Didacta 2014: Bayern-Tag rief große Resonanz hervor

Staatssekretär Bernd Sibler (2. von rechts) mit den Teilnehmern der Podiumsdiskussion zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht
Staatssekretär Bernd Sibler (2. von rechts) mit den Teilnehmern der Podiumsdiskussion zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht

Spannende Diskussionen und ein großes Publikumsinteresse: Knapp 11.000 der insgesamt rund 90.000 Besucherinnen und Besucher kamen aus Bayern. Erstmals gab es auf der didacta 2014 einen Bayern-Tag. Dort beschäftigten sich Top-Experten mit den aktuellen Bildungsfragen. Drei Foren boten Einblick in brandaktuelle Themen wie Online-Lernen, Inklusion oder die Erfolge des differenzierten Schulsystems.

Podiumsdiskussion zur Frage: „Welche guten Möglichkeiten des Einsatzes von social media und Online-Lern-Plattformen im Unterricht und der Lehrerbildung gibt es?“

Soziale Medien sind ein alltäglicher Bestandteil der Lebenswelt vieler Schüler. Ihr Einsatz im Unterricht ist aber datenschutzrechtlich und pädagogisch differenziert zu betrachten. Wie soziale Medien und Online-Plattformen sinnvoll in den Unterricht integriert werden können, diskutierte Staatssekretär Bernd Sibler zusammen mit Richard Heinen, Geschäftsführer Learninglab Universität Duisburg-Essen, Wolfgang Kraft, Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, und Diemut Kreschel, Projekt „Medienarbeit an der Schule mit Social Media“.

„Digitale Medien gehören heute zur Lebenswirklichkeit junger Menschen. Daher müssen wir von Seiten der Bildungspolitik Antworten auf diese neuen Lebenswelten geben. Wir müssen die Schülerinnen und Schüler dort abholen, wo sie sich tagtäglich aufhalten“, erklärte Staatssekretär Sibler. Er betonte besonders die neuen Möglichkeiten, die der Einsatz von Online-Lern-Plattformen im Unterreicht eröffne. Das bayerische Projekt „mebis - Landesmedienzentrum Bayern“ bietet unter anderem eine Mediathek mit über 11.000 hochwertigen Bildungsmedien eine Lernplattform mit virtuellen Lernräumen sowie ein digitales Prüfungsarchiv. „Wir wollen digitale Bildung stärker in den Unterricht einbringen, um unsere Schülerinnen und Schüler in ihrer Lebenswirklichkeit abzuholen und mit ihnen Bildungsprozesse zu gestalten. Unser Ziel ist es dabei, die ‚digitale Intelligenz’ zu fördern, die dabei hilft, mit dem rasanten Zuwachs an Wissen und an technischen Möglichkeiten sicher umzugehen“, so Sibler.

Podiumsdiskussion zur „Inklusion in der beruflichen Bildung“

Staatssekretär Bernd Sibler mit (v. links) Heidrun Görtler, Schulleiterin, German Denneborg, Ministerialdirigent im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, und Prof. Dr. Roland Stein, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Staatssekretär Bernd Sibler mit (v. links) Heidrun Görtler, Schulleiterin, German Denneborg, Ministerialdirigent im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, und Prof. Dr. Roland Stein, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

2011 hat der Bayerische Landtag ein fraktionsübergreifendes Gesetz zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention an den bayerischen Schulen beschlossen. Seitdem haben sich die bayerischen Schulen auf den Weg gemacht, die inklusive Schule vor Ort zu gestalten.

Über Inklusion in der beruflichen Bildung debatttierte Staatssekretär Bernd Sibler mit Prof. Dr. Roland Stein von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sowie Heidrun Görtler, Schulleiterin des Staatl. Beruflichen Schulzentrums Haßfurt. Die Moderation übernahm German Denneborg, Ministerialdirigent und Leiter der Abteilung Berufliche Schulen im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst.

Staatssekretär Bernd Sibler wies im Rahmen der Diskussion auf den Modellversuch „Inklusive berufliche Bildung in Bayern“ hin. Der Versuch sorgt dafür, dass mehr jungen Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine berufliche (Aus-)Bildung ermöglicht wird. Zentraler Ansatz des Konzepts ist die intensive Zusammenarbeit beruflicher Regeschulen mit Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung. Derzeit arbeiten neun Schultandems im Schulversuch mit. Nach erfolgreichem Verlauf ist eine bayernweite Umsetzung geplant.

Sibler betonte in der Diskussion: „Jeder junge Mensch in Bayern muss eine Berufsausbildung erhalten können, die ihm entspricht und mit der er seine Persönlichkeit entfalten kann. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen allgemeinen Berufsschulen und Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung werden beide Schularten zu inklusiven Lernorten, deren Lehrkräfte sich allen Jugendlichen – sei es mit oder ohne sonderpädagogischen Förderbedarf – gleichermaßen verpflichtet fühlen."

Heidrun Görtler hob hervor, dass die Aufgabe der Inklusion von ihrem Kollegium mit Begeisterung angegangen werde. In diesem Zusammenhang wies Staatssekretär Bernd Sibler darauf hin, dass Inklusion mittlerweile fest verankerter Bestandteil der Lehrerausbildung für alle Schularten sei. Professor Roland Stein erläuterte seine Vision einer gelungenen Inklusion: eine Gesellschaft, die alle Gruppen aufnimmt, in der niemand zurückbleibt.
 

Podiumsdiskussion zur Frage „Differenziertes Schulsystem oder Gemeinschaftsschule – was ist für die Schülerinnen und Schüler besser?“

Mit Staatssekretär Bernd Sibler diskutierten (v. links): Norbert Zeller, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, Prof. Dr. Werner Wiater, Universität Augsburg, Ingrid Ritt, Initiative pro Differenziertes Schulwesen und Heike Schmoll, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Mit Staatssekretär Bernd Sibler diskutierten (v. links): Norbert Zeller, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, Prof. Dr. Werner Wiater, Universität Augsburg, Ingrid Ritt, Initiative pro Differenziertes Schulwesen und Heike Schmoll, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Einige Pädagogen sind Verfechter der Gemeinschaftsschule. Aber ist es wirklich ein Vorteil, wenn alle Schüler möglichst lange gemeinsam lernen? Bayerische Schüler belegen schließlich im traditionell differenzierten Schulwesen in Vergleichsstudien regelmäßig die vordersten Plätze.
Mit Heike Schmoll (FAZ) diskutierten dazu Staatssekretär Bernd Sibler, Prof. Dr. Dr. Werner Wiater, Lehrstuhlinhaber für Pädagogik an der Universität Augsburg, Ingrid Ritt, Sprecherin der Initiative pro Differenziertes Schulwesen, und Norbert Zeller vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg.

Während Norbert Zeller in der Diskussion die Vorteile der Gemeinschaftsschule hervorhob, war sich Staatssekretär Bernd Sibler mit Ingrid Ritt einig, dass ein differenziertes Schulsystem unbedingt zu bevorzugen sei. Er betonte insbesondere, dass in einer Einheitsschule individuelle Förderung nicht in angemessenem Rahmen möglich sei. Schwache Schüler würden überfordert, starke dagegen unterfordert. Professor Werner Wiater bezog aus Sicht der Wissenschaft Stellung: „Bis heute gibt es keinerlei empirische Belege dafür, dass Schüler von einem möglichst langen gemeinsamen Lernen wirklich profitierten.“

Staatssekretär Bernd Sibler fasste zusammen: „Bayern bevorzugt daher ein differenziertes Schulwesen, das für alle Schülerinnen und Schüler passgenaue Lernangebote bereitstellt. Aufgrund der hohen Durchlässigkeit ist gewährleistet, dass es zu jedem Abschluss einen Anschluss gibt. So kann jeder junge Mensch eine erfolgreiche Bildungsbiographie durchlaufen.“
 

Rundgang auf der Messe: Digitalisierung im Blick

Staatssekretär Bernd Sibler informiert sich auf der Didacta über digitale Lernmedien
Staatssekretär Bernd Sibler informiert sich auf der Didacta über digitale Lernmedien

Beim anschließenden Rundgang über die Messe informierte sich Staatssekretär Bernd Sibler insbesondere über die Angebote der Digitalisierung. Diese böten sowohl für den Unterricht als auch für die Lehramtsausbildung völlig neue Möglichkeiten, die es zu nutzen gelte, so der Staatssekretär. Auf der Didacta bot sich hierfür eine Vielzahl an Anregungen, viele Aussteller stellten die neuen Medien ins Zentrum.

Staatssekretär Bernd Sibler mit den Preisträgern des Ohm-Gymnasiums Erlangen
Staatssekretär Bernd Sibler mit den Preisträgern des Ohm-Gymnasiums Erlangen

Zum Abschluss des gelungenen Bayern-Tags beglückwünschte Bernd Sibler eine Schülergruppe des Ohm-Gymnasiums Erlangen, die beim bundesweiten Wettbewerb "Ideen bewegen. Der Wettbewerb zur digitalen Schule" mit einem zweiten Platz ausgezeichnet wurde.

Die Schülerinnen und Schüler des Ohm-Gymnasiums dokumentierten im Projekt „Physik – Experimente – Online“ physikalische Experimente, die sie im Fach Elektrizitätslehre selbst durchführten. Die Experimente wurden multimedial, d. h. in Text, Bild, Audio, Video sowie mit Animationen, dokumentiert und veranschaulicht. Das Material bereiteten sie technisch und inhaltlich auf und gestalteten einen Online-Kurs auf einer Lernplattform. Dieser soll nicht nur für die Schülerinnen und Schüler des Ohm-Gymnasiums, sondern für alle bayerischen Schulen zugänglich sein. Im Rahmen des Projekts sollte erlernt werden, bekannte Techniken mit den Möglichkeiten der digitalen Medien zu kombinieren. Zu diesem Projekt sagte die Jury in der Laudatio: „Insgesamt handelt es sich um eine sehr schöne Umsetzung des Konzepts ‚Lernen durch Lehren’ im Physikunterricht, in dem digitale Werkzeuge optimal eingesetzt werden!“

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