Landesarzt Dr. Andreas Zapf im Interview Masern sind nicht harmlos

In den letzten Monaten ist die Zahl der Maserninfektionen stark angestiegen. Doch wie kann man sich und seine Kinder schützen? Dr. Andreas Zapf, Landesarzt im bayerischen Gesundheitsministerium, weiß Rat.

Herr Dr. Zapf, warum sollten Eltern ihr Kind impfen?

Dr. Zapf: Zum einen, weil sie es damit vor schwerwiegenden Infektions-krankheiten bewahren. Zum anderen, weil durch die Impfung von Kindern die Weiterverbreitung von Infektionskrankheiten verhindert werden kann. So sind auch Kinder und andere Personen geschützt, die der Arzt nicht oder noch nicht impfen kann. Nehmen wir die Masern-Mumps-Röteln-Impfung als Beispiel: Hier handelt es sich um einen Impfstoff, den man erst ab dem 11. Monat geben kann. Säuglinge, die noch nicht geimpft werden können, können an Masern erkranken. Für diese Kinder ist es wichtig, dass alle Personen, mit denen sie Kontakt haben, z.B. die Geschwister, Eltern oder die Kinder in Kindertageseinrichtungen geimpft sind und keine Masern an sie übertragen können.

Landesarzt Dr. Andreas Zapf
Landesarzt Dr. Andreas Zapf

Ist es nicht natürlicher, die Kinder die Krankheiten durchlaufen zu lassen?                                           

Dr. Zapf: Das halte ich für absolut verfehlt, denn all diese Krankheiten sind gefährlich. Die Masern z.B. sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern können zu Komplikationen bis hin zu Todesfällen führen. Dies kann man durch eine Impfung verhindern. Das Risiko einer Impfung ist unvergleichbar geringer als die Gefahr, schwerwiegende Komplikationen durch eine Masernerkrankung zu bekommen.

Diese Komplikationen sollten Eltern in ihre Überlegungen einbeziehen?                                                   

Dr. Zapf: Tatsache ist: Es gibt Nebenwirkungen bei Impfungen. Die Risiken werden aber aus meiner Sicht von einem Teil der Bevölkerung überschätzt. Die große Anzahl an Nebenwirkungen beinhaltet sehr überschaubare, vorübergehende Komplikationen wie eine Rötung oder einen Schmerz an der Einstichstelle oder eine kurzweilige Fiebersymptomatik. Wirklich schwere, ernsthafte Impfkomplikationen sind sehr selten. Die Qualität der Impfstoffe hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Zudem gibt es von Behördenseite ein ganz erhebliches Maß an Sicherheitsstandards.

Ist es vorstellbar, eine Krankheit durch das Impfen auszurotten?                                                  

Dr. Zapf: Ja. Weltweit ausgerottet sind die Pocken. Ein Beispiel für eine gelungene Impfung in Deutschland ist die Kinderlähmung. Noch in den 50er Jahren gab es gravierende Ausbrüche von Polio. In Deutschland konnten wir die Krankheit durch eine große Impf-Aktion Anfang der 60er Jahre in den Griff bekommen. Sind etwa 95% der Bevölkerung gegen Infektionskrankheiten wie Masern geimpft, geht man davon aus, dass die Infektionskette zum Erliegen kommt.

Also doch eine Impfpflicht?

Dr. Zapf: Ich persönlich bin skeptisch, ob die Möglichkeit der Impfpflicht bei uns in Deutschland greift. Die Rate der generellen Impfgegner ist überschaubar. Vor allem geht es um Eltern, die die Impfung vergessen oder den ausgemachten Termin beim Arzt nicht wahrnehmen. Was uns hier eher weiterbringt sind Information und eine Impfberatungspflicht. Wir sind da auf einem guten Weg. Bei Eintritt in eine Kinderkrippe oder Kindertagesstätte bekommen die Eltern durch ein Informationsblatt Aufklärung, dessen Erhalt sie bestätigen müssen.

Wo können Eltern sich darüber hinaus objektive Informationen holen?                                                      

Dr. Zapf: Informationen finden sie auf den Internetseiten des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. Auch das Robert Koch-Institut oder das Paul-Ehrlich-Institut informieren umfassend. Selbstverständlich ist auch der Haus- oder Kinderarzt sowie das örtliche Gesundheitsamt ein kompetenter Ansprechpartner.

Information: Dr. Andreas Zapf ist Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie Landesarzt im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege.

Das Interview ist auch erschienen in:

Vorlese-Funktion