburger Reichstage fielen auch Beschlüsse, welche für das Verhältnis von altem und neuem Glauben im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation entscheidend waren.

Martin Luther, der Verfasser der 95 Thesen, die unter anderem den Ablasshandel scharf kritisierten, hatte sich Mitte Oktober 1518 am Rande des Augsburger Reichstags vor Kardinal Cajetan, einem päpstlichen Sondergesandten, zu verantworten und ihm drei Tage lang Rede und Antwort zu stehen. Das Verhör endete, ohne dass Luther sich zum Widerruf seiner Thesen bereit erklärte. In der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober 1518 verließ er aus Angst vor einer möglichen Verhaftung die Stadt. In dieser breitete sich das reformatorische Gedankengut weiter aus – ein deutliches Zeichen dafür war die Heirat von Luthers Vertrautem Johannes Frosch im Jahr 1525, der als Prior des Karmeliterklosters St. Anna zurückgetreten war. Am Weihnachtstag desselben Jahres erhielten Gläubige dort erstmals das Abendmahl nach Luthers Vorstellung in beiderlei Gestalt, also mit Brot und Wein. Der Rat der Stadt zögerte allerdings mit einer eindeutigen Positionierung – auch, als 1530 auf einem weiteren Reichstag in der Stadt die zentralen Bekenntnisschriften der reformatorischen Bewegung verlesen wurden: Die „Confessio Augustana“, maßgeblich verfasst von Philipp Melanchthon, wies mit ihren 28 Artikeln aus der Sicht des lutherischen Bekenntnisses den Weg zu einer möglichen Verständigung mit den Altgläubigen. Die vier oberdeutschen Reichsstädte Straßburg, Memmingen, Lindau und Konstanz, welche eher von der Lehre Zwinglis als von der Luthers geprägt waren und sich der „Confessio Augustana“ nicht anschließen wollten, verkündeten 1530 auf dem Augsburger Reichstag ein eigenes Bekenntnis, die „Confessio Tetrapolitana“. Die in der „Confessio Augustana“ angestrebte Verständigung zwischen Altgläubigen und Protestanten kam jedoch nicht zustande, da die von Johannes Eck verfasste „Confutatio confessionis Augustanae“ diesem Ansinnen eine schroffe Absage erteilte. Der Augsburger Stadtrat selbst beschloss in den Jahren 1534 und 1537 nach langem Zögern die Einführung der Reformation in der Stadt. Allerdings trug diese weniger lutherische als vielmehr zwinglianische Züge. Kaum ein Jahrzehnt später wähnte sich die katholische Partei – gestärkt durch den Sieg über die Protestanten im Schmalkaldischen Krieg – in der Lage, die konfessionelle Kluft zu ihren Gunsten zu überwinden. Auf dem „Geharnischten Reichstag“ des Jahres 1548 dominierte Kaiser Karl V., der mit dem „Augsburger Interim“ die unmissverständliche Aufforderung an die Anhänger der Reformation sandte, zum alten Glauben zurückzukehren. Die Spannungen konnten erst im Jahre 1555 gemildert werden: Nach einem Fürstenaufstand wurde der „Augsburger Religionsfriede“ geschlossen. Darin wurde das Luthertum als Konfession anerkannt, gleichzeitig garantierte er den Landesherren, über die Religion ihres Landes bestimmen zu können („cuius regio, eius religio“). Untertanen, die mit der Konfessionsentscheidung ihres Landesherren nicht einverstanden waren, wurde das Recht zugesprochen, auszuwandern. In den religiös gespaltenen Reichsstädten, zu denen auch Augsburg zählte, sollte weiterhin Bikonfessionalität herrschen. Der Friede prägte das Reich zwar über viele Jahrzehnte, konnte aber nicht verhindern, dass sich die konfessionellen Spannungen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wieder verschärften – in Augsburg selbst etwa kam es 1583 zum „Kalenderstreit“, als die protestantischen Einwohner eine päpstliche Kalenderreform nicht akzeptieren wollen. Auch die Gegenreformation hinterließ ihre Spuren in der Reichsstadt: Jesuiten siedelten sich an und gründeten das Jesuitenkolleg St. Salvator als katholischen Gegenpol zu St. Anna, der Schule des protestantischen Bürgertums. Mit dem Dreißigjährigen Krieg erreichten die konfessionellen und machtpolitischen Auseinandersetzungen einen Höhepunkt. So wurden die Augsburger Protestanten im Verlauf des Krieges in ihrer Religionsausübung massiv eingeschränkt: Durch das Restitutionsedikt Kaiser Ferdinands II. wurden ihre Besitztümer konfisziert, dadurch waren sie gezwungen, ihre Gottesdienste unter freiem Himmel zu feiern. Den Westfälischen Frieden feierten sie demnach auch als Wiederherstellung ihres vormaligen Status – mit dem Augsburger Friedensfest, dessen mittlerweile lange Tradition am 8. August 1650 ihren Anfang nahm.

Literatur:

Thomas Kaufmann: Geschichte der Reformation, Frankfurt am Main und Leipzig 2009.
Rolf Kießling: Kleine Geschichte Schwabens, Regensburg 2009.
Heinz Schilling: Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs. Eine Biographie, München 2012.
Gerhard Taddey (Hg.): Lexikon der deutschen Geschichte bis 1945. Ereignisse – Institutionen – Personen. Von den Anfängen bis zur Kapitulation 1945, Stuttgart 1998.

Nürnberg

Nürnberg in Zeiten von Reformation und Gegenreformation

Der Weg der bedeutsamen Reichsstadt Nürnberg in der Reformation sollte beispielgebend für viele andere Städte werden. Anfänge eines reformatorischen Bekenntnisses lassen sich bereits zu Beginn der 1520er Jahre finden. Indem Andreas Osiander und Dominikus Schleupner, klare Anhänger Martin Luthers, zu Predigern an Nürnberger Kirchen bestellt wurden, gewann der neue Glauben an Boden, zunächst verbunden mit der Hoffnung, dass die Glaubensspaltung vermieden werden könne: Auf dem Nürnberger Reichstag von 1522/23 wurde die Forderung nach Abhaltung eines Konzils zur Diskussion und Überwindung der Differenzen zwischen Altgläubigen und Lutheranern erhoben. Ein entscheidendes Ereignis auf dem Weg zur offiziell reformatorischen Reichsstadt stellt die „Nürnberger Disputation“ dar: Bei diesem Streitgespräch von 1525, bei dem Anhänger der alten und neuen Lehre miteinander debattierten, trugen die lutherischen Prädikanten den Sieg über altgläubige Ordensmitglieder davon – so die Interpretation des Nürnberger Rats, der die Disputation zum Anlass nahm, um altgläubige religiöse Praktiken vollends zu verbieten und ein städtisches Kirchenregiment aufzubauen. Dass sich die reformatorische Haltung des Rats in den nächsten Jahren auch reichspolitisch niederschlug, verwundert daher kaum: Der Nürnberger Stadtrat schloss sich unumwunden den evangelischen Reichsständen, die auf dem Speyrer Reichstag von 1529 den Namen „Protestanten“ erhielten, an. Ein Jahr später reihte er sich unter die Städten und Territorien ein, die als Anhänger des Augsburger Bekenntnisses, der „Confessio Augustana”, galten. Unter außenpolitischen Zwängen – unter anderem fürchtete Kaiser Karl V. einen osmanischen Angriff – trat 1532 ein Reichstag in der fränkischen Stadt zusammen, die ja bereits ein Konzil zu Überwindung der Glaubensfrage  gefordert hatte. Da sich der Papst jedoch nicht zur Einberufung eines Konzils bereiterklärte, konnte Karl V. Einigkeit über konfessionelle Gräben hinweg nur erreichen, indem er einen Aufschub des Glaubensstreites per Dekret verordnete. Dieser sogenannte „Nürnberger Anstand“ oder „Nürnberger Religionsfriede“ vom Juli 1532 gewährte den Protestanten Sicherheit, weil er eine militärische Lösung des Konfessionskonflikts ausschloss und bis zur geplanten, baldigen Einigung auf einem Konzil Gültigkeit beanspruchte. Daher steht er in einer Linie mit den Verhandlungsergebnissen von Passau 1552 und Augsburg 1555, auf denen ebenfalls eine Verständigung der Religionsparteien erwirkt wurde. In Nürnberg selbst wurde die organisatorische Festigung des evangelischen Glaubens konsequent weiterverfolgt: Die brandenburgisch-nürnbergische Kirchenordnung etwa war von überregionaler Bedeutung und wurde zur Vorlage für andere, ähnliche Ordnungen, bei denen die Hoheit des Landesherrn oder eines Stadtrats über die Kirchen befestigt werden sollte. Beispielsweise bezog sich die Anfang der 1540er Jahre verabschiedete Pfalz-Neuburger Kirchenordnung auf ihr brandenburgisch-nürnbergisches Vorbild. Nürnberg, das in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch wegen seiner dezidiert reformatorischen Haltung aus dem reichspolitischen Fokus geriet und keine Reichstage mehr ausrichtete, profilierte sich weiterhin als evangelische Stadt: So demonstrierte der Rat mit der 1560/61 durchgeführten Kirchenvisitation, dass er auch weiterhin gewillt war, das städtische Kirchenregiment wahrzunehmen.

Literatur:

Thomas Kaufmann: Geschichte der Reformation, Frankfurt am Main und Leipzig 2009.
Heinz Schilling: Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs. Eine Biographie, München 2012.
Gerhard Taddey (Hg.): Lexikon der deutschen Geschichte bis 1945. Ereignisse – Institutionen – Personen. Von den Anfängen bis zur Kapitulation 1945, Stuttgart 1998.

Coburg

Coburg in Zeiten von Reformation und Gegenreformation

Als Teil der Pflege Coburg, die seit 1485 im Besitz der Ernestiner war, stand die Stadt naturgemäß nicht eben im reichspolitischen Fokus der Reformationszeit – gerade dies indes ermöglichte eine ungehinderte Verbreitung reformatorischen Gedankenguts und führte dazu, dass Coburg für ein halbes Jahr zum sicheren Aufenthaltsort Martin Luthers wurde.

Im Spätsommer 1524 dokumentierte eine Beerdigung, die ohne Seelmesse auskam, dass sich die reformatorische Gesinnung in der Stadt ausbreitete. Der neue Glauben stieß auf breite Unterstützung in Coburg. Nicht nur der Stadtrat, sondern auch Herzog Johann von Sachsen als kurfürstlicher Abgesandter unterstützten Balthasar Düring, den Coburger Reformator, bei der Abfassung einer neuen Gottesdienstordnung, die im lutherischen Sinn gehalten war. Wenig verwunderlich ist es daher, dass Martin Luther, über den der Kaiser die Reichsacht verhängt hatte, von der Veste Coburg aus das Geschehen auf dem Augsburger Reichstag verfolgte. Mehrere Monate lang, von Mitte April bis Anfang September 1530, weilte der Wittenberger Theologe in Coburg und hielt dabei regen Kontakt mit den Mitgliedern der kursächsischen Delegation in Augsburg. Er begleitete die Entstehung der „Confessio Augustana“ kritisch und verfolgte das Scheitern einer konfessionellen Einigung in Augsburg. Die Ruhe des Coburger Aufenthalts nutzte er unter anderem, um den „Sendbrief vom Dolmetschen“ und weitere Abhandlungen zu vollenden. Nach wie vor predigte er auch  – eine Sammlung seiner Coburger Predigen wurde wenig später in Wittenberg veröffentlicht. Gespräche mit Philipp Melanchthon und Justus Jonas, der zwischen 1550 und 1552 als Coburger Hofprediger wirken sollte, fanden in Coburg im Zuge der Hinreise zum und der Rückkehr vom Augsburger Reichstag statt. Anfang der 1540er Jahre sorgte Herzog Johann Ernst dafür, dass die Reformation in der Pflege Coburg auch organisatorisch gefestigt wurde: Er setzte ein Consistorium ein, das in Eheangelegenheiten urteilte; ebenso zeugen die wenig später verfügte Abschaffung der Messgewänder und der Wandlung in der Messfeier von der Durchsetzung des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses.

Literatur:

Thomas Kaufmann: Geschichte der Reformation, Frankfurt am Main und Leipzig 2009.
Heinz Schilling: Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs. Eine Biographie, München 2012.
Gerhard Taddey (Hg.): Lexikon der deutschen Geschichte bis 1945. Ereignisse – Institutionen – Personen. Von den Anfängen bis zur Kapitulation 1945, Stuttgart 1998.

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